Was an dem Motiv dieses Kunstdruckes orientalisch sein soll, ist mir bislang verborgen geblieben. Ich mag das Bild der grünen Farbtöne , aber auch des düsteren Gesamteindrucks wegen. Es ist ein Werk, das in meinen Augen Melancholie visualisiert.
Verwunderlich, dass das Motiv, trotz der doch eigentlich lebensbejahenden grünen Farbe mich an das Seufzen der Bäume und den Abgesang der Vögel denken lässt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Grüntöne in den Abgrund zu rutschen scheinen. Auch eine Form von Abgesang.....
Das nachstehende Gedicht von Fritz Isenmann harmoniert m.E. mit diesem Kunstdruck, den man matt-golden rahmen sollte.
Abgesang
verlorene worte schweben
einer dunklen wolke gleich
über uns
und wachsen und verdunkeln
unsere schatten
und sie erdrücken
unsere letzten widerstrebenden worte
und wortlose stille liegt
gleich einem leichentuch
über uns
und das rauschen des windes
das prasseln des regens
das seufzen der bäume
und der abgesang der vögel
werden unsere letzten spuren bedecken
Rezension: Am liebsten nach Süden: Unterwegs in Europa von Sybille Bedford
" Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen." (Goethe)
" Am liebsten im Süden " enthält Reiseerinnerungen der Schriftstellerin Sybille Bedford, die vor zwei Jahren im Alter von 94 Jahren in London verstorben ist.
Sofern Leser die hervorragenden Romane Bedfords noch nicht kennen, es handelt sich hierbei um Milieustudien der Upperclass, werden sie dennoch bei der Lektüre dieses Buches sehr rasch feststellen, dass es sich bei dieser Schriftstellerin um eine hochgebildete, sehr kultivierte Intellektuelle handelte, die das " Savoir-vivre " zu schätzen wusste und als Weinkennerin wie auch Liebhaberin feiner Gaumengenüsse gerne im Kreise von Freunden das Leben genoss.
Bedford scheint den Dichter Arthur Rimbaud geschätzt zu haben, denn sie stellt ihren Reisereportagen ein Gedicht dieses Poeten voran.
Ihre Erinnerungen beginnen mit einer Reportage aus dem Jahre 1948 und enden mit einem Reisebericht aus dem Jahre 1978. Interessant ist es auszuloten wie sich der Blickwinkel beim Reisen seitens dieser Dame im Laufe der Jahre verändert.
1948 auf Capri berichtet sie von ihrer Begegnung mit der Kriegsreporterin Martha Gellhorn. Von ihr ist sie begeistert, weil sie alle Eigenschaften einer Frau besitzt, die bei einem Betrachter das Gefühl hinterlassen unter einem " Tausendfünfhundert-Watt-Kronleuchter " ( Zitat Bedford ) zu stehen. Ihr Capri-Bericht steht letztlich noch unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges.
Auch ihre Reise, die sie 1953 in die Schweiz unternimmt, zeigt nur verhaltene Lebenslust. Dies ändert sich allerdings einige Jahre später deutlich.
Sehr bemerkenswert sind ihre Reiseschilderungen aus dem Jahre 1961. Sie reist nach Frankreich sowie Italien und gibt der Reportage nicht grundlos den Titel " Die Kunst des Reisens " . Für Bedford bedeutet Reisen zunächst einmal eine Auseinandersetzung des Ichs mit der Welt. Sie erläutert dezidiert, woraus diese Welt für sie besteht und was das Ich möchte. Die Schriftstellerin hat demnach eine konkrete Vorstellung von dem, was sie will, gleichwohl räumt sie ein, dass sie auch das Unerwartete finden möchte, das allerdings nicht irritieren darf.
Reisen soll ein harmonischer und damit ein angenehmer Zustand sein. Sie reflektiert das Reisen in vorangegangen Zeiten und befasst sich mit dem Begriff des Komfort, der ihr nicht unwichtig ist, um in der Folge über die Hotels, Restaurants, das Essen und den Wein zu schreiben, den Dingen, denen bei ihrer damaligen Reise das Hauptaugenmerk galt.
Ihre lukullischen Betrachtungen in der Normandie habe ich mit großem Interesse gelesen, nicht zuletzt, weil ich Ende der 70er Jahre als Studentin durch die Normandie trampte und teilweise - obschon zwei Jahrzehnte vergangen waren - ähnliche Erfahrungen sammeln konnte. Sie schreibt über den Cidre und meint er begünstige eine grüblerische, mürrische, suizidale Form von Trunkenheit und ist skeptisch im Hinblick auf den normannischen Hang zur Butter und Sahne. Ihre Bedenken gipfeln in der These, dass Gefräßigkeit und Habgier oft an in Hand in Hand gehen. Eine wahrlich subtile Spitzzüngigkeit gegenüber den Bewohnern der Normandie!
Sie reist vom Norden Frankreichs in den Süden, fährt weiter nach Italien, schreibt vom Wein und den landestypischen Speisen, um schließlich Rom und Florenz zu besingen.
Die Portraitskizze Dänemarks im Jahre 1962 thematisiert Eigentümlichkeiten dieses Landes, hat die Architektur im Auge und geht der Frage nach, ob die Dänen schon immer ein friedliebendes Volk gewesen sind. Haben die Dänen religiöse Toleranz praktiziert?
Es ist unmöglich all die im Buch beschriebenen Reisen hier kurz zu skizzieren, allerdings möchte ich noch einige Worte zu der Reportage " La Vie de Chateau " sagen. Diese Reportage ist übrigens auch als Einzelband im Handel erhältlich. 1978 reist Sybille Bedford nach Bordeaux, um dort an einer Weinverkostung teilzunehmen. Sie verkostet bei Lafite und bei Chevalier : Latour, Margaux, Mouton..., die Premier Grand Crues der Region. Nicht unerwähnt lässt sie dabei, dass ihre wahre Liebe, dem Medoc, dem Graves, dem Pomerol und dem Sauterne gehört. Bedford hatte einen ausgereiften Weingeschmack, das lässt sich nicht bezweifeln.
Das Buch ist ein Lese-Highlight für Menschen, die das schöne Leben lieben.
Einen Satz der Grande Dame möchte ich zum Schluss zitieren, der mir besonders gut gefallen hat: " Venedig ist eine Stadt für das Auge, ein Ort ekstatischer Streifzüge, ein Ort des Begehrens."
Empfehlenswert.
PS: Die Übersetzung der Reisereportagen aus dem Englischen von Matthias Fienbork ist stilistisch ein Hochgenuss. Überzeugen Sie sich bitte selbst.
Rezension: Im Aufwind
Dieses Buch mit Ablichtungen von Aquarellen von Andreas Felger und Gedichten von Paul Celan, Robert Gernhard, Netsilik-Leute, Reiner Kunze, Ulla Hahn, Robert Walser, Wolf Biermann, Eva Schrittmacher, Elisabeth Borchers, Rainer Malkowski, Jochen Klepper, Ossip Mandelstam, Nelly Sachs, Sarah Kirsch, Uwe Kolbe, Marie Luise Kaschnitz, Erich Fried, Miguel Hernández, Hilde Domin und anderen mehr thematisiert durch Wort und Bild das Phänomen Hoffnung.
Der 1935 geborene Maler Andreas Felger studierte einst an der Kunstakademie in München. In seinem breit gefächerten künstlerischen Werk begegnen sich Natur, Musik, Zeitgeschichte und biblische Offenbarung. Ich schätze seine Bilder wegen der mediterrane Farben und der gekonnten Abstraktionen, die einen Rest Gegenständlichkeit nicht selten bewahren. Es sind ganz wunderbare farbliche Umsetzungen von Ideen und Begriffen, im vorliegenden Fall der Hoffnung. Nicht grundlos beinhalten viele der gezeigten Aquarelle Grüntöne. Diese Farbe assoziiert man bekanntermaßen mit der Natur, dem Frühling , dem Erwachen, der Erneuerung, der Hoffnung.
Felger malt den Regenbogen und die Sonne, Wiesengrün unterhalb von Himmelsblau, er malt Kirschblüten, und glühendes Rot, weiße Segel auf einem Optimistenmeer und immer wieder Farbkompositionen, die mich an die Provence denken lassen. Im Vorwort von Oliver Kohler erfährt man , dass die Risse im Malgrund mancher Aquarelle nicht als geöffneter Abgrund zu deuten sind, sondern stattdessen als Urgrund.
"Hoffnung schreibt Geschichten um" unterstreicht Kohler, der den Leser daran erinnert, dass sich für einen optimistischen, d.h. nicht resignierenden Menschen ein programmiertes Ende in einen überraschenden Anfang zu verwandeln vermag.
Es hat mich erstaunt, wieviele Lyriker sich mit dem Phänomen Hoffnung in ihren Gedichten auseinandergesetzt haben.
Hoffnung
Oh nein, o nein,
ich hab` mein Leben
nicht im Griff,
überhaupt nicht.
Eher umgekehrt.
Es hat Mich.
Es:
das Leben jetzt,
das Sterben einst,
doch Du darin, hoff`ich,
Du
(Kurt Martin)
Rezension: Das Bonus-Geheimnis: und andere geschichten aus der Buisness Class- Martin Suter
"Ab einem gewissen Gehaltsniveau stellt sich die Frage der Qualität nicht mehr. "( Zitat: Suter),
Martin Suters ironische Kurzgeschichten aus dem gehobenen Management verdeutlichen, dass diese Hierarchieebene noch immer eine Männerdomäne ist, in der vermeintliche Alphamänner in einem geradezu neurotischen geführten Wettbewerb zueinander stehen und darum streiten wer hier eigentlich der Erfolgreichste von allen ist.
Ihr Erfolg bemisst sich am Geld, an den Gehältern, bemisst sich aber auch an der Höhe ihres Bonus, den ein jeder am liebsten an die große Glocke hängen möchte. Schließlich möchte man zeigen, welch toller Hecht man ist. Statussymbole, wie entsprechende Automobile, klischeehaftes Verhalten - man raucht Cohibas und trinkt uralten Armagnac- sind den Jungs wichtig. Damit verdeutlichen sie, dass sie dazugehören. Ihr Habitus ist geradezu unerträglich stromlinienförmig. Wie Lemminge laufen sie alle in eine Richtung, weit davon entfernt wirkliche Alphamänner zu sein.
Woran es ihnen fehlt ist Individualität und Kreativität, woran es mangelt ist die Fähigkeit in der Krise ihren Mann zu stehen. Krisenmanagementaufgaben werden in der Regel an externe Berater vergeben. " Ab einem gewissen Gehaltsniveau stellt sich die Frage der Qualität nicht mehr. "( Zitat: Suter)
Suter macht unmissverständlich klar, dass wirkliche Freundschaften unter Kollegen auf der leitenden Angestelltenebene nicht funktionieren. Alle strampeln um die Gunst des Eigentümers einer Firma, der, wenn er intelligent genug ist, es bestens versteht seinen Vorteil aus dem Konkurrenzgerangel zu ziehen.
