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Rezension: Gedichte- Ossip Mandelstam

Im Spiegel steht jetzt Venus. Ihr Licht- ein schwarzes Licht
Der in Warschau geborene, russische Lyriker Ossip Mandelstam (1891-1938) stand dem französischen und russischen Symbolismus nahe. Studiert hatte der Dichter in Paris, Heidelberg sowie in Petersburg .

Er veröffentlichte Gedichte aber auch erzählende und essayistische Prosa.

Der Lyriker war bemüht das brüchige Kulturfundament des nachrevolutionären Russland zu retten.

Den staatlich verordneten Geschichtsoptimismus sieht er als schwaches " Zeittier", die Sowjetherrschaft als " Joch aus Bosheit und Gewalt".

Beseelt ist der Dichter von der Vorstellung einer allesumfassenden Weltkultur.

Mandelstam wurde wegen eines Spottgedichtes auf Stalin verhaftet, nach Sibirien verschleppt und kam dort in einem Lager um.

Die im vorliegenden Gedichtsband enthaltenen Gedichte hat Paul Celan aus dem Russischen übertragen. Er vereint Lyrik aus den Bänden der " Stein" ( 1913), " Tristia" (1922) und nach der Oktoberrevolution entstandene Gedichte.

Folgendes Gedicht aus dem Band " Tristia" möchte ich hier vorstellen, weil hier die Liebe zu von Eros und Tod gleichermaßen inspirierten Versen verdichtet worden ist. Beeindruckend.

Aus meinen Händen, dich zu freuen, nimm
ein wenig Sonne und ein wenig Honig: dies
ist, was Persephoneias Bienen uns zu tun geheißen.

Nicht loszumachen ist das unvertäute Boot,
des Schatten Schuh und Schritt- nicht zu erlauschen,
die Angst im Lebensdickicht hier- nicht zu bezwingen.

Uns bleibt nur dies: die bienengleichen Küsse,
die kleinen Immen, haarig, in den Stöcken-
ihr Flug ins Freie ist ihr Todesflug.

Der Hain der Nacht, wie Glas: der Raum den sie
durchschwärmen.
Der dichte Wald auf dem Taygetos: die Heimat und die
Herkunft.

Die Nahrung dies : die Zeit, Honigblume, Minze.
So nimm dies Waldgeschenk, nimms, dich zu freuen:
das Halsband, unscheinbar, aus toten Bienen-
sie woben Honig, woben ihn zu Sonne.

In Mandelstams " Hufeisen-Finder" fragt er / Wo beginnen?/Alles kracht in den Fugen und schwankt./Die Luft erzittert vor Vergleichen/Kein Wort ist besser als das andre/ Die Erde dröhnt von Methaphern/......../Die menschlichen Lippen, die nichts mehr zu sagen haben/ bewahren die Form des letzten Wortes , das sie sagten/......./Die Zeit sägt an mir , wie an einer Münze,/und ich- ich reiche mir ja selber nicht aus./

Das ist Mandelstam, ein Opfer von Stalins Terrorherrschaft.

Empfehlenswert.

Rezension Helga König








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