Rezension : Blühender Schwarzwald- Gärten öffnen ihre Pforten

Die freischaffenden Fotojournalistin Jutta Schneider und Dr. Michael Will haben gemeinsam mit der Autorin Evelyn Thieme-Kienhöfer dieses sehr schöne, reich bebilderte Buch mit dem Titel "Blühender Schwarzwald- Gärten öffnen ihre Pforten" realisiert.

Ingesamt hat das Team für dieses Buch 25 Gärten aufgesucht. Es handelt sich hierbei um: den Privatgarten Rebel in Busenbach, den Privatgarten Jansen in Langensteinbach, die öffentlichen Gärten Baden-Baden, den Privatgarten Hartwig in Kappelrodeck, den Privatgarten Bruchseifer in Rammersweier,den Privatgarten Huber in Oppenau, die Privatgärten Lau in Hallwangen, den Bauerngarten Sester in Reichenbach, den Privatgarten Link in Fischerbach, die Bauerngärten im Freilichtmuseum in Gutach, die Bauerngärten in Schillinger in Schiltach, der Privatgarten Arndt in Kirnbach, die Bauerngärten Moser in Oberprechtal, die Privatgärten Jäckle in Oberkirnach, der Privatgarten Kuhn in Villingen, der Privatgarten Schüle/Seitz-Schüle in Freiburg, der Bauerngarten Feser in Hinterzarten, der Privatgarten Krumschmidt-Hampel in Sehringen, der  Privatgarten leppert in Multen, derPrivatgarten Schmitt in Ebnet, der Privatgarten Wegner in Marzell, der Bauerngarten Zeh und Mogel in Bürchau, der Privatgarten Maier in Lehen, der Privatgarten Stöcklin in Kandern und der Hof Berg-Garten in Großherrischwand.

Allen Gartenbeschreibungen ist gemeinsam, dass man am Ende  immer die genauer Anschrift,  Anfahrtshinweise  und Tipps im Hinblick auf Sehenswertes in der Nähe erhält. Neben einladenen  Fotos  und  Pflanzen- sowie Gestaltungsbeschreibungen liest man immer wieder Gedichte und Gedanken namhafter Persönlichkeiten, die die Poesie, die diese Gärten ausstrahlen, in schönen Worten spiegeln, wie etwa in dem Gedanken von Hans Christian Andersen:" Leben ist nicht genug", sagte der Schmetterling."Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben!", den ich besonders mag.

Es ist natürlich unmöglich auf alle im Buch näher fokussierten Gärten einzugehen. Die öffentlichen Gärten in Baden-Baden sind wegen ihrer vielen  Rosen beeindruckend. Besonders gut gefallen mir die Rosenbogengänge und die wundervollen Ramblerrosen. Der Rosenneuheitsgarten auf dem Beuting soll sich jetzt im Juni besonders schön präsentieren, während die so genannte Gönneranlage durch ihr Gesamtbild besticht. Es handelt sich um eine klassische Anlage, mit präzise geschnittenen Hainbuchhecken und einem zentralen Wasserspiel, die farbig von tausenden von Rosen untermalt werden. Hauptdarsteller sind großflächige Beetrosenbepflanzungen, einige Hochstämme, aber auch moderne Kletterrosen.

Sehr schön auch sind die Bauerngärten Schillinger. Hier gefallen mir die Mischkulturen in den Beetreihen und die schönen Stauden als Randbepflanzung. Solche Gärten kenne ich nur aus meiner Kindheit und erinnere mich gerne ihres wundervollen Duftes. Im Buch finden sich einig dieser Gärten..Besonders idyllisch  muten dabei die Bauerngärten Moser an. In diesen Gärten stehen pulkweise verschiedene Pflanzengesellschaften und sorgen für eine interessante Farbgestaltung. Bewundert habe ich auch die Stockrosen  des Privatgartens Jäckle und das Kletterdorado an der Giebelwand des Bauernhofes dort.

Der Privatgarten Schüle/Seitz-Schüle ist ein historischer Klostergarten. Der Garten gehört zwei Agrarwissenschaftlern, die die Gartenfläche auf Bioland-Anbau umgestellt haben. Gefallen hat mir die Randnotiz: Den Reichtum der Gartenernte teilt man gern mit anderen. Montags zum Beispiel wird regelmäßig mehr ein Dutzend Menschen mit Früchten aus dem Garten bekocht."
Ein schönes Buch , das ich mit viel Freude gelesen habe und gerne weiterempfehle.

Gefallen hat mir eine Sentenz von Guido Hager und zwar so sehr, dass ich sie hier wiedergeben möchte: " Ein Garten ist eine Inszenierung einer idealen Welt, ein Sehsuchtsort, an dem der Mensch eine Ahnung haben kann, von dem Paradies, aus dem er einst vertrieben wurde."