Frauen erlebt man in Suters Geschichten als Ehefrauen oder Sekretärinnen, denen sich die Jungs gerne unterwerfen, sofern sie ihr Leben organisieren und ihre Wunden lecken, welche oftmals sehr schmerzen, denn im Kampf um die Position in der Hierarchie sind alle Mittel erlaubt. Hinterhältigkeiten jedweder Art werden eingesetzt, um hierarchisch zu punkten. Kooperation scheint ein Fremdwort zu sein.
Gerade in Zeiten der Krise ist es aber notwendig gemeinsam an einem Strang zu ziehen und zwar in die gleiche Richtung. Suters wenig frohe Botschaft aus dem Buch lautet: Die Jungs haben es noch nicht begriffen. Sie haben leider nicht in erster Linie die Sache- das Wohl der Firma-, sondern nur die Befriedigung ihres Egos im Kopf. Die Ergebnisse solchen Handelns darf man derzeit täglich in den Wirtschaftnachrichten verfolgen.
Rezension: Jugenstil- Auf den Spuren Otto Wagners in Wien
Für die Freunde schöner Jugendstilarchitektur.
Der Wiener Architekt Otto Wagner (1841-1918) war ein Vorkämpfer für ein durch Zweck, Material und Konstruktion bestimmtes Bauen. In diesem Buch lernt man im Rahmen von neun Spaziergängen durch Wien den durch ihn geschaffenen, künstlerischen Reichtum der Wiener Jugendstilarchitektur kennen.
Anhand von vielen eindrucksvollen Fotos und zweisprachigen Texten (englisch-deutsch) erfährt man zunächst Näheres zu den beiden Wagner-Villen, der Kirche am Steinhof und der Heilig-Geist-Kirche. Alle Gebäude werden intensiv beleuchtet. Dabei werden bestimmte architektonische Besonderheiten jeweils ausführlich thematisiert.
In dieser Weise werden alle Gebäude, Denkmäler und Brücken, die auf Wagner zurückgehen, in den Fokus genommen. Besonders interessant finde ich die Ostpostsparkasse, das Nußdorfer Wehr und den Karlsplatzpavillon. Wirklich sehr schön ist dieses Zusammenspiel raffinierter Ornamente im weiß-grün-goldenen Farbenspiel.
Ich betrachte dieses Buch als einen Reiseführer der besonderen Art. Um den Inhalt wirklich zu verstehen, ist es allerdings m.E. notwendig, die einzelnen Spaziergänge nicht nur im Geiste zu vollziehen, sondern sich vor Ort die Arbeiten Wagners anzusehen.
Wo genau am "Nußdorfer Wehr" die dekorativen Muster mit funkelnden Nieten, wo die schmiedeeisernen geschwungenen Füße und wo die secessionistischen Motive aus Lorbeerzweigen sich befinden, kann man selbstverständlich am besten am Objekt erkunden. Das Buch hilft dabei auf Einzelheiten zu achten, die das ungeübte Auge möglicherweise übersehen könnte.
Der Wiener Architekt Otto Wagner (1841-1918) war ein Vorkämpfer für ein durch Zweck, Material und Konstruktion bestimmtes Bauen. In diesem Buch lernt man im Rahmen von neun Spaziergängen durch Wien den durch ihn geschaffenen, künstlerischen Reichtum der Wiener Jugendstilarchitektur kennen.
Anhand von vielen eindrucksvollen Fotos und zweisprachigen Texten (englisch-deutsch) erfährt man zunächst Näheres zu den beiden Wagner-Villen, der Kirche am Steinhof und der Heilig-Geist-Kirche. Alle Gebäude werden intensiv beleuchtet. Dabei werden bestimmte architektonische Besonderheiten jeweils ausführlich thematisiert.
In dieser Weise werden alle Gebäude, Denkmäler und Brücken, die auf Wagner zurückgehen, in den Fokus genommen. Besonders interessant finde ich die Ostpostsparkasse, das Nußdorfer Wehr und den Karlsplatzpavillon. Wirklich sehr schön ist dieses Zusammenspiel raffinierter Ornamente im weiß-grün-goldenen Farbenspiel.
Ich betrachte dieses Buch als einen Reiseführer der besonderen Art. Um den Inhalt wirklich zu verstehen, ist es allerdings m.E. notwendig, die einzelnen Spaziergänge nicht nur im Geiste zu vollziehen, sondern sich vor Ort die Arbeiten Wagners anzusehen.
Wo genau am "Nußdorfer Wehr" die dekorativen Muster mit funkelnden Nieten, wo die schmiedeeisernen geschwungenen Füße und wo die secessionistischen Motive aus Lorbeerzweigen sich befinden, kann man selbstverständlich am besten am Objekt erkunden. Das Buch hilft dabei auf Einzelheiten zu achten, die das ungeübte Auge möglicherweise übersehen könnte.
Anbei Empfehlungen für ein schönes Plakat und einen Kunstdruck, die Arbeiten von Otto Wagner zeigen.
Rezension: Wo das Meer beginnt- Bodo Kirchhoff
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.
Ist Liebe eine Zumutung, weil sie wie die Zeit vergeht? Wie lässt sich der Begriff Liebe von dem des " Liebe-Machens " abgrenzen? Sind die Übergänge etwa fließend? Verschwimmt der diesbezügliche Definitionsrahmen, wenn es um körperliches Wollen geht? Ist das erotische Verlangen alter Menschen klarer einzuschätzen als der sexuelle Drang von Jugendlichen? Wo beginnt das Meer? Genauer, ab wann verliert man den festen Boden unter den Füßen? Diesen und ähnlichen Fragen spürt Bodo Kirchhoff in seinem neuen Roman nach und bewegt sich mit der dargestellten Thematik fernab vom Zeitgeist, möglicherweise irgendwo in den Vorachtundsechzigern.
Der 30 jährige Viktor arbeitet am deutschen Kulturinstitut in Lissabon. Dort trifft er seine ehemalige Mitschülerin Tizia wieder. Viktor überdenkt seine Jahre als Gymnasiast in Frankfurt/Main und hier in erster Linie das entscheidende Liebeserlebnis mit eben dieser Tizia, welches fast dazu geführt hätte, dass er von der Schule verwiesen worden wäre. Ertappt wurden die beiden während eindeutiger sexueller Handlungen in den Kellerräumen der Schule. Die anfänglich einhellig gewollte " Petting-Geschichte " nimmt ihren Lauf. Von Vergewaltigung spricht im Nachhinein das Mädchen und dessen alleinerziehende Mutter, von verunglücktem Sex der junge Mann.
Was sich auf der, diesen Fall behandelnden Lehrerkonferenz zuträgt, erfährt Viktor in der Folge von seinem alten Deutschlehrer, der im Gegenzug wissen möchte, was sich im Keller wirklich abgespielt hat.
Die Lehrerkonferenz erweist sich als Zusammenkunft von voyeuristischen Spießern, von ewig Gestrigen, die in ihren 68er Ritualen erstarrt sind. Diese Lehrer charakterisieren sich durch allerlei Verschrobenheiten sowie Absonderlichkeiten und nicht zuletzt durch einen unklaren Blick für die jungen Menschen , die man ihnen anvertraut hat. Dass man sich für das Verbleiben Viktors an der Schule entscheidet, kommt einem Wunder gleich.
Für Viktor ist es nicht einfach auf die Frage seines Lehrers eine Antwort zu finden. Vielleicht weil man sich beim intensiven " Liebe-Machen " ,- also beim Sex - später nicht mehr wirklich an Einzelheiten erinnern kann, insbesondere , wenn man jung ist.
Die in den Roman eingestreuten Betrachtungen über Frankfurt wirken leider etwas hölzern und wenig weltläufig. Verbesserungsvorschläge hinsichtlich einer Neugestaltung des Main-Ufers gehören in die lokale Tageszeitung. Einkäufe bei "Feinkost-Meyer" sollten in einer geistreichen Kolumne Wolfram Siebecks nachgezeichnet werden. Geschwätzigkeit über Internes aus der sogenannten Frankfurter Upper-Class, sowie Lobgesänge über das Aussehen der Frankfurter Oberbürgermeisterin und der , in besagter Hessen-Metropole ansässigen Schauspielerin Hannelore Elsner finden in der " Gala" oder der " Bunten" ihren geeigneten Platz.
Dort wo das Meer beginnt, fängt die Weite an. Diese allerdings konnte ich im vorliegenden Roman nicht erkennen. Schade eigentlich, denn der Autor ist in der Lage diese sprachlich zu produzieren. Kirchhoff kann schreiben, wirklich gut schreiben! Zu diesem Thema jedoch fällt mir spontan erst mal Heinrich Heines Wort ein: " Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...." Lesenswert ist das Buch dennoch, weil Kirchhoffs Sprache so wunderbar ausgereift ist.
Rezension: Das Attentat- Mulisch
Fatales Wegducken
Harry Mulisch verdeutlicht in diesem Roman die Bedeutsamkeit des organisierten Widerstandes gegenüber politischer Tyrannei jedwelcher Art. Zudem zeigt der Autor, dass Verzagtheit im Hinblick auf despotische Strukturen letztlich dazu führen kann, in ethisch bedenkliche Situationen zu gelangen und schließlich, dass angstvolles Wegducken kein wirksamer Garant ist für die Sicherheit der eigenen Existenz.
Der Anästhesist Anton Steenwijk hat im Herbst 1981 auf einer Friedensdemonstration in Amsterdam gewissermaßen ein Erweckungserlebnis. Er protestiert dort gemeinsam mit Zehntausenden gegen die fragwürdige Abschreckungsphilosophie der Atomwaffentyrannei. Durch einen kollektiven Angstschrei erwacht Anton endlich aus seiner inneren Lähmung, die entstanden ist durch ein furchtbares Kriegserlebnis während seiner Kindheitstage.
Was war geschehen? Anfang 1945 ist Holland immer noch von den Deutschen besetzt. Kollaborateure gehen gemeinsam mit den Nazis gegen die Zivilbevölkerung vor. Es herrscht Terror. Anton lebt gemeinsam mit seinem älteren Bruder und seinen Eltern - zurückgezogen - in einem idyllischen Villenviertel in Haarlem. Man befasst sich mit altphilologischer Problematik. Als auf der Straße vor besagten Häusern seitens der Widerstandskämpfer ein besonders sadistischer, holländischer Faschist hingerichtet und dessen Leiche dort zurückgelassen wird, versperrt Anton aus Furcht vor dem, was kommen wird, die Türen der elterlichen Wohnung.
