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Rezension: Die Leiden anderer betrachten

Das Leiden anderer betrachten

Susan Sontag befasst sich in ihrem Essay "Das Leiden anderer betrachten " eingehend mit der Kriegsfotografie, den Bildern der Gräueltaten, die überall auf dieser Welt jährlich begangen werden und fragt nach der Resonanz beim Betrachter dieser Bilder. Sie resümiert, dass die Bilderflut keinesfalls abstumpfe - wie sie noch vor fünfundzwanzig Jahren in ihrem Essay " Über Fotografie" annahm, sondern vielmehr aufrüttele und den Einzelnen zum Handeln auffordere, dem furchtbaren Tun ein Ende zu setzen. Weil dies den amerikanischen Behörden nicht unbekannt ist, zeigte man, so Sontag, im Golfkrieg 1991 nur " Bilder aus dem Technokrieg " : den " Himmel über den Sterbenden, erfüllt von den Leuchtspuren der Raketen und Granaten."

Susan Sontags vorgelegter Essay enthält einen historisch sehr interessanten Abriss zum Thema Kriegsfotografie. Sie befasst sich mit deren Vorläufern, wie etwa Goyas Radierungen "Los Deastres de la Guerra", wo die Darstellung von Grausamkeiten "als Attacke auf die Sensibilität des Betrachters " vorgetragen werden. Sie schreibt über Robert Capa und andere große Fotografen, die in der Vergangenheit das Gräuel ablichteten und vergisst auch nicht Virginia Woolf anzuführen, die sich 1938 in ihrem Essay " Drei Guineen " Gedanken über die Wurzeln des Krieges gemacht hat.

Kriegsfotografie war und ist, laut Susan Sontag stets Berichterstattung und seit den Bildern von Vietnam haben sie immer anklagenden Charakter. Sie fordern auf der Inhumanität ein Ende zu setzen!

Ein erhellender Text, in einer Zeit, in welcher der Stellenwert des Bildes - nicht zuletzt durch die Dauerpräsenz der Medien - dem des gesprochenen oder geschriebenen Wortes bei weitem überlegen ist, wenn es darum geht, die Massen zu erreichen, sei es um zu manipulieren oder aufzurütteln.

Sehr empfehlenswert.

Helga König





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