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Das Hawelka

Was gibt es Schöneres als eine gepflegte Konversation in einem Kaffeehaus

Dieses Buch thematisiert eines der ältesten Künstlercafés Österreichs: das Café Hawelka. Eröffnet wurde es 1939 von Leopold und Josefine Hawelka. Dieses Café befindet sich noch immer im Familienbesitz. Die einzelnen Generationen und ihr Wirken vor Ort werden gut ausgeleuchtet.

Man erfährt zu Beginn Näheres über den Ursprung der Kaffeehauskultur und hier beispielweise, dass das erste Kaffeehaus der Welt eine kühle, unpersönliche Säulenhalle war. Das traditionelle Wiener Zeitungscafé und sein Ambiente kommt ebenso zur Sprache wie der "Sessel Nr. 14" aus der Thonet-Sammlung, der ein nicht hinwegzudenkendes Requisit der Hawalek`schen Bühne darstellt. Eine Besonderheit der Räumlichkeiten liegt in einer unveränderten Innenausstattung. Entworfen wurde diese von einem Schüler des Jugendstilarchitekten Adolf Loos. An den Wänden des Cafés kann man Bilder der Gäste bewundern, so etwa Gemälde von Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner.

Zur Sprache kommen die Unterhaltungsmöglichkeiten im Wiener Kafeehaus, wie etwa das Billardspiel. In den Fokus gelangt ferner aber auch das Interesse der geistigen Elite am Kaffeehaus, die nicht selten individuelle Stammgastkreise bildeten. Arthur Schnitzler, Peter Altenberg, Hugo von Hoffmansthal und Karl Kraus liebten diese Atmosphäre, aber auch die Damen von Adel hielten sich sehr gerne in Kaffeehäusern auf, um zu plaudern, vor allem aber, um die klassischen Kaffeevariationen zu genießen.

Im Buch werden verschiedene Kaffee-Eigenkreationen des Hawelka aber auch klassische Kaffeevariationen aufgelistet und es wird darüber berichtet, wie der Ober die akrobatischen Leistungen vollbringt, mit bis zu fünf beladenen Silbertabletts durch die schmalen Gänge zu jonglieren. Man liest von der Entwicklung des Hawelka in der Nachkriegszeit und wie es sich in den 50er Jahren zum beliebten Treffpunkt für Kritiker, Schriftsteller und Künstler entwickelte. Zum Kaffeehausadel zählten übrigens auch Oskar Werner und André Heller. Georg Danzer nannte das Café Hawelka "seine unsterbliche Heimat" und widmete ihm einen Lied. Der Text von "Jö schau" ist im Buch abgedruckt.

Sehr interessant sind die Kurzbiographien, im Rahmen des Gästebuchs. Heimito von Doderer, der Maler Ernst Fuchs, Friedensreich Hundertwasser, Helmut Qualtinger gehörten zu den Gästen. Man braucht keine Phantasie, um zu erahnen, wie kurzweilig und intellektuell ergiebig die Gespräche sich zumeist entwickelt haben werden.

Was gibt es Schöneres als eine gepflegte Konversation in einem Kaffeehaus?

Ein empfehlenswertes Buch, hübsch illustriert, mit vielen Fotos.

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