Lange dauert es nicht, bis die Nazis, durch die Schüsse aufmerksam geworden, vor Ort sind, den Toten auf der Straße vorfinden und daraufhin mit einem willkürlichen Akt der Vergeltung, die üblichen Terrormaßnahmen einleiten. Antons Eltern und dessen Bruder werden erschossen und das familiäre Anwesen dem Erdboden gleichgemacht. Anton wird verhaftet, später dann zu seinem Onkel nach Amsterdam gebracht. Dort wächst er auf, studiert Medizin und möchte viele Jahrzehnte lang von den grauenvollen Geschehnissen in Haarlem nichts wissen. Er verdrängt. Der Zufall will es, dass immer wieder neue Mosaiksteinchen für das von ihm ungeliebte Puzzlespiel der Erkenntnis auftauchen und an ihn herangetragen werden. Wie er damit umgeht, erfährt der Leser im Laufe der äußerst subtil aufgebauten Handlung.
Nochmals, die Botschaft des Autors ist eindeutig: Angst- und Ohnmachtsgefühle gegenüber einer despotischen Obrigkeit dürfen nicht im Wegducken und Schweigen enden. Gemeinsame Aktivitäten sind sinnvoll, wenn es gilt undemokratische, inhumane Verfahrensweisen anzuprangern und diesen mit verstärkten Kräften, nach Möglichkeit frühzeitig, Einhalt zu gebieten.
Mulisch verdeutlicht in dieser Parabel dezidiert, dass sich ein mündiger Bürger seiner Verantwortung nicht entziehen kann.
Ein nachdenklich stimmender Text, eines hervorragenden Schriftstellers.
Rezension :LichtBlicke: 12 Postkarten (Geschenkartikel)
Am Ende des Tunnels gibt es immer Licht. Felger zeigt wie schön dieses Licht sein kann.
"LichtBlicke" ist ein Postkartenset mit insgesamt 12 Postkarten, auf denen sehr schöne Aquarelle von Andreas Felger abgelichtet sind.
Der 1935 geborene Maler, der einst sein Studium an der Akademie für bildende Künste in München absolvierte, besticht durch seine stahlenden mediterranen Farben und seine sehr aussagekräftigen Abstraktionen.
Öffnet man das Set, hat man zunächst Gelegenheit einen Vers Friedrich von Bodelschwinghs zu lesen, der gewissermaßen das Motto der Postkartenmotive darstellt.
"Es ist unmöglich,
das ein Mensch
die Sonne schaut,
ohne dass sein Angesicht
davon hell wird."
Alle Motive visualisieren das Licht und die Sonne, die durch ihre intensiven Gelbtöne das Herz des Betrachters weitet. Zu sehen sind glühende Sonnenbälle, Licht am Ende des Tunnels, ein Meer von Gelb in einem offenbar schwer verletzten Herzen, gelbe Einsprengsel in intensivem Blau und schließlich auch ein angedeuteter Engel, der als Lichtgestalt ein Symbol göttlicher Erkenntnis verkörpert.
Sehr eindrucksvolle Karten, die man gerne verschickt.
Rezension: Hörbuch: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen
Die letzte Messe in Hagia Sophia und anderes mehr.,
Jürgen Hentsch wurde 2002 mit dem Grimme- Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis für die Rolle als Heinrich Mann in Heinrich Breloers Fernsehfilm " Die Manns " ausgezeichnet.
Seine sonore, betont angenehme Stimme hört man 551 Minuten lang auf den vorliegenden 10 CDs, während er Stefan Zweigs " Sternstunden der Menschheit" liest.
Auf den Inhalt der Texte gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein , weil das " Buch der 1000 Bücher " ( siehe oben) alles bereits bestens ausgelotet hat. Wiederkäuen langweilt.
Normalerweise bin ich keine Freundin von gesprochenen Büchern, nicht zuletzt, weil ich vermute, dass man Texte besser verarbeitet, wenn man sie liest.
Beim Hören ist man nicht selten leicht abgelenkt, da man zumeist gleichzeitig anderes unternimmt.
Ich habe die CDs gehört, ohne mich mit weiteren Dingen zu beschäftigen. Es war ein Hochgenuss.
Diese 10 CDs erfordern nicht, dass man sie kurz hintereinander hört, da jede historische Begebenheit für sich alleine steht.
Zweig beschreibt schicksalsträchtige Stunden der Menschheit, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, mitunter sogar auf eine einzige Stunde zusammengedrängt ist.
Die Texte sind überaus spannend, erfordern aber hohe Konzentration, weil die Sprache sehr dicht ist, zudem setzen sie ein gewisses historisches Verständnis voraus.
Widmen Sie sich völlig dem Text , dann haben Sie viel davon.
Sehr empfehlenswert.
Rezension: DVD: Master & Commander - Bis ans Ende der Welt
Ohne Respekt keine Disziplin
Peter Weir ist der Regisseur dieses überaus spannenden und dabei sehr nachdenklich stimmenden Seekriegs -Abenteuer- Films, der nichts für zart besaitete Gemüter ist.
Man schreibt das Jahr 1805. Der britische Marinekapitän Jack Aubrey ( Russell Crowe) befindet sich mit seiner Mannschaft im Südpazifik auf einem beeindruckenden Segelschiff der englischen Krone. Im Südpazifik trifft er auf ein seinem Schiff technisch überlegenes französische Kriegschiff.
Gezeigt werden die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Gegner. Offengelegt werden die Strategien und damit auch Listen, die angewendet werden, um den Gegner zu besiegen.
Thematisiert wird des Weiteren welche Mittel der britische Kapitän nutzt, um sich die Autorität auf seinem Schiff zu sichern. Dort besteht während der gesamten Filmhandlungsdauer das Risiko der Meuterei.
Aubrey weiß, dass Respekt die Grundvoraussetzung für Disziplin ist und verschafft sich diesen, indem er respektlose Mannschaftsmitglieder ausprügeln lässt. Tyrannei allerdings verabscheut Aubrey, denn auch diese hätte Meuterei zur Folge. Aubrey vergisst nie sein Ziel.
Sein Verstand arbeitet präzise. Er lässt sich bei seinem Tun nicht von Gefühlen leiten, obschon er nicht gefühllos ist.
Großes Vorbild für ihn, auch für die jungen Offiziere ist der englische Seeheld Lord Nelson.
Die Mannschaft ist sehr abergläubisch und trunksüchtig. Aubrey akzeptiert beides, solange sich das Verhalten nicht negativ auf seine Mission auswirkt. Diese besteht darin England vor Napoleon zu schützen.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen werden sehr realistisch dargestellt, man sieht das Gemetzel, den Schmerz, das Blut und die vielen Toten auf beiden Seiten und erlebt wie die Schwerverletzten ohne Narkose zusammengeflickt werden oder ihre Gliedmaßen abgeschnitten bekommen, um sie vom Wundbrand zu schützen.
Immer wieder werden die Seefahrer von Orkanen heimgesucht. Mutig trotzen sie der tobenden See, nicht zuletzt weil sie ihr Schiff als ihr eigentliches Zuhause begreifen.
Ein kurzer Aufenthalt auf den Galapagosinseln erinnert an das friedliche Paradies von dem Menschen immer träumen, aber das sie aufgrund der Erbsünde offenbar niemals finden werden.
Nicht kriegsverherrlichend, insofern empfehlenswert.
Rezension: Sachs, Hans: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (monographien)
Eckard Bernstein dokumentiert aufgrund seiner aufschlussreichen Aufzeichnungen und zahlreichen Bilddokumente das Leben und Werk des Dichters Hans Sachs.
Der Sohn eines Schneidermeisters wurde 1494 in Nürnberg geboren, besuchte dort die Lateinschule und begann im Alter von 15 Jahren eine Schuhmacherlehre. Während seiner fünfjährigen Wanderschaft durch das Reich erhielt er seine Ausbildung als Meistersinger. Wieder in Nürnberg angekommen, wurde er 1520 Meister und lebte als Schuster und Dichter in zunehmendem Wohlstand.
Sachs gilt als der letzte bedeutende Vertreter des Meistersangs. Es handelt sich hierbei um eine von Handwerkerpoeten zunftmäßig geübten, strengen Regeln folgenden Liedkunst, die ihren Ursprung in der um 1315 in Mainz begründeten Meistersingschule Frauenlobs hatte. In Anlehnung an den höfischen Minnegesang betonten die Meistersinger ihre gelehrte Bildung und berichteten von Erbaulichem und Belehrendem.
In seinen Fastnachtsspielen stellte Sachs die Schwächen seiner Mitmenschen schwankhaft satirisch, allerdings mit moralischer Tendenz dar und gab immer eine abschließende Nutzanwendung.
Politisch trat Sachs erstmals durch seine Parteinahme für den Reformator Luther hervor, dessen Lehre er in dem Spruchgedicht "Die Wittenbergisch Nachtigall" verteidigte. Seine kritische Stellungsnahme brachte ihn mehrfach mit der Zensur in Konflikt, so 1527, als er Illustrationen einer Schrift des protestantischen Predigers Lukas Osiander antipäpstliche Reime in deutscher Sprache hinzufügte. 1551 untersagte ihm der Nürnberger Rat die Aufführung eines Fastnachtsspiels, weil es scharfe Kritik am Treiben der Raubritter übend außerhalb Nürnbergs " allerlei" Nachrede" hervorrufen würde.
Hans Sachs hatte am Ende seines 83 Jahre andauernden Lebens rund 4300 Lieder geistlichen und weltlichen Inhalts sowie als 100 Komödien und Tragödien und Prosadialoge verfasst.
Es empfiehlt sich dieses Büchlein zum besseren Verständnis seiner Werke Meisterlieder, Spruchgedichte, Fastnachtsspiele vor deren Lektüre zu lesen.
Rezension: Der dritte Mann (DVD)
Lasse man sich nicht beirren: Das große Thema des Films ist Freundschaft und Liebe,
"Der dritte Mann" ist eine amerikanische Literaturverfilmung des gleichnamigen Buches von Graham Greene. Die Handlung ereignet sich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg im zerbombten Wien. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt ähnlich wie Berlin von amerikanischen, britischen, französischen und sowjetischen Truppen besetzt und in vier Besatzungszonen aufgeteilt
Der amerikanische Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotton) ist in die Metropole gekommen, um dort seinen Freund Harry Lime (Orson Welles) zu besuchen. Dieser soll in der britischen Besatzungszone leben. Als Lime dort angelangt, erfährt er, dass sein Freund unmittelbar zuvor von einem Auto überfahren wurde. Er schafft es gerade noch an der Beerdigung teilzunehmen und trifft dort auf einen österreichischen Freund von Harry, auf seine Geliebte(die schöne Alida Valli) und auf zahlreiche Besatzungssoldaten.
