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Rezension:Was wir wieder schätzen sollten: Die schönen Traditionen von Johannes Thiele

Durch Liebenswürdigkeit und Höflichkeit wird der Alltag nicht erschwert, sondern verschönt.,
Das vorliegende Buch von Christine Paxmann und Johannes Thiele sollte sich in jedem Haushalt befinden und man sollte im Kreise der Familie über die Inhalte des Textes reden. Klug beraten ist derjenige, der danach lebt.

Die Autoren reflektieren Begriffe, wie Bildung, Gastlichkeit, Liebe, Schenken, Werte, die Umgangsformen und Manieren, aber auch Lebensfeste, Jahresfeste, die Hochzeit und vieles mehr.

Technik und Wohlstand haben die Menschheit leider nicht zu höheren Werten geführt, sondern leider nur das Leben bequemer und den Menschen selbstsüchtiger gemacht. Das Bewusstsein für Formen und Stile, die immer tradiert werden und ein Ja zur Gemeinschaft voraussetzen, gehen verloren, wenn man seinem Ego über Gebühr frönt.
Formen und Stile engen Menschen nicht ein, wenn man diese nicht einfach nur übernimmt, sondern sich ihres Sinnes bewusst macht und ihnen im persönlichen Leben aufgrund von Eigenentscheidung breiten Raum verleiht.

Dieses Buch fördert diesbezüglich Denkprozesse.

Es ist unmöglich im Rahmen einer zeilenbegrenzten Rezension alle Punkte des Buches näher zu erörtern, deshalb hebe ich die heraus, die mir besonders wichtig erscheinen.

Die Autoren reflektieren u .a . den Sinn von Bildung und untergliedern ihre Betrachtungen in Allgemeinbildung, Charakterbildung, Herzensbildung und musische Bildung.

Weshalb macht es beispielsweise Sinn sich in Herzensbildung zu schulen?

Ein Mensch mit Herzensbildung respektiert seine Mitmenschen und bemüht sich um Takt. Taktgefühl bedeutet, die kleinen Schwächen unserer Mitmenschen zu übersehen und Dritte nicht vorzuführen. Taktlosigkeiten beleidigen, kränken immer und sind letztlich peinlich. Taktlosigkeiten fallen immer auf den zurück, der entsprechend " rumholzt ", sie lassen immer Rückschlüsse auf dessen Charakter zu und lassen Abstand zu solchen Personen nehmen. Das gilt auch für Menschen, die Vertrauen missbrauchen und solche, die indiskret sind. Diskretion ist ein Prüfstein für die Vertrauenswürdigkeit eines Menschen.

Die ernst gemeinte Bitte um Verzeihung ist ein Eingeständnis, dass man einen Fehler gemacht hat, dass man sich nicht richtig verhalten hat. Diese Bitte setzt Selbstkritik voraus, die für eine positive Charakterbildung überaus notwendig ist.

Auch Hilfsbereitschaft gehört zur Herzensbildung. Die Autoren machen den Sinn von Hilfsbereitschaft deutlich, zeigen aber auch deren Grenzen auf.

Im Kaptitel " Gastlichkeit " haben mir die Gedanken zur Kunst der Konversation besonders gut gefallen. Worin bestehen die kleinen Gesetze einer angenehmen Unterhaltung? Sind sie erlernbar? Natürlich sind sie es. Man sollte sich klar machen, dass man nicht zu viel über sich selbst reden sollte, nicht über allzu Persönliches, nicht über unangenehme Erlebnisse.

Spottlust kann andere verletzten, Themen wie Religion, Sex und Politik sollten nie Gegenstand kleiner Konversationen sein, weil sie zumeist zu unnötigen Disputen führen. Solche Themen bespricht man besser in dafür geeigneten Zirkeln.

Sich über abwesende Dritte lustig zu machen und sie zu kritisieren ist taktlos und zeigen die Schwächen des Taktlosen auf.

Monologe zu halten wirkt auf die Zuhörer ermüdend und kontraproduktiv für einen regen positiven Gedankenaustausch. Konversation sollte für alle Freude bringen. Konversation ist keine Diskussion.

Lesenswert auch sind die Infos zur Kaffeetafel, zum Fünf- Uhr- Tee, zur Cocktailparty, zum Empfang, und zum Diner.

Gefreut habe ich mich, dass sich die Autoren für gemeinsame Mahlzeiten in einer Familie stark machen, einem Ritual, das in meiner Familie seit Generationen bewusst gelebt wird, weil es für den Zusammenhalt der Gemeinschaft sorgt, wenn man zumindest einmal am Tag eine gemeinsame Mahlzeit einnimmt und währenddessen miteinander über angenehme Dinge spricht.

Wer eine Hochzeit plant, erfährt im Buch wie man eine solche stilvoll ausrichtet. Auch wird man dezidiert über den Sinn von Jahresfesten und entsprechendem Brauchtum informiert.

Des Weiteren - und dieses Kapitel hat mir sehr gut gefallen- denken die Autoren über Kindererziehung nach. Was können Eltern und Erzieher tun?

Begründet wird u .a ., wieso es Sinn macht Vorbild zu sein, sein eigenes Verhalten einem Kind gegenüber zu hinterfragen, Liebe zu geben, Werte zu vermitteln, Toleranz zu zeigen, Zufriedenheit zu vermitteln und zu zeigen, Respekt vor anderen zu haben, Mut und Vorsicht gleichermaßen zu zeigen, Zärtlichkeit zu vermitteln und sich nie zu scheuen um Rat zu fragen, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß.

Wie ich eingangs kurz erwähnte, wird auch der Liebe ein Kapitel gewidmet. Hier möchte ich eine Textstelle zitieren, die den potentiellen Leser gewiss neugierig auf den Inhalt des Kapitels machen wird:

" Liebe enthält eine Art Hoffnung auf Schönheit und Vollkommenheit; ihre Energie erleben wir als unmittelbar wirklich. Darum nimmt Liebe im Leben eines Menschen eine so zentrale Stellung ein: Sie ist wirksam, ob wir wollen oder ob wir uns dagegen abzusperren suchen. Sie ist als Verlangen, als geheime Sehnsucht, als Begehren so direkt und elementar wirklich, dass es uns bisweilen erschreckt, weil wir in den höchsten Augenblicken der Liebe nicht mehr uns selbst gehören."

Eine Reihe von Themen, die das Zusammenleben angenehmer gestalten wird in der Folge näher erörtert. Dazu gehört selbstverständlich die Höflichkeit. Auf andere Rücksicht zu nehmen, leise zu sein, zu lächeln statt grimmig zu schauen, sich angelegentlich nach dem Befinden zu erkundigen, Komplimente auszusprechen, zu loben und Tadel zu unterdrücken, kleine Nachlässigkeiten zu übersehen anstelle sich darüber endlos zu echauffieren und mit dem Ego eine große Welle zu machen, liebenswürdig zu bleiben, das macht das Miteinander angenehm. Der Alltag wird stets verschönt durch Liebenswürdigkeit und Höflichkeit, deshalb sollte man sich ernsthaft um Höflichkeit immer bemühen.

Ein sehr nachdenkliches, gutes Buch, das hoffentlich einen breiten Leserkreis erreichen wird.

Empfehlenswert.








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