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Rezension: Kunstbuch:À la recherche de l'Orient / Paul Klee. Tapis du souvenir

Paul Klee mit Malerfreunden am Golf von Tunis
Der deutsch-schweizerische Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker Paul Klee ( 1879-1940) war einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, gemeinsam mit Wassily Kandinsky gehörte er zu den führenden Persönlichkeiten am Bauhaus.

Im April 1914 reiste Klee mit August Macke und Louis Moilliet nach Tunis und Kairouan, wo er knapp zwei Wochen blieb. Die Eindrücke dieser Reise bewirkten den Durchbruch zur Farbe: In den Aquarellen von 1914 werden die starken optischen Reize von Licht, Farbe und Landschaftsstruktur Tunesiens verarbeitet.

" Auf der Suche nach dem Orient " dokumentiert ausgehend von der Betrachtung zu Klees Werk die Orientbegeisterung der Künstler vorangegangener Zeiten.

271 Abbildungen, davon 221 farbig, machen deutlich, dass es sich lohnt die Ausstellungen: Zentrum Paul Klee, Auf der Suche nach dem Orient vom 7.2.- 24.5.2009 und Teppich der Erinnerung 30.5.- 30.8.2209 zu besuchen.

Im Aufsatz" Künstlerreisen in den Orient von Gentile Bellini bis zum Ägyptenfeldzug Napoleons" erhält man einen ersten Eindruck von der unterschiedlichen Motivation der Reisen der ausgestellten Künstler.

In der ersten Phase der Begegnungen stand das Interesse an der fremden Kultur.

Sehr erhellend sind die Informationen über Reise des venezianischen Malers Gentile Bellini (um 1430- 1507) im Jahr 1479. Sein Gemälde " Sultan Mehmed II, 1480 " gibt einen Eindruck von der Sichtweise des Malers dem Fremden gegenüber.

Thematisiert wird der kartografierende Blick des 16. Jahrhunderts und der dokumentierende des 17. Jahrhunderts.

Durch die Belagerung Wiens kam es zu einem Wendepunkt der interkulturellen Beziehungen mit dem Orient, nach welchem der Machtzerfall des Osmanischen Reiches einsetzte. Damals unternahmen George de la Chapelle und Cornelius de Bruijn bildgeschichtlich bemerkenswerte Reisen.

Hochinteressant ist der Bericht über den " aufgeklärten " Blick auf das Reisen im 18. Jahrhundert. Damals hatte sich die Figur des Orients vom grimmigen Feind in ein positives Wunschbild verwandelt. Gemeinsam mit der Gestalt des Mohrenpagen steht es für den Genuss von Luxusgütern aus den fernen Kolonien.

Generell kann festgehalten werden, dass die Künstlerreisen vor dem 19. Jahrhundert nur in Ausnahmefällen aus Neugier und eigener Initiative stattfanden.

Man liest von der Geburt des Orientalismus in der Malerei, die ihren Ursprung in den Fantasien und Mystifikationen, in den Türkerien des 17. Jahrhunderts und in der Ägyptomanie des 18. und frühen 19. Jahrhundert hatte. Künstlerreisen von Eugene Delacroix bis Henri Matisse kommen zur Sprache und machen die immerwährende Begeisterung für den Orient deutlich.

Auch die fotographische Eroberung der Orients zwischen Archäologie und Kunst werden thematisiert, um sich schließlich breitgefächert mit dem Mythos von Paul Klee als einem Orientalen auseinanderzusetzen.

Wie lassen sich Klees Vorstellungen in vorangegangene Orientkonzeptionen einordnen? Diese Frage versucht das Buch zu beantworten. Wie ich finde, zufriedenstellend.

Die wundervollen Bilder Klees, Moilliets und Mackes von ihrer legendären Reise kann man im Buch im Kleinformat bewundern.

Gemälde von Bellini, Delacroix, Watteau, Matisse, Guillaumet, Bauernfeind und vielen anderen sind im vorliegenden Katalog zur Ausstellung ebenfalls enthalten und begeistern den Betrachter.

Dabei ist die Farbintensität der Gemälde von Macke, Moilliet und Klee wahrlich ein Hochgenuss.











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