Der britischen Major behauptet, dass Lime Wiens größter Schieber war. Harry ist empört über die Worte des Engländers und möchte beweisen, dass diese Anschuldigung nicht stimmt. Er glaubt an seinen Freund und gelangt aufgrund seiner persönlichen Recherche zu der Auffassung, dass Lime ermordet worden ist. Erst ganz allmählich ist er bereit die tatsächlichen Geschehnisse als Realität zu akzeptieren. Lime ist ein hat eiskalter Dealer, der mit gepantschtem Penicillin gehandelt und als Folge davon Krankheit, Leid und Tod vieler Menschen verursacht hat. Als klar wird, dass Lime noch lebt, entscheidet sich Martins dafür den Lockvogel zu spielen, damit man den Verbrecher stellen kann. Das hindert Holly jedoch nicht daran, den letzten Wunsch des einstigen Freundes zu erfüllen......
Dieser Schwarz-Weiß- Film zeigt ein sehr düsteres Nachkriegs-Wien. In den Gesichtern der Statisten liest man Trauer, Depression, Enttäuschung aber auch viel Skepsis. Die zahlreichen Bilder der zerstörten Stadt werden von einer eingängigen Zittermelodie begleitet, die seither mit dem so genannten dritten Mann auf ewig verbunden ist.
Kritisch betrachtet wird die Art und Weise, wie die Besatzer mit der Zivilbevölkerung nach der NS-Zeit umgegangen sind und sie auf diese Weise gegen sich aufbrachten. Ebenfalls im Fokus der Kritik steht das kulturelle Umerziehungsprogramm der Alliierten, das offenbar mit heißer Nadel gestrickt worden ist und die ehemaligen Nazi-Sympathisanten nicht wirklich erreichen konnte. Verstocktsein war das unweigerliche Ergebnis.
Dass der größte Dealer in der Film- und Romanhandlung ein Amerikaner ist, sollte vermutlich dem amerikanischen Publikum verdeutlichen, dass unmoralisches, bzw. kriminelles Handeln nicht an die Nationalität einer Person gebunden ist, sondern der ethischen Entscheidung jeweils eines bestimmten Individuums bedarf.
Dieser Gedanke zeugt von Fairness und Versöhnungsbereitschaft gegenüber allen, die guten Willens sind.
Ein großes Thema des Films sind Freundschaft und Liebe. Während Freundschaft zwischen Martin und Lime wegen des hochgradig unmoralischen Tuns Limes gegenüber Dritten - aufgrund der bewussten Entscheidung Martins- zum Ende der Freundschaft führt, kann die Geliebte Limes trotz des Wissens um dessen Verbrechen sich innerlich nicht von ihm lösen. Ihre emotionale Verbundenheit ist stärker als ihr Gewissen. Sie kann aufgrund ihrer Emotion der ethischen Abwägung Martins nicht folgen. Sie bleibt zu befangen.
Rezension: DVD- Indochine
"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst
Die Handlung des 1992 entstandenen Films beginnt in den 1920er Jahren in Indochina, das sich damals unter französischer Kolonialherrschaft befand.
Die schöne Französin Eliane Devries (Catherine Deneuve) betreibt gemeinsam mit ihrem Vater eine Kautschukplantage und lebt ein luxuriöses aber zeitgleich sehr ernsthaftes Leben. Sie fühlt sich mit den Einheimischen in gewisser Weise verbunden, was sie jedoch nicht hindert sie auszubeuten und hat sogar die Tochter vietnamesischer, bereits verstorbener Freunde adoptiert. Sie liebt Camille wie ein eigenes Kind und möchte ihr den Weg in eine gute Zukunft bahnen.....
Anfang der 30er Jahre weiten sich die Aufstände seitens der kommunistischen Bewegung immer mehr im Land aus. Die französische Polizei aber auch die Besatzungsarmee versuchen die Verhältnisse in der Kolonie zu stabilisieren, wodurch der Widerstand sich verstärkt.
Mutter und Tochter verlieben sich in den französischen Offizier Jean-Baptiste, was für alle drei Beteiligten fatale Folgen hat...
Gezeigt werden in diesem packenden Film die Verhältnisse in Saigon aber auch im Landesinneren Vietnams in jenen Jahren, die sozialen Missstände und die Armut der einheimischen Bevölkerung, das elitäre Verhalten der Kolonialherren, die Selbstverständlichkeit mit der sie die Menschen dort für ihre Zwecke ausgebeutet haben, insbesondere auch die Brutalität mit der die Vietnamesen zur Arbeit gezwungen wurden.
Opium und das mondäne Leben der Franzosen vor Ort sind weitere Themen.
Wie groß muss der Druck auf ein Volk sein, bis es sich widersetzt?
Die wundervollen Landschaftsbilder bleiben ebenso unvergesslich wie die packende, unsentimentale Handlung.
Der Film endet 1954 in der Genf. Frankreich zog sich nach den Genfer Konferenzen damals aus Indochina zurück.
Das Leid der Vietnamesen , das dann folgte und in den zerstörerischen Bombenangriffen der Amerikaner mit Napalm und chemischen Mitteln endete, zeigt den ganzen Hochmut der westlichen Welt.
Die Bild - und Tonqualität sind sehr gut.
Ein überaus beeindruckender, tief bewegender Film.
Rezension: Das Kochgesetzbuch: Die Grundregeln erfolgreichen Kochens (Gebundene Ausgabe)
Artikel 4 " Benutzen Sie Ihren Kopf beim Kochen, denn dort fängt Kochen an." ( Rach)
Christian Rach, Küchenchef des Restaurants " Tafelhaus " in Hamburg hat unter Mitarbeit der Autorin Susanne Walter und des Fotografen Wolfgang Schardt " Das Kochgesetzbuch " veröffentlicht. In diesem Buch werden die Grundregeln des erfolgreichen Kochens dargelegt und im Rahmen von über 160 Rezepten in die Praxis umgesetzt.
Dem Klappentext ist zu entnehmen, dass Rach vermutlich der einzige Küchenchef ist, der Mathematik und Philosophie studiert hat. Ich erwähne dies, weil seine wissenschaftliche Ausbildung mit Sicherheit der Grund dafür ist, dass er mit weitaus größerer Systematik ein Rezeptbuch geschrieben hat als andere Köche. Dabei beschreibt er nicht bloß wie man etwas zubereitet, sondern auch warum man etwas in einer ganz bestimmten Art und Weise herstellen soll.
Es sind nicht nur physikalisches Betrachtungen, die er in sein Konzept mit einbezieht, sondern auch ökologische und eine Vielzahl gesundheitlicher Überlegungen etc.
Es gibt Grundregeln des Kochens, die man zu Kenntnis nehmen sollte, damit die Ergebnisse perfekt sind. Rach nennt diese Grundregeln " Kochgesetze ". Man könnte, das, was er mit Paragraphen kennzeichnet allerdings auch einfach Küchentipps nennen. Den Kochgesetzen stellt er zehn Grundgesetze des Kochens voran.
So sollte man beispielsweise Muscheln in heißer Suppe oder in Sud einfach nur gar ziehen, aber nicht kochen, weil sie ansonsten hart wie Gummi werden.
Rach mahnt beim Kauf von Garnelen darauf zu achten, dass es sich um Wildfang handelt.
Als Grund nennt er die Pestizide und die Antibiotika mit denen Zuchtgarnelen belastet sind.
Dass der Meisterkoch darauf hinweist, dass Kabeljau zu den überfischten Sorten zählt und man deshalb aus Naturschutzgründen ab und an auf andere Sorten ausweichen möge, verdient Respekt. Solche Überlegungen habe ich in Kochbüchern anderer Spitzenköche bislang noch nicht gelesen. Des Weiteren belehrt er den Leser Schalotten - und Knoblauchwürfel bei Hackfleischgerichten zuvor in Butter anzudünsten, weil sie sich dann besser in den Fleischteig kneten lassen können. Man kann sich in insgesamt 186 Küchengesetze vertiefen und sollte diese auch beherzigen, nicht nur bei Rachs Rezepten. Es schadet nicht, wenn man beispielsweise generell im Kopf hat, dass nach dem Kochen Nudeln niemals kalt abgeschreckt werden dürfen, weil sie ansonsten die Fähigkeit verlieren, die Sauce aufzunehmen.
Rach präsentiert Rezepte für Saucen und Suppen, für Grundprodukte, wie Teige, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Getreide und Eier, für Gemüse und Salate, Fische und Meeresfrüchte, Fleisch, sowie Desserts und Obst.
Auffallend ist , dass einzelnen Arbeitsschritte ausführlicher und viel verständlicher erklärt sind als bei Rezepten herkömmlicher Kochbücher und neben einer übersichtlichen Auflistung der Zutaten als auch den jeweilig notwendigen Kochgesetze( Paragraph 148 ;" Ein Tafelspitz soll saftig und zart sein: Deshalb wird es im Unterschied zu Suppenfleisch, das eine leckere Brühe liefern soll, heiß aufgesetzt. So schließen sich die Poren direkt und das Fleisch bleibt innen saftig und laugt nicht aus. ") werden noch andere Infos mitgeliefert, so etwa, was man unter bestimmten Begrifflichkeiten zu verstehen hat.
Rachs Gerichte sind unkompliziert, von interessanter Würzung, stets fettarm und von den Ingredienzien her durchweg gesund.
Dieses Buch des Spitzenkochs mit einem Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkten gehört zu den Kochbüchern, aus denen auch ungeübte Hausfrauen oder Hausmänner täglich kochen können. Neben einigen Festtagsgerichten, gibt es eine Vielzahl sehr kostengünstiger Speisen , wobei Rach gedanklichen Anleihen aus Asien und südeuropäischen Regionen keineswegs scheut, gleichwohl auch " Königsberger Klopse " kreiert, die sich von denen meiner ostpreußischen Großmutter u.a. darin unterscheiden, dass die Brühe für die Klopse eine Geflügelbrühe ist. Meine Oma köchelte die Klöße in Rinderbrühe, auch knetete sie die Sardellen nicht ins Fleisch, sondern fügte sie geschnitten der Sauce zu.
Rachs Rezeptergebnis ist eindeutig besser, weil die Sardellen im Fleischteig das Fleischaroma nicht überdecken und sich in der die Sauce die Aromen der Nonpareilles und der Schnittlauchröllchen ungestörter ausbreiten können. Der nach Huhn mundende Pochierfond harmoniert besser zur Sahne als Rinderfond und stiehlt den Kalbs-Schweinehackfleischklößen geschmacklich nicht die Schau. Rinderfond dominiert zu sehr. Eindeutig.
Eine wohlüberlegte Variante, lieber Herr Rach! Bravo!
Erfreut haben mich neben den Texten auch die Fotos. Es sind sehr schlichte Aufnahmen, die auch Kochneulinge nicht zurückschrecken lassen. Hier wird nichts übertrieben bzw. verkünstelt dargestellt. Die Teller sind gefällig angerichtet, aber nichts ist durch Spray oder Lack gestylt. Hochglanz ist nicht Rachs Thema. Er präsentiert ehrliches Ergebnisse.
