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Rezension: Lokaltermin

"Was zu leicht geht, verliert an Wert." (Lem),

Verwickelt in einen obskuren Prozess mit einem ebenso obskuren Schweizer Fabrikanten lernt Tichy den Leiter des Instituts für Geschichtsmaschinen kennen. Hier ereilt ihn eine heftige Beschwerde vom Stern Entia, weil seine Berichterstattung in der 14. Reise der "Sterntagebücher" äußerst mangelhaft gewesen sei. Ausgerüstet mit Kopfschmerztabletten und Butterbroten arbeitet er sich vor der Reise auf die Entia durch die Folianten der Bibliothekdes MfAA, um etwas über die Lebensformen in den beiden entianischen Staaten Losannien und Kurdland in Erfahrung zu bringen.

Obschon dieser Roman gut zur Hälfte aus theoretischen Abhandlungen über Technologien, irdische und entianische Evolutionen, Religionen und Philosophien besteht, ist er durchaus höchst unterhaltsam.

Der schöpferischen Artistik des Ironikers und Satirikers Lem neue Sprachsysteme zu erfinden und dabei eine Geschichte zu erzählen, deren Wahnwitz die Dinge subtil auf den Punkt bringt, scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.
Lem denkt nicht daran, Lösungen für einen idealen Zustand anzubieten. Aus der Perspektive der von Vögeln abstammenden Entianer demontiert er stattdessen genüsslich unsere Religionen und Philosophien. Das Kapitel über menschliche Sexualität und Religion ist erfreulich scharfsinnig. Glaubensdogmatiker bekommen gewiss bei der Lektüre einen Herzinfarkt. Ungerührt sagt er unseren Kulturgütern adieu, um anschließend die Nützlichkeit des technischen Zeitalters in Losiannien in Zweifel zu ziehen....

Immer noch lesenswert.












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