Rezension: Grundformen der Angst.4 CDs: Gekürzte Lesung (Audio CD)

 Der geneigeten Leserschaft von Rezensionen bei Amazon möchte ich neben dem hervorragenden Buch " Grundformen der Angst " des Psychologen Riemann auch diese vier CDs ( eine leicht gekürzte Fassung des gleichnamigen Buches, gelesen von Katja Schild) empfehlen. Sich mit dieser Materie zu beschäftigen lohnt sich aus vielschichtigen Gründen.

Der Psychoanalytiker Fritz Riemann ( 1902-1979) befasst sich in dieser tiefenpsychologischen Studie mit den Grundformen der Angst. Es handelt sich hierbei um:
1) Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt;
2) Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt;
3) Die Angst vor Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt;
4) Die Angst der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt.

Riemann hält gleich zu Anfang seiner Studie fest, dass Erwachsen-Werden und Reifen einhergehen mit Angstüberwindung. Jedes Alter hat seine entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten, die gemeistert werden müssen, wenn der Schritt gelingen soll. Der Autor verdeutlicht, dass diese Ängste gleichsam organisch zu unserem Leben gehören, weil sie mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen.

In der Folge stellt Riemann Persönlichkeiten vor, die Angst überwertig erleben und zeigt jeweils auf, wodurch diese überzogenen Ängste in der Kindheit entstehen. Ich erlaube mir die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster an dieser Stelle festzuhalten, damit die potentiellen Hörer einen Überblick bekommen, worum es hier eigentlich geht.

Die schizoide Persönlichkeit
Schizoide Personen haben ein übersteigertes Empfinden hinsichtlich der Selbstbewahrung und Ich- Abgrenzung. Kennzeichnend für diesen Personenkreis ist eine übersteigerte Angst vor Nähe. Sie möchten auf niemand angewiesen und niemanden verpflichtet sein. Der Schizoide strebt überhöhte Distanz an, weil er sich dauernd in seinem Lebensraum bedroht fühlt. Auf die Umwelt wirkt ein solcher Mensch fern, kühl, unpersönlich und kalt. Auch wenn man diese Leute schon lange kennt, kennt man sie nicht wirklich. Selbst, wenn man heute einen guten Kontakt zu ihnen haben mag, verhalten sie sich morgen so als hätten sie uns nie gesehen.
Mangels des Nahkontaktes entsteht eine krankhafte Eigenbezüglichkeit, wahnhafte Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. Das Gefühlshafte bleibt bei solchen Menschen oft unterentwickelt.

In der Liebe wird der Partner nur als " Sexualobjekt" gesehen, das der Befriedigung der Sinne dient, darüber hinaus allerdings nicht interessiert. Wenn die Gefühlskälte weiter fortgeschritten ist, kann es geschehen, dass auf den Partner unverarbeitet Hassgefühle und Rachehaltungen unbewusst projeziert werden, die einer ursprünglichen Person in der Kindheit gegolten haben.
Schizoide Personen reagieren beim Überschreiten ihres Schutzkreises- ihrer imaginären Grenze - durch andere mit Panik, die in wilden Angriff umschlägt. Der Angst folgt die Aggression.

Schroffheit, plötzliche verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind die häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten der Aggression. Riemann zeigt an Beispielen schizoide Erlebnisweisen auf, wobei er darauf hinweist, das schizoides Verhalten ein geisteskrankes Verhalten ist.

Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt, verschmelzen nicht zu einheitlichem Leben. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen. Die Schwerstgestörten machen sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Dies Kann zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und Selbstvergottung führen. Ethik und Moral sind für Schizoide fragwürdig. Nicht selten entwickeln diese Menschen eine "Herrenmoral", für deren Angehörige andere Regeln gelten als für in ihren Augen "Schwache". Menschen mit stark schizoider Struktur leiden nicht an ihrem Wesen, sondern sie fühlen sich gesund. Oft ist es ihr Umfeld , das lernen muss sich abzugrenzen, um psychisch nicht auf der Strecke zu bleiben.

Die depressive Persönlichkeit
Dieser Personenkreis hat Angst ein eigenständiges Ich zu werden. Den Depressiven quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du. Alleingelassenwerden und Verlassenwerden kann ihn in tiefe Depression und Verzweiflung stürzen. Um sich vor Verlustängsten zu schützen, müssen diese Personen lernen viel Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. Distanz bedeutet für den Depressiven Bedrohung. Um anderen uneingeschränkt nahe sein zu können unterdrücken diese Menschen gerne Kritik und Zweifel am Nächsten. Ihr Persönlichkeitsbild weist überwertig Tugenden, wie etwa Bescheidenheit, Überangepasstheit, Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extremen masochistisches Hörigkeitsverhalten auf.

Für sich selbst fordern diese Personen nichts. Riemann lässt den Leser wissen, dass es kennzeichnend für Depressive ist, dass sie schwer etwas merken können, schnell vergessen, oft Lernschwierigkeiten haben und nicht selten teilnahmslos und müde erscheinen. Aggression bei Depressiven äußert sich in Jammern, Klagen und Lamentieren. Aggression und Angst vor Liebesverlust führen oft zu Selbsthass und zur bewussten und unbewussten Selbstbestrafung und Selbstzerstörung. Auch hier macht Riemann das Krankheitsbild an Beispielen deutlich.

Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. Sie identifizieren sich mit ihm soweit, dass sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Da sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben, die sie den Wünschen anderer entgegensetzen können, unterliegen sie den Impulsen und Wünschen anderer. Immer sind sie gewohnt die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn ein solcher Mensch sich für alles verantwortlich fühlt, geschieht dies nicht aus Größenwahn, sondern aus fehlender Ich-Stärke, die ihn mehr den anderen leben lässt als sich selbst. Dies kann bis zur völligen mentalen Selbstaufgabe führen.

Die zwanghafte Persönlichkeit

Dieser Personenkreis hat eine übergroße Angst vor Vergänglichkeit. Dadurch kommt es zum starren Festhalten an Überkommenem auf allen möglichen Gebieten. Tradition, familiärer , gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art führen nicht selten zu Dogmatismus, Konservatismus, Prinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen von Fanatismus. Je starrer diese vertreten werden, desto intoleranter sind diese Menschen anderen gegenüber, die sie angreifen oder auch nur eine Frage stellen. Je mehr diese Personen an altem festzuhalten suchen, um so mehr empfinden sie die Angst vor Vergänglichkeit. Das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens ist hier typisch.

In einer Liebesbeziehung will der Zwanghafte seinen Partner nach seinem Willen formen. Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Machttrieb, Pedanterie und Starre lassen solche Beziehungen verkümmern. Das Liebesleben ist insgesamt erosfeindlich. Aggressionen sind hier zwanghaft, weil sie mit Machtwillen verbunden sind. Die Aggressionen der Zwanghaften dienen der Macht und die Macht der Aggression. Formen der Aggression sind Verschlagenheit, hinterhältige- feige , versteckte Aggression, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Auch hier erhält man wieder lebensgeschichtlich Hintergrundinformationen. Perfektionismus, Unduldsamkeit gegenüber anderen, die sich zu diktatorischen und dogmatischem Verhalten vertiefen sind bezeichnend.

Die hysterische Persönlichkeit
Dieser Personenkreis hat Angst vor dem Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. Platzangst, Staßenangst, die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten , auch Tierphobien sind im Grunde verschobene Ängste. Die Angst, die dahinter steht, ist die Angst vor Freiheitsbeschränkung. Hysteriker sind in ihren Liebesbeziehungen leidenschaftlich, intensiv und fordernd. Sie sind Meister der Erotik, der Verführung, des Flirts und der Koketterie. Diese Menschen sind genussfroh, phantasiereich und verspielt. Treue ist ihnen nicht so wichtig, zumindest die eigene nicht. Heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie und geben ihrer romatischen Fantasie freien Raum. Das Bedürfnis bestätigt werden zu wollen nimmt bei diesen Menschen überwertige Formen an. Ihr Narzissmus, ihre Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. Einen Partner benötigten sie vor allem , damit dieser sie ihres Charmes, ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen( so die Worte Riemanns!) sind typische Hysteriker.

Aggressionen leben Hysteriker in der Intrige aus. Abwertungen eines anderen bis hin zur Vernichtung kommen seiner ausgeprägten Rachehaltung entgegen. Flammende Entrüstung, pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische Aggressionsäußerungen. Auch hier wieder werden lebensgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist, dass sie die Identität mit sich selbst nicht finden.

Problematisch ist, dass scheinbar ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, weil sie durch den Gegentyp zur Ganzheit zu gelangen beabsichtigen. Der Schizoide ahnt von der Liebesfähigkeit des Depressiven, seiner Opferbereitschaft, seinem Sich-Selbst-zurückstellen, seinem einfühlenden Sich-bemühen. Er ahnt die Erlösung aus seiner Isolation,die Möglichkeit am Partner etwas nachzuholen. Anderseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden , dass dieser etwas lebt, was er nicht zu leben wagt. Zudem spürt er hier jemand , der seine Liebesbereitsschaft dringend braucht. Im Zusammenleben spitzen sich dann allerdings Abhängigkeits- und Unabhängigkeitsdrang dramatisch zu. Es folgt endloses Missverstehen. Endsprechend verhält es sich zwischen zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten. Auch hier enden Beziehungen in der Regel in Auseinandersetzungen.

Gegensätzliches stößt sich am Ende ab, wenn nicht die Bereitschaft zur Erkenntnis und Reifung beidseitig vorhanden ist.

Sehr empfehlenswert!



Rezension: Die schönsten Tagesausflüge in Franken: Malerische Städte und Landschaften entdecken (Broschiert)

Eine wahrlich bemerkenswerte Kulturlandschaft.,

Armin Schneiders Reisführer stellt malerische Städte und Landschaften in Franken vor.