Ein tolles Buch von einem Koch der intellektuell, praktisch und lukullisch viel zu bieten hat.
Ich bin hellauf begeistert.
Rezension: Kunstdruck: An der Schwelle der Ewigkeit- Vincent van Gogh
Der Kunstdruck "An der Schwelle der Ewigkeit" von Vincent van Gogh zeigt einen verzweifelten, vielleicht auch zutiefst erschütterten Menschen. Dieses Verhalten lässt sich nur mit der Ungewissheit erklären, die einen Mensch ereilt, wenn er nicht weiß, was die Zukunft ihm bringen wird. Im Grunde müssten alle Menschen diese Haltung einnehmen, weil keiner wirklich weiß, was der nächste und alle darauf folgenden Tage bringen werden. Was ist für uns Menschen die Ewigkeit? Ist es das Dunkel oder das Licht? Wenn es das Licht ist, wieso müssen wir uns davor fürchten? Leben wir am Ende nicht schon inmitten der Ewigkeit? Weshalb fällt es uns so schwer das Licht zu sehen?
Dieses Bild sollte man orangefarben rahmen, um dem Motiv den negativen Moment zu nehmen. Die Schwelle der Ewigkeit ist ein Augenblick der Freude und nicht des Trauerns oder gar Entsetzens. Die Schwelle der Ewigkeit ist das freudevolle Jetzt und jedem Jetzt folgt das nächste Jetzt. Freudevoll ist das Jetzt für uns übrigens, weil wir sind. Dafür sollten wir dankbar sein. Wir sind es nicht immer, weil wir zuviel erwarten.
Die Summe aller Jetzt ist die Ewigkeit und wenn wir lieben , lieben wir in der Ewigkeit und mitunter sogar ewig.
Die Summe aller Jetzt ist die Ewigkeit und wenn wir lieben , lieben wir in der Ewigkeit und mitunter sogar ewig.
Dem Bild von van Gogh möchte ich ein Gedicht Johann Gottfried Herders entgegensetzen.
In Mitte der Ewigkeit
Johann Gottfried Herder
Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wegen schweben
und schwinden wir.
Und messen unsre trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
und sind (und wissen's nicht) in Mitte
der Ewigkeit . . .
Rezension: Katharina II. von Reinhold Neumann-Hoditz
"Lieber zehn Schuldigen vergeben als einen Unschuldigen hinrichten" ( Katharina die Große)
Reinhard Neumann Hoditz spürt diesem Büchlein akribisch dem Leben der russischen Zarin Katharina der Großen (1729- 1796) nach. Durch Bilder und Selbstzeugnisse wird die Vorstellung, um welche Person es sich bei dieser Frau handelte vervollständigt.
Zwischen dem Jahr ihrer Heirat (1745) und dem ihrer Thronbesteigung (1762) geht Katharina von Anhalt-Zerbst, Tochter eines mittellosen Duodezfürsten des Hauses Anhalt, durch eine harte Lehre für den Beruf des Landesoberhaupts.
Isoliert an einem feindseligen Hof, wegen ihrer Jugend und Schönheit von Zarin Elisabeth beneidet, die sie doch als Ehefrau ihres Neffen und Thronfolgers ausgewählt hatte und von dem Gatten, einem Halbidioten, der die Gesellschaft der Hunde und Pferde der ihren vorzieht, sehr vernachlässigt, gelingt es ihr, durch ihre augenscheinliche Unterwürfigkeit alle Vorurteile zu entwaffnen, den Argwohn der Zarin zu besänftigen und ohne Beteiligung ihres Ehemannes, den erforderlichen Thronfolger, den späteren Zar Paul I. in die Welt zu setzten.
" Um die Wahrheit zu sagen ", schreibt sie später hinsichtlich ihres erbärmlichen Ehemannes, " glaube ich, dass mich die Krone Russlands bedeutend mehr anzog als seine Person. Die Hoffnung auf die Krone, nicht im Himmel, sondern auf Erden, stärkte meinen Geist und meinen Mut."
Man braucht sie, um die Grobheiten ihres Mannes zu ertragen, der als er schließlich der alten Zarin 1762 auf den Thron folgt, trunken von der Macht beschließt, sich seiner Frau zu entledigen. Er gibt Befehl sie zu verhaften. Katharina kommt ihm jedoch zuvor und lässt ihn mit Hilfe der Brüder Orlow festnehmen, von denen einer, der schöne Gregor, ihr Liebhaber ist.
Der neue Zar Peter III , der sich durch seine Regierungsmaßnahmen beim Volk höchst unbeliebt macht, wird vom Hof und insbesondere von der Armee, die Katharina als Zarin ganz Russlands bejubelt, fallen gelassen.
In einen seiner Paläste verbannt, stirbt Peter III. zu gelegener Zeit, ohne dass der Beweis erbracht werden kann, Katharina habe seine Ermordung befohlen.
So beginnt die glorreichste Regierungszeit der Romanows. Weit davon entfernt, die Despotin zu sein, die einige Historiker in ihr sehen, gibt Katharina II einen weitaus liberaleren Geist als ihre Vorgänger zu erkennen, setzt sich entschieden für Reformen ein und versteht es , den aufgebrachten Adel versöhnlich zu stimmen, ohne die Großen des Handelns zu verärgern. Auch beim Volk blieb sie beliebt. Sie war ehrgeistig in ihren Plänen, rasch in deren Ausführung, arbeitete verbissen und hatte die Augen überall. Immer war sie um die Staatspflicht besorgt. So groß ihr Reich auch war, schien es ihr dennoch weder zu groß für ihren Ehrgeiz, noch an der Grenze seiner Möglichkeiten. Um es zu vergrößern, wollte sie Konstantinopel erreichen - ein Traum aller russischen Herrscher- und besiegte zweimal die Türken, teilt dreimal Polen und nahm schließlich ihrem ehemaligen Geliebten Stanislaus II . August Poniatowski die Krone ab, die sie ihm vorher geben ließ.
Ohne Gewissenbisse hinsichtlich ihrer politischen Handlungen, war sie eine lebendige, interessante und leicht zu amüsierende Person. Ihren gesunden Menschenverstand verknüpfte sie mit gefälliger Weiblichkeit. Dies scheint einer der Umstände für ihren Erfolg in Europa gewesen zu sein.
Sie verfügte über die Kunst Menschen für sich gewinnen zu können und sicherte sich durch kleine Schmeicheleien mit mehr Erfolg als ihr Rivale Friedrich II. die Unterstützung der Künstler und Schriftsteller, die gern die Verdienste und Talente der " Semiramis des Nordens " feiern.
Eher mit einem Geschmack am Bombastischen als mit einem wirklichen Kunstsinn begabt, liebte sie schöne Bauwerke ebenso wie schöne Männer und achtete nicht auf die Kosten zur Errichtung der ersten und gab im reichen Maße den zweiten, die von Orlow bis Potenkin durch ihr Talent, ihre Originalität oder ihren Luxus zu dem Glanz ihrer Regierungszeit beitrugen.
Sie behielt selbst während ihrer glühendsten Leidenschaften einen kühlen Kopf , erwies sich allerdings ihren Geliebten gegenüber auch dann noch großzügig, wenn sie aufgehört hatten zu gefallen.
Inmitten eines Hofes, dessen Glanz oft sehr zerbrechlich war, hat sie als einzige einen wirklich überlegenen Geist, insofern rechtfertigt sie das Kompliment , das Voltaire ihr schrieb: " Heute kommt das Licht aus dem Norden."Monsieur, Madame. Der Briefwechsel zwischen der Zarin und dem Philosophen Kommentar
Rezension: Renoir Landschaften: Magie aus Licht und Farbe (Gebundene Ausgabe)
"Für mich muss ein Gemälde vor allem schön, liebenswert und erfreulich sein ja etwas richtig Hübsches. Es gibt in diesem Leben genug unangenehme Dinge, man muss nicht noch neue dazu schaffen." ( Zitat: Pierre-Auguste Renoir)
"Renoir Landschaften 1865-1883" ist der Katalog zu der gleichnamigen Ausstellung, die man 2007 in " The National Gallery" in London, anschließend in Ottawa und schließlich in Philadelphia besuchen konnte.
Den abgelichteten Gemälden, die alle sehr gut beschrieben werden, gehen Aufsätze von John House, Simon Kelly, Christoffer Riopelle und Colin B. Bailey voraus.
Thematisiert wird Renoirs öffentliche Wahrnehmung als Landschaftsmaler, der Aufstieg der französischen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert generell, Renoir und die Stadt und Renoirs Landschaften 1862-1883 unter dem Gesichtspunkt Helligkeit, Farbigkeit und Harmonie.
Der französische Maler und Bildhauer Pierre-Auguste Renoir ( 1841- 1919) ist einer der bedeutendsten Maler des Impressionismus. Er weitete die Ästhetik und Technik über die Landschaftsmalerei hinaus auf Stillleben, Porträt und den weiblichen Akt aus. Renoir war der Maler der Lebensfreude, der Sinnlichkeit und des unbeschwerten Seins. Seine Bilderwelt entsprang einem tief empfundenen humanistischen Ideal.
Im Sommer 1862 arbeitete der Künstler erstmals im Wald von Fontainebleau, wo er die Bekanntschaft von Narcisse -Virgile Diaz de la Pena machte, einem Maler aus der Schule von Barbizon. Dessen realistisches Naturbild, die Auseinandersetzung mit atmosphärischen Veränderungen in der Natur und das Malen im Freien waren für Renoir wie die anderen Impressionisten von entscheidender Bedeutung. Unter dem Einfluss von Diaz wurden Renoirs Farben lebhafter. Im April 1862 war Renoir in die École des Beaux -Arts eingetreten. Dort legte er im April 1864 Examen ab.
In der Gruppe seiner Freunde war Renoir der am wenigsten dogmatische. Er liebte das Malen und die Farben.
Im Wald von Fontainebleau entstanden seit 1865-66 einige Landschaften in der Spachteltechnik Courbets. Er malte mit Sisley in Marlotte im Wald von Fontainebleau und später in Chailly. In diese Zeit fallen einige seiner bedeutendsten Werke.
Im Sommer 1869 wohnte es mit Lise Tréhot , seinem Lieblingsmodell, in Ville-d `Avray bei seinen Eltern. Mit dem ganz in der Nähe lebenden Maler Monet besuchte er häufig das Restaurant "La Grenouillère". So entstanden eine Reihe lichtdurchfluteter Gemälde wie das berühmte Gemälde "La Grenoullère" . In diesem Gesellschaftsbild mit badenden , rudernden und promenierenden Gestalten hielt er die flimmernde Atmosphäre und das Glitzern des bewegten Wassers, mit flüchtigen Strichen, Kommas und Punkten fest.
