Coco Chanel; DVD

"Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau..." ( Zitat : Coco Chanel)

Nachdem ich vor geraumer Zeit eine Rezension zu einer Biographie und eine weitere zu einer DVD-Dokumentation über Coco Chanel verfasst habe, war ich natürlich sehr neugierig auf den Film der Regisseurin Anne Fontaine. Wie hat sie das Leben der "Pariser Modekaiserin" filmisch umgesetzt?

Fontaine hat gut daran getan, nicht das gesamte Leben Cocos in die Filmhandlung einzubringen, sondern sich stattdessen mit dem Charakter dieser hochbegabten Frau auseinander zu setzen. Ihre Kindheit und Jugend in einfachem Mileu werden kurz gestreift und ihr Geschick diese triste Zeit zu verschweigen ebenso. Coco erzählt stattdessen Geschichten und erfindet sich dabei immer wieder neu. Coco, eigentlich Gabrielle (Andrey Tautou), ist hochintelligent und weiß, dass sie zunächst Gönner benötigt, um eine Eintrittskarte in die "bessere Gesellschaft" zu bekommen. Sie will dauerhaft auf keinen Fall von Männern leben, sondern ihr eigenes Geld verdienen, weiß zunächst allerdings noch nicht so recht womit.

Mit einem Liebhaber besucht sie ein Pferderennen und erkennt, dass man die Hutmode verändern muss und nicht nur die. Frauen sollen sich ihrer Korsetts entledigen, schlicht und zweckmäßig gekleidet sein. Dafür will Coco sorgen. Chanel folgt zielbewusst ihrer Mission.

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Einzelheiten im Film eingehen. Die Kulissen sind großartig gewählt. Sehr gut wird die Anpassungsfähigkeit Chanels an die Gepflogenheit der Upperclass dargestellt . Eine von ihnen wird sie aber dennoch nicht. Stattdessen wird sie Künstlerin. Sie überflügelt alle, indem sie erklärt, wie man sich kleidet , indem sie sich mit philosophischen Büchern befasst und indem sie bis zu ihrem Tod arbeitet, wie man dem Nachspann des Films entnehmen kann.

Audrey Tautou spielt Ihre Rolle exzellent. Die Bild- und Tonqualität sind bestens.




Julie und Julia

Ein Film für Genussmenschen

Dieser wunderbare Film von Nora Ephron beruht auf tatsächlichen Geschehnissen. Die junge, zum Zeitpunkt des Filmgeschehens noch nicht erfolgreiche Autorin Julie Powell (Amy Adams) arbeitet als mittlere Angestellte in einem Großraumbüro und träumt davon, eines Tages anerkannte Schriftstellerin zu werden. Sie lebt mit Eric (Chris Messina) zusammen. Die beiden verstehen sich bestens.

Julie hat ein Kochbuch geschenkt bekommen, das die berühmte Kochbuchautorin Julia Child (Meryl Streep) verfasst hat. Das Kochbuch enthält Rezepte aus der französischen Küche für die amerikanische Hausfrau gut nachvollziehbar erklärt.

Julie nimmt sich vor alle Rezepte des Kochbuchs nachzukochen, einen Blog anzulegen und dort ihre täglichen Kocheindrücke niederschreiben, damit potentielle Leser von ihren Erfahrungen profitieren können. Je mehr sich Julie mit den Rezepten Julias auseinandersetzt, um so mehr nähert sie sich gedanklich ihrem Vorbild, denn zu einem solchen wird Julia Child für sie alsbald. Julie führt mit Julia gewissermaßen täglich einen nonverbalen Dialog. Sie trägt sogar eine Perlenkette, wie einst Julia Child in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren.

Im Film wird das Leben Julias immer wieder eingeblendet. Es gibt also 2 Handlungszeiten. Die etwas überdrehte Julia hat im Alter von 40 Jahren Paul, einen amerikanischen Botschafter geheiratet, lebt mit ihm eine Weile in Paris, langweilt sich und beginnt einen Kochkurs zu belegen, weil sie gerne gut isst und begreifen will, wie man delikate Speisen zubereitet. Sie lernt die Feinheiten und Tricks beim Kochen kennen und übt sich eifrig im Zubereiten der Rezepte, die man ihr an die Hand gibt. Mit zwei französischen Freundinnen schließlich schreibt sie eine Art Kochbibel, die nach vielen Anlaufschwierigkeiten zum Bestseller wird. Julia ist nun Fernsehköchin. Ein Star also.

Es ist ein großer Genuss Meryl Streep beim Kochen zuzuschauen. Ihr Talent für Komik ist beeindruckend. Julie Powell agiert mit viel Engagement in ihrer eigenen Küche, bereitet Artichocken zu, setzt Hummer ins heiße Wasser, zerteilt Enten, versucht sich an einem Bouef Bourgignon, einer Schokoladentarte und anderem mehr.

Julie bekommt im Internet immer mehr Leser, die Zeitungen berichten über sie und sie soll sogar ein Kochbuch schreiben. Wird aber ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen? Wird sie die mittlerweile 90 jährige Julia Child kennen zu lernen?

Ein toller Film, der den Zuschauern garantiert mehr als ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Die Bild- und Ton-Qualität sind bestens.





2012 - Endzeit und Neuanfang

"...ebenso tauchte die Insel Atlantis in die Tiefe des Meeres hinab und verschwand." ( Zitat, Platon, Timaios 25, übersetzt von Otto Apelt)

Walter-Jörg Langbein  befasst sich mit dem 21.12.2012. Dann nämlich  soll nach alten Maya-Berechnungen die Welt aufgrund einer weltweiten Katastrophe zerstört werden. Wie  hat man diesen prophezeiten Weltuntergang zu verstehen? Was würde ein solcher Untergang für uns Menschen bedeuten?

Gewaltige Katastrophen hat es immer gegeben, so lange die Erde besteht. Schon Platon berichtete vom Untergang von Atlantis, einem offensichtlich mächtigen Imperium, das ausgelöscht wurde, weil die Bewohner von überbordender Hybris beseelt waren. Ihr Hochmut führte dazu, dass Zeus den Kontinent Atlantis strafte und in den Fluten des Meeres versinken ließ.
Langbein reflektiert Aussagen  verschiedenener Religionen und deren Apokalypse -Vorstellungen und zeigt , dass der Koran und die Bibel im Gegensatz zu den Religionsvorstellungen der Hindus oder  der Mayas  bei dem Begriff Weltuntergang stets etwas Endgültiges im Sinn haben. Für die Mayas gabe es den Wechsel, den Zyklus, ein Blühen und Vergehen und ein erneutes Aufblühen.  Ist einem diese religiöse Vorstellung erst einmal klar, erschreckt das Datum 2012 nicht weiter.

Worin liegt der Sinn des Lebens? Wie lassen sich Katastrophen verhindern? Können wir aus den Legenden  der Mayas, Hopis und von den Steinfiguren auf der Osterinsel etwas lernen?  Verweisen alte Zeichnungen nicht auf  Astronauten ferner Sterne, die sich einst aufmachten, um auf der Erde  neuen Wohnraum zu finden?

Ist nicht die Zeit gekommen, dass wir die gesamte Erde, aufgrund des Klimawechsels und anderer Gegebenheiten als das neue Atlantis begreifen müssen?  Müssen wir  Überlegungen forcieren, fernab der Erde in den Tiefen des Alls nach bewohnbaren Planeten zu suchen, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern?

Der Autor schreibt auf Seite 100: "Seitdem erste Menschen als Astronauten in den Weltraum vorgedrungen sind, wissen wir um das große Geheimnis Planet Erde. Man muss in den Weltraum fliegen, um zu erkennen: Aus der tödlichen Eiseskälte des Weltalls betrachtet ist unser Heimatplanet ein einziges großes Atlantis. Doch wir verdrängen gekonnt die Gefahr, das auch unser Atlantis genau wie das Atlantis Platons untergehen kann."

Der weitgereiste Autor berichtet ausführlich von vielen  alten Kulturstätten, nicht zuletzt auch von Chizen Itza und Palenque in Mexiko und einer Botschaft auf einem Relief in Palenque, die nach seiner Interpretation lautet: "Mag ein Supervulkan oder ein gewaltiger Meteorit das Leben auf der Erde auslöschen, in einer "Raketenarche" können Überlebende dem auf Erden unausweichlichen Tod entkommen."

Für die Mayas galt demnach das Prinzip Hoffnung, ihr zyklisches Weltbild  lässt das Ende offen. Es gibt kein entgüliges Ende, sondern immer wieder einen Neuanfang. 2012 ist möglicherweise  nur eine Moment großer Umbrüche, welche es auch immer sein mögen und wohin auch immer sie uns führen mögen, vielleicht auf  einen anderen Stern. Mir fällt ein lateinischer Spruch ein "Per aspera ad astra", der  zum Wahlspruch für 2012 werden könnte.  Bemühen wir uns genau in diesem Jahr besonders intensiv um unsere alte  Mutter Erde, damit sie uns zukünftig wie ein neuer schöner Stern erscheint.  Das wird dann geschehen, wenn wir alle friedlich, liebevoll und verantwortungsbewusst mit ihr und den Menschen, die  sie bewohnen, umgehen.

Ein sehr spannend zu lesendes Buch, das verdeutlicht, dass es auf unserer Erde mithin keine Sicherheit gibt, dass wir vielen Unbilden ausgesetzt sind und dass wir unser Leben letztlich stets als eine Reise begreifen sollten.

Die 12 Geschworenen, DVD

Wie funktionieren Vorurteile? Wie funktionieren Projektionen? Wie funktioniert Gruppendynamik?

Dieser Schwarz-Weiß-Film von Sidney Lumet aus dem Jahre 1957 zeigt, wie Gruppendynamik funktioniert und wie Menschen in ihren Betrachtungen und Einstellungen nicht selten Opfer ihrer eigenen Vorurteile und Projektionen werden.

Ein 18 jährige Junge aus den Slums soll angeblich seinen Vater erstochen haben. Die zwölf Geschworenen beraten darüber, ob er schuldig ist oder nicht. Elf der zwölf Geschworenen sprechen sich zunächst für schuldig aus. Der Geschworene Nr. 8 (Henry Fonda) plädiert für unschuldig. Er tut es keineswegs, weil er wirklich von der Unschuld des Ankgeklagten überzeugt ist, sondern, weil er alle Argumente des Pro und Contra abermals ausloten möchte, da ein Menschenleben auf dem Spiel steht. Er möchte sich gemeinsam mit allen anderen ein Bild machen durch kritisches Hinterfragen. Das ist nicht einfach, denn die Gruppe hat eine vorgefertigte Meinung.

Im Laufe der Dialoge lernt man die Wesenszüge der einzelnen Geschworenen ( Gruppenmitglieder) näher kennen, sieht wie Mitläufer agieren, wie blöde Marktschreier sich produzieren und des Volkes Stimme darstellen wollen, sich empören, wenn andere zu anderen Ergebnissen gelangen und die "Abtrünnigen" am liebsten lynchen würden. Man sieht, wie Manipulation und fragwürdigses Wir-Bewusstsein geschaffen wird, aber auch wie es allmählich zerbröselt und wie selbst die größten Marktschreier irgendwann innehalten, wie jeder einzelne eigenständig zu denken und sich auf diese Weise die Meinung zu verändern beginnt. Wie kann man Gruppendynamik brechen, die von Manipulatoren und Hetzern immer wieder eingesetzt wird, um ihre Zwecke zu erreichen? Der Film macht es deutlich.