Die Ausflugsziele sind untergliedert: " Ausflugsziele in Unterfranken", "Mit dem Auto und Fahrrad durch Mittelfranken", sowie " Oberfränkische Attraktionen".

Sieben Ausflugsziele in Unterfranken werden thematisiert. Das erste angesteuerte Ziel ist ein Stadtrundgang in Würzburg mit anschließendem Radausflug nach Veithöchheim. Sehr gut beschrieben sind die historischen Eckpunkte in Würzburg.

Auf den Bildhauer Tilmann Riemenschneider wird hingewiesen, der ab 1483 das Kunstgeschehen in der Stadt prägte. Bewundern kann man seine Werke übrigens auf der Festung Marienberg.

Auch Balthasar Neumann wird erwähnt. Er war einer der führenden Architekten des Barockzeitalters. Im Würzburger Schloss, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, kann man ein beeindruckendes Treppenhaus dieses Architekten und das größte Deckenfresko der Welt von Tiepolo besichtigen. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt werden fokussiert und viele schöne Fotos verschaffen einen guten Eindruck davon, was man dort zu erwarten hat. Bemerkenswert ist u. a. die "Alte Mainbrücke" mit ihren steinernen Heiligenfiguren.

Bestens beschrieben ist die Radtour nach Veithöchheim und dem Glanzstück im dortigen Rokokogarten. Es handelt sich hierbei um ein Figurenensemble: Neun Musen umringen Apoll und darüber schwebt ein geflügeltes Dichterross.Erfreulich, dass der Autor den "Würzburger Stein" nicht vergisst, gemeint ist die berühmte Weinlage am Nordrand von Würzburg. Dort wird seit 1665 Wein angebaut. Goethe schätzte übrigens den Steinwein, wie man entsprechenden Bestellungen entnehmen kann.

Schön ist die Beschreibung des Spessarts, ein weiteres Reiseziel in Unterfranken. Miltenberg, Mespelbrunn und Aschaffenburg lernt man kennen und erfährt Näheres über den "Naturpark Spessart". Lobend erwähnen möchte ich das Kapitel "Besuch eines fränkischen Weinfestes". Schneider skizziert hier Wissenswertes über das Weinland Franken, die Fränkischen Weinfeste, wartet mit einer kleinen Weinkunde auf und gibt noch viele weitere Hinweise zum fränkischen Wein, die Weintrinker gewiss begeistern werden.

Ich möchte davon absehen mich zu allen 7 Ausflugszielen in Unterfranken schriftlich auszulassen. Mein Gesamturteil: alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind benannt und gut beschrieben. Mir gefällt, dass Kartenmaterial nicht vergessen wurde und mit weiteren praktischen Tipps wie etwa zur Anfahrt etc. nicht gespart wird.

Im Weinort Volkach sollte man sich unbedingt die "Rosenkranzmadonna" von Tilmann Riemenschneider ansehen, bevor man den delikaten Volkacher Wein genießt. Schön, dass der Autor auf Prichsenstadt aufmerksam macht. Diesen altfränkischen Ort sollte man sich nicht entgehen lassen. Ein wirklich schönes mittelalterliches Flair. Im zweiten Teil des Buches lernt man Mittelfranken näher kennen. Hier hat mir das Reisziel "Kleinodien an der Romantischen Straße" besonders gefallen. Allein schon die Bilder von den schönen mittelalterlichen Patrizierhäusern in Rothenburg, Dinkelsbühl und Feuchtwangen bezaubern. Die Sehenswürdigkeiten sind sehr gut erklärt.

Interessant auch ist die fränkische Rokokostadt Ansbach. Hier lohnt sich ein Spaziergang im Hofgarten,wo auch der Gedenkstein für Kaspar Hauser steht. Der Autor empfiehlt Wolframs-Eschenbach mit dem Rad zu erkunden. Dieses im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Städtchen war übrigens die Heimat des Minnesängers Wolfram von Eschenbach und gehörte fast 600 Jahre dem Deutschen Orden an.

Gut beschrieben auch ist der Bummel durch Nürnbergs Altstadt. Dort gibt es weitaus mehr zu bewundern als das Dürerhaus. Den " Schönen Brunnen" sollte man sich nicht entgehen lassen. Er stammt von Heinrich Behaim und ist wohl der schönste Brunnen in Franken überhaupt.Zu den "Oberfränkischen Attraktionen" zählt landschaftlich die Fränkische Schweiz. Unter den tausend Höhlen ist die Teufelshöhle die bekannteste und größte. Der Autor schreibt, dass der Eingang zu Höhle sich wie ein Schlund eines Urzeitmonsters öffne und die Welt, die man im Inneren der Höhle zu erwarten habe, eine mystische Welt von verschlungenen Gängen, riesigen Felssälen und bizarren Tropfsteinfiguren sei.

