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Corrida von Anya Bartels-Suermondt



Ästhetik, Schönheit, Leidenschaft, aber auch Tod


Die Journalistin und Fotografin Anya Bartels -Suermondt lebt seit 1995 in Spanien. Sie ist begeistert von der Welt des Stierkampfs. Diesem huldigt sie fotografisch im vorliegenden Buch durch eine Fülle wunderschöner Bilder.

Die eigentümliche Magie, die von der Ästhetik des in der Arena zelebrierteten Todeskampfes ausgeht, lässt den Betrachter der Fotos für eine Weile vergessen, dass der Stierkampf unter tierschützerischen Aspekten natürlich mehr als nur bedenklich zu bewerten ist.

In einem Vorwort berichtet die Fotografin von der " Tauromagie" und verdeutlicht, dass der Tod zwar der integrale Bestandteil der traditionellen "corrida" ist, aber mitnichten ihr zentrales Motiv.

Für sie verschmilzt in der Arena, während sie das Geschehen erlebt und erfühlt durch gemeinsame Ästhetik Stier und Mensch. Dadurch entsteht in ihren Augen Kunst.

Die Fotografin fragt sich u.a was selbst Nicht-Spanier so fasziniert an der "corrida"? Sind "corridas" Kunst, Tradition oder archaisches Ritual? Sind sie inszeniertes Theater oder gar sakrale Stille?

Besitzt ein Stierkämpfer Mut? Spürt er zuvor Angst? Wohnt der "corrida" Poesie inne? Weshalb befasst man sich innerhalb philosophischer Abhandlungen und in Gedichtsbänden sowie Gemäldezyklen mit dieser Kunstform, die von ihren Gegnern allerdings wohl eher als mörderisches Spektakel betrachtet wird?

Fünfzehn internationale Autoren versuchen auf diese Fragen im Buch Antworten zu finden. Unter ihnen Diego " El Cigala", ein Flamencosänger ( mehrfacher Grammygewinner) , der den Leser wissen lässt, dass "Toreo" Musik sei, weil die Stierkampfkunst einer Melodie folge. Diese Melodie sei untrennbar mit dem Flamenco verbunden. Beide Künste verursachten tiefe Leidenschaft.

Sowohl der Flamencosänger als auch der Torero müssen jede Sekunde bereit sein sich auszuliefern - mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen-.

Nur so erhebe sich die Seele, nur so entstünde der Zauber, die Kunst, die schließlich das mystische "duende" hervorbringe.

Bemerkenswert auch der Beitrag von Prof. Peter Englund, dem jüngsten Mitglied der schwedischen Nobel-Preis-Akademie.

Er verdeutlicht die soziologischen Hintergründe, weshalb arme aber zugleich schöne Jünglinge durch das Schwert und die " Capa" einst den einzigen Weg sahen sich aus der Armut und den Slums zu befreien.

So verdiente der Torero Lagartijo im Jahr 1882 ingesamt 150 000 Pesetas, das war fünfmal soviel , wie der Präsident des obersten spanischen Gerichts nach Hause brachte.

Englund reflektiert , weshalb gerade heute , in einer Zeit, wo man den Tod in aller Abgeschiedenheit vollzieht und ihn geradezu zu verleugnen sucht, sich andererseits eine Bessenheit gegenüber dem Tod entwickelt hat.

Alle weiteren Autoren unter ihnen Noel J. Chandler , Reinhold Beckmann, auch Prof. Heinz Berggruen, der ein enger Freund Pablo Picassos war, äußern sich ebenfalls facettenreich zur " corrida".

Picasso liebte den Stierkampf und hielt ihn in zahlreichen Kunstwerken fest. Es entstanden, so Kulturjournalistin Anne Linsel, ganze Zyklen, die die Tauromaquia dem Betrachter kunstvoll nahebringen.

Bevor ich mich jetzt den Bildern beschreibend zuwende, möchte ich die im Buch veröffentlichte lyrische Betrachtung Campinos zum Thema wiedergeben.

Blutrot

Wenn ich dem Land Spanien

eine Farbe zuordnen würde,

dann wäre es rot.


Rot für den Stolz und die

Leidenschaft der Menschen

Und rot für die Sonne

und das Blut in der Arena.


Die Fotografin zeigt auf den unzähligen Fotos ihre Eindrücke von Stierkämpfen. Die Menschenmassen in den Arenen, die kolossalen Stiere vor dem Kampf, die schönen, sehr schlanken Toreros, zunächst beim Ankleiden ihrer bunten , golddurchwirkten, reich besticktem Trachten, zudem die hübsch gekleideten "cuadrillas", mit ihren pinkfarbenen Strümpfen, die" picadores" auf ihren gepolsterten Pferden und die Arbeiter in der Arena.

Beeindruckend sind die ästhetischen Aufnahmen , die den Matador, das pinkfarbene Tuch und den Stier anfangs in beinahe harmonischer Bewegung zueinander zeigen. Von Aufnahme zu Aufnahme steigert sich der Kampf, der unverkennbar erotische Komponenten beinhaltet.

In den Gesichtern älterer, einst gewiss attraktiver Toreros entlarvt ein harter, lauernder Zug ihr jahrelanges Tun , das immer einer Aufforderung zum Tanz mit dem Tode gleichkommt.

Hinreissend schön jedoch sind die jungen Toreros, bei denen sich ausschließlich Feuer und Kühnheit in ihren Anlitzen spiegelt.

Auf einem zweiseitigen Foto kniet ein blonder Stierkämpfer, in seiner rechten Hand hält er das rote Tuch. Er hat dem Betrachter den Rücken seines Adoniskörpers zugewandt und blickt mit weichem, zugleich kämpferischem Profil in die Richtung, wo man den Stier vermutet, der aber auf dem Foto nicht zu sehen ist.

So schön muss Archill einst ausgesehen haben, der nicht mit einem Stier, sondern stattdessen mit der Amazonenkönigin Penthesilea im Kampf lag!
Natürlich strömt auch Blut, nicht nur aus den Körpern der Stiere, sondern auch aus den Gliedmaßen der Stierkämpfer, deren Augen im Kampf eine Wildheit erkennen lassen, die jener der Stiere in nichts nachsteht.

Ja, hier findet ein ein Sakraldienst statt. Hier werden Todesmut, Ästhetik, Angst, Triumph, Leichtsinn, Magie, Meditation, Besessenheit, Kapitulation, Konzentration und unendliche Einsamkeit dem geneigten Zuschauer entgegengebracht.
Ich bin fasziniert von der Erotik , die diesem Kampf innewohnt.

Wirklich beeindruckend!












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