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Rezension: Herrin im eigenen Haus-Onken

Die Psychologin Julia Onken befasst sich in diesem Buch mit dem mangelnden Selbstbewusstsein vieler Frauen und geht der Frage nach, wie man dieses zurückgewinnen kann. Die Feministin sieht in den immer noch partiarchalischen Gesellschaftstrukturen mit den ihnen eigenen Entwertungs- und Enteignungsmustern den Hauptgrund für den zu beklagenden Mangelzustand. Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstbehauptung gehören zum notwendigen Rüstzeug um sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und es zu meistern.

Onken stellt fest, dass das Selbstbewusstsein junger Mädchen brüchig wird, sobald es sich das erste Mal verliebt. Das zuvor aufgebaute Selbstbewusstsein gerät dann, ihrer Meinung nach, aus den Fugen und allmählich dringen die uralten Klischees und Bilder " wie ein männliches Dominanz-Virus durch die Ritzen in die aufgeweichte Seele ". Da es noch wenig Vorbilder gibt für weibliches Verliebtsein, in der Intelligenz, Stärke, Kompetenz und Wissen trotz Partnerschaft erhalten bleiben, gibt es laut Onken eine große Zahl intelligenter , autonomer Frauen, die sich unverzüglich dem Dominanzanspruch des Mannes unterwerfen und sich seiner Schirmherrschaft unterstellen. Zudien- und pflegerische Funktionen sowie erotische Stimulanz sind die Gegenleistung für Schutz und Versorgung.

Durch diese Muster gerät das weibliche Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Frau mit der Zeit in eine bedenkliche Schräglage. Viele Frauen erahnen intuitiv, so die Psychologin, dass sich der Mann nur dann stark fühlen kann, wenn sie sich schwach zeigen. Sobald Frauen selbstbewusst und selbstsicher auftreten, gefährden sie das Selbstbewusstsein des Mannes und torpedieren seine Größen- und Überlegenheitsphantasien. Deshalb werden solche Frauen als unweiblich abgetan.

Die Psychologin erläutert, weshalb es vielen Frauen an Durchsetzungskraft fehlt und weshalb sie ihr Aggressionspotential nur indirekt nutzen. Um Aggressionen loszuwerden neigen nicht selbstbewusste Frauen dazu andere Frauen zu entwerten, anstelle ihre Aggressionen konstruktiv zu nutzen. In der Folge erklärt Onken psychologische Begriffe, wie etwa das Unbewusste, die Übertragung, der Widerstand, die Identifikation, die Regression, die Projektion und die Rationalisierung gut nachvollziehbar und zeigt dabei auf, welche Abwehrmechanismen Frauen entwickeln um den Mangelzustand nicht beheben zu müssen , sondern ihn stattdessen zu legitimieren oder aber gezielt den Mangel bei unselbstbewussten Frauen weiterhin ignorieren zu können.

Nicht selten kommt es vor , dass der Selbsthass einer sich entwertet fühlenden Frau auf eine selbstbewusste Geschlechtsgenossin übertragen wird. Nutznießer des sogenannten Schwesternstreites ist dann das nun schon 5000 Jahre andauernde Patriarchat. Dies sollten sich die Damen bewusst machen!
Onken zeigt Wege auf, wie Frauen zu größerem Selbstbewusstsein gelangen und sich konkret gegen die fatale Selbstentwertung zur Wehr setzen können. Sie rät sich aller Energiekiller zu entledigen, sich aus fragwürdigen Opferrollen herauszubewegen und sich Ziele zu setzen.

Um diese Ziele zu erreichen, sollte man - ohne zu klagen - seine gesamte Energie auf diese Projekte verwenden, sowie die Verantwortung für eigene Fehler übernehmen und daraus lernen. Frauen sollten sich darüber bewusst werden, dass es keinen Sinn macht, sich gegenseitig zu schwächen, sondern sich zur Seite stehen, wenn Entwertungsversuche seitens patriarchalisch ausgerichteter Männer ihnen entgegengebracht werden und sie sollten nachdenken, wo es wirklich Sinn macht nach Anerkennung zu streben.

Empfehlenswert!



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