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Rezension: Die Violinen von St. Jacques

Von der Vergänglichkeit alles Seienden


Eine betagte französische Dame berichtet von dem, für sie einschneidenden Ereignis, das sich während ihrer Jugend auf einer kleinen karibischen Insel zutrug. Bei diesem Ereignis handelte es sich um den Ausbruch des dortigen Vulkans, in dessen Folge besagte Insel im Meer versank und zweiundvierzigtausend Menschen mit sich hinab in die Tiefe zog. Berthe war Augenzeugin des Geschehens und überlebte als einzige Weiße den Untergang " Saint Jacques".

Am Vorabend des Unglücks gibt ihr Cousin - Graf de Serindan - zu Ehren seiner bezaubernden Tochter ein opulentes Kostümfest. Diese Feierlichkeit wird vom Autor in bunten Farben ausführlich geschildert und lässt keinen Zweifel aufkommen am Reichtum der karibischen Kolonialherren in vergangener Zeit. Das ausgelassene Tanzvergnügen findet seinen Höhepunkt in einem Feuerwerk, das zeitgleich als der Beginn des todbringenden Naturschauspiels betrachtet werden kann. Plötzlich fängt der " Salpetriere" an Feuer zu speien und schneegleich fällt Asche vom Himmel. Alles " rennet, rettet, flüchtet " , doch nur den " Ureinwohnern war die Fähigkeit zum Überleben auf der Insel angeboren, und allen anderen fehlte sie...."


Wie durch ein Wunder überlebt die junge Französin. Sie reflektiert die Machtlosigkeit gegenüber Naturereignissen, durch welche " unsere Ängste, Leidenschaften und die kunstvolle Struktur unserer Gesellschaft" relativiert und schließlich zu lächerlichen Zwischenspielen degradiert werden. Berthes Antwort auf ihre Errettung, die sie beinahe als Verrat gegenüber ihren toten Verwandten begreift, ist der Dienst am Mitmenschen. Diesen übt sie als Laienschwester bei den Armen von Bahia und später als Lehrerin in Rio aus. Die Nächstenliebe wird im Fazit der Vergänglichkeit alles Seienden gegenübergestellt und als unendlich trostspendend begriffen.

Ein empfehlenswerter Roman mit gedanklichem Tiefgang!





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