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Selbstermunterungen (Edition Neue Texte) von Erwin Strittmatter

"Die Welt ist mir ein kaltes Haus ohne die gleichmäßige Wärme jenes Ofens, den man Liebe nennt." (Zitat Strittmatter)

Unsortierte Gedanken aus einem Zwischenbereich zwischen Ahnungen und Verdichtungen, so könnte man die wunderbaren Selbstermunterungen Strittmatters nennen.

Man muss sie gelesen haben, um zu verstehen, dass hier ein originärer Denker schreibt, einer der es versteht, Ungeahntem eine Heimat zu geben, es in Sätze zu kleiden. Wenn Strittmatter sagt: "Und ich will die Dinge so lange anschauen, bis sie zu sprechen anfangen", dann trifft er sich selbst bzw. die reiche Fülle dieser aphoristischen Aussagen.

Er sagt: "Mir scheint, es wird im Geschwindigkeitsrausch mehr selbstgemordet als im Alkoholrausch, und verbrecherisch wirds, wenn Geschwindigkeits- und Alkohlrausch zusammenwirken." Den Verkehr sieht er im Vergleich zum Krieg: "Begibt man sich heute mit einem KFZ in den Großstadtverkehr, ist die Gefahr, dass man wird, mindestens so groß, wie wenn man in früheren Zeiten in den Krieg zog."

Erwin Strittmatter hat ein erfahrungs-reiches Leben gelebt. Er war Sohn eines Bäckers, seine Mutter war übrigens Sorbin. Die Welt kennt er als Bäckergeselle, Kellner, Chauffeur, Tierwärter, Hilfsarbeiter, Amtsvorsteher, Redakteur, freier Schriftsteller. Seine breiten Empfindungen sind in diesem Buch wunderbar zusammengefasst, ohne Kategorien, so wie ihn morgens die Nacht erfasst hat: "Mit ruhigen, wohlgeordneten Gedanken schlafe ich ein, mit Gedankenwirrwarr erwach ich, also muss ich trachten, Kontrolle über die Nachtarbeit meiner Gedanken zu erlangen."