Bamberg ist eine meiner Lieblingsstädte in unserer Republik. Dieser Ort besitzt den größten unversehrt erhaltenen historischen Stadtkern und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Alles Sehenswerte in der Stadt ist bestens beschrieben, von "Klein-Venedig", über den "Bamberger Reiter" bis hin zur "Alten Hofhaltung", die einstige Kaiserpfalz, die durch ihre blumengeschmückte Außenfassade beinahe bewohnt erscheint.

Eine Reise wert ist auch Coburg mit seiner prächtigen Veste über der Stadt. Coburg war einst der Treffpunkt des Hochadels. Man erhält in der Folge Informationen über Bayreuth, erfährt Wissenswertes über das Markgräfliche Schloss, auch das Festspielhaus in dem jährlich Richard-Wagner-Festspiele stattfinden, wird erwähnt. Die "Plassenburg" in Kulmbach sollte man sich nicht entgehen lassen, auch die "Festung Rosenburg" sollte man besichtigen und man sollte dem Gasthaus "Zum scharfen Eck" in Kronau" einen Besuch abstatten. In diesem Haus nämlich wurde 1472 Lucas Cranach geboren.

Liebhaber schönen Porzellans sollten einen Abstecher nach Selb machen und "Porzellanikon" besuchen, auf einer Ausstellungsfläche von rund 11000 qm ist dies das wohl größte Spezialmuseum für Porzellan in Europa.

Ein ganz exzellenter Reiseführer.




Rezension: Wenn Liebe so einfach wäre (DVD)

Dieser Film hat mich gestern abend wirklich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Jane (Meryl Streep), Mutter von drei erwachsenen Kindern und erfolgreiche Geschäftsfrau ist seit 10 Jahren bereits von Adam (Alec Baldwin) geschieden. Auf einer Party treffen sie sich rein zufällig und man sieht, dass es zwischen den beiden noch immer knistert.

Adam hat Jane damals wegen einer wesentlich jüngeren Frau verlassen, die er als dann heiratete und die ihm das Leben seither nicht einfach macht. Seine jetzige Ehefrau ist stutenbissig und exaltiert und möchte den gestressten Adam zum Vater eines weiteren Kindes machen. Adam sehnt sich nach den alten Zeiten zurück, nachdem er die nette Jane wieder gesehen hat. Jane ist eine Traumfrau, attraktiv, lieb, charmant, auch intelligent und sie kann gut kochen. Wie kann man eine solche Frau nur verlassen?

Jane und ihr Exmann beginnen eine Affäre miteinander und genießen die heimlichen Stunden, die sie im Bett verbringen, aber auch miteinander reden. Jane verliert ihre Komplexe, die aufgrund der Gegebenheit entstanden sind, dass Adam sie wegen einer jüngeren Frau verlassen hat. Sie spürt wie anziehend sie auf das andere Geschlecht wirkt, auch auf ihren Innenarchitekten Jake (Steve Martin), der zu der gereiften Frau besser passt als ihr noch immer unreifer Exgatte.....
Wie wird sie sich entscheiden?

Ein toller Film, der Meryl Streep auf den Leib geschneidert ist. Diese bemerkenswerte, nicht geliftete Hollywood-Schauspielerin beeindruckt wegen ihrer positiven Ausstrahlung. Sie macht in diesem Film deutlich, dass Frauen keine Angst vor dem Alter haben müssen. Eine gute Botschaft.





Rezension: DVD : My Big Fat Greek Summer

Diese leichte, vordergründig vielleicht seicht erscheinende Komödie erzählt aus dem Leben der amerikanischen Geschichtsprofessorin Georgia (Nia Vardalos), die ihren  Job verloren hat und sich nun als Reiseleiterin in Griechenland verdingt. Dort schlägt sie sich entnervt mit ignoranten Touristen aus aller Welt herum, die sich nicht für ihre eloquenten historischen Ausführungen interessieren, sondern stattdessen lieber shoppen, sich betrinken, flirten und niveaulosen Small-talk  miteinander pflegen.

Georgia ist angewidert von den Menschen, mit denen sie täglich zu tun hat und verkrampft sich immer mehr. Sie kann einfach nicht verstehen, dass die griechische Kultur bloß als Kulisse begriffen wird, um hübsche Fotos zu machen, aber man vom alten Griechenland faktisch nichts wissen will. Sie zeigt, dass sie diese Ignoranten verachtet und die ihr anvertrauten Touristen zeigen ihr, dass sie sie nicht mögen.

Der alte Tourist Irv (Richard Dryfuss), der offenbar täglich zum Frühstück bereits einen Clown verschluckt und auf Georgia besonders nervig wirkt, wie auch der Busfahrer Procopi (Alexis Georgoulis) lehren Georgia auf schlichte Art Werte der alten griechischen Philosophen: Gelassenheit und Toleranz.

Als Georgia beginnt die Menschen so zu nehmen wie sie sind, lösen sich die Konflikte auf und man beginnt voneinander zu lernen.

Die Slapsticks machen den Film ein wenig skurril. Man hätte sie außen vor lassen können. Sehr witzig fand ich die Umsetzung des Orakels von Delphi. Dem Regisseur ist es gelungen, zu zeigen, dass die Menschen im alten Griechenland nicht anders gewesen sind als die Menschen heute, zumindest was ihre Ängste, Sorgen und Träume anbelangte.

