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Rezension: Neurose und menschliches Wachstum: Das Ringen um Selbstverwirklichung

"Trotz all seiner rastlosen Bemühungen um Vollkommenheit und trotz all seines Glaubens, die Vollkommenheit erreicht zu haben, erlangt der Neurotiker nicht, was er verzweifelt braucht: Selbstvertrauen und Selbstachtung. Mag er in seiner Vorstellung göttergleich sein, es fehlt ihm das Selbstvertrauen eines einfachen Hirten." ( Zitat: Karen Horney)

Karen Horney( 1885-1952) war Ärztin und Psychoanalytikerin. Sie emigrierte 1932 von Hamburg in die USA und leitete dort das "American Institut of Psychoanalysis". Horney war einer der Hauptvertreter der Psychoanalyse und setzte sich intensiv mit den Erkenntnissen Freuds auseinander.

In ihrem Buch "Neurose und menschliches Wachstum" erweitert die Autorin ihre Theorie von der Entstehung von Neurosen in der Weise, dass sie den neurotischen Prozess als eine spezifische Form der menschlichen Entwicklung betrachtet. Die Analytikerin zeigt die inneren Konflikte, die diesen Prozess auslösen und seine einzelnen Stadien auf. Vor allem zeigt sie auch wie dieser Prozess die Selbstverwirklichung positiv beeinflussen kann.

Horney macht gleich zu Anfang ihres Buches klar, dass neurotische Prozesse konstruktive Kräfte vergeuden und es von daher sinnvoll ist, sich solcher Prozesse mittels geeigneter psychologischer Hilfe zu entledigen.

In ihrem Buch reflektiert sie u.a. neurotische Ansprüche.

Neurotiker glauben einen Anspruch auf besondere Aufmerksamkeit, Rücksichtsnahme und Ehrerbietung seitens ihrer Mitmenschen zu haben.

Diesem augenfälligen Anspruch liegt ein umfassenderer Anspruch zugrunde, dass alle seine Bedürfnisse, die ja aus seinen Hemmungen, Ängsten, Konflikten und deren Lösungen entstehen, befriedigt und mit dem notwendigen Respekt behandelt werden müssen. Zudem sollte das, was er fühlt, denkt oder tut, keine ungünstigen Auswirkungen nach sich ziehen. Das heißt, er glaubt tatsächlich einen Anspruch darauf zu haben, dass psychische Gesetze für ihn keine Gültigkeit haben dürfen. Von daher braucht er seine Schwierigkeiten nicht zu erkennen - oder jedenfalls nicht zu beheben. Es ist nicht seine Sache etwas zu beheben, sondern die Sache der anderen, dafür zu sorgen, dass sie ihn nicht stören.



Menschen, deren Bedürfnis es ist immer recht zu haben, nehmen für sich in Anspruch, dass man sie niemals kritisiert, oder ihre Behauptungen in Frage stellt. Diejenigen, die machtbesessen sind, meinen einen Anspruch auf Gehorsam zu haben. Andere, für die das Leben zu einem Spiel mutiert ist, in dem man Mitmenschen geschickt manipuliert, fühlen sich berechtigt, jeden zum Narren zu halten. Nur sie selbst dürfen nicht hereingelegt werden. All diese Personen sind neurotisch.
Der arrogante rachsüchtige Mensch, so Horney, der dazu getrieben wird, andere zu beleidigen und dennoch ihre Anerkennung benötigt, meint einen Anspruch auf Immunität zu haben.

Der egozentrische Charakter neurotischer Ansprüche glaubt seine persönlichen Bedürfnisse hätten stets Vorrang vor allem anderen.
Der Neurotiker hat eine rachsüchtige Natur. Er glaubt ihm sei Unrecht geschehen und beharrt auf Vergeltung. In den meisten Neurosen, so Horney ist Rachsucht ziemlich groß.

Die Basis neurotischer Ansprüche ist stets das Gefühl von Überlegenheit. Der allgemeine Nenner heißt:"Weil ich etwas ganz Besonderes bin, habe ich ein Anrecht auf..."

Neurotiker sind so unsicher in der Einschätzung anderer Menschen, dass sie leicht aus einer positiven , freundlichen Haltung in die totale Verdammung verfallen.

Horney schreibt in der Folge vom Selbsthass und der Selbstverachtung des Neurotikers, von seinen morbiden krankhaften Abhängigkeiten und seinen neurotischen Störungen in mitmenschlichen Beziehungen. Es besteht sowohl in der Liebe als auch bei Freundschaften ein verstärktes Bedürfnis bei verminderten Fähigkeiten.

Neurotischen Menschen wird dringend geraten einen Therapeuten aufzusuchen.







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