Im Krieg Frankreichs gegen Preußen war Renoir 1870 eingezogen. Nach schwerer Ruhrerkrankung kehrte er 1871 nach Paris zurück.
Jetzt malte er eine Reihe Boulevardbilder, die denen Pissarros und Monets ähnlich sind.
Mit Sisley malte er 1872 blühende Bäume. Im Sommer 1873 und 1874 besuchte er Monet in Argenteuil, wo sie nach den gleichen Motiven malten. Gegenüber "La Grenouillére " waren seine punkt- und kommaähnlichen Pinselstriche kleiner geworden, um das Vibrieren der Luft und der durchsonnten Atmosphäre besser wiedergeben zu können.
Sehr bemerkenswert sind die Bilder, die 1874 entstanden, wie etwa "Frau mit Sonnenschirm und Kind", aber auch "Geheimnisse".
Zu den Meisterwerken der impressionistischen Periode zählen u.a. die 1875 entstanden Werke "Frühstück am Flussufer" , aber auch die "Frühlingslandschaft". Ein reich bewegtes, in flimmernden, warmen Farben festgehaltenes Bild ist "Das Boot". Bezaubernd sind seine Gartenbilder, wie etwa der "Garten in der Rue Cortot, Montmartre", 1876.
Unmöglich ist es im Rahmen einer Amazon- Rezension, auf alle gezeigten Gemälde näher einzugehen. Faszinierend ist "Seestück. Frau an der Meeresküste", 1879-80. Dieses Gemälde ist eine noch reduziertere Impression, ein weiterer Schritt in Richtung Vereinfachung, die Renoir in jener Zeit der Landschaftsmalerei anstrebte , aber nicht allzu lange verfolgte. In den letzten Jahren seiner Zugehörigkeit zur Impressionistengruppe malte er die wundervollen Bilder "Am Flussufer", 1879-80 und "Ruderer bei Chatou", 1880-81.
1881 besuchte Renoir Algerien, heiratete Alice Charigot und trat eine für ihn bedeutsame Italienreise an. Es entstanden Gemälde, wie etwa das" Arabische Fest", 1881. Dieses Gemälde wirkt aus einiger Entfernung betrachtet fast kraftstrotzend und energisch in der Darstellung.
Das Gemälde "Der Jardin d`Essai, Algier", 1881 wurde übrigens verpackt nach Paris gesandt. Der Betrachter erlebt die sinnliche Welt, die Renoir offenbar in Algerien erspürte, auf dem Bild in die bleibende Substanz des Farbstoffs verwandelt.
Die Gemälde, die in Venedig entstanden, auch jenes , das den Golf von Neapel zeigt, lässt die Liebe Renoirs für Italien nachvollziehen.
Eines der im Katalog fast ganz zum Schluss angeführten Gemälde ist die " Landschaft bei Menton", 1883. Diese Komposition besteht aus einem Strudel visueller Wahrnehmungen, die unter Zuhilfenahme der Malerei sowohl unmittelbar geschildert als auch angedeutet werden.
Die Lichtspiele auf dem Laub stellen eine stilistische Weiterentwicklung dar, die die impressionistische Technik überwinden und auf eine dekorative Malerei verweisen, die von der Avantgarde der 1890er Jahre in Frankreich neu belebt wurde.
Erwähnenswert ist übrigens noch die umfangreiche Zeittafel und die beachtliche Bibliographie auf den letzten Seiten des Buches.
Ein überaus edler, hochinformativer Kunstbildband.
Empfehlenswerte Landschaftskunstdrucke von Renoir bei Amazon:
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Rezension: 1000 Meisterwerke - Kubismus und Futurismus (DVD)
Die Dynamik des modernen Lebens
Auf dieser DVD werden fünf Werke des Kubismus und Futurismus näher erläutert. Es handelt sich hierbei um folgende Gemälde:
1) Robert Delaunay: "Eifelturm, Champ des Mars"
2) Jean Metzinger: "Der Radrennfahrer"
3) Kasimir Malewitsch." In Engländer in Moskau"
4) Giacomo Balla: "Abstrakte Geschwindigkeit"
5) Umberto Boccioni: "Abschiede"
5) Umberto Boccioni: "Abschiede"
Der Kubismus ist eine um 1907 entstandene Stilrichtung besonders in der Malerei, der Skulptur und der Architektur, die auf die Formprinzipien Paul Cezannes aufbaute. Im darauf folgenden Futurismus löste man sich von Begriffen wie "Harmonie" oder "guter Geschmack" endgültig, stattdessen wollte man den universalen Dynamismus als dynamische Empfindung wiedergeben.
Delaunays Gemälde versucht hierbei das Raumerlebnis mit den simultanen Formaspekten des Kubismus darzustellen. Der Kubist Metzinger vertrat eine geometrisierend-dekorative Auffassung, die in seinem Kunstwerk "Der Radfahrer" ihren ihren Ausdruck findet. Anhand des Gemäldes des russischen Maler Kasmir Malewitsch wird der Übergang von Kubimus zum Futurismus deutlich gemacht. Balla war eines der führendsten Mitglieder der futuristischen Bewegung.
Nicht nur sein Werk "Abstrakte Geschwindigkeit" wird näher erläutert, sondern auch "Mädchen über einen Balkon laufend". Dieses Gemälde stellt einen Versuch einer Bewegungsanalyse dar, die mehrere Phasen eines motorischen Ablaufs simultan vergegenwertigt. Hauptvertreter des Futurismus ist Boccioni. Er versucht in " Abschiede" das Tempo und die Dymnamik des modernen Lebens durch eine dramatisch gespannte Zerteilung von Farb- und Formflächen zu übermitteln, wie an seiner Bronzeskulptur "Urform der Bewegung im Raum", die im Film auch gezeigt wird, ebenfalls zum Ausdruck kommt.
Nicht nur sein Werk "Abstrakte Geschwindigkeit" wird näher erläutert, sondern auch "Mädchen über einen Balkon laufend". Dieses Gemälde stellt einen Versuch einer Bewegungsanalyse dar, die mehrere Phasen eines motorischen Ablaufs simultan vergegenwertigt. Hauptvertreter des Futurismus ist Boccioni. Er versucht in " Abschiede" das Tempo und die Dymnamik des modernen Lebens durch eine dramatisch gespannte Zerteilung von Farb- und Formflächen zu übermitteln, wie an seiner Bronzeskulptur "Urform der Bewegung im Raum", die im Film auch gezeigt wird, ebenfalls zum Ausdruck kommt.
Die fünf ausgewählten Gemälde sind ein guter Einstieg, um sich mit den Malern des Kubismus und Futurismus auseinander zu setzen und deren Anliegen besser zu verstehen.
Rezension: Poster 11 Rosen
Wie mögen sie bloß duften?
Vom Duft heißt es, er sei die Seele einer Pflanze, und mit keiner anderen wird er so eng in Verbindung gebracht wie mit der Rose. Der Duft bestimmt als wesentliches Merkmal ihren Zauber und wird als angenehm aufbauend, harmonisierend, ja selbst sanft euphorisierend empfunden.
Allerdings ist Rosenduft nicht gleich Rosenduft. Es gibt Noten mit einem Hauch von Zitrone, Myrre, Flieder oder anderem. Selbst ein und die selbe Sorte varriert ihr Parfüm, je nach Tageszeit und Wetterverhältnissen. Auch die Zusammensetzung des Bodens sowie die verwendete Unterlage haben einen Einfluss.
Flüchtige Substanzen, die ätherischen Öle, transportieren die Duftstoffe. Über Drüsen, Drüsenzellen oder auch ganze Pflanzenorgane werden sie ausgeschieden und entfalten bei Kontakt mit Sauerstoff ihren spezifischen Geruch. Das Parfum der Rosen ist geprägt vom Duftstoff Geraniol. Bei den meisten Rosen sitzen die Duftstoffe in den Blüttenblättern. Je gefüllter eine Blüte ist, desto stärker duftet sie in aller Regel. Der Duft der Rosen scheint direkt zum Herzen zu gehen und es mitunter zu öffnen....
Ein gelungens Poster, dessen unsichtbaren Duft, all diejenigen wahrnehmen können, die ihrer Fantasie freien Raum lassen:-))
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Rezension: Helga König
Rezension: Ludwig II.
Ludwig II. war ein angstbesetzter Mensch
Dieses reich bebilderte Büchlein habe ich mit großer Neugierde gelesen, weil ich wissen wollte, ob es Informationen zu Ludwig II. von Bayern gibt, die ich noch nicht kenne. Der Untertitel des Buches heisst "Mythos und Wahrheit". Der Mythos wird nicht nur in Filmen wie "Ludwig II. verbreitet, sondern auch dort, wo man seine Schlösser besichtigen kann, wie ich feststellen musste.
Im Buch wird man mit dem jungen König vertraut gemacht, hat Gelegenheit alte Fotos von ihm zu studieren und wird mit seiner Affinität zu Richard Wagner konfrontiert. Ludwig II. war ein Schwärmer, der keinen Bezug zu Geld hatte, liest man. Richard Wagner und seine Bauten kosteten Bayern ein Vermögen. Über seine Beziehung zu dem Komponisten wird man gut aufgeklärt. Auch erfährt man Wissenwertes zu den Schlössern Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee. Verschiedene Gebäude Ludwigs II. kannte ich bislang noch nicht. So etwa das "Königshaus auf dem Schachen im Wettersteingebirge, das einen maurischen Salon aufweist. Ludwigs Welt war ein Fantasiereich. Das machen alle Gebäude und deren Inneneinrichtungen deutlich.
Thematisiert werden auch seine schwierige Beziehungen zu Frauen. Es soll angeblich eine Beziehung zu der Bildhauerin Elisabeth Ney gegeben haben. Dies wusste ich bislang noch nicht. Seine homophilen Neigungen wurden unter der Decke gehalten. Fotos, die ihn mit dem Schauspieler Josef Kainz zeigen, erinnern mich an Ablichtungen von Oscar Wilde und Bosie. Kainz ist der gleiche Typus Mann wie Bosie. Kainz und Bosie strahlen eine unangenehme Kälte und Dominanzgebaren ab. Man ahnt wie die jeweiligen Innenverhältnisse dieser beiden Beziehungen ausgesehen haben.
Ludwigs distanzierte Haltung in Sachen Politik kommt zur Sprache, seine Skepzis gegenüber patriotischen Exzessen, seine Reisen nach Paris im Salonwagen und vieles andere mehr. Ludwig soll an einer Vielzahl von Ängsten gelitten haben- Platz-, Auftritts- und Versagensängste, die er nicht selten mit Alkohol wegzuspülen suchte, bevorzugt mit Champagner der Marke "Ruinart" und "Moet et Chandon oeil de perdrix". Man erfährt, was er frühstückte, welche Hauptgerichte er liebte und liest, dass sich seine Tischmanieren zu Ende seines Lebens zu wünschen übrig ließen.