Wie bringt man Ignoranten Geschichte nahe? Indem man  sich bemüht, oberlehrerhafte Attüden abzulegen, so die Botschaft des Films.


Rezension: Kunstbuch: Ernst Ludwig Kirchner Retrospektive

"Ich staune über die Kraft meiner Bilder im Städel." (L. Kirchner)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Ernst Ludwig Kirchner Retrospektive", die derzeit ( 23.4.- 25.7.2010) im Städel Museum in Frankfurt/Main gezeigt wird.

Ludwig Kirchner (1880-1938) war der Mitbegründer der Künstlergemeinschaft "Brücke" und einer der Hauptvertreter des "Expressionismus". Im vorliegenden Buch lernt man sein Leben und Werk detailliert kennen. Kirchner war wohl ein innerlich sehr zerrissener Mensch mit tiefen Misstrauen. Die Kehrseite davon waren ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis und Sendungsbewusstsein (vgl.: S.23), Gegebenheiten, die sich m.E. in einigen seiner Bilder erkennbar wiederspiegeln.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Max Hollstein, einem erhellenden Aufsatz, im Hinblick auf die Person Kirchner von Felix Krämer mit dem Titel "Im Widerspruch. Ernst Ludwig Kirchner", dem sich der so genannte Tafelteil anschließt, in dem Felix Krämer, Nicole Brandmüller, Nerina Santorius, Javier Arnaldo, Beate Ritter und Sandra Oppmann im Rahmen eloquenter Beiträge den Leser über bestimmte Entwicklungsstadien des Künstlers näher aufklären. Den Texten sind hervorragende Abbildungen von Werken des Künstlers beigefügt, nicht zuletzt auch das "Englische Tanzpaar", um 1909/26, das ich schon oft im Städel Museum bewundert habe.

Dem Tafelteil folgen drei Essays, die wiedrum von Abbildungen von Werken des Künstlers begleitet werden und den Gesamteindruck, was Kirchner und sein Schaffen anbelangt, vervollständigen:

- Ernst Ludwig Kirchner und Frankfurt am Main

-"Aus zweien eins". Kirchners Bilder von Paaren

-"Gezeichnetes Tagebuch"- Ernst Ludwig Kirchners Arbeiten auf Papier


Im Katalogteil schließlich werden alle Werke, die man im Buch optisch kennen lernen konnte, detailliert beschrieben und es werden jeweils die Quellen der Bildinterpretationen angeben. Das von mir so geschätzte "Englische Tanzpaar", wird durch die beigefügten Erklärungen keineswegs uninteressanter.

Kunstbegeisterte dürfen sich auf das breitgefächerte Werk des Künstlers, und auf dessen beeindruckende Farb- und Formengebungen freuen. Insgesamt warten 380 farbige Abbildungen auf den Betrachter.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass Kirchner bei den Nazis als "entarteter Künstler" verfehmt wurde und 1937 über sechshundert seine Werke beschlagnahmt wurden. Kirchner litt unter dieser Verfemung und beging 1938 Selbstmord. Diesen großen Expressionisten betrachte ich als ein Opfer der Intoleranz.

Obschon ich mich sehr lange in die Bilder vertieft habe und mir viele Werke sehr gut gefallen, bleibt das "Englische Tanzpaar" mein Lieblingsbild , was diesen Künstler anbelangt. Es scheint wohl die Bewegung zu sein, die mir bei diesem Bild so gut gefällt. Fast meint man, dass das Tanzpaar lebt und noch immer so vergnügt ist wie vor 100 Jahren.

Empfehlenswert.



Diese Kunstdrucke  möchte ich im Hinblick auf Kirchner empfehlen:










Rezension: Der neue Mann von Welt: Geist schlägt Geld (Gebundene Ausgabe)

Männer wollen in dieser Welt offenbar alles sein: in erster Linie perfekte Verführer, das verdeutlichen die Verkaufszahlen von Oliver Kuhns gleichnamigem Buch, zudem natürlich Macher, Geldschneider, Mächtige, Welteroberer, wie die täglichen Nachrichten unmissverständlich klarmachen. Eine kleine Minderheit, das sind die mit dem größten Anspruch an sich selbst, möchten Gentlemen werden. Martin Scherer hat sich vor einigen Jahren zu dieser Spezies sehr gut in einem Buch geäußert. Dieser vor langer Zeit ausgestorbenen Art ähnelt " der neue Mann von Welt " kurz neuer MVW genannt, den Helmut A. Gansterer in seinem Buch näher definiert.

