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Rezension: Denkanstöße über die Liebe

Wenn die Liebe euch ruft, folgt ihr.

wenngleich ihre Wege steinig und steil sind.

Und wenn sie euch umfängt, ergebt euch,

Auch wenn das Schwert, das ihre Umarmung birgt, euch verwundet.

Glaubt ihr, wenn sie zu euch spricht,

Wenngleich ihre Stimme eure Träume zerschmettern mag wie der Nordwind, der den Garten verwüstet.

Denn ebenso , wie die Liebe euch krönt, so wird sie euch kreuzigen. Sie fördert euer Wachstum, aber sie stutzt euch auch zurecht. (Khalil Gibran)

Die Germanistin Claudine Privitera hat in diesem Buch Texte, die sich mit Phänomenen rund um die Liebe befassen, zusammengestellt, die nach Somerset Maugham nur ein schlauer Trick der Natur ist, um das Fortbestehen der Menschheit zu garantieren und in den Augen des Dichtes Hölderin das Gelungenste, das Göttlichstein der Natur überhaupt darstellt.

Zu Wort kommen namhafte Autoren, wie etwa Prof. Davis M. Buss, Prof. Helen Fischer, Dr. Jellouschek , Prof. Paul Watzlawick und viele andere mehr. Die Texte beleuchten die erste Phase der Verliebtheit, die Kunst des Liebens, Eifersucht, Kontrollwahn und Zuviel - Lieben, Seitensprünge und Dreiecksbeziehungen, Lust, Last und List der Sexualität, Patchworkfamilien , Wochenendehen und Fernbeziehungen.

Was spielt bei der Wahl eines Partners eine Rolle?

Die Forschungsprofessorin Helen Fischer hält fest, dass die chemische Voraussetzung für die romantische Liebe ein erhöhter Dopaminspiegel ist. Menschen, die emotional erregt sind, durch Freude, Traurigkeit, Angst, Furcht, Neugierde oder ein anderes Gefühl sind besonders anfällig für die Liebe.

Weiter liest man, dass sich beide Geschlechter nicht selten zu Personen hingezogen fühlen, die sich geheimnisvoll finden. Dass Gegensätze sich anziehen , ist wissenschaftlich nicht haltbar, so Fischer. Sie verdeutlicht in ihrem Beitrag auch weshalb.

Der Psychologe John Gray lässt den Leser wissen, dass die größte Herausforderung am Beginn einer Beziehung darin liegt, die Anziehungskraft aufrechtzuerhalten und im Prozess des Kennenlernens wachsen zu lassen. Männer , so Gray , neigen dazu zu Anfang einer Beziehung zu viel über sich selbst und über ihre Theorien des Lebens zu sprechen und der Partnerin , die sie kennenlernen möchten ,nicht wirklich zuzuhören, weil sie glauben sie durch ihr Balz-Verhalten beeindrucken zu können. Das Gegenteil jedoch ist der Fall. Durch das Imponiergehabe stoßen sie die Partnerin ab.

Enttäuschungsphasen werden zum Prüfstein in der Liebe. Enttäuschung, so der Direktor der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich Jürg Willi, ist nicht der Beleg des illusionären Charakters von Verliebtsein. Sie ist deren sinnvolle Fortführung und Ergänzung.

Willi konstatiert, dass Verliebtsein zu Symbiose und Idealisierung der Beziehung führt, aber gerade Glück und Harmonie letztlich auf Dauer die Entwicklung einer Liebesbeziehung behindern können. Weil die Partner oft jahrelang unter Paradieserwartungen stehen, blocken sie aggressive Tendenzen und Streit ab. In solch einem Falle kann es bei Enttäuschungen schneller zur Trennung kommen, da die Symbiose und Idealisierung durch die Enttäuschung zerstört wird. Heute ist die Tendenz festzustellen, so Willi, sich zu trennen , wenn die Harmonie nicht mehr gewährleistet ist. Unglücklichsein gilt als verlorene Zeit .

Der Autor zeigt, dass es aber für das innere Wachstum eines Menschen notwendig ist andere Wege zu gehen .

Der Psychologe Bas Kast hält fest, dass die Serotoninkonzentration von Eifersüchtigen im Keller befindet, ähnlich wie es Zwangspatienten der Fall ist.

Studien haben ergeben , dass Männer und Frauen das Gefühl von Eifersucht in etwa gleichem Ausmaß empfinden, allerdings variiert der Auslöser je nach Geschlecht.

Prof. Buss weiß, dass man mit der Verheimlichung der Eifersucht vermeidet mit dem Rivalen auf unvorteilhafte Weise verglichen zu werden. Nicht selten stellt die Herabsetzung des Rivalen eine Methode dar das eigene Selbstwertgefühl wiederherzustellen. Die Herabsetzungstaktiken schließen häufig Pauschalurteile über die Persönlichkeit mit ein.

Viele eifersüchtige Menschen nehmen die Realität nicht oder nur verzerrt wahr, sehen Blicke und Gesten beim Partner, die faktisch nicht existieren, weil sie letztlich an Selbstwertproblemen leiden.

Sehr amüsant liest ich der Beitrag Martina Rellins über die kleine Typologie der Liebhaberinnen. Gezeigt werden die Verhaltensmuster von Gelegenheitstäterinnen, von Gewohnheitstäterinnen, von Romantikerinnen und von Huch - wie - konnte - mir - das - passieren Frauen. So liest man zu Beginn der Erläuterung , was man unter einer Gewohnheitstäterin zu verstehen hat, folgende Sätze: " Ich hatte eigentlich immer einen Liebhaber. Oder zwei... Die Frau, die da sagt , hat selbstverständlich auch immer eine Hauptbeziehung- sonst wäre der zweite( oder dritte) Mann nach ihrem Verständnis schließlich kein Liebhaber"

In solchen Fällen zeigt sich, wie stark das Selbstwertgefühl der einzelnen Männer ist!

Der Psychologe Glen Wilson schließlich hält fest, dass das Wiederholen eines positiven Reizes zu einer immer geringeren Reaktion auf diesen Reiz führt . Für Liebespaare , die sich länger kennen, wird Sex zwar nicht unwichtig, aber er verliert an Bedeutung. Die Bindungssubstanzen Oxytozin und Vasapressin lösen die Stoffe ab, die anfängliche Erregung und Verlangen auslösten. Sie sorgen für einen allmählichen Übergang von der schwindelerregenden Verliebtheit zu einer weniger spannenden , dafür aber tiefer gehenden Liebe.

Nach einer Studie von John Howard und Robyn Dawes von der University of Oregon gibt es eine simple Formel für die Zufriedenheit in einer Partnerschaft: Häufigkeit von Sex minus Häufigkeit von Streit.

Dabei kommt es nicht auf die absolute Häufigkeit von Sex und Streit an, sondern auf die relative Häufigkeit zueinander. Zufriedene Paare haben häufiger Sex als Streit miteinander, bei unzufriedenen ist es umgekehrt.

Wie sollte es auch anders sein?

Ein interessantes Buch , das unendlich viele Informationen zum Thema Liebe umfasst. Leider lassen sich in einer zeilenbegrenzten Rezension nur einige davon darstellen.

Das Autoren- und Quellenverzeichnis im Anhang schafft Interesse sich weiter in die Thematik zu vertiefen.

Schön , dass die Autorin auch Lyriker hat zu Wort kommen lassen und zwar mit wundervollen Versen, so auch mit einem schönen Gedicht von Mascha Kaleko, der großen galizischen Dichterin, deren 100.Geburtstag man im vergangenen Jahr gedachte.

Empfehlenswert!




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