Sein dubioses Ableben wird beschrieben und es wird in Frage gestellt, ob Ludwig tatsächlich geisteskrank war, oder am Ende nur viele schwere Phobien aufwies. Alles spricht dafür, dass der sensible, ängstliche Träumer in Panik geriet als er mit den Realitäten seiner Epoche - den patriotischen Exzessen- konfrontiert wurde.
Für Ludwig-Fans anbei ein nettes Poster von Neu-Schwanstein:
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Rezension: Ludwig II
Rezension: Mein Leben als Minenräumerin
Die Arbeit mit der Minensuchnadel
In sechzig Ländern dieser Erde gibt es als diabolische Hinterlassenschaft von Kriegen so genannte Todeszonen. Dort liegen, tückisch verborgen, unter der Erde eine Vielzahl unterschiedlichster Anti-Personenminen. Das erklärte Ziel dieser Minen soll die qualvolle Verstümmlung von Mensch und Tier sein.
Die Autorin dieses Buches hat sich der Aufgabe gestellt, diese Todeszonen ausfindig zu machen und vom Detonationsmaterial zu säubern, um auf diese ganz konkrete Weise humanitäre Hilfe zu leisten. Vera Bohle, im bürgerlichen Beruf Fernsehredakteurin, besucht im Alter von neunundzwanzig Jahren in Dresden die " Sprengschule " und lässt sich dort zur Minenräumerin ausbilden. Dort lernt sie Schützen-, Panzer-, Tret- und Splitterminen zu entschärfen und mit weiterem lebensgefährlichem Kriegmaterial umzugehen.
Ihren ersten Einsatz hat Bohle im Kosovo, wo sie der Gefahr mit der Minensuchnadel auf der Spur ist und stets auf's Neue fündig wird. Sie berichtet von ihren Erfahrungen in diesem Land, von den politischen Hintergründen, die zum Krieg auf dem Balkan und zu dem unsäglichen Nachlass geführt haben , den es nun zu beseitigen gilt. Die Autorin schult vor Ort Minensucher und setzt sich immer und immer wieder der Gefahr der Entschärfung und Sprengung von Minen und Blindgängern aus.
Sie arbeitet in Mosambik und Simbabwe und berichtet von dem Terrorkrieg der Frelimo gegen die mosambikanische Regierung, mit allen furchtbaren Folgen, wie etwa dem weit verzweigten System von Minenfeldern. In Afghanistan, wo sich Vera Bohle ebenfalls aufhält, ist die gesamte Infrastruktur des Landes wegen Minengefahr zusammengebrochen. " Um Städte, Gemeinden, Flughäfen, staatliche Versorgungseinrichtungen und Schulen herum, in Wasserkanälen, Wegen und Feldern " überall droht die Gefahr. Bohle konstatiert. " Die Menschen kämpfen um ihr Überleben und riskieren dafür den Tod. Es bleibt ihnen vielleicht gar nichts anderes übrig im Augenblick."
Ein sachlicher , gleichwohl bewegender Bericht einer bewußten, unglaublich tapferen Frau, die dafür sorgt, dass Kinder mit beiden Beinen durchs Leben gehen können.
Rezension: Die Memoiren meiner Frau
Jan Vanderleyden ist Amtsrichter in Koblenz. Beinahe zehn Jahre jünger als seine Frau Elisa, eine auf die " Fünfzig " zugehende Fernsehfilmschauspielerin, wird er von dieser als " Jan, der Gerechte" charakterisiert. Seine Stiefsöhne nennen ihn seiner übertriebenen sportlichen Aktivitäten wegen " Turnvater Jan ".Dieser grundsolide Protagonist sieht sich selbst als frauenfürchtiges, gerechtigkeitsfanatisches, Enthaltsamkeit übendes, irgendwie calvinistisch- protestantisches Weichei und Hollandradfahrer. Als er sich auf die unmissverständlichen Avancen der selbstbewussten, sexuell enthemmten Polin Zofia einlässt, weiß er nicht wie und was mit ihm geschieht. Letztlich fühlt er sich auf verwirrend angenehme Art fremdbestimmt.
Für sein Verhalten findet er keine Erklärung. Die erfolgreiche Geschäftsfrau Zofia verführt Jan mit ihr gemeinsam ihre abgefahrenen sakral- masochistischen Obsessionen auszuleben. Sie präferiert für diese Zwecke romanische Dome, mit Ausnahme des Wormser Doms, den sie aufgrund der monströsen " Nibelungenweiber" , die sich einst vor dem Gebäude folgenschwer gestritten haben, ablehnt.Streit liegt der Polin fern. Zofia will spielen! Jan lernt durch sie Facetten von sich kennen, die ihn zutiefst verunsichern. All das, was er aufgrund Zofias Ermutigungen in sexueller Hinsicht tut, kann er moralisch nicht akzeptieren.
Jan ist seinen diesbezüglich ausschweifenden Aktivitäten nicht gewachsen und befürchtet pausenlos entdeckt, gesellschaftlich gebrandmarkt oder gar ausgestoßen zu werden. Jan lebt immer mehr zwischen " Lustwahn" und " Raskolnikow´scher Höllenpein". Wie soll der arme Amtsrichter, ein ausgewiesener " Nach - 68er" mit all dem , was ihm hier passiert , fertig werden ? Ist Jan gar ein geschundenes Opfer der neuen Frauengeneration? Während Bruno, ein typischer " Hardcore- Alt -68er" , sich als Ghostwriter an den zunächst vordergründig trögen Memoiren Elisas versucht, durchlebt Jan Lust und Qual seiner persönlichen sexuellen Befreiung....
Ein hochironischer, streckenweise zutiefst sarkastischer Roman, der sich u.a. mit den Idealen, aber auch der Lebenswirklichkeit der " 68er- Generation" auseinandersetzt und die legendäre sexuelle Emanzipationsproblematik zielsicher beleuchtet. Wie so oft, ist nicht alles so, wie es scheint. Die Frage , wer sich hier selbst bestimmt und wer stattdessen verheizt wird, findet durch dieses Buch eine nicht uninteressante Antwort.
Dieser Roman kann mit normalen Maßstäben nicht gemessen werden. Er ist einfach zu schräg.
Rezension: Nährwerttabelle
Dieses Büchlein enthält über 35000 Nährwertangaben. Gleich zu Beginn wird sehr gut erläutert, wie man die Tabellen zu verstehen hat. Anschließend werden bestens nachvollziehbar die Nährstoffe von Lebensmitteln erklärt, zu Mineralstoffen und Spurenelementen, Vitaminen und Sekundären Pflanzenstoffen Stellung genommen, bevor man sich in die 10 Regeln der DGE im Hinblick auf gesunde Ernährung vertiefen kann.
Der so genannnte DGE-Ernährungskreis, der zu einer gesundheitsbewussten Lebensmittelauswahl verhilft, ist in sieben Gruppen untergliedert. Jede Lebensmittelgruppe liefert wichtige Nährstoffe, die zur Gesunderhaltung des Körpers dienen.
In der Folge sind von S. 22- 114 Nährwerttabellen für nachstehende Lebensmittel aufgelistet:
Getreide und Getreideprodukte
Gemüse, Hülsenfrüchte und Pilze
Obst, Nüsse, Samen
Milch, Milchprodukte, Käse
Fleisch, Fleischprodukte, Eier
Fisch, Meeresfrüchte und ihre Erzeugnisse
Fette und Öle
Getränke
Süßwaren, Fertiggerichte, Saucen und Würzmittel
Man erfährt jeweils nach Angabe einer bestimmten Portionsgröße, wieviel Kalorien, Eiweiß, Fett, Kohlehydrate, Mineralstoffe und Vitamine (diese werden im Einzelnen genau aufgezählt) ein konkretes Lebensmittelprodukt hat. Alles ist farblich gekennzeichnet, was das Lesen und Suchen vereinfacht.
Zum Schluss erfährt man Wissenswertes über Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit, über Transfettsäuren und über den Kochsalz- und Jodgehalt in Lebensmitteln.
Dieses Buch gehört in jede Kochbuchbibliothek. Nicht nur Hausmänner und Hausfrauen sollten es ausgiebig lesen, bevor sie zu kochen beginnen, besonders dann, wenn geplant wird 120 Jahre alt zu werden.
Damit Sie nicht in Gefahr laufen einen Kropf zu bekommen, sollten Sie unbedingt Seelachs, Schellfisch und Kabeljau essen und darauf achten, dass Ihr Speisesalz Jod enthält.
Rezension: Stuart Pigotts Weinreisen: Baden und Elsass (Broschiert)
Das Autorenteam Manfred Lüer und Chandara Kurt sowie der Fotograf Andreas Durst nehmen den Leser mit auf eine Weinreise entlang der Bergstraße in den Kraichgau, von dort in die Ortenau, anschließend in den Breisgau und das Markgräflerland, zum Kaiserstuhl und schließlich in das Elsass.
Interessante Orte und Ereignisse in den Regionen werden hervorgehoben. Schön , dass man das " Auerbacher Schloss " an der Bergstraße und das " Felsenmeer " nicht unerwähnt lässt. Den " Wissenschaftlichen Lehrpfad am Limberg "/ Kaiserstuhl habe ich vorletzten Spätsommer näher kennengelernt. Die Wanderstrecke verfügt über 100 Tafeln, die Besonderheiten in Archäologie, Geschichte, Geologie, Mineralogie, Flora und Fauna, Forstwirtschaft und Weinbau am Kaiserstuhl aufzeigen.
Alle Weingebiete werden sehr gut skizziert und die Winzer und ihre Weine werden aufschlussreich thematisiert. Seltenere Rebsorten wie etwa der " Cabernet Mitos ", auch der " Schwarzriesling " werden zufriedenstellend erklärt und es wird immer wieder auf Fachbegriffe der Winzersprache aufmerksam gemacht.
Berichtet wird u .a . vom Kraichgauer " Weingut Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech " und dessen eleganten Weinen. Zudem wird auf eine Auswahl guter Bergsträßer Weine aufmerksam gemacht und man erfährt Näheres zur " Domaine Bergstraße - Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach ". Der Vorzeigeweinberg ist die Lage " Heppenheimer Centgericht ", die Weine von dort sind wirklich exzellent.
Neben einer großen Anzahl von Weingütern werden auch Hotels und Restaurants an der Bergstraße und im Kraichgau genannt. Hocherfreut habe ich gelesen, dass man auch auf das " Weinhaus Blauer Aff "in Bensheim verweist, das ich als 20 jährige mit Freunden bereits aufsuchte. Das Ambiente hat sich seitdem kaum geändert. Noch immer geht es dort urig zu. Die Weinkarte ist regional ausgerichtet.
In der Folge lernt man die Weine und Weingüter der Ortenau näher kennen. Dieses Gebiet mutet geradezu paradiesisch an, Obst, Blumen in Hülle und Fülle, sanft geschwungene Weinkämme, idyllische Täler und steile Hänge.
