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Rezension: Von den Großen lernen- Peter Lückemeier

" Glück ist eine sichere Begleiterscheinung eines produktiven Lebens." ( Erich Fromm),

Seit langem habe ich ein Buch nicht mit solchem Vergnügen gelesen wie Peter Lückemeiers " Von den Großen lernen ". Dieser Autor ist klug, gebildet und schreibt wirklich brillant.

Niemals kommt er belehrend daher, sondern macht an Lebensgeschichten deutlich, welche Auswirkungen bestimmte Charaktereigenschaften auf den Lebensverlauf haben können. Nicht jeder Leser wird die gleichen Lebensgeschichten favorisieren. Die eigenen Persönlichkeitsstrukturen sind letztlich immer richtungsweisend.

Gleich zu Beginn zeigt Lückemeier welche Verhaltensmuster bestimmte Leute an den Tag gelegt haben, die zu Reichtum gelangten.

Zur Sprache kommen des Weiteren die positiven Ergebnisse, die durch Sturheit zu erzielen sind, aber auch die Wege, die dazu führen, dass man ein guter Mensch wird. Im Grunde braucht man ja bloß Mutter Theresas Satz zu beherzigen: " Lasse nie zu, dass du jemand begegnest, der nicht nach der Begegnung mit Dir glücklicher ist. " Man liest von Mutter Theresas Leben, auch davon, dass es in ihrer Ordengemeinschaft keine internen Machtkämpfe gab. Ursache war wohl, dass ihr Orden frei von ausgetüftelten Hierarchieabstufungen war und es keine materiellen Vorteile für Leitungsfiguren gab. Mutter Theresas materieller Besitz erstreckte sich auf drei Saris und einen Anhänger.

Lückemeier zitiert eine Anekdote des Reporters Dominique Lapierre, die mich so sehr berührt hat, dass ich sie an dieser Stelle wortwörtlich wiedergeben möchte: " Zum ersten mal sah ich sie in ihrem Hospiz in Kalkutta vor 25 Jahren. Sie lag auf ihren Knien und fütterte mit einem Löffel einen Mann mit Reis. Der Mann sah eher wie ein Leichnam aus. Plötzlich spürte sie in ihrem Rücken meine Gegenwart. Sie drehte sich um und drückte mir den Teller mit dem Reis in die Hand. > Hier, mach weiter, füttere diesen Mann- und liebe ihn!< "

Der Autor schreibt von dem Phänomen ohne Leistung prominent zu werden und nennt verschiedene Beispiele. Mediale Präsenz ist das zentrale Stichwort. An dem Medienwunder Verona Poth wird deutlich gemacht, dass man den Begriff Leistung im Zeitalter des Privatfernsehens offenbar neu definieren muss.

Man liest von Personen, wie Thomas Mann, die sich sehr ernst genommen haben und kaum ironische Selbstdistanz besaßen aber aufgrund gerade dieses Verhaltensmusters perfekte Leistungsergebnisse erzielten. Sich ernst zu nehmen sollte allerdings nicht dazu führen, dass man sich zu wichtig nimmt, weil dies zumeist zu unerfreulichen zwischenmenschlichen Interaktionen führt.

Es stimmt, kaum etwas ist unangenehmer als ein selbstgefälliger alter Mann, der voll Stolz auf sein Leben zurückblickt, von seiner Redezeit großzügig Gebrauch macht, jede höfliche Unterbrechung für Majestätsbeleidigung hält , stets sich selbst für seine Großtaten preist und von seiner Umgebung Lob und Ehrerbietung einfordert und zwar täglich. Nichts ist angenehmer als Menschen, die trotz großer Lebensleistung, bis an ihr Ende bescheiden und selbstironisch bleiben. Wie recht Lückemeier doch hat!

Der Autor zeigt Personen, die sich Zeit lassen und erst im Alter ihr gesamtes Potential nach außen bringen. Er lotet Verhaltensmuster berüchtigter Frauenverführer aus und thematisiert u.a. Menschen mit besonderer Willenskraft. Mit großem Interesse habe ich von der Kraftanstrengung des einstigen Suhrkampchefs Siegfried Unseld gelesen, der als junger Mann neun Stunden um sein Leben schwamm. Der Wille Caesars, Schliemanns und Thatchers werden fokussiert und es wird deutlich gemacht, dass wir alle in der Lage sind unseren Willen zu trainieren. Im Grunde ist es gar nicht so schwer.

Das Leben Dale Carnegies und dessen Erfolgsstrategien werden dargelegt, und gezeigt wie sinnvoll es ist auch bei großem Erfolg auf dem Teppich zu bleiben.

Es muss kein Fehler sein Luxus zu genießen, wie man am Beispiel von Balzac unschwer erkennen kann, weil die Liebe zum Luxus auch Antrieb für kreatives Schaffen sein kann.

Lückemeier analysiert wie machtorientierte Menschen agieren und lässt nicht unerwähnt, dass ein wesentliches Motiv für Macht der Wunsch nach Erhöhung über die Allgemeinheit ist.

Am Beispiel Franz von Assisis wird gezeigt, dass freiwillige Armut befreien und Verzicht in gewisser Hinsicht auch reich machen kann.

Ein Kapitel widmet Lückemeier der Charaktereigenschaft der Großzügigkeit, zu der auch die Großherzigkeit und die Höflichkeit zählen, Eigenschaften also, die das Zusammenleben angenehm machen.

Zum Schluss meiner Rezension möchte ich einige Sätze aus einer Passage aus dem vorliegenden Buch zitieren, über die alle Kritiker nachdenken sollten: "Da wir ungern kritisiert werden, sollten wir auch andere nur sparsam dosiert kritisieren. Dabei gilt die Faustregel: Eine Kritik wiegt so schwer, dass man sie erst mit dreimaligem Lob neutralisiert....Wann immer Sie etwas Positives über jemanden denken, sprechen Sie es aus, erzählen Sie es ihm! Glauben sie es: Das macht dem anderen gute Laune. Ihnen aber auch. "

Ein kurzweilig zu lesendes Buch, voller tiefgründiger Weisheiten.





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