Gleich vorab: geldgierige Banker und ungebildete Ignoranten haben keine Chance neue MVW zu werden, es sei den sie arbeiten massiv an sich und verändern ihr gesamtes Weltbild und Verhalten. Das setzt voraus, dass sie erkennen, dass es wirklich erstrebenswert ist dem neuen Männerideal zu entsprechen und es ihnen schließlich einen Vorteil verschafft, nämlich den sich einfach wohler in der eigenen Haut zu fühlen. Kein einfaches Unterfangen. Erkenntnissprozesse sind leider zumeist langwierig....

Der Autor hebt hervor, dass unter allen Fähigkeiten, die man dem neuen MVW grausam abverlangt, die Bildung am meisten hervorsticht. In der Prioritätsliste liegt sie gleichauf mit der Herzensbildung und ist weitaus wichtiger noch als Eleganz, Geschmack und gutes Benehmen, die aber zur Abrundung des Idealbildes nicht ohne Bedeutung sind. Der neue MVW in der Wirtschaft besitzt natürliche Autorität, ist fachlich unangreifbar, ein neugieriger, wagemutiger Wegweiser, psychologisch selbstkritisch und selbstbewusst, respektvoll gegenüber allen Mitarbeitern, Geschäftpartnern und der Umwelt. Er bewahrt dank seiner Innovations-Ideen die Arbeitsplätze, die normalerweise durch Kostendruck und Produktivitätsfortschritt verloren gehen und setzt sich stets als Langfrist-Stratege gegen die Kurzfrist-Gier der Aktionäre durch.

Der neue MVW kennt keinen Geiz. Er ist großzügig. Ihm sind die Zusammenhänge von gesunder Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft klar. Er überdenkt Statussymbole und bleibt sein Leben lang neugierig, wissend das das Neue notwendig ist, wenn die Menschheit weiterleben will. Der Autor erwähnt Sir Peter Ustinov, der dem Ideal nah und doch kein Schnittmuster ist.

Selbstironisch, frei von jeder Koketterie und charismatisch sollte der neue MVW sein und er sollte wissen , dass Reisen das Entdecken ist, dass alle Unrecht haben, mit dem was sie über andere Länder denken und dass das Reisen zu uns selbst zurückführt. Stubenhocker werden niemals neue MVW werden. Ohne Frage.

Ein MVW ist kein Label-Model, er kleidet sich dezent und trägt immer nur das Beste, weil er weiß, dass das Beste am langlebigsten ist. Ein solcher Mann achtet immer auf gute Schuhe und Socken und gibt sich niemals als Ulknudel. Er spendet großzügig für gute Zwecke, befasst sich mit Kunst und würdigt elegante Weine als unverzichtbaren Teil der Hochkultur. Er ist freundlich, gelassen und kann zuhören, mit einem Wort er ist ganz wunderbar.

Noch gibt es den neuen MVW nur als Ideal, doch wenn erst einmal Gansterers Buch ( gottlob wurde es von keiner Frau verfasst) von einem Großteil der Männer verschlungen worden ist, werden wir besseren Zeiten, nein paradiesischen Zuständen entgegengehen. Wissen wir doch wie ehrgeizig der alte Adam ist und ahnen, dass er alles daran setzen wird auch dieses Mal göttergleich zu werden. Man hat den Jungs im Laufe der Jahrtausende immer wieder neue Götter vorgesetzt und stets aufs Neue begannen sie danach zu streben dem präsentierten Männerbild gerecht zu werden, natürlich weit entfernt sich wie die Maus im Rad zu verhalten.
Huldigen wir also dem neuen Ideal, es ist nicht das schlechteste.


Empfehlenswert.






Rezension: Fleisches Lust- Feine Fleischküche und Warenkunde


Dass man aus unterschiedlichen medizinischen Gründen nicht zu viel Fleisch essen sollte, kann man fast täglich der Presse und Ernährungsratgebern entnehmen, auch wenn, wie Franz Radatz schreibt, "Entwicklungshistoriker überzeugt sind, dass gekochtes Fleisch einst unser Hirn wachsen ließ." Radatz hebt in seinen Eingangsworten hervor, dass "mehr und mehr Studien belegen, dass Fleisch von verantwortungsvoll gehaltenen Tieren auch gesund für Menschen ist. Er begründet es damit, dass es beispielsweise reich an wertvoller konjugierter Linolsäure ist, die ein "Geheimwaffe" gegen Herz-Kreislauferkrankungen oder Fettsucht sein soll, zudem enthält es viel hochwertiges Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.

Ich teile die Meinung von Radatz aufgrund vorangegangerer breitgefächerter Lektüre, lebe also nicht vegetarisch, achte beim Einkauf von Fleisch darauf, dass es aus der Produktion von Biobauern stammt und bringe Fleischspeisen nicht täglich auf den Tisch. Wenn ich Fleischgerichte koche, sollen diese auch wirklich gut schmecken, die Zutaten sollen perfekt harmonieren und die Gerichte nicht alltäglich sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es der Anregung aus guten Kochbüchern."Fleisches Lust" - Feine Fleischküche und Warenkunde- ist eines der besten Kochbücher, das sich mit Fleisch beschäftigt, wie ich während der Lektüre und beim Zubereiten des ein oder anderen Gerichtes feststellen konnte. Es handelt sich bei den Speisen um solche aus der Wiener Küche. Der Herausgeber und fachliche Beirat des Buches ist der Besitzer des größten österreichischen Familienbetriebes Franz Radatz. Die sehr appetitanregenden Fotos stammen aus der Kamera der Starfotografin Luzia Ellert. Die 125 "mal klassisch, mal raffiniert, mal neu interpretierten" Rezepte hat die Wienerin Gabriele Halper realisiert. Die informativen Texte schließlich stammen aus der Feder der Journalistin Elisabeth Ruckser.

