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Rezension:Monsieur, Madame. Der Briefwechsel zwischen der Zarin und dem Philosophen (Gebundene Ausgabe)

Das russische Volk verdankte Zarin Katharina der Großen (1729-1796) Reformen in Justiz und Verwaltung, die Verbesserung der sozialen Wohlfahrt und die Neuordnung des Bildungswesens. Unabhängigig von ihrer alle Register ziehenden Machtpolitik (u.a. extreme Günstlingswirtschaft) gilt die hochgebildete Regentin als aufgeklärte Philosphin in der Art Voltaires. Mit ihm stand sie ebenso im Dialog, wie mit nahezu allen anderen "philosophes" der Aufklärung.

Katharina und Voltaire ( 1694-1778) sind sich stets nur in Briefen begegnet. Ihr Briefwechel umfasst den Zeitraum zwischen 1763-1778. In jenen Jahren konzipierte die Zarin die Instruktion für ein neues Gesetzbuch. Politisch kam es zum Pugatschow-Aufstand, der ersten Teilung Polens und dem ersten Türkenkrieg.
Wie den Briefen zu entnehmen ist, teilt Voltaire ihre politischen Maßnahmen völlig. Er hasst die Türken und erhofft von Katharina die Befreiung Griechenlands als kulturelle Tat. Katharina formuliert witzig und sticht Voltaire in ihren Briefen nicht selten an faktischer Substanz aus. Bei aller geistigen Ebenbürtigkeit und Brillanz kann davon ausgegangen werden, dass die Zarin durch den französischen Philosophen in ihrem Reformwillen sehr beeinflusst worden ist. In der vorliegenden Ausgabe ist die gesamte Korrespondenz zwischen den der beiden Geistesgrößen enthalten.

Am 9. August 1774 schreibt Voltaire an Katharina äußerst listig, wohl in der Absicht ihr ein fürchterlich schlechtes Gewissen zu machen, weil sie sich bei ihm schon zwei Monate nicht mehr gemeldet hatte.
" Madame, ich bin nun tatsächlich an Ihrem Hof in Ungnade gefallen. Eure Kaiserliche Majestät haben mich zugunsten von Diderot, Grimm und irgendeinem anderen Favoriten im Stich gelassen. Auf mein Alter haben Sie keine Rücksicht genommen; das ginge noch , wenn Eure Majestät eine französische Kokette wäre; wie aber kann eine siegreiche und gesetzgebende Kaiserin so flatterhaft sein?Für Sie habe ich mich mit allen Türken zerstritten und selbst mit dem Marquis Pugatschow; zum Lohn dafür haben Sie mich vergessen. So ist es und in meinem Leben werde ich nie mehr eine Kaiserin lieben. Ich denke darüber nach , dass ich ihre Ungnade wohl verdient haben könnte. Ich bin ein kleiner unbesonnener Greis und habe mich durch die Bitten eines Ihrer Untertanen namens Rose rühren lassen, Livländer und Kaufmann von Beruf, Deist, der nach Ferney kam , um Französisch zu lernen; vielleicht hat er Ihr Wohlwollen, um das ich für ihn zu bitten wagte, nicht verdient. Auch klage ich mich an, Sie mit einem Franzosen, dessen Namen ich vergessen habe, behelligt zu haben; er rühmte sich , nach Petersburg zu eilen, um Eurer Majestät nützlich zu sein, und vermutlich ist er gänzlich unbrauchbar. So suche ich bei mir Vergehen, die Ihre Gleichgültigkeit rechtfertigen. Ich sehe aber auch ein , dass es keine Leidenschaft gibt, die nicht einmal zu Ende ginge. Dieser Gedanke würde mich vor Kummer umbringen, wenn ich nicht ohnehin im Begriff wäre aus Altersschwäche zu sterben. Mögen denn Eure Majestät geruhen, diesen Brief als meine letzten Willen, als mein Testament entgegenzunehmen.
Ihr Bewunderer, Ihr Verlassener , Ihr alter Russe von Ferney.

Katharina schreibt bereits am 15/26 . August 1774 zurück....
Ihre Brief beginnt wie folgt:" Monsieur, obwohl Sie komischerweise behaupten, an meinem Hofe in Ungnade gefallen zu sein, erkläre ich Ihnen, dass Sie es nicht sind: Ich habe Sie weder zugunsten von Diderot, Grimm noch eines anderen Favoriten sitzenlassen. Ich verehre Sie wie immer und was man Ihnen auch über mich erzählen mag, ich bin nicht flatterhaft und nicht wankelmütig........"


Der Briefwechel endet durch Voltaires Ableben am 30.5.1778. Der Philosoph schreibt Katharina am 13.5. ein letztes Mal.

Sehr zu empfehlen!





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