Vorgestellt wird u.a. " Weingut Andreas Laible " in Durbach, dessen Weine zu den besten in der Republik zählen. Sie wachsen auf Gneis, Porphyr und dem seltenen Achat. Dies ist für seine Rieslinge ideal. Sein "Durbacher Plauelrain" ist mehr als nur köstlich.
Zwei der genannten Winzergenossenschaften in der Ortenau kenne ich gut. Zum einen die " Durbacher Winzergenossenschaft " mit sehr delikaten Weinen und der " Winzerkeller Hex von Dassenstein " in Kapelrodeck, die einen superleckeren, fruchtigen Spätburgunder keltern.
Von den Restaurants in der Ortenau kenne ich nur das " Restaurant Fallert Hotel Talmühle". Das ist übrigens genau so gut, wie im Buch beschrieben.
Den Breisgau und das Markgräflerland schätze ich landschaftlich sehr. Natürlich muss man hier vom " Gutedel " sprechen, der in der Schweiz und in Frankreich " Chasselas " heißt. Es handelt sich um die meist angebaute Rebsorte im Markgräflerland. Der Wein ist zumeist säurearm und sehr erfrischend.
Es werden sehr gute Winzer in der Region vorgestellt u.a. das " Weingut Hartmut Schlumberger ", aber auch Dörflinger, Jähnisch und Schneider sind überzeugende Beispiele für den Weißwein-Aufschwung des Markgräflerlandes.
Auch in dieser Region werden gute Restaurants und Hotels benannt. Im " Hotel Colombi" in Freiburg habe ich vorletzten Herbst zu Mittag gegessen. Dort kocht man auf höchstem Niveau. Ebenfalls auf ganz hohem Niveau kocht man im " Hotel und Restaurant Hirschen " in Sulzburg und im " Romantik-Hotel Spielweg ". T.Ungerer liebt dieses Hotel sicher nicht grundlos.
Der Kaiserstuhl ist ein Paradies für Weinliebhaber. Die Autoren haben die Region sehr schön beschrieben. Auch meine Lieblingswinzergenossenschaft wurde erwähnt: die " Winzergenossenschaft Königsschaffhausen
Dr. Hegers Weine in Ihringen muss man probieren, die Weine von " Franz Keller ", vom " Weingut Bercher ", " Weingut Johner " und " Weingut Salwey " ebenfalls. Die Weine dieser VDP- Winzer werden sehr gut beschrieben, auch werden Restaurants am Kaiserstuhl benannt. Leider kenne ich nur den " Schwarzen Adler " in Oberbergen. Der ist sehr gut. Die Beschreibungen der anderen Restaurants machen mich neugierig.
Sehr gut auch werden die Weine im Elsass nahe gebracht. Die französischen Qualitätsbezeichnungen werden bestens erklärt.
Die Weine von " Hugel u. Fils " sind prima. Stimmt. Die anderen kenne ich nicht. Sie klingen aber vielversprechend.
Die offerierten Restaurants sind vom Feinsten. Leider war ich noch nie in der " L `Auberge de L`ill ". Ich habe aber davon immer nur das Beste gehört. " Am 17. September 1967 überreichte Paul Bocuse dem Sternekoch Marc Haeberlin in dessen Restaurant Illhäusern das Kreuz der Ehrenlegion. Diese hohe Auszeichnung honoriert eine ganze Familie von Köchen, die seit 40 Jahren das berühmte Restaurant an der Spitze der französischen Gastronomie halten. Die Familie Haeberlin führt nach wie vor diese weltweit bekannte Gourmetadresse, die man mindestens einmal im Leben besuchen sollte. Ein Muss für alle Foodies."
Umfangreiches Kartenmaterial und viele schöne Fotos begleiten die hochinformativen Texte im Buch, das den Leser bestens auf eine Weinreise nach Baden und in den Elsass vorbereitet.
Ein guter Spätburgunder mit fruchtigen Nuancen, empfehelnswert.
Rezension: Burgenland - Wein & Kulinarisches (Gebundene Ausgabe)
Wo wir uns der Sonne erfreuen, sind wir jeder Sorge los (Goethe)
Das Autorenteam Rudolf Lantschbauer und Georges Spengler haben sich in diesem reich bebilderten Buch mit den burgenländischen Weinen befasst, dabei aber nicht vergessen Rezepte kulinarischer Besonderheiten dieses Weinanbaugebietes dem Leser nahe zu bringen, deren Begleiter die feinen Weine schließlich sein sollen.
Diese Rezepte haben Köche unterschiedlicher, konkret benannter Restaurants der Region zur Verfügung gestellt und werden die Freunde wohlmundender Speisen gewiss entzücken.
Bevor man sich den Weinen nähert, wird man zunächst darüber aufgeklärt, was man unter dem Burgenland zu verstehen hat und welches Gebiet es in Österreich umfasst.
Im Fokus stehen die Weinanbaugebiete Neusiedler See, Neusiedler See- Hügelland, Mittelburgenland und Südburgenland.
Es handelt sich hierbei um ein landschaftlich traumhaftes Gebiet mit malerischen Dörfern aber auch kleinen Städten, vielen Kirchen, Bürger- und Landhäusern sowie alten Ruinen, wo sich am Fuße des Leithagebirges die Weiten des Neusiedler Sees erstrecken und dazu einladen für immer dort zu verweilen.
Das unterschiedliche Terroir in diesen Gebieten, aber auch die unterschiedlichen klimatischen Voraussetzungen bedingen unterschiedliche Geschmacksnoten bei den einzelnen, im Buch näher vorgestellten Weinen. Die Weinmacher tun ihr Übriges, um Indiviuelles hervorzuheben.
In der Folge werden die Weingärten, die Weinlinien und die Vinifikation der einzelnen Weingüter breitgefächert thematisiert und es wird erklärt, weshalb im Burgenland " Blauer Zweigelt" , " Blaufränkisch" sowie " St. Laurent" als die primären blauen Trauben benannt werden können, gefolgt von " Pinot Noir", " Cabernet Sauvignon" und " Merlot".
" Traminer", " Pinos Gris", " Sauvignon blanc" sind vor Ort die begehrtesten Weißweintrauben, neben " Welschriesling" , " Pinot Blanc" und " Chardonnay".
Man lernt die besten Weinerzeuger des Burgenlandes kennen und weiß nach der Lektüre des Buches , dass in Deutsch-Schützen die Familie Krutzler den Blaufränkisch in ungeahnte Höhen getrieben hat. Es soll kein Geheimnis bleiben, dass der Premiumwein " Perwolff" besonders delikat mundet. Weingut Igler in Deutschkreutz aber auch Weingut Gesselmann am gleichen Ort sollte man aufsuchen, wenn man auf Weinreise ist. Gesselmann gibt es schon seit 1767; in österreichischen Spitzenrestaurants wird dessen " Opus Eximium" kredenzt, ein Cuvee aus Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt, das erst drei Jahre nach der Ernte trinkreif ist.
Kerschbaum im Mittelburgenland ist bekannt für seine Topcuvees, nicht zuletzt für sein " Cuvee Impresario". Im Landgasthaus Jeitler in Schlatten bei Bromberg begleiten " Rehrücken im Weißbrotmantel mit Balsalmicokirschen und kandiertem Kren" den leckeren Tropfen. Hingegen wird im Restaurant-Cafe " Im Esterhazy" in Eisenstadt zu einem " Wels vom Neusiedler See mit Fazzoletti, Chinakohl, Radiccio-Gemüse und Roten-Rüben-Würfeln der " Chardonnay Reisbühl" vom Weingut Leberl gereicht, dessen Bukett an Ananas und Honig erinnern, auch ein Touch Haselnuss soll dabei sein, rauchig-röstig angelegt, fruchtsüß und balanciert, voluminös und anhaltend.
An den Südhängen des Leithagebirges haben die Kelten schon Wein angebaut und am Neusiedler See erzeugt Ernst Triebaumer wunderbare Weine "Pandkräftn", " Mitterkräftn" und " Vogelsang" . Diese Namen sollte man sich merken und die edelsüßen Weine - den Ruster Ausbruch- bei Triebaumer verkosten. Auch Feiler -Artinger in Rust ist eine Spitzenadresse, dessen Weiß- und Rotweine allein schon eine Reise wert sind. Sein " Cuvee Solitaire" stellt den Topwein der Rotweinpalette dar, "Cuvee 100" steht ihm dabei zur Seite. Ruster Ausbruch wird auch bei Feiler-Artinger gemacht. Dieser Wein ist übrigens der ideale Begleiter für Blauschimmelkäse.
Wie man liest, nehmen die Weingärten am Neusiedler See eine Sonderstellung ein, weil die klimatischen Bedingungen für die Süßweinerzeugung einzigartig sind. Die Harmonie edelsüßer Weine stehen im ausgewogenen Verhältnis zu den Komponenten Fruchtextrakt, Säure und Zuckerrest. Das wird erreicht durch das Auftreten des Edelpilzes Botrytis cinera". Für die Edelfäule der Trauben soll die beste Voraussetzung eine erreichte Vollreife mit intakter Beerenhaut sein.
Familie Kracher in Illmitz ist die erste Adresse für Spätlesen-Auslesen, Beerenauslesen, Ausbruch und Trockenbeeren-Essenz. Was man darunter im Einzelnen zu verstehen hat, erklären die Autoren dem interessierten Leser. Krachers Weingärten und Rebsorten , seine Weine, die Vinifikation und die Weinlinien werden sehr gut dargestellt. Das gilt auch für alle anderen Weingüter, die allerdings leider an dieser Stelle nicht alle benannt werden können.
Vielleicht sollte man bei der Lektüre dieses schönen Buches einen Rotwein vom Weingut Umathum trinken. Das Pannonische Klima wirkt sich auf dessen Weine ganz besonders aus und lässt seine Klassiker Zweigelt nach Kirschen, St. Laurent nach Brombeer-Waldbeeren und den Blaufränkisch nach Johannisbeeren und Kirschen schmecken.
Wenn der Oleander blüht sollte man ins Burgenland reisen und sich dort all die guten Weine munden lassen und unbedingt mit einem netten Gegenüber den Augenblick genießen.
Wenn Sie es nicht schaffen das Burgenland aufzusuchen, freuen sich die Winzer darauf Ihnen die Weine auch per Packetdienst zu schicken. Besitzen Sie erst einmal das Buch, wird es Ihnen an guten Adressen nicht mangeln.
Empfehlenswert
Wenn Sie unliebsame Flecken beim Weinausschenken auf Tischtüchern vermeiden möchten, empfehle ich Ihnen.
Wenn Sie unliebsame Flecken beim Weinausschenken auf Tischtüchern vermeiden möchten, empfehle ich Ihnen.
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