Die schauspielerischen Leistungen, auch die Dialoge sind exzellent. Dieser Film sollte in Schulen gezeigt werden, denn er ist pädagogisch wertvoll.

Die Bild- und Tonqualität sind bestens.

 

Pop- Art, DVD

Diese DVD-Dokumentation stellt das Leben und Werk des amerikanischen Malers, Grafikers und Bildhauers Roy Lichtenstein  ( 1923- 1997 ) vor. Er ist einer der Hauptvertreter der Pop-Art.
Die Kindheit und Jugend des Künstlers werden sehr eindrucksvoll thematisiert, ebenso die dann folgenden Lebensjahrzehnte.  Man sieht Lichtenstein bei der Arbeit und erlebt ihn während eines Interviews. Ich kannte bislang nur einige von Lichtensteins Werken, aber ich habe ihn nie zuvor gesehen bzw. gehört. Er ist ein sehr sensibler, liebenswerter,  ungemein sympatischer Mensch, ganz ruhig und sehr zurückhaltend, mit sehr warmherzigen Augen.

Man lernt eine Reihe seiner Werke näher kennen, erfährt, dass zum Markenzeichen seines Stils die sogenannten Benday Dots- "primäre Punkte, die nebeneinanderstehend oder überlagernd sich zu farbflächen zusammensetzten", wurden. Gezeigt wird , wie er diese Eigenschaften  der Reproduktionstechnik von
Druckerzeugnissen auf die Leinwand übertrug. Die dargestellten übertriebenen Symbole haben allerdings nichts mit mehr der Leinwand zu tun. Die vom Künstler geleistete Formvielfalt befähigt den Betrachter seine Sehmodelle zu demaskieren.
Man erlebt  Lichtenstein mit anderen Vertretern der Popart: Andy Warhol und James Rosenquist und  lauscht interessiert seinen Ausführungen, was ihn veranlasste in den 80er Jahren Picasso zu adaptieren.


Die Bilder kommen im Film farblich sehr gut rüber. Eine erhellende DVD, empfehlenswert


Schnitt für Schnitt

Wie zerlegt man einen Seeteufel?

Dieses Buch ist ein Muss für jeden Hobby-Koch. Wie schneidet, tranchiert, filetiert und torniert man richtig
und zwar verschiedene Gemüse- und Kräutersorten, Obst, Fleisch und Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte aber auch Brot, Gebäck und Kuchen?

Marianne Lump, die Autorin dieses Buches, wartet zunächst mit den Grundlagen  der Messerkunde auf. Wie nutzt man gute Messer? Wo bewahrt man sie auf? Wie schärft man sie und wie hält man sie sauber?

Alle diese Fragen werden gut beantwortet, bevor die Anatomie eines Messers thematisiert wird. Erklärt wird die Spitze, Klingenblatt, Schneide, Kropf, Erl, Griff, Hohlnieten. Dann werden Messerarten textlich aber auch im Bild vorgestellt, erklärt, weshalb Schneidebretter wichtig sind und wie man Messer fachgerecht schärft.

10 Regeln zum Messerschärfen sollte man beachten. Erst dann sollte man sich in die Grundlagen der Schneidetechnik vertiefen. Gut erklärt und visuell dargestellt werden: die Hammertechnik, die Tunneltechnik,
Rolltechnik, Krallengriff, Hebeltechnik,  lange gleichmäßige Scheiben schneiden, Hebeltechnik und Kreuztechnik.

In der Folge dann wird gezeigt, wie man Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, ja einfach alles schneidet. Besonders hilfreich finde ich die Beschreibung zum Zerkleinern von Ingwer, zum Zerteilen  von Artichocken, zum  Zerlegen von Ananas,  aber auch  das Häuten und Filetieren eines Seeteufels  und das Vorbereiten von Kalamar und Tintenfisch sind bestens erklärt.

Ein wirklich brauchbares Buch für die Küchenbibliothek, das ich gerne weiterempfehle.

Nachts kommen die Füchse von Cees Nooteboom

"Ich habe den Nordwind verloren...." ( C. Nooteboom),
"Alles fing vor ungefähr dreißig Jahren an. Ich saß mit meiner damaligen Liebsten in einem Straßencafé am Hafen. Beflaggte Segelboote, eine Prozession auf dem Wasser, der erste Fischer mit einer Figur der heiligen Jungfrau, die anderen Fischer um ihn herum, Singen und Tuten, ein goldgekleideter Pfaffe, der das Meer mit Weihrauch segnete, heidnische Rituale, die hier wahrscheinlich schon vor Christus stattfanden, denn das Meer flößt Angst ein, die beschworen werden muss, und das geht nun nicht mal ohne Priester........"

Dies ist eine Textstelle aus einer der Erzählungen aus dem vorliegenden Buch von Cees Nooteboom, das wie immer leicht melancholisch, wie immer wundervoll einfühlend geschrieben ist. Vortrefflich beobachtet der weitgereiste Schriftsteller Situationen, skizziert sie mit leichter Feder, völlig unangestrengt. Wie immer spaziert er gedanklich spielerisch durch die vergangenen Jahrzehnte, beeindruckend weltläufig, hält irgendwo inne, ein längst vergessenes Gefühl aufgreifend, es packend, geradezu stellend und es in seinen Erzählungen zu neuem Leben erweckend, leicht melancholisch, von dubiosen Füchsen heimgesucht werdend, zu Zeitpunkten, wo andere an greisenhafter Bettflucht leiden.
Kurzbeschreibungen der knappen Erzählungen möchte ich nicht liefern, weil das Lesevergnügen dadurch vermindert wird. "Ich habe den Nordwind verloren..... Ich war glücklich, aber es gibt niemanden, dem ich davon erzählen kann. Ich muss warten, bis Sturm und Meer mich wieder zum entferntesten Punkt rufen. So ist es verabredet." Solche Sätze liest man in diesem Buch immer wieder, wenn man von Nooteboom in seine geheimnissvolle Gedankenwelt entführt wird. Nootebooms Sätze sind voller Poesie.







Obama: Hoffnung für die Welt

Keinen Mann bewundere ich mehr als Obama.,
Dieser wunderbare Bildband ist dem Leben des amerikanischen Präsidenten Barack Obama gewidmet. Das Buch besteht aus einem Mix von eloquenten Texten und eine Fülle von Bildern, die veranschaulichen, weshalb dieser Mann eine Hoffnung für die Welt darstellt.

Man liest von seiner Kindheit, seinem Werdegang als Politiker, vom Kampf um das weiße Haus, seinem Sieg, der Übergangszeit, seiner Rede zur Amtseinführung und beginnt zu verstehen, weshalb die weiße und die schwarze Welt mit seiner übersetzerischen Hilfe letztlich zusammenfinden wird und zwar in einer heute noch ungeahnten Art und Weise.
Folgendes Zitat von Michael Powell aus dem Jahre 2008 im Buch finde ich bemerkenswert:"Er registriert jeden einzelnen Pfeil, den Kritiker auf ihn abschießen. Er ist zu hoffnungsvoll, zu unerfahren, nicht hart genug. Beim letzten Vorwurf nimmt er den Kopf hoch, tritt auf die Menge zu, beugt sich vor und sagt:"Hört mal, ich bin ein Schwarzer. Ich heiße Barack Obama und ich will Präsident werden. Und ihr wollt mir erzählen, ich sei nicht hart genug?"
Alle Aufnahmen verdeutlichen, dass er ein nachdenklicher, feinfühliger, humorvoller Mann ist, der von sich sagt, er sei wie ein Rorschach-Test." Selbst wenn die Leute am Ende von mir enttäuscht sind, könnte bei der ganzen Sache doch etwas für sie rausgekommen sein." Sein unverbrüchliches Selbstbewusstsein ist die Basis für seinen Optimismus, für sein "Yes we can".

Ein gelungenes Buch.






Black Book [UK Import] DVD ~ Thom Hoffman

Über die Habsucht und andere Abgründe.,  
 
 
Eine der ersten Einstellungen dieses Films von Paul Verhoeven zeigt eine junge Frau in Israel, die nachdenklich am Wasser sitzt und in die Ferne blickt.
 
Es handelt sich um die Protagonistin des Films Rachel Stein.
 
Man schreibt das Jahr 1956. 
 
Die dann folgende Filmhandlung findet in den Jahren 1944/45 in Holland statt.  
 
Die jüdische Sängerin Rachel Stein( Carice van Houten) lebt dort versteckt vor den Nazis bei Christen auf dem Land. Als das Haus dieser Familie zerstört wird, versucht Rachel mit Hilfe von Fluchthelfern nach Belgien zu gelangen. Auf der Flucht trifft sie auf einem Boot, das sie aus der Verfolgungshölle retten soll, auf ihre Eltern und ihren Bruder.
 
Ihre Familie wird - gemeinsam mit allen anderen jüdischen Flüchtlingen auf diesem Boot - vor ihren Augen von Nazis erschossen. Rachel ist die einzige, die - wie durch ein Wunder - gerettet wird. Zunächst ist unklar, wer mit den Nazis kollaborierte und den Fluchtplan verraten hat.
 
Man sieht wie Hitlers Schergen sich am Eigentum der Juden auf dem Boot bereichern und die Leichen nach Schmuck und Bargeld durchsuchen.
 
Rachel lernt nun Personen des holländischen Widerstandes kennen und ist bereit sich mit ihnen gemeinsam für die Befreiung Hollands zu engagieren.
 
Nicht alle Widerständler scheinen einverstanden zu sein die Rettung der Juden der Rettung politisch verfolgter Holländer nicht jüdischen Glaubens gleichzustellen. Verhoeven zeigt diese dunkle Seite des Widerstands.
 
Rachel begibt sich in Absprache mit den Widerständlern als Agentin ins Hauptquartier der Nazis in Holland, um die Befreiung inhaftierter Widerständler möglich zu machen.
 
Auf einer Zugfahrt hat sie Hauptsturmführer Münze ( Sebastian Koch) kennen gelernt. Nun wird sie gezielt seine Geliebte und will auf diese Weise auf seine Entscheidungen Einfluss nehmen. Dass sie sich in den Mann verliebt, war nicht vorhersehbar.
 
Münze , der bei dem Bombenangriff in Hamburg Frau und Kinder verloren hat, glaubt nicht mehr an den so genannten Endsieg und verhandelt heimlich mit den Holländern. Er möchte das Blutvergießen möglichst gering halten. Das wird ihm zum Verhängnis. Als die Nazis von seinen Plänen erfahren, verurteilt man ihn zum Tode.
 
Dieses Urteil wird zynischer Weise zu einem Zeitpunkt vollstreckt als der Krieg bereits beendet ist.
 
Rachel , die sich unter Einsatz ihres Lebens für die Sache des Widerstands eingesetzt hat, gerät plötzlich in Verdacht mit den Deutschen zu kollaborieren.
 
Ein holländischer Arzt, der als besonders kaltblütiger Akteur im Widerstand auftritt, hat sich im großen Stil am Eigentum der verfolgten Juden bereichert. Er lieferte aus Habsucht reiche Juden an die Nazis aus und nimmt bis zum Schluss aus Eigennutz in Kauf, dass Widerständler seitens der Nazis ermordet werden. Sein persönlicher Vorteil ist ihm wichtiger als das Leben seiner Freunde. 
 
Indem Verhoeven die Verstrickungen einiger Kollaborateure in das abgründige Treiben der Nazis thematisiert, schmälert er mit seinem Film keineswegs die Kaltblütigkeit der Nazis.
 
