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Anmerkungen zu Hitler von Sebastian Haffner

Ein Standardwerk!,

Jedem, der sich intensiv mit den fatalen Verstrickungen und den Unmenschlichkeiten im Dritten Reich auseinandersetzen möchte, sei dieses Buch empfohlen. Wie in wenigen sonst, gelingt es Sebastian Haffner, die feinen Netze und Abhängigkeiten einer totalen Helden- bzw. Führergläubigkeit transparent zu machen und sie mit dem Charakter des AH zu verbinden. In einer verständlichen, klaren Sprache.


Unnötig hier, eine weitere Inhaltsangabe zu bringen. Ich möchte mich auf eine Stelle beziehen, die exemplarisch das Denken von Haffner erklärt und die in Zusammenhang steht zum 20 jährigen Jubiläum des Endes der DDR.

Haffner formuliert, dass nicht Kapitalismus und Sozialismus Gegensätze sind, sondern Sozialismus und Individualismus. "Eine Art Kapitalismus ist nämlich der Sozialismus im Industriezeitalter ganz unvermeidlich ebenfalls. Auch ein sozialistischer Staat muss Kapital akkumulieren, erneuern, erweitern; die Arbeitsweise eines Managers ist im Kapitalismus und im Sozialismus exakt die gleiche." Nach seinen theoretischen Ausführungen sagt Haffner gerne und zurecht: "Sprechen wir konkret." Die Entfremdung durch die Arbeit war für ihn im Westen identisch wie im Osten. Was die DDR zu den alten Bundesländern unterschied, und damit der Hitlerdiktatur glich, war der Zwang zum Glück in der Freizeit- bzw. Vereinsgemeinschaft.



"Das Schulkind gehörte zum Jungvolk im Dritten Reich, in der DDR den Jungen Pionieren, die Freie Deutsche Jugend war das Pendant zur Hitlerjugend, der Sport der DDR wurde ähnlich geregelt, ja noch perfektioniert etc. etc. Haffner nennt viele weitere Beispiele. "Hitler war in dieser Hinsicht unzweifelhaft Sozialist - ein sehr leistungsstarker Sozialist sogar - , dass er die Menschen zu diesem Glück zwang."



Haffner stellt die Frage in Richtung DDR in das Heute: "War es ein Glück"? Wenn man Ältere, die das Dritte Reich noch erlebt haben, befragt, stehen die Glückserlebnisse der Gemeinschaftsaktivitäten sehr stark im Vordergrund. Kraft durch Freude, durch Urlaube, Hitlerjugend, Abenteuer etc.: Diese erlebte "Glücksmauer" verhinderte ganz bewusst im Sinne Hitlers, hinter die wirklichen Absichten des Regimes zu blicken.



Haffner möchte und kann diese Frage natürlich nicht beantworten, aber auch ich habe heute das Gefühl im Gespräch mit ehemaligen Bewohnern der DDR, dass diese die Gemeinschaftserlebnisse als etwas Schönes und Bereicherndes ansehen. Etwas, das sie im individualisierten Egoismus der Westgesellschaft vermissen. Selbstverständlich ohne die zweifellos vorhandenen Übersteigerungen durch Profisportler bzw. Doping. Mich würde interessieren, wie Zeitzeugen diese Rolle der Gemeinschaftserlebnisse in der ehemaligen DDR einordnen würden.








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