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Rezension- DVD- Verhängnis

Wozu Leidenschaft führen kann

Auf der Rückseite der DVD-Beschreibung steht zu lesen: "Stephen Fleming ist Staatssekretär im britischen Parlament: beruflich erfolgreich, aber gelangweilt in seinem Familienidyll. Doch dann lernt er die neue Freundin seines Sohnes kennen und stürzt sich in eine verhängnisvolle Affäre. Als der Sohn die beiden in flagranti ertappt, kommt es zur Katastrophe."

Hätte ich mich ausschließlich von dieser Kurzbeschreibung zum Kauf des Films beeinflussen lassen, hätte ich ihn gewiss nicht erstanden, sondern ihn als banalen Quatsch abgetan. Die Tatsache, dass Juliette Binoche die weibliche Hauptrolle im Film inne hat und Louis Malle der Regisseur ist, ließ mich aufhorchen und machte mich neugierig.

Anna (Juielette Binoche) ist die Freundin des Sohnes, von der in der Kurzbeschreibung die Rede ist. Sie ist schön, ihre Augen sind geheimnisvoll und genau dieser geheimnisvolle Blick ist es, der den Staatssekretär in Bann schlägt. Anna hat Trauer im Blick. In diese Traurigkeit hat sich der sensible, äußerst sympathische Sohn Flemings verliebt und zwar so sehr, dass er Anna heiraten, sie gewissermaßen retten möchte. Anna liebt Flemings Sohn, wie ihre Mutter vermutet, weil er ihrem toten Bruder sehr ähnlich ist. Demnach liebt sie ihren toten Bruder in Fleming jun. und diese neue Liebe ist eine bloße Obsession.

Anna berichtet von ihre Grundbeziehung zu ihrem Bruder, der sich als 16 jähriger aus Liebe zu ihr die Pulsadern aufschnitt, nachdem er sah wie das fünfzehnjährige Mädchen von seinem Freund Peter geküsst wurde. In Verzweiflung schläft Anna noch am Tag des Selbstmordes mit Peter, der später ihr bester Freund wird, bei, offenbar nicht aus Lust oder Liebe, sondern m.E. um sich schuldiger am Tod ihre geliebten Bruders fühlen zu können.

Den smarten Perfektionisten Fleming lernt Anna auf einem Empfang kennen. Sie weiß, dass er der Vater ihres zukünftigen Mannes ist. Die beiden schauen sich in die Augen und von da an ist Fleming Anna willenlos verfallen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Fleming sich in seinem Familienidyll gelangweilt hat, bevor er Anna kennenlernte, sondern eher den, dass er sich glücklich schätzte einen perfekten privaten Rahmen für seinen perfekten Habitus als Staatssekretär zu besitzen. Fleming hat sein Leben völlig unter Kontrolle, ist verkopft, alles läuft in erfolgreichen Bahnen bis ihm die Frau seines Lebens begegnet. Er kann dieser Frau nicht widerstehen, obschon er ein solches Verhaltensmuster stets abgelehnt zu haben scheint, wie in einem Dialog mit seiner Frau zu Anfang deutlich wird.
Fleming als kalten Karrieristen zu verschubladen scheint mir falsch. In meinen Augen lernt dieser Mann die Wucht seiner Fähigkeit zur Leidenschaft das erste Mal richtig kennen, nachdem ihm Anna begegnet ist. Damit kann er nicht umgehen, wird zur somnabulen Ziehpuppe dieser Leidenschaftlichkeit, die ihn dazu veranlasst, Sohn und Ehefrau zu verraten. Er kann nicht anders.

Die heimlichen Begegnung zwischen ihm und Anna sind ein Fest der Sinne und ähnlich wortlos wie die Liebesszenen, die man aus Salz auf unserer Haut kennt. Die Liebe zwischen Mann und Frau wird dargestellt als ein bedingungsloser körperlicher Akt des Ineinander-Verschmelzen-Wollens, der in dieser Intensität nicht lebbar ist und deshalb in irgendeiner Form zur Katastrophe führen muss. Die Form die Malle gewählt hat, will ich an dieser Stelle nicht ausbreiten, um dem Zuschauer die Spannung nicht zu nehmen.

Nicht nur die Folgen dieser Liebe, sondern auch diese Liebe selbst verändern Fleming, der auf diese Weise zu sich selbst findet und die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen lernt, weil alles an Bedeutung verliert, wenn man dieses Gefühl irgendwann einmal kennen gelernt hat.

Die Sexszenen fand ich übrigens nicht skandalös, sondern sehr feinsinnig dargestellt, sowohl von Juliette Binoche als auch von Jeremy Irons. Alle Beteiligten sind Opfer ihrer Gefühle. Einen Schuldigen gibt es m.E. nicht.























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