Neben ideologischer Verblendung waren Geltungs- und Habsucht offenbar Hauptmotive für die Niedertracht, die sie an ihren Mitmenschen ausübten. Immer wieder zeigt der Regisseur den Mangel von Empathie, zeigt Verrohung und Brutalität des braunen Packes.
 
Indem er auch die Abgründe einzelner Kollaborateure beleuchtet und die blinde Vergeltungssucht einiger Holländer gegenüber diesen Kollaborateuren deutlich macht, zeigt Verhoeven wohin Inhumanität führen kann, immer und überall. 
 
Die Verbrechen der Nazis werden dadurch nicht relativiert. Ganz im Gegenteil. 
 
Empfehlenswert.
 
 
 
 
 
  1.  

Künstlerinnen im Surrealismus

Der Traum und das Schöne, 23. Februar 2010


Karoline Hille stellt in diesem Buch Künstlerinnen des Surrealismus vor. Näher thematisiert werden das Leben und Schaffen der Künstlerinnen Toyen, Claude Cahun, Lee Miller, Dora Maar, Meret Oppenheim, Leonor Fini, Leonora Carrington, Kay Sage, Dorothea Tanning und Unica Zürn.

Im Vorfeld kann man sich in einen Essay über "Surrealistische Traumfrauen- Künstlerinnen des Surrealismus vertiefen. Der Surrealismus war zunächst eine Bewegung in der Literatur später in der Malerei, die sich die Darstellung des Irrationalen und des Traumhaften in den Tiefen des psychisch Unbewussten zum Ziel gesetzt hatte. 1924 wurde in Paris eine surrealistische Künstlergruppe gegründet. Der Dichter Brenton, der Hauptinitiator der Bewegung war, definierte den Surralismus wie folgt:"...Reiner psychischer Automatismus, in den man sich versetzt, um mündlich, schriftlich oder auf irgend eine sonstige Weise das wirkliche Funktionieren des Denkens zum Ausdruck zu bringen. Man steht dabei unter dem Diktat des Denkstroms, jegliche Kontrolle durch die Vernunft fällt ebenso weg, wie alle ästherischen und moralischen Bedenken."

Gezeigt wird im Buch, wie schwer es für die Surrealistinnen war, von ihren männlichen Kollegen ernst genommen zu werden. Brenton erwähnte in seiner Schrift "Surrealismus und Malerei" von 1928 keine einzige Frau. Nicht selten wurden die Surrealistinnen aufgrund ihrer sexuellen Freiheit zum bloßen Fetischobjekt der Blicke gemacht. Dies gilt nicht zuletzt für Meret Oppenheim, die in diese erotische Falle gegangen ist. An ihr zeigt sich, was geschah, wenn die Männer aus einer realen Künstlerin eine ihrer surrealistischen Kunstfiguren machten.
Allerdings schafften es einige Künstlerinnen dem Surrealismus mit ihren Bildern, Dichtungen und Fotografien eine individuelle, weibliche Facette hinzuzufügen. Man liest von Künstlerinnen, die mit ihren Identitäten spielten und sich Traumfiguren und Fantasiegeschöpfe verwandelten. Bei keiner der Künstlerinnen war der emazipatorische Prozess im Streben nach künstlerischer und menschlicher Freiheit kontflikt- und schmerzfrei. Dies machen all die im Buch enthaltenen, gelungenen Künstlerinnenporträts deutlich, die illustriert sind mit Fotos aber auch mit Ablichtungen einzelner Werke der Künstlerinnen, wie etwa Dorotheas Tannings "Birthday", Kay Sages " Ich sah drei Städte" , Leonor Finis " Die Hexe" und Meret Oppenheims "Die Steinfrau".

Empfehlenswert.

Die Sprache der Vergebung ist die Sprache, durch die Frieden möglich wird.

Der Theologe Arnold Mettnitzer thematisiert in diesem Buch  das Sinn suchen, Trösten und Ermutigen in der Psychotherapie und Seelsorge. Jede Zeile des Buches verdeutlicht wie tief der Autor in die Seelen der Menschen geblickt hat. Er reflektiert die stille Pädagogik der sogenannten Lieserballade und zeigt , dass Ermutigung überhaupt der erste und wichstigste Liebesdienst darstellt, den  Menschen  sich gegenseitig zu leisten vermögen. " Einander Mut zu machen und dabei behilflich sein, das zu finden, was man benötigt, darin liegt ein wichtiger  Sinn des Lebens, so der Theologe. 

Mettnitzer  weiß , dass das Herz eines Menschen sich in dessen Stimme wiederspiegelt . Der Grundton des Herzens wird in der Stimme deutlich. Auch die Mimik und Gestik eines Menschen  sind Ausdruck seiner Gefühlswelten. Wir müssen lernen die Signale , die unser Gegenüber unbewusst aussendet zu  entschlüsseln.
Theologen und Psychologen  können es, wenn ihr Beruf Berufung ist.

Welche Sprache ist am Krankenbett angemessen, kann das Wort ein Instrument der Heilkunst sein? Der Autor versucht darauf Antworten zu geben und zu verdeutlichen, wie gesund das Lächeln und Lachen wirklich ist.  Nichts aber ist besser für die Seele als die Sprache der Vergebung. Wer ernsthaft bereut, dem wird vergeben, er reinigt sein Gewissen und  läuft nicht Gefahr  krank zu werden, weil  überbordende Schuldgefühle  Menschen letztlich irgendwann zu einem Neurotiker werden lassen.

Das Büchlein enthält eine Reihe sehr schöner Gebete.

Empfehlenswert.

Invictus - Unbezwungen DVD ~ Morgan Freeman

Die Kraft der Vergebung und Versöhnung

Rugby ist in Südafrika der Sport der Weißen, die WM steht vor der Tür, man ist ein Jahr davor chancenlos und Nelson Mandela wurde am 9.5.94 neuer Staatspräsident. Mit dieser Ausgangssituation entwickelt sich ein Film, über dessen Kraft und Eindringlichkeit ich nur diese Bezeichnung finden kann: ein H E R A U S R A G E N D E S Meisterwerk.

Mir fehlen im Kino ganz generell aufbauende, mutmachende Themen. Clint Eastwood fischt hier eine unglaubliche Geschichte aus dem Meer des Vergessens und präsentiert sie punktgenau vor der Fußball WM 2010. Nelson Mandela ist der stille, vergebende Mensch, der seine Präsidentschaft durch Vorbild und Vergebung ausfüllt, grandios gespielt von Morgan Freeman. Ja, es ist eine positive Geschichte, voll des Guten, der Liebe und Güte. Aber auch voller Entschlusskraft und klaren Visionen.

Die ungeheuere Wucht des Filmes entwickelt sich aus der Person Nelson Mandelas, dessen Wesenskern "Vergeben & Vermitteln" zu einer unglaublichen Handlung führt, deren Bilder aber nie laut oder aufgesetzt wirken. Der Film ist authentisch und bringt Situationen in das Heute, die genau so gewesen sein müssen. Die Szenen machen sich fest am gewöhnlichen Alltag, sie beziehen von dort her ihre Faszination. Wenn Mandela den Kapitän der Rugby Mannschaft empfängt, dann spricht er mit ihm als Mensch, er bedient ihn, schenkt ihm Tee ein. Eine seiner ersten Entscheidungen ist die Teamauswahl seiner Leibwächter, die aus schwarzen und weißen Südafrikanern gebildet werden. Wie sich die ehemaligen Todfeinde hier gegenüberstehen und Gemeinsames entdecken müssen, alleine diese Szenen wären ein Besuch des Filmes wert.

Obwohl Rugby zu sensationsheischenden Bildern verführen könnte, sieht man diese nicht. Im Gegenteil: dieser Sport wird geradezu entblößend vermittelt, oftmals durch Kamerfahrten unterhalb eines gegenseitig pressenden Spielerpulks, der Ton "klatschende Leiber" darübergelegt. Im Zentrum des Films steht der Aspekt, wie Sport zu einer gemeinsamen Sache zwischen Schwarz und Weiß, zu einer Versöhnung dieser beiden Lager und damit des gesamten Volkes beitragen kann.

Ich kann nur hoffen, dass sich mit Invictus der Horizont für mitmenschliche, versöhnende Inhalte weit öffnet und weitere Filme dieser Art nach sich zieht.

"Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen ... zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen, und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. ... Die Güte des Menschen ist eine Flamme, die zwar versteckt, aber nicht ausgelöscht werden kann." (Nelson Mandela)

Unbedingt ansehen! Kommentar

Vom Glück des einfachen Lebens

"Die erste Frage für den Anfang und den Verlauf einer Beziehung ist nicht: " Was könnte ich von dir haben?",, sondern: "Was wollen wir miteinander für den anderen sein?" (Paulus Terwitte)

Der Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte reflektiert die Ordensregel des Heiligen Franziskus und verdeutlicht, dass man mittels ihrer auch Fragen des täglichen Lebens beantworten kann. Franziskus lässt sich, so verspricht Terwitte, spielerisch in Gegebenheiten einbinden.

Der Kapuziner berichtet von der unverkrampften Fröhlichkeit des heiligen Franziskus, seiner Gelassenheit und seiner Art und Weise dem Vertrauen mehr zu trauen als dem Misstrauen. Wer sich, wie er auf das Leben einlässt, öffnet die Augen für das Leiden der Welt und sensibilisiert sich für die eigenen Kräfte sowie Schwächen und bejaht den je eigenen Weg, damit zum Wohle der Menschen zu wirken.

Man muss seinen Lebensmittelpunkt neu verorten und eine Entscheidung zu Gunsten des Lebens treffen, mit Gott, sich selbst und den Mitmenschen gute Ausdrucksformen finden, die Möglichkeiten des Heute ausschöpfen, schöpferisch bleiben, d.h. lebendig arbeiten, auch die gegenseitige Abhängigkeit bejahen, die Aufmerksamkeit für das Gute schulen, in Rechten und Pflichten leben, auch mutig sagen, was man glaubt.

Man sollte sich als Teil einer Gemeinschaft sehen, aufgeschlossen mit anderen kommunizieren und sich bewusst machen: "Wer einfach lebt, rechnet damit, Fehler zu machen." Wir Menschen sind fehlbar. Darüber sollten wir alle nachdenken und uns dies täglich bewusst machen. Dies ist der erste Schritt für ein positiveres Miteinander, ohne das das Leben nicht lebenswert ist. Ohne Vergebung sind zwischenmenschliche Beziehungen zum Scheitern verurteilt.

Empfehlenswert.







earBook Jazz

" Ich meinte nur, dass es ein paar unglaublich gute Musiker gibt, von denen wir viel lernen könnten. Wie Satie oder Strawinski." (Zitat Miles Davis)

Dieses earBook enthält 100 Schwarz-Weiß-Fotos der italienischen Fotografin Elena Carminati. Sie transportiert mittels der Fotos die Idee des Jazz auf vielfältige, sehr künstlerische Art und Weise. Der Autor und Jazzjournalist Vittorio Franchini porträtiert Musiker wie Bill Evans, Sonny Rollins, Gil Evans und Sängerinnen wie Ella Fitzgerald für den interessierten Leser. So entstehen in dem Mix von Bildern und Geschichten bezaubernde "Jazztales", die man am besten begreift, während man die vier CDs, die dem Buch beigefügt sind, beim Lesen hört.

Miles Davis, Ella Fitzgerald, Jimmi Scott, Dave Liebmann, Joe Henderson und viele andere mehr sorgen dafür, dass die Atmosphäre eines Jazz-Clubs in der 52 nd. Street heraufbeschworen wird.

Die Klangqualität der CDs ist perfekt.

