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Rezension: Briefe von Einstein

Ein wirklicher Meister kann nur einer sein, der sich einer Sache mit ganzer Kraft und ganzer Seele hingibt.( Einstein)

Helene Dukas und Banesh Hoffmann haben aus dem Nachlass des Physikers Albert Einstein (1879-1955) vorliegende Texte herausgegeben.

Das Buch beinhaltet vor allem Zitate aus bislang unveröffentlichten Briefen und anderen Zeugnissen ,in denen er sich unter anderem über die Quantentheorie, die Gesellschaft, Politik, Intellektuelle , Hitler, die Todesstrafe und über Musik gedanklich ausbreitet , ja sogar als Lyriker betätigt.

In einem Schulaufsatz, den er als Sechzehnjähriger schreibt, konstatiert er , dass es ganz natürlich sei, immer die Dinge zu tun, für die man Talent habe. Aus diesem Aufsatz geht hervor , dass er sich in seinem späteren Leben mit Naturwissenschaften befassen wolle und eine Lehrtätigkeit als Professor anstreben möchte. Damit dokumentiert er , dass er sich schon früh klare Lebensziele setzte, deren Umsetzung er in der Folge konsequent nachging.

Einstein beantwortet später Briefe , die ihm Studenten schreiben und lässt einen dieser jungen Menschen wissen, dass man sich seiner Meinung nach in seinem Leben um die Befriedigung und Bedürfnisse aller kümmern solle, soweit dies möglich sei und dass man das Erlangen von Schönheit und Harmonie in menschlichen Beziehung stets in den Vordergrund stellen möge. Dabei räumt er ein , dass dies ein großes Maß an Überlegung und Selbsterziehung vorraussetze. Er ist sich sicher, dass die aufgeklärten Griechen und weisen Orientalen eine höhere Stufe auf diesem Gebiet erreicht haben als wir in unseren Schulen und Universitäten.

Ethische Reflexionen finden sich in seinen Aphorismen und Sentenzen stets aufs Neue und spiegeln sein zutiefst humanistisch geprägtes Wesen wieder.

Für den Denker sind Körper uns Seele nicht zwei verschiedene Dinge, sondern nur zwei verschiedene Arten, dasselbe Ding wahrzunehmen. Deshalb sind für ihn Physik und Psychologie nur zwei verschiedene Versuche unsere Erlebnisse auf dem Weg des systematischen Denkens miteinander zu verknüpfen.

Einstein glaubt nicht an die Unsterblichkeit des Individualismus und er betrachtet die Ethik als ausschließlich menschliches Belang, der keine übermenschliche Autorität hinter sich hat und deshalb auch die eingangs erwähnte Selbstdisziplin voraussetzt.

Besonders liebenswert erscheint das Genie als er einem Kind 1951 über dessen Mutter brieflich eine Antwort auf eine mündliche Frage zukommen lässt und ein Postscriptum hinzufügt, dem man die Bemerkung entnehmen kann:" Ich lege ein paar Briefmarken für Deine Sammlung bei". Zu dieser Freundlichkeit wurde er in den Zeilen der Mutter mit keinem Wort aufgefordert. Demnach eine spontane Geste eines Menschenfreundes!

Interessant auch seine Beurteilungen von Komponisten! Hier erklärt er , dass ihm ein Werk nur dann gefalle, wenn er dessen innere Einheit gefühlsmäßig erfassen könne. Beethoven sei ihm zu dramatisch , bei Händel empfinde er eine gewisse Flachheit, aber er möge Schubert, wegen seines ungeheurer vollkommenen Gefühlsausdrucks und seiner melodiösen Erfindungskraft.

Toscanini ist für ihn ein wahrer Meister, weil dieser sich in Einsteins Augen in jeder Lebensäußerung der Musik hingegeben habe.

Für den Physiker wird Musik von der gleichen Sehnsuchtquelle wie seine naturwissenschaftliche Forschungsarbeit gespeist. Er ist davon überzeugt, dass sie sich bezüglich der durch sie gewährten Auslösung ergänzen.



Bei allem Bemerkenswerten und Interessanten im Leben ist für Einstein das Streben nach moralischem Handeln das wichtigste Streben der Menschen überhaupt. Er weiß, dass sein inneres Gleichgewicht, ja seine Existenz davon abhängen. Nur moralisches Handeln, so der Hochbegabte, können dem Leben Schönheit und Würde verleihen.

Er resümiert: " Dies den Jungen lebendig zu machen und zu voller Klarheit zu bringen ist wohl die Hauptaufgabe der Erziehung. Die Gestaltung des moralischen Ideals sollte nicht an einen Mythos gebunden und mit einer Autorität verknüpft werden, dass nicht durch Zweifel an dem Mythos oder der Berechtigung der Autorität das Fundament des richtigen Urteilens und Handelns gefährdet werde."

Eine sehr nachdenkliche Textsammlung, die dem interessierten Leser viel Freude beschert.

Empfehlenswert.






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