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Rezension: Durchs wilde Kindistan: Zwischen Windeln und Wahnsinn

Echte Männer bestehen auch dieses Abenteuer.,
Karl May hatte wirkliche Phantasie, die ihm ein Leben voller Verfolgungen und Gefängnisaufenthalte, aber die wohl treueste deutsche Leserschaft einbrachte. Hans-Werner Meyer könnte dies ebenso ergehen. Er beschreibt sein Erleben als erziehender Vater, das oft darbenden Gefängnisaufenthalten gleicht, aber doch mehr als lohnenswert ist, ein Abenteuer, das letzte noch übrig gebliebene Abenteuer für echte Männer.
Der Autor schreibt auf Seite 13 völlig der Wahrheit entsprechend: "Das wilde Kindistan ist die letzte große Herausforderung, die uns (Männern) noch geblieben ist. Erst wenn dieses Land erobert ist, ergeben die Heldentaten überhaupt einen Sinn." Diese Passage war der Grund für mich, dieses spannende Buch zu lesen.

Keine Seite war langweilig. Hier schreibt ein wirklicher Mann, dem bewusst wird, dass bisherige Väter-Generationen Kinder überhaupt nicht gesehen, nicht wirklich erlebt haben. Sein Vater sagte ihm mit den Augen, als er das Baby zum ersten Mal in Händen hielt: "Den Beginn des Lebens, den habe ich irgendwie verpasst."
In allen Kapiteln (z.B. Eine seltenes Gebirgsblümchen: Sex im Vorgebirge der Schwangerschaft, In der Schlucht der Namensfindung, Im Tal des Staunens, Durchmarsch der Milch-Zahnitscharen, Vom Urlaut zur Sprache, Ich lass mich von so einem kleinen Scheisser nicht provozieren, Liste der noch zu erfindenden Dinge, Umgeben von der Höhenluft des Spielens) zeigt Hans-Werner Meyer sprachliches, eigenständiges Können und nähert sich dem Thema Erziehung durch den Vater so klug und behutsam, aber auch so distanziert und ehrlich wie ich es in diesem Zusammenhang noch nie gelesen habe.

Die Beschreibung des Gemütszustandes seiner schwangeren Frau - das kann wohl nur ein wirklich mit-fühlender, sich eindenkender Schauspieler zustande bringen. Alleine dieser Passage am Anfang gebührt Hochachtung.

Ich bin von diesem Buch begeistert und empfehle es nicht nur erziehenden Vätern, sondern auch Männern, die Erziehung primär der Mutter überlassen. Nach diesem Buch entwickelt sich ein ganz anderes Gefühl für familiäre Gemeinsamkeiten und möglicherweise schenken Männer ihren Frauen zukünftig 4 Wochen Erholungsurlaub, um selbst mit dem Nachwuchs ins Wilde Kindistan zu ziehen. Wäre jedem Mann zu wünschen!

Witzig übrigens die am Ende des Buches enthaltene Liste der unbedingt benötigten Gegenstände für den Ritt durchs wilde Kindistan und jene Dinge, die es bald neu geben sollte. Allemal aber richtig der Tipp, in welchem Zeitfenster und wo man das Buch lesen könnte, sollte! Kommentar














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