Die Texte sind in englischer und deutscher Sprache abgedruckt und der Musik angemessen. Ein wirkliche Freude für Jazz-Freunde.

Empfehlenswert.

Mouches Volantes: Die Leuchtstruktur des Bewußtseins von Floco Tausin

Spirituelle Erkenntnisse im schönen Emmental

Floco, der Ich- Erzähler, berichtet von seinen Erfahrungen, die er im Hinblick auf die Erweiterung seines Bewusstseins gemacht hat. Er lernt im Emmental in der Schweiz einen Mann namens Nestor kennen, der ihn über Jahre mit Methoden vertraut macht, deren Ziel es ist, das eigene Bewusstsein in eine intensivere Richtung zu entwickeln, um auf diese Weise offener und kreativer zu werden.

Zunächst lernt Floco mit seinen Körperenergien sinnvoller umzugehen. Floco ist ein Stadtmensch - er kommt aus Bern - und führt normalerweise ein völlig anderes Leben als Menschen, wie Nestor und seine Bekannten im Emmental. Floco stellt auf Anraten Nestors seine Ernährung um, bewegt sich intensiver und beginnt richtig zu atmen. Durch richtiges Atmen und intensivere Bewegung, wie etwa Tanzen jenseits des vorgegebenen Taktes, werden Energieblockaden aufgelöst. Neue Energie kann aufgebaut und dann wieder abgegeben werden.
Lebensenergie, so lehrt Nestor ihn, soll nicht an materielle Gedanken, Vorstellungen und Gefühle gebunden werden, vielmehr soll sie in das sogenannte Gesamtbild einfließen. Floco lernt die Grundstruktur dieses Gesamtbildes kennen, zweifelt jedoch stets an dem, was er von Nestor erfährt oder selbst sieht. Er nimmt diese Grundstruktur durch "Mouches Volantes", kleine Partikel, die sich durch Konzentrationsübungen in seinen Augen gebildet haben, wahr. Es handelt sich offenbar um Fäden und Kugeln, die als eine Art Leuchtstruktur zu den tieferen Schichten des Bewusstseins führen und begreifen lassen, dass hinter allem, was ist, das reine Licht steht, dessen Leuchtkraft und Glanz man um so intensiver sieht, je mehr man sich von allen Anhaftungen frei gemacht hat.
Der Autor hat die Landschaft des Emmental in ein ganz besonderes Licht getaucht, nicht zuletzt, weil er sie mit viel Liebe beschrieben hat. Darüber hinaus verdeutlicht er dem Leser, dass der Sinn des Seins nur darin bestehen kann, das ewige Licht als das hinter allem stehende zu erkennen und dass die persönliche kleine Welt der materiellen Gedanken, Vorstellungen und Gefühle im Grunde lächerlich sind im Verhältnis zu dem großen, ewigen, lichtdurchfluteten Gesamtbild.

Die Folge dieses spirituellen Erkennens kann im Grunde nur Demut sein!
Empfehlenswert!



Weisheit aus dem fernen Osten - Gedanken und Sinnsprüche von Josef Guter

Je höher dein Rang, desto demütiger sei dein Herz. (Liä Dsi),

In dieser Zitate-, Gedichte- und Anekdotensammlung erhält man zu Beginn einen sehr guten Überblick zu den fernöstlichen Lehren und kann damit die Entwicklungen aus Konfuzianismus, Buddhismus, Tao Te King etc. gut erschließen. Nicht bekannt war mir die Tatsache, dass China ein 2000 Jahre dauerndes Beamtentum (bis 1911) hatte, das auch in Vietnam und Korea übernommen wurde. "Die Herrscherdynastien dieser Reiche entmachteten den Adel und setzten Beamte ein." Der Beamte wurde streng geprüft und musste den Konfuzianismus detailliert kennen und eigene Gedichte geschrieben haben. Darüber hinaus waren die Beamten in der Folge auch malerisch und musisch geprägt, die meisten spielten das "philosophische Instrument", die Zither. Dieser Hintergrund erklärt möglicherweise die tiefe Verwurzelung des chinesischen Volkes bis ins Heute mit den Grundregeln des Konfuzianismus als einer Lehre der Harmonie zwischen Himmel und Erde bzw. das wahrhafte Er- und Aufleben erst mit und in den Gesetzen der Natur.


Liä Dsi ist übrigens das wahre Buch vom quellenden Urgrund. Wir lesen dort weiter: "Wer in sich selbst ruht, der kann warten, der kann wirken, der kann leiten." Besonders hervorheben möchte ich noch diese Aussage: "Wenn Groll von einem Menschen ausgeht, so kommt früh oder spät wie hundertfaches Echo Groll auf ihn zurück."

Dass es ein Wiedersehen mit allen guten Taten gibt, formuliert Buddha: "In der andere Welt empfangen uns unsere guten Taten wie einen lieben Freund." Einzig in der Liebe kann der Hass besiegt werden. Buddha führt aus: "Nur die Liebe unterjocht den Hass, dies ist ein Weltgesetz."






Rezension: Henri Rousseau

Rousseaus Ruhm liegt in seinem zauberhaften Werk begründet."( Daniel Kramer), 23. Februar 2010


Der französische Maler Henri-Julien-Félix (1844-1910) ist ein bedeutender Vertreter der Naiven Malerei. Anlässlich des 100. Todestages des Künstlers findet noch bis zum 9. Mai in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel eine Ausstellung mit seinen Werken statt.

Das vorliegende Buch enthält einige sehr erhellende Essays, die sich mit dem Künstler und seinem Werk auseinandersetzen, sowie Ablichtungen seiner ausgestellten Gemälde mit vielen guten Kommentaren.

Sehr beeindruckt war Rousseau von dem Salonmaler Adolph William Bouguereau. Es war dessen pseudorealistische Malweise, die ihn faszinierte. So wollte er auch malen. Der Künstler war allerdings auch von der Natur fasziniert und studierte in Gewächshäusern Pflanzen, allerdings dienten ihm mitunter auch Abbildungen aus Gewächshäusern als Vorlagen. Atypisch für ihn als naiven Maler ist die Gegebenheit, dass bei vielen Bildern vorbereitende Skizzen für die Kompositionen und Farbanlage maßgebend gewesen sind. Betrachtet man sein Gesamtwerk, so kann man exotische Bilder, zahlreiche Landschaften und Stilleben, aber auch Porträts und Gruppenporträts bewundern. In der Ikonographie nehmen seine Frauen einen wichtigen Platz ein. Insgesamt kann man festhalten, dass in seiner Bildwelt die Sehnsucht nach einer friedlichen Welt zum Ausdruck kommt und hier im Besonderen ein tiefer Respekt vor allem Kreatürlichen.
Von seinen Gemälden mag ich "La charmeuse de serpents" am meisten. Es ist eines seiner 26 berühmten Dschungelbilder, das im Buch vortrefflich erklärt wird. Die 39 abgelichteten Ausstellungsbilder sind von lobenswerter Qualität, das wird besonders bei den vielen unterschiedlichen Grüntönen sichtbar.

Empfehlenswert ist der Essay " Henri Rousseau und die Avantgarde- ein Künstler für Künstler", der aufzeigt, dass seine Malerei von Malern wie Robert Delaunay, Pablo Picasso, Ferdinand Léger, Wassily Kandinsky, Joan Miró und Max Ernst offenbar mit großem Interesse zur Kenntnis genommen worden sind. Besonders durch die Vertreter der Pariser Avantgarde, so liest man im Epilog, erfuhr Rousseau im 20. Jahrhundert eine ganz neue Bedeutung.
Aus dem Epilog zitiere ich nicht ohne Grund folgende Stelle: "Darf man Rousseau als "Künstler für Künstler" bezeichnen? Gewiss- in der Einleitung zu seiner Schrift "Mon ami Henri Rousseau" hatte Delaunay bereits 1911 geschrieben:" Rousseau ist von der ignoranten, boshaften Kritik seiner Zeit überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden. Nur einige wenige Maler haben nach und nach den wahren Wert seines OEvres entdeckt und geahnt, welche Ausstrahlung es haben wird."

Gelungen ist auch die Kurzbiografie am Schluss des Buches.

Empfehlenswert.









Auf des Funkens Spitzen. Weisheiten für das Leben

 
Wenn das Licht um des Dunkels Nacken den Kranz der Liebe wirft - dann entsteht Schöpfung."( Tagore), 22. Februar 2010  

 
Rabindranath Tagore (neuere Schreibweise: Rabindranath Thakur) war der erste Nobelpreisträger Asiens (1913). Er schrieb in bengalischer Sprache. Zwei seiner Lieder sind heute in den Nationalhymnen von Bangladesh und Indien zu finden. Hat die bengalische Sprache eine Tendenz zur pointierten Verkürzung, so zeigen die in dieser Sammlung stehenden (allesamt gereimten) Weisheiten genau diesen Aspekt einer reichen Sprache und Schaffens.

 
In lesenswerten Vor- und Nachworten werden Lebenslinien dieses bengalischen Dichters aufgezeigt inkl. seiner Rezeption als Mystiker und (nahezug gottgleicher) Heiliger. Unabhängig von solchen Interpretationen stehen seine Gedanken für sich und speziell dieses Büchlein schafft es leicht, den Schatz seiner Gedankenspuren zu entdecken.

Ein Beispiel:

 
"Der Tod: Ich raube einen Sohn.

 
Der Dieb: Ich einen Schatz.

 
Das Schicksal: Ich nehme alles, was Du hast.

 
Der Verleumder: Ich deinen guten Namen.

 
Der Dichter:

 
Wer kann mir meine Freude nehmen!" 

 
Die stille Poesie Tagores wird von der Quelle natürlicher Einsichten gespeist, sie werden im Buch gegliedert in Natur, Liebe, Weisheit, Mikro- und Makrokosmos. Seine Gedanken schöpfen aus den Tiefen der Natur gespeist, ein Spiel aus Wolken, Bäumen, Blumen, Wind und Schatten: "Wenn das Licht um des Dunkels Nacken den Kranz der Liebe wirft - dann entsteht Schöpfung." Kommentar
Kommentar als Link

 

 

 

Die Kunst der Gegenwart

Kennen Sie Howard Hodgkin?, 22. Februar 2010


Von Helga König "helga-koenig@web.de" - Alle meine Rezensionen ansehen


Dieses Buch befasst sich mit den 200 am häufigsten ausgestellten Künstlerinnen und Künstlern der letzten 40 Jahre. Man erfährt in groben Zügen, wo die jeweiligen Schwerpunkte des künstlerischen Schaffens der einzelnen Künstler auszumachen sind und wodurch sie sich von anderen Künstlern abgrenzen. Von jedem der Künstler wird zumindest ein Werk gezeigt, um sich eine visuelle Vorstellung von dem zu machen, was ihn auszeichnet.

Francis Bacon, Joseph Beuys, Christo & Jeanne -Claude, Keith Haring, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Andy Warhol kennt jeder, der sich ein wenig mit Kunst befasst. Diese Künstler sind vortrefflich beschrieben und man hat meines Erachtens auch die richtigen Werke ausgesucht, um das Spezifische ihrer Kunst auf den Punkt zu bringen.

