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Gesegnete Mahlzeit

Herr Jesus Christus, jeden Tag beschenkst du uns mit deinen Gaben,
Allein dein Wohlwollen an uns hat seinen Grund in der der Großmut deines Herzens,
das immer für uns geöffnet bleibt, jetzt und in Ewigkeit.
Amen
(Aus dem täglichen Tischgebet der Seitenstettner Mönche)

Irmgard M. Hofmann stellt in diesem Buch Rezepte aus der Stiftsküche Seitenstetten vor. Die Fotos hat der dortige Abt Mag. Berthold Heigl OBS realisiert. Man liest gleich zu Beginn von den kulinarischen Schätzen des Stiftsarchivs, so etwa einem Kochbuch von 1640, einem anderen aus dem Jahre 1873 und hier von einer Festtafel, die 11 Gänge umfasste.

Das "Seitenstettner Herrnlaibel" wird thematisiert. Es wurde bis vor 20 Jahren täglich für die geistlichen Herren dort gebacken. Danach folgen die Rezepte. Untergliedert sind diese in Rezepte für Erdäpfel, Fleisch und Fisch, Gemüse, Obst und Mehlspeisen. Mein besonderes Interesse gilt allerdings den Sonderrubriken: Erdäpfel historisch, Fleisch und Fisch historisch, Gemüse historisch, Obst und Mehlspeisen historisch.

Im Klostergarten von Seitenstätten baute man bereits 1621 Erdäpfel an und kreierte damals schon einen Kartoffelsalat, der sich von heutigen Erdäpfelsalaten kaum unterscheidet. Bemerkenswert sind auch die Fleischgerichte von 1640, so etwa das Rezept für ein gefülltes Spanferkel und ein ebenso altes Rezept für "ein gutes Süppchen über einen gebratenen Kapaun". Eine Grüne Soße und eine französische Kräutersuppe aus dem Jahre 1859 verdeutlichen, dass man sich vor 150 Jahren auch schon intensiv, um gesunde Kost bemühte. Die historischen Obst- und Mehlspeisen zeigen, dass bereits vor Zeiten dem Süßen nicht immer widerstehen konnte, aber trotz des Genusses von "Weichselknödeln" ein hohes Alter erreichte.

Die Rezepte aus der heutigen Klosterküche sind wirklich lecker. Sehr delikat ist der Kräuter-Erdäpfelsalat, in dem frischer Estragon für den letzten Kick sorgt, eine Kräuterhändel, das mit reichlich Bier bestrichen wird, eine Gartengemüsetorte, der Kräuter-Eierschmarren - hier spielen Brennesseln, Spitzwegerich, Sauerampfer, Zitronenmelisse, Schnittlauch, Petersilie, Estragon, Kerbel, Thymian und Basilikum eine nicht unwesentliche Rolle. Bei den Obst- und Mehlspeisen hat mir das Rezept für der "Topfenstrudel mit Blätterteig" besonders gut gefallen. Ideal ist der Strudel dann, wenn man ihn mit eingemachten Marillen belegt.
Dem Abt scheinen all die Speisen gut zu bekommen. Er sieht erstaunlich jung aus für sein Alter. Dies führe ich auf das Gute und Gesunde der Klosterküche zurück.

Empfehlenswert.