Faszinierend finde ich die Skulpturen von Louise Bourgeois. Diese Künstlerin zählt zu den bedeutendsten Kunstschaffenden der Gegenwart. Erklärt wird nicht zuletzt ihr Werk die Spinne (1997). Interessant sind hier die psychonanalytischen Deutungsmuster. Ein, wie ich finde, ganz wunderbarer Künstler ist auch Richard Deacon, dessen Arbeiten an einzelne Partien des menschlichen Körpers erinnern. Jasper Johns Art sich künstlerisch zu artikulieren beeindruckt mich möglicherweise, weil sein Werk sehr unpersönlich ist. Hier finde ich folgende Interpretation bezeichnend: "Wenn sein Werk unpersönlich erscheint, dann hebt dies einen anderen Widerspruch hervor: dass er durch einfache Bilder und einen völligen Rückzug vom Humanismus wieder in Verbindung zu den Menschen tritt."

Einige Künstler sind in ihrem Werk nicht einfach zu verstehen. Man kann sich ihrer Kunst nur nähern, wenn man völlig unbefangen darauf zugeht und sie zunächst nur betrachtet und auf sich wirken lässt. Zu frühes Beurteilen verhindert einen tieferen Einblick.

Auf den letzten Seiten werden in knappen Worten einzelne Kunstrichtungen erklärt, wie etwa der Minimalismus und Videokunst und es werden Begrifflichkeiten, so etwa "hohe und niedere Kunst" erläutert.

Ein gelungenes Buch.

Edle Spezialitäten aus der Schweiz

Nirgendwo wird der Gaumen so sehr verwöhnt, wie in der schönen Schweiz., 21. Februar 2010

Dieser Prachtband ist den edlen Spezialitäten in der Schweiz gewidmet. Gleich zu Beginn des Buches darf man auf einer Doppelseite die Schweizer Berge bewundern und wird von einem Schweizer Rind, das an seinen Ohren die Nummer 7399 trägt, beinahe auf die Hörner genommen. Im Gegensatz zu einem spanischen Stier wirkt das Tier aber vergleichsweise harmlos.

Wieso der Leser gewissermaßen von einem Schweizer Rind begrüßt wird, vermag ich nicht zu interpretieren, denn nur vergleichsweise wenige der Produkte, die in diesem Buch thematisiert werden, haben mit Milch oder gar mit Rindfleisch zu tun. Ich assoziere die Schweiz kulinarisch betrachtet nicht mit einem Rindvieh, sondern mit Gaumenkitzlern aus Confiserien, speziell aus solchen, die in Zürich lokalisiert sind.

Zur Sprache kommen im Buch eine Vielzahl von Gewerbebetrieben, die delikate kulinarische Produkte herstellen und vertreiben. Zunächst wird man über die Genussgeschichte der Schweizer Edelbrände unterrichtet, man erfährt Essentielles über das Herstellen der Destillate, erhält wichtige Informationen zum Schweizerischen Obstverband, wird über eine große Anzahl von Brennereien in Kenntnis gesetzt und erfährt auf welche Weise sie agieren. Die Weine in der Schweiz und sehr gute Weingüter werden vorgestellt, auch die Weine des von mir geschätzten Weinguts Schipf, das übrigens schon im Jahre 1582 gegründet wurde.

Man lernt Schweizer Confiserien kennen, auch Bäckereien, Käseerzeuger, Hersteller von Wyländer Rauchfleischspezialitäten, sowie einige sehr gute Hotels. Hier fühle ich mich besonders vom "Zunfthaus zur Waag" angesprochen, das ich ganz bestimmt besuchen werde, wenn ich mich demnächst in Zürich aufhalte, um dort eine liebe Freundin zu besuchen und mit ihr Butterösti und Geschnetzeltes nach einem Originalrezept zu goutieren.
Die Küchenchefs der einzelnen vorgestellten Hotels im Buch warten übrigens teilweise mit Rezepten auf und lassen dabei keinen Zweifel aufkommen, dass man nirgendwo so gut speist, wie im Land Wilhelm Tells.

Das mit Abstand beste Rezept stammt aus dem "Restaurant im Belvoirpark" in Zürich. Dabei handelt es sich um: "Gebratene Seeteufelmedaillons mit Riesencrevette auf konfierten Tomaten und glasierten Frühlingszwiebeln, mit Safran-Kartoffelpüree um Champagnerschaum."
Ein sehr schönes, reich bebildertes Buch mit vielen Adressen, das mich davon überzeugt hat, mich demnächst in die schöne Schweiz zu begeben. Was spricht dagegen sich im "Hotel zum Storchen" in Zürich längerfristig einzumieten und sich dort verwöhnen zu lassen? Eigentlich doch nichts, oder?






















Schwimmentchen

Kleine und große Männer wollen spielen. Wieso nicht mit Schwimmentchen?, 21. Februar 2010


Von Helga König "helga-koenig@web.de" - Alle meine Rezensionen ansehen

Diese süßen Quietschentchen bestechen durch ihre fröhlichen Farben: Gelb und Orange mit einem ziemlich hohen Rotanteil. Solche Farben sind bei Kindern beliebt und die idealen Begleiter nicht nur für die Badewanne, sondern auch für das sommerliche Plantschbecken.

Ich habe die allerliebsten Entchen dieser Tage dem 2 jährigen Sohn meiner Cousine geschenkt, der sie vergnügt mit ins Wasser nahm und dazu " Alle meine Entchen" trällerte. Seine Mutter hatte ihm das Lied beigebracht, sich allerdings zuvor in nachstehendem Kinderliederbuch texlich kundig gemacht Alle meine Entchen. (Mit Schleife): Allererste Kinderlieder.
Während Jakob mit den Entchen spielte und Wellen machte, vertieften meine Cousine und ich uns in einen Prachtband, den ich heute noch rezensieren werde und überlegten dabei, ob man die Quietschentchen nicht letztlich allen Jungs - auch den in die Jahre gekommenen in die Wanne setzen sollte. Wellen zu produzieren macht ja nicht wenigen, auch bereits alten Knaben Spaß. Wenn sie dazu dann noch "Alle meine Entchen trällern", ist alles bestens. Infantilisierung würde ich nicht unterstellen. Männer wollen spielen. Wieso nicht mit Schwimmentchen?
Die Badeentchen sind so leicht und handlich, dass selbst Babys sie problemlos in die Finger nehmen können. Ausgewachsene Intellektuellenhände dürften damit auch keine Schwierigkeiten haben. Die Entchen sind farbecht. Man kann auch darauf rumkauen. Sinnvoller allerdings ist es ein Lied zu schmettern und die Entchen schwimmen zu lassen. Wer sich gerne bemerkbar macht, darf voller Inbrunst quietschen.:-))
In diesem Buch lernt man eine Fülle von  Gewerbebetrieben näher kennen, die in Österreich kulinarische  Köstlichkeiten produzieren  und vertreiben  Man liest Erhellendes über die Geschichte der Edelbrände, erfährt wie aus Früchten edle Brände werden und wird über die Feinheiten im Hinblick auf Schnaps, Obstler und Edlen Bränden aufgeklärt. Nicht unwichtig bei der Produktion edler Destillate sind auch wild wachsenden Beeren aus Österreichs Wäldern. Als Königsdisziplin gilt das Schnapsbrennen aus der Eisbeere. Diese Frucht ist der Vogelbeere verwandt und gilt als besonders wertvoll. Im Alpenvorland wächst sie auf hohen Bäumen. Ihr Ertrag ist wohl sehr gering. Bei den vielen guten  Produzenten, die im Buch im Fokus stehen, ist es beinahe unanständig einen  Destillator hervorzuheben.  Mein besonderes Augenmerk gilt Max Nirnberger. Seine Destillation erfolgt im klassischen Doppelbrandverfahren. Das Obst, das er verwendet stammt von österreichischen Bauern, die Nirnberger persönlich kennt. Man erfährt, dass seine Brände in der hochwertigen Gastronomie ausgeschenkt werden.  Nirnbergers Flaschen sind überaus gut gestaltet und heben sich von allen anderen ab . Ich zitiere: "Eckige Flasche, flach, wie hoch, wie hochformatige Bücher, mit schlicht beschrifteten Ettiketten. Die Sorten sind nicht etwa als Marillenbrand oder Weichelbrand bezeichnet, sondern folgen dem Drehnbuchtext eines Theaterstückes in vier Akten. Jeder Edelbrand hat seinen Auftritt zu einer lebendigen Figur." Eine tolle I.
Österreichs Weißweine werden reflektiert und die Roten aus dem Burgenland. Einige der Weingüter kenne ich und finde , dass sie sehr gut beschieben worden sind, so etwa das Weingut Umathum in Frauenkirchen, dessen Weine ich sehr zu schätzen weiß.

Über die Produkte guter Bäckereien,  Cafés, Konditoreien und Patisserien aber auch Metzgereien wird man unterrichtet  und darf sich nicht zuletzt  in Toni Mörwalds Gastlichkeit vertiefen, über die ich im Rahmen einer Rezension vor Kurzem ausführlich berichtet habe.

Dieses Buch  bietet Informationen und Adressen zu hauf und motiviert dazu sich Produkte aus Österreich zu Ordern, beispielsweise Weine vom Weingut Bründlmayer in Langenlois. Sein Grüner Veltliner schmeckt zum Niederknien gut.

Das neue große Buch der Engel

" Ihr Engel in den Himmelshöhn, /Vernehmt mein Schluchzen und mein Flehn." ( Heinrich Heine)

Dieses Buch schenkte mir meine Cousine, eine Publizistin, vor drei Jahren zu Weihnachen, um mir eine Freude zu machen, wissend, dass ich eine starke Affinität zu Engeln habe, genau wie sie selbst, aufgrund entsprechender Beeinflussung durch unsere erzkatholische, ermländische Großmutter.
In diesem Buch erfährt man in Grunde alles über diese Himmelswesen, beginnend mit deren Erschaffung und dem Fall einiger Engel, wie Luzifer. Man liest vom Lieben und Leiden der Engel, kann sich in Gedichte vertiefen, die sich mit Engeln befassen und ist überrascht, welche namhaften Dichter sich mit ihnen geistig auseinandersetzten. Sogar die Publistin Noelle Neumann und Gräfin Dönhoff widmeten den Engeln Texte. Dönhoff schrieb: " Auch meinen Schutzengel stelle ich mir nicht konkret vor. Er ist etwas Abstraktes. Ich habe einfach die Gewissheit, dass mein Schutzengel da ist."
Es folgen eine Fülle von Eindrücken über Engel. Man liest von Schutzengeln in der Bibel, LSD- Engeln aber auch von Ernst Jüngers Reflektionen im Hinblick auf diese Himmelswesen. Kafka schreibt über sie, auch Morgenstern und Marc Chagall befasste sich mit ihnen. Unmöglich über alle zu sprechen, die sich in Lyrik und Prosa mit ihnen auseinandersetzten und im Buch textlich festgehalten worden sind.
Heinrich Heine schreibt "An die Engel" und Jean Paul reflektiert den "Tod des Engels". Goethe vertieft sich in "Fausts Grablegung", aber keiner erfasst die Engel so wie Rilke in seinen "Duineser Elegien" und doch ist es ein anderes Gedicht, das mich weitaus mehr berührt, wenn es um Engel geht. Man hat das Gedicht im Buch der Abbildung Raffaels "Sixtinischer Madonna" beigegeben:
Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne noch keine Note

Es steht im Dunkeln der Kellertür
Seitdem die Welt verrohte

Es spielen Sternenhände vier
- Die Mondfrau sang im Boote-
nun tanzten die Ratten im Geklirr
Zerbrochen ist die Klaviertür...
Ich beweine die blaue Tote.

Auch liebe Engel öffnet mir
- Ich aß vom bitteren Brote-
Mir lebend schon die Himmelstür-
Auch wider dem Verbote.

( Elke Lasker-Schüler)

Ein schönes, reich bebildertes Buch, das Goethe gewiss gefallen hätte:

Engel schwebend in der höheren
Atmosphäre....
......
.....
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis
Das Unzulängliche
Hier wird`s Ereignis

Das Unbeschreibliche
Hier ist`s getan
Das Ewig-Weibliche
Zieht und hinan.
(J. W. von Goethe)
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Engel erscheinen, um zu verschwinden
Sind Mittler zwischen Dunkel und Licht...
(G. Zschorsch)
Ich denke, genau so ist es.

Gesegnete Mahlzeit

Herr Jesus Christus, jeden Tag beschenkst du uns mit deinen Gaben,
Allein dein Wohlwollen an uns hat seinen Grund in der der Großmut deines Herzens,
das immer für uns geöffnet bleibt, jetzt und in Ewigkeit.
Amen
(Aus dem täglichen Tischgebet der Seitenstettner Mönche)

Irmgard M. Hofmann stellt in diesem Buch Rezepte aus der Stiftsküche Seitenstetten vor. Die Fotos hat der dortige Abt Mag. Berthold Heigl OBS realisiert. Man liest gleich zu Beginn von den kulinarischen Schätzen des Stiftsarchivs, so etwa einem Kochbuch von 1640, einem anderen aus dem Jahre 1873 und hier von einer Festtafel, die 11 Gänge umfasste.

Das "Seitenstettner Herrnlaibel" wird thematisiert. Es wurde bis vor 20 Jahren täglich für die geistlichen Herren dort gebacken. Danach folgen die Rezepte. Untergliedert sind diese in Rezepte für Erdäpfel, Fleisch und Fisch, Gemüse, Obst und Mehlspeisen. Mein besonderes Interesse gilt allerdings den Sonderrubriken: Erdäpfel historisch, Fleisch und Fisch historisch, Gemüse historisch, Obst und Mehlspeisen historisch.

Im Klostergarten von Seitenstätten baute man bereits 1621 Erdäpfel an und kreierte damals schon einen Kartoffelsalat, der sich von heutigen Erdäpfelsalaten kaum unterscheidet. Bemerkenswert sind auch die Fleischgerichte von 1640, so etwa das Rezept für ein gefülltes Spanferkel und ein ebenso altes Rezept für "ein gutes Süppchen über einen gebratenen Kapaun". Eine Grüne Soße und eine französische Kräutersuppe aus dem Jahre 1859 verdeutlichen, dass man sich vor 150 Jahren auch schon intensiv, um gesunde Kost bemühte. Die historischen Obst- und Mehlspeisen zeigen, dass bereits vor Zeiten dem Süßen nicht immer widerstehen konnte, aber trotz des Genusses von "Weichselknödeln" ein hohes Alter erreichte.

Die Rezepte aus der heutigen Klosterküche sind wirklich lecker. Sehr delikat ist der Kräuter-Erdäpfelsalat, in dem frischer Estragon für den letzten Kick sorgt, eine Kräuterhändel, das mit reichlich Bier bestrichen wird, eine Gartengemüsetorte, der Kräuter-Eierschmarren - hier spielen Brennesseln, Spitzwegerich, Sauerampfer, Zitronenmelisse, Schnittlauch, Petersilie, Estragon, Kerbel, Thymian und Basilikum eine nicht unwesentliche Rolle. Bei den Obst- und Mehlspeisen hat mir das Rezept für der "Topfenstrudel mit Blätterteig" besonders gut gefallen. Ideal ist der Strudel dann, wenn man ihn mit eingemachten Marillen belegt.
Dem Abt scheinen all die Speisen gut zu bekommen. Er sieht erstaunlich jung aus für sein Alter. Dies führe ich auf das Gute und Gesunde der Klosterküche zurück.

Empfehlenswert.













 

Backstage

 Frauen wollen schön sein. Was sonst bitte?

Der Meisterfotograf Claudius Holzmann folgt als exklusiver Backstage-Fotograf der Mercedes-Benz- Fashion Week Berlin und als Starfotograf im Auftrag der UNESCO  seiner Berufung : der Peoplefotografie,  so erfährt man auf der vorletzten Seite dieses Bildbandes, der  seine fotografischen Eindrücke der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin  in vielschichtiger Weise thematisiert.

Der junge Designer Kilian Kerner hält fest: " Durch die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin haben wir die Gelegenheit, auf deutsche Mode aufmerksam zu machen.Wir bekommen die Möglichkeit, uns einem immer internationaler werdenden Publikum in einem wahnsinnig professionellen Umfeld zu präsentieren."

Das Buch enthält Aufnahmen von ungeschminkten , sehr jungen Mädchen  von Modemachern, von Modells , die Mode vorführen und es werden  Make-up-Artists  bei ihrer Arbeit gezeigt. Offizieller Partner der Mercedes-Benz-Fashion Week Berlin  in Sachen Make-up ist Maybelline Jade.  Ein Interview  mit  Boris Entrup in englischer Sprache verdeutlicht in welche Richtung sein Engagement  beim Schminken der Modells geht.
 
Holzmann gelingt es die Gefühle der Mädchen sehr gut abzulichten, deren Konzentration aber auch das Gegenteil davon zu zeigen.  Diese jungen Frauen zeichnen sich durch Fröhlichkeit und Liebreiz aus. Die Modells unterscheiden sich von den bekannten Top- Modells dadurch, dass sie  ganz ungemein lebendig wirken. Es sind keine Göttinnen, sondern hübsche Mädchen von Nebenan. Keine der jungen Frauen wirkt exaltiert. Das macht sie sympathisch.

Die Mode wird bei Holzmann zur Nebensache, gehuldigt wird  der Jugend und deren Natürlichkeit, deren Unbefangenheit sich hübscher Kleider zu bedienen, ohne sich damit darstellen zu wollen. Mode wird zum Bestandteil des Alltäglichen. Sie steht bei Holzmann nicht auf dem Podest. 

Ein gelungener Bildband.

Hongkong. Meine Liebe.

"Besser als einer, der weiß, was recht ist, ist einer, der liebt, was recht ist; und besser als einer, der liebt, was recht ist, ist einer der Begeisterung fühlt für das, was recht ist." (Zitat: Loa-tse)


Thorsten Boose und Silke Oettel  haben den Anspruch an sich gestellt, einen speziellen Reiseführer über Hongkong zu konzipieren. Worin unterscheidet sich dieser von all den anderen, die auf dem Markt sind?

Grob gesagt, er ist mit mehr Liebe und pesönlichem Engagement verfasst worden und verfügt über eine 38 Seiten lange Filmecke. Dort kann man sich in Filmrezensionen der Autoren vertiefen, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich werde zum Ende meiner Rezension darauf abermals zu sprechen kommen.

Die sehr spannenden Reisebeschreibungen, die dem Buch eine angenehm  persönliche Note verleihen, werden durch  eine Vielzahl hübscher Foto von der Stadt  zusätzlich belebt. Es handelt sich hierbei nicht um die touristischen Standardfotos, die man aus anderen Reiseführern kennt, sondern um abgelichtete individuelle Eindrücke, wie etwa die wirklich gut gelungene idyllische Momentaufnahme im Nan-Lian-Garten des Chi Nunnery in Diamond Hill.

Die Autoren nehmen den Leser mit auf  ihre Erkundungstour. Die einzelnen Punkte hier aufzulisten, halte ich allerdings für wenig sinnvoll. Zur Sprache kommen dabei auch kleine Inseln und Dörfer, beispielweise Stanley, ein Fischerdorf, das die Einheimischen einst nicht grundlos "Chuck Chu" ( Räuberdorf ) nannten.
Festhalten  möchte ich allerdings, dass die Autoren es schaffen, das Gesehene stets hervorragend intellektuell aufzuarbeiten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter auch imposante Tempelanlagen und Museen, werden  gut erklärt, auf Besonderheiten der Architektur wird hingewiesen, auch Hotels werden genannt. Dabei wurde das Peninsula und das Heritage erfreulicher Weise nicht vergessen. Schön, dass die Autoren diese beiden Spitzen-Hotels nicht ausgespart haben, denn durch ihre Erwähnung wird deutlich, dass dieser Reiseführer keinesfalls für Billigtouristen gedacht ist.

Die Idee das Buch mit Filmrezensionen zu Filmen aus Hongong zu beschließen, möchte ich besonders loben.
Für einen Erstreisenden in diese Stadt sind Filme ein guter Einstieg, um die Mentalität  und die Gefühlswelt von Asiaten kennenzulernen. Solche Informationen erleichtern den Umgang mit den Menschen dort ganz gewiss. Der Film "Chan`s Hong Kong" ist meines Erachtens der ideale Einstieg:  Die Autoren schreiben  hier u.a." Jackie erklärt uns einiges über die Kultur ( den "Großen Buddha" streifen wir dabei) , den Glauben und die Geschichte und erklärt, dass Hongkong heutzutage das weltweite Zentrum der Kampfkünste sei, das sich hier aus allen Kampfkünsten die Meister niedergelassen haben. Neben dem hektischen Großstadtleben bietet der Film auch Gelegenheit zur Entspannung auf Cheung Chau Island, wo es keine Autos gibt."

Empfehlenswert.

Süßes aus dem Sacher

Nicht nur ältere Damen verlieben sich in "Indianer mit Obersfülle".

Dieses  traumhafte Kochbuch beinhaltet 300 Rezepte aus der Sacher-Backstube. Das  1876 gegründete Hotel Sacher in Wien dürfte jedem ein Begriff sein und Liebhaber süßer Köstlichkeiten werden möglicherweise auch schon gehört haben, dass Franz Sacher als 16 Jähriger Lehrling im Dienste Metternichs eine der berühmtesten Torten der Welt erfand, die nach ihm benannte Sacher-Torte.

Die vorliegenden Rezepte hat der Küchenchef des Hotels Sacher Wien Hans Peter Fink unter Mitarbeit von Jasmin Scheuringer  auf den Weg gebracht. Bevor die Rezepte präsentiert werden und mit einer Fülle verlockender Ablichtungen süßer Köstlichkeiten seitens der Spitzenfotografin Luzia Ellert und des renommmierten Bildjournalisten Kurt -Michael Westermann aufgewartet wird, erfährt man alles Notwendige über Grundteige, Massen, Glasuren und Saucen.

Aufgelistet sind die wichtigsten Utensilien für die hohe Schule der Zuckerbäckerei, des Weiteren die zehn goldenen Backregeln des Sacher-Chefkochs Hans Peter Fink. Die erste Regel  stammt von seiner Großmutter, einer , wie er hervorhebt, exzellenten Mehlspeisenköchin.  Sie sagte." Butter kann durch nichts ersetzt werden- und was nicht nach Butter schmeckt, kannst du vergessen." Allerdings  besagt Regel 4 "" Weniger ist mehr!" Man erfährt  auch die 20 goldenen Regeln für Marmeladen und erhält Hinweise, wie man beispielsweise Schnee schlägt
.
Die Herstellung der Grundteige und Massen wird bestens erklärt. Sehr gut haben mir die Hinweise gefallen, die verdeutlichen, wie Strudelteig wirklich gelingt.  Der Rezeptteil ist untergliedert in: Torten und Schnitten; Kuchen, Strudel, Gugelhupf;  Portionsgebäck, Kekse, Pralinen und andere Naschereien, Kalte Desserts,
Parfait, Sorbet und andere Köstlichkeiten, warme Sacher- Mehlspeisküche sowie Shakes und Drinks.

Die erklärten Rezepte werden durch  kurzweilige Geschichten und Anekdoten aufgelockert. Wenn Sie wissen möchten wie man beispielweise eine Topfenmoussetorte, eine  Zuccotto-Piemont-Haselnusskuppel, einen Schokoladen-Gugelhupf,  Marillenhippen, Sacher-Eispralinen, Wachauer Marillen-Palatschinken oder einen delikaten Kaiserschmarren kreiert, sollten Sie sich dieses Buch kaufen. Natürlich  wird man auch  genau instruiert wie man eine Sachertort bäckt. Hier erfährt man vorab, dass das Originalrezept im Safe des Sacher unter Verschluss gehalten wird. Das im Buch enthaltene Rezept ist ist eine vereinfachte Variante, die wie man liest "dem Original , wenn man es richtig macht, geschmacklich schon sehr nahe kommt."

Ps. Dass  man die "Böhmischen Powidl-Liwanzen"  nicht vergessen hat, jat mich besonders gefreut, denn diese hat mir als Kind mein böhmischer Urgroßvater oft zubereitet. Eine süße Leckerei, die mit Zwetschkenröster geradezu überirdisch schmeckt.

Germanen

"Ich entsage allem Teufelswerk und Teufelswort. Donar, Wotan und Saxnot und allen Unholden, die ihre Genossen sind.",

(Schwur der heidnischen Sachsen bei ihrer Taufe zu Ende des 8. Jahrhunderts)

Geo Epoche Heft 24 berichtet im Rahmen vieler sehr guter Aufsätze über die Germanen. Man erfährt, so verspricht der Untertitel, wie sie lebten, woran sie glaubten und weshalb die kämpften.

Unterrichtet wird man gleich zu Beginn über einzelne Stämme der Germanen: die Chatten, die Chauken, die Cherusker,die Friesen, die Goten, die Kimbern und die Langobarden. Mir haben es dabei am meisten die Kimbern angetan, die einst durch die römische Armee vernichtet wurden, aber sich durch besonderen Mut, meine Lieblingstugend, auszeichneten.
Thematisiert wird natürlich die großen Auseinandersetzungen mit den Römern, des Weiteren auch die germanischen Moorleichen, sprich die Opfer geheimnisvoller Rituale. Bilder zeigen, dass die äußere Hülle der Toten im sauren Mileu teilweise nahezu vollständig erhalten blieb. Man liest von einem Ort namens Oberdorla, wo Männer, Frauen und Kinder der Opfertod fanden. Seen und Moore dienten den Germanen als Kultstätten. In Oberdorla (Thüringen) befanden sich am Ufer des Moorsees kleine heilige Bezirke. Die Bilder der Moorleichen muten übrigens wie kunstvolle Skulpturen an. Sehr beeindruckend.
Unterrichtet wird man über den Handel entlang des Grenzwalles Limes, über die Welt der germanischen Götter und schließlich über die Runen, das geheimnisvolle Zeichensystem der Germanen. Es folgen eine Reihe weiterer erhellender Beiträge über die Wotananbeter, die schließlich in einem Beitrag über die Christianisierung der germanischen Stämme münden. Hier liest man von einem gotischen Bischof, der die Bibel im Jahre 350 ins Gotische übersetzte. Wulfilas intellektuelle Leistung bildete die Grundlage für die Christianisierung vieler Germanen.

Fast ganz zum Schluss wird der Sachsenführer Widukind (der letzte Germane) fokussiert, der sich lange Karl dem Großen widersetzte. Er war ein tapferer Rebell, der den Widerstand gegen Karl dem Großen immer wieder neu organisierte. Schade, dass die Nazis ihn für ihre Ideologie instrumentalisierten. Das hat Widukind eigentlich nicht verdient.

Dieses Geomagazin schafft es, die historischen Fakten über die Germanen scharf vom ekelhaften Nazi-Mythos zu trennen und auf diese Weise dem Leser die Skepsis gegenüber den blonden Recken zu nehmen. Mit einem Wort das Bild wird gerade gerückt. Prima.











Rahmenkunst

Nicht nur Effner-Rahmen sind schön., 17. Februar 2010

Dieses Buch befasst sich mit der Rahmenkunst aus vier Jahrhunderten. Eine Vielzahl wunderschöner Rahmen wird vorgestellt und jeweils ausführlich erläutert. Im Zuge diverser Aufsätze, die dem Katalogteil vorangestellt sind, erfährt man Näheres über die Einrichtung und die Rahmung von Bildern im 18. Jahrhundert, über die Herstellung von Bilderrahmen im 18. Jahrhundert und wird in diesem Zusammenhang auf ein Buch hingewiesen, das die Technik des Vergoldens in 17 Schritten erläutert. Dieses Buch erschien in Paris im Jahre 1787. Helge Siefert beleuchtet textlich auch die Darstellung von Rahmen auf Gemälden aus Bayerischen Staatssammlungen. U.a. erwähnt er das "Gastmahl im Hause des Bürgermeisters Rockox", um 1630/35, das man im Original in der Alten Pinakothek in München besichtigen kann und das im Buch sehr gut abgelichtet ist.

Mit großem Interesse habe ich Helge Sieferts Beitrag zur Geschichte der Rahmensammlung gelesen und gleich zu Beginn erfahren, dass die ältesten Rahmen der Bayrischen Staatsgemäldesammlungen aus der herzoglichen Kunstkammer in der Münchener Residenz stammen. So existiert noch immer ein Zyklus von 24 Kostümbildern, die ganz exakt die Frauentrachten diverser Provinzen in Holland wiedergeben und sich noch heute in den Originalrahmen mit den authentischen Bildunterschriften befinden (vgl.S.31).

Der Bestand von so genannten Effner-Rahmen soll sehr groß sein. Highlights sind neben den Effner-Rahmen auch solche von Karl Albrecht, von Leo von Klenze und von Francois Cuvilliés. Man liest von Exemplaren der Rahmenkunst, die aus Galerien und Kabinetten, wie etwa aus den Residenzen Schleißheim, Nymphenburg, Bayreuth etc. stammen, bevor man sich mit dem Katalogteil näher beschäftigen kann.
Nicht unerwähnt bleibt, dass aus dem Bestand über 4000 Bilder der Alten Pinakothek künstlerich wie historisch bedeutsame Rahmen ausgewählt wurden, die einen repräsentativen Einblick in die Geschichte der Rahmenkunst vom 18. bis 19 Jahrhundert gewähren (vgl.S.66).

In der Folge lernt man die einzelnen Rahmen näher kennen. Am Anfang steht ein Kapselrahmen, entstanden um 1560. Die Beschaffenheit des Rahmens und andere Eckdaten werden dem Leser gut verständlich nahe gebracht. Mit allen 90 weiteren Exponaten wird analog verfahren. Man liest von Leistenrahmen, Kabinettrahmen, Laubwerkrahmen, Blattrahmen, Flammleistenrahmen, Schildplattrahmen, Louis-XIV-Rahmen, Prunkrahmen im Stile des Rokoko etc. und erhält sowohl textlich als auch visuell eine genaue Vorstellung von diesen kunstvollen Gegenständen.
Dem sich dem Katalogteil anschießenden Glossar kann man wichtige Begriffserklärungen, wie etwa zur Polimentvergoldung oder aber auch zur Ölvergoldung u.a.m. entnehmen.
Spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird man bei Aufenthalten in Museen nicht nur den Gemälden, sondern auch ihrer kunstvollen Umrandung mehr Beachtung schenken und entzückt sein, wenn man einem "Dresdner Galerierahmen" begegnet, den man sofort an den Initialen "AR" (Augustus Rex) erkennt.

Empfehlenswert.



" Einige der Frauen kann der Scharfrichter auch unter schweren Qualen nicht brechen." ( Gesa Gottschalk),

Europa im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1618 wird in diesem Magazin für Geschichte vortrefflich dargestellt. Im Rahmen eloquenter Aufsätze und vieler Bilder erhält man einen guten Überblick über jene unwirtliche Zeit.

Auf den ersten Seiten werden einige Gemälde aus besagten Jahrzehnten gezeigt und kurz erklärt. Dazu zählt u.a. ein Ausschnitt aus dem Triptychon "Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch. Dargestellt ist hier "wie Dämonen nackte Sünder mit riesigen Messern martern; andere werden von Höllenbestien zerfleischt oder über ein Feuer erhängt". Solche angsteinflößenden Bilder, die nicht nur durch den Kopf Boschs geisterten, veranlassten die Menschen damals Ablassbriefe zu kaufen.

In der Folge liest man von Luthers Thesen, die auf eine zutiefst verunsicherte Christenheit trafen, vom Wormser Reichstag 1521 und den dortigen Begebenheiten und kann sich an dieser Stelle in ein Gemälde von Lucus Cranach vertiefen, welches darstellt wie Christus am Jüngsten Tag die Menschen richten wird.

Der Beitrag "gegen Kaiser und Papst" bringt dem Leser die Persönlichkeit Luthers recht gut nahe. Allerdings habe ich den Folgebeitrag mit weitaus größerem Interesse gelesen. Er thematisiert das Leben und Wirken des von mir hochgeschätzten Jakob Fuggers, des wohl damals reichsten und mächtigsten Mannes Europas, der meines Erachtens weitaus bedeutender für die Zeitgeschichte war als Luther, der unserem Land  mehr geschadet als genutzt hat.

Die Bauernkriege kommen zur Sprache und in diesem Zusammenhang auch Thomas Münzer, auch die radikale Täuferbewegung in der westfälischen Stadt Münster und die absurden Verhaltensmuster des Schneiders Jan van Leiden, der zum König der Münsteraner Täufer wurde. Vergessen wird auch nicht die Reformation in England, die Peinlichkeiten des Ignatius von Loyola und seiner Jesuiten, die den Kampf gegen die Reformation aufnahmen, die gelungene Würdigung des Malers Lucas Cranach, die Pariser Bluthochzeit Die Bartholomäusnacht - dieser Beitrag ist außerordentlich gut gelungen und schließlich der Text zur Hexenverfolgung.

Gesa Gottschalk, berichtet, dass Ende des 16. Jahrhunderts Tausende der Angst ihrer Nachbarn zum Opfer fallen. Es handelt sich um die Angst vor Hexen,"die Angst vor dem Bösen in einer Welt die aus den Fugen geraten scheint." Im oberschwäbischen Ravensburg kam es zu einer der ersten großen Hexenvervolgungen in Deutschland. Die Autorin steigt sehr gut in die Thematik ein, berichtet von Maria Mannalin und vielen anderen Frauen, die einst in Bludenz gefoltert wurden. Das Zeitalter der Glaubenspaltung war ein Zeitalter der Zugebrettertheit und des Fanatismus, das letztlich in den Dreißigjährigen Krieg mündete. Wirtschaftlich und gesellschaftpolitisch gesehen haben die religiösen Auseinandersetzungen viel Unheil angerichtet. War der theologische Zwist dies alles wert? Nach meiner Ansicht nicht. Gott lob folgte 200 Jahre später die Zeit der Aufklärung.
Ein gelungenes Magazin.












Süßes zur Weihnachtszeit: Kekse. Punsche. Stollen. Pralinen. Zelten von Ingrid Pernkopf

Königsbusserln und Mundi Bussis hätten Kant gewiss geschmeckt.:-)),


Die österreichische Kochbuchautorin Ingrid Pernkopf stellt in diesem Buch süße Rezepte zur Weihnachtszeit vor. Dabei zeigt sie gleich zu Anfang wie man glasiert, dekoriert, garniert, verziert, füllt und Gewürze mischt. Gefallen hat mir in diesem Zusammenhang besonders das Rezept für kristallisierte Blüten. Hier werden frische, essbare Blüten haltbar gemacht, die man als Dekor oder Garnitur verwenden kann. Die Weihnachtsgewürzmischungen sind gelungen. Das "Glühmostgewürz" eignet sich auch für Glühwein und zum Ansetzen von Punsch und Likören.

Lobenswert ist das Kapitel "Backen mit Kindern". Kinder sind von Natur aus kreativ. Sie kneten und basteln gerne und können sich beim Backen diesbezüglich austoben. Bunte Zuckerperlen dürfen nicht fehlen. Kinder mögen es bunt, sofern man ihnen die Lebensfreude noch nicht abtrainiert hat.

In der Folge lernt man Rezepte für Desserts, Kuchen, Schnitten und Gebäck kennen. Sehr gut ist das "Baumkuchenrezept", der "Dattel-Feigenkuchen", der durch den Armagnac ein feines Aroma erhält und der "Weihnachtliche Früchtekuchen", der sich bestens als Geschenk eignet.

Nächstes Lob: auch an Diabetiker wurde gedacht. Diese dürfen sich auf acht leckere Rezepte freuen und brauchen nicht auf den Geschmack von Weihnachten verzichten.

Die Rezepte für Konfekt, Pralinen, Naschwerk gefallen mir dann besonders , wenn Weihnachtsgewürze verwendet werden. Hervorheben möchte ich hier die "Zimttrüffel für Hohlkörper" und den "Weihnachtskonfekt".
Über die Ingredienzien von Makronen, Spritzgebäck und Busserln zu lesen macht schon jetzt Lust mit der Weihnachtsbäckerei zu beginnen. Sehr delikat sind die "Pignolikipferl" und die "Biskotten", geradezu ideal zu einer Tasse Milchkaffee. Mürbeteigplätzchen, wie etwa "Linzer Augen" oder "Spekulatius" stehen auf dem Backprogramm und natürlich auch "Vanillekipferl". Man erfährt wie man Lebkuchen, Früchtebrot und Stollen bäckt und es werden Salzgebäck und Vollwertiges thematisiert. Ich selbst backe gerne mit Dinkelmehl, nicht nur weil es gesünder ist als Weißmehl, sondern auch weil es leckerer schmeckt.

Gelungen sind die Rezepte für "Weihnachtsmarmeladen", wie etwa "Winterapfel" mit Rum und Lebkuchengewürz, "Weintrauben mit Nüssen" und die "Zwetschgenmarmelade mit Marzipan". Das Bittermandelöl verleiht dieser Marmelade den letzten Kick.

Sirupe, Liköre und Getränke kommen zu Sprache. Sehr delikat ist der "Traunkirchener Weihnachtspunsch". Neben schwarzem Tee, Rum und Weinbrand sorgen Gewürznelken und anderes für weihnachtslichen Aromen.

Ingrid Pernkopf wartet auch mit ausgewählten Klassikern aus ihren anderen Büchern auf, so etwa mit "Kletzenbrot", delikaten Marillenrollen und Traunsee-Schnitten.

Zum Ende des Buches werden Geräte und Werkzeuge zum Backen vorgestellt und erklärt sowie mit zahlenreichen Informationen zur Warenkunde und zu den Produkten aufgewartet, eine Vielzahl von Verarbeitungshinweisen gegeben, erklärt wie man Back-Fehler vermeidet und österreichische Begriffe ins Deutsche übersetzt. Wobei mir die österreichischen Begriffe besser gefallen. Busserl, Kipferl, Powidl, Striezel, Ribisil sind sprachliche Zucker-Busserln vom Himmel. Ganz große Verneigung vor dem österreichischen Sprachgefühl.

Ein Muss für Weihnachtsbäcker/innen.


Die Welt des Salzes von Regina Schneider

 Nulla enim utilius sale et sole" *( Isidor von Sevilla),

Regina Schneider thematisiert in diesem Buch den bis heute wertvollsten und unentbehrlichsten Mineralstoff der Welt: das Salz. Zu Beginn erzählt sie zunächst die Geschichte des weißen Goldes. Man erfährt, welche Bedeutung das Salz für die Kelten, Griechen, Römer hatte und liest, dass abergläubische Menschen früher ihre Türschwellen mit Salz bestreuten, um Dämonen, Hexen und den Teufel fernzuhalten. Der Handel und Transport seit dem Altertum ist ein Thema. Auf einer Karte werden berühmte europäische Salzhandelsrouten vom Mittelalter bis zu 16. Jahrhundert dargestellt. Als der wohl bedeutendste antike, transeuropäische Transportweg gilt die "Via Salaria". Diese verband die Salzteiche im römischen Ostia mit der Adriaküste im Osten und dehnte sich netzartig in verschiedene Himmelsrichtungen aus. Die Stadt Venedig gründete ihren Reichtum und ihre politische Macht ebenfalls auf den Salzhandel. Interessant auch ist die 4000 jährige Salzgeschichte Bad Reichenhalls. Dort werden bis zum heutigen Tag alpine Solequellen geschöpft.
In der Folge liest man Näheres zum deutschen Salz. Einst berühmte Salinen entdeckt man an der Osteeküste. In der Nähe von Hannover wird Siedesalz produziert. Des Weiteren werden Salzproduzenten in Westfalen und Salinen im Osten genannt. Lüneburg war eine alte Salzstadt. Über 1000 Jahre lang wurde dort Salz hergestellt. Der größte Teil des Salzes wurde zum Einlegen von Heringen genutzt. Deutschland rangiert mit seiner Salzproduktion auf dem dritten Rang hinter China und den USA, wobei lediglich 3% als Speisesalz in den Handel kommen.
Ohne Kochsalz kann der menschliche Zellstoffwechsel nicht funktionieren. Man liest über die chemische Zusammensetzung von Salz, über den Natriumchloridanteil und der Tatsache, dass Arsen, Kupfer, Blei, Cadmium und Quecksilber nur in minimalsten Anteilen vorhanden sein dürfen. Der Sinn der Salzzusätze Jod, Fluoris und Folsäure und die Rieselhilfe von Salz kommen zur Sprache, bevor Meersalz, Siedesalz, Natursalz und das so genannte Himalajasalz unter die Lupe genommen werden.

Die Autorin reist mit den Lesern alsdann zu den Salinen und Salzen der Erde. Man lernt die Salzgärten von Guérande in Frankreich, die Salzstrände von Gujarat in Indien, die salzigen Höhen: Salar de Uyuni in Bolivien, die salzigen Tiefen im Toten Meer, den Salzfluss, konkret die Salinen von Maras in Peru, die Salzwälder in Guinea/Westafrika, die Salinenminen von Taoudenni/Mali und die Salzberge von Salt Range (Punjab/Pakistan) kennen und wird ausführlich über diese Orte und das Wirken dort aufgeklärt.
Weshalb das Salz in der Küche eine so große Rolle spielt, wird gut nachvollziehbar erklärt und es wird ausgelotet, wie Salz eigentlich schmeckt. Unterschiedliche Salze können auf der Zunge neben dem Geschmack "salzig" durchaus noch weitere Nuancen wahrnehmen. Interessant ist diesbezüglich das Interview mit Patrick Zbinden im Hinblick auf ein Salz-Tasting.
Gewürzsalze werden thematisiert und man lernt die hohe Kunst des Salzens kennen. Natursalze bedürfen einer guten Salzmühle. Ich teile die Meinung der Autorin, dass es sich lohnt teure Salze im Haus zu haben, nicht zuletzt, weil sie den Umgang mit dem Salz verändern und sich positv auf eine sensible Feinschmeckerküche auswirken. Mit teuren Produkten geht man in der Regel bewußter um. Besonders sparsam sollte man Speisen salzen, die selbst einen hohen Salzanteil haben, wie etwa Pilze, Fische und Milchprodukte. Leber muss vor dem Braten gesalzen werden, ansonsten wird sie hart. Fleisch sollte man besser erst nach dem Braten salzen, damit der Fleischsaft nicht austritt.

Aufgeklärt wird man über mehr als 70 Salzsorten. Fleur de Sel entsteht bei optimalen klimatischen Bedingungen (kein Wind, kein Regen) an der Oberfläche der Meersalinen. Fleur de Sel de Carmargu, mein Lieblingssalz zum Würzen von Tomaten, schmeckt etwas schärfer als der Klassiker aus den Salzgärten der Bretagne und enthält einen hohen Anteil an Jod und Magnesium. Inka-Sonnensalz aus den peruanischen Anden hat einen hohen Eisenoxidanteil, aber auch Himalaja-Salz verfügt über Eisenpartikel, die man an der rosa Farbe des Salzes bereits erkennt.

Über die gesundheitliche Wirkung des Salzes wird auch man aufgeklärt. Besonders auf der Haut entwickelt es heilsame Kräfte, Mineralsalze im Wasser bewirken Regeneration und Linderung von Beschwerden. Deshalb sollte man auch Heilwasser trinken.

Auf den letzten Seiten des Buches werden einige Rezepte mit besonderen Salzsorten vorgestellt u.a. ein "Fischcarpaccio mit Zitronengras und Olivensalz".

Das Buch ist sehr gut konzipiert. Ein Mix aus klaren Texten, Zitaten, Fotos, Landkarten etc. sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt und man immer wieder neu inspiriert wird, mit diesem Mineralstoff klug umzugehen.
Empfehlenswert.

* "Es gibt nichts Nützlicheres als Salz und Sonne."





Paolo Pellegrin

Ein Vollblutfotograf mit Haudegenhumor., 16. Februar 2010

Jochen Siemens stellt in diesem Buch beeindruckende Fotografien Paolo Pellegrins vor. Den Bildern ist eine Kurzbiografie (in englischer und deutscher Sprache) über den 44 jährigen Römer vorangestellt, der derzeit in New York lebt. Seine Bilder thematisieren Katastrophen, Kriege, Flüchtlingskamps, Hungersnöte, Hollywood und Modeschauen. Sie fangen, so Siemens, stets etwas Flüchtiges ein. Es handele sich um Szenen, die wir in den Augenwinkeln sehen, ohne sie sogleich zu verarbeiten. Es seien Schnappschüsse der Angst, der Aufregung und des Alltags. Gut beobachtet seitens Siemens, wie ich finde. Übrigens saß Pellegrin eine Woche lang mit Arrafath im Bunker in Ramalah, ein Jahr im Kosovo und Monate in den Flüchtlingskamps von Dafur. Kein unaufregendes Leben demnach.

Der Fotograf ist keineswegs angstfrei, aber er ist in der Lage seine Angst in Vorsicht zu verwandeln. Viele Preise, darunter zahlreiche World-Press-Auszeichnungen hat Paolo Pellegrin bis heute erhalten. Ein Kriegsfotograf ist er allerdings nicht, weil er sich auch immer wieder auf anderem Terrain erfolgreich bewegt.
Bei den Fotos im Buch handelt es sich um Schwarz-Weiß- aber auch um Farbaufnahmen.

Erschreckende Bilder aus Israel, vom Terror dort, Aufnahmen von der Brutalität in Liberia und der Armut auf Haiti stehen Momentaufnahmen von Hollywoodschauspielern gegenüber. Glamour ist nicht sein Thema: Kate Winslet mit Lockenwickelern schaut eher aus wie eine Vorstadtschwalbe und Brad Pitt wie ein irischer Arbeiter. Pellegrins Bilder bestechen nicht dadurch, dass sie der Schönheit huldigen, sondern in dem sie Wirklichkeit ungeschminkt ablichten. Seine Fotos sind perfekt und sehr interessant.



Empfehlenswert.