Ruckser schreibt zu Beginn einen empfehlenswerten Beitrag mit dem Titel "Das Herz der Wiener Küche- oder: Warum die Wiener schon immer viel von der Fleischzubereitung verstanden haben". Hier habe ich gelesen, dass vor allem gekochtes Rind als das Herz der guten Wiener Küche gilt und musste sofort an meinen österreichischen Urgroßvater denken, der noch im Alter von weit über neunzig Jahren, mit Vergnügen Tafelspitz und Rindfleischsuppen zubereitete.

Das Buch ist untergliedert in: Küchentipps mit den Schwerpunkten Salz und Marinade, große Braten und Fleischstücke, Steak und Sauce sowie Qualität und Quantität. Danach folgen die Rezepte, eingeteilt in solche für Kalb, Rind, Schwein, Lamm und Kitz, Gefügel, Wild und Kaninchen. Grillrezepte werden gesondert abgehandelt und es werden sehr gute Rezepte für Beilagen geliefert. Anhand von Bildtableaus werden vom jeweiligen Tier die Fleischteile gezeigt.

Bei den Tipps zu Beginn werden Fragen wie etwa" Wann soll man Fleisch salzen - vor dem Braten oder nachher?, "Wann ist ein Braten fertig?", " Welche Backtemperatur?", "Wie erhalte ich eine gute Sauce?", "Wie bewahrt man Fleisch auf? Und wie lange?" sehr zufriedenstellend beantwortet.

Die Rezepte sehr gut erklärt. Die Zubereitungszeit wird immer genannt. Die Zutaten sind stets bestens aufeinander abgestimmt. Es handelt sich bei den Rezepturen um solche der guten bürgerlichen Küche, die man problemlos nachkochen kann.

Bei den Kalbsgerichten möchte ich das "Gedünstete Kalbsbries mit Spargel und Morcheln" hervorheben. Allerdings empfehle ich die Haut des Brieses bereits beim Metzger entfernen zu lassen. Ein edles Sonntagsgericht jetzt in der Spargelzeit! Sehr delikat auch ist die Zubereitungsart für die "Geröstete Kalbsleber" und für die "Gedünsteten Kalbsrahmvögerl", bei denen man die unbehandelte Zitronenschale nicht vergessen sollte. Gefallen hat mir ferner das Rezept für "Gefüllte Kalbsbrust". Zu dieser Fleischspeise würde ich nur einen Paradeissalat reichen. Der Erdäpfelsalat macht die Speise zu schwer. Im Übrigen sind allen im Buch näher beschriebenen Fleischrezepten Beilagenmöglichkeiten zugeordnet. Die Rezepte für die Beilagen sind, wie eingangs bereits beschrieben auch diesem Kochbuch zu entnehmen. Natürlich ist auch das "Wiener Schnitzel" abgehandelt. Wirklich delikat wird die Panade, wenn man anstelle von Milch Sahne verwendet.

Bei den Rezepten für Rindfleisch bin ich von den Rostbratenvariationen sehr angetan. Die Tipps für gekochtes Rindfleisch und Rindsuppe habe ich mit großem Interesse gelesen und mit noch größerem Interesse die vielen Rezepte für Rindsgulasch.

Obschon ich Schweinefleisch höchst selten zubereite, hielt ich bei dem Rezept für "Peperonata-Braten" inne. Hier wird die Schweinskarreerose mit einer sehr delikaten mediterranen Gewürzpaste bestrichen, bevor sie ins Ofenrohr gelangt. Mit dem ofenfrischen Baguette als Beilage wirkt das Gericht fast ein wenig provenzialisch.

Neugierig las ich auch das Rezept für Krautrouladen, nicht zuletzt deshalb, weil Krautrouladen seit meiner Kindheit zu meinen Lieblingsgerichten zählen. Die Zubereitungsart im Buch gefällt mir, weil man hier mit Kümmelsamen nicht spart, auch Knoblauch und Majoran nicht vergisst und die Rouladen nicht mit brauner Sauce serviert, sondern nur mit einem Klecks Sauerrahm, so wie die Ungarn das Gericht zu schätzen wissen.

Sehr gut ist das Rezept für "gebratene Lammkeule". Die Keule mit Knoblauchzehen, frischen Rosmarin und Zitronenscheiben zu füllen, halte ich für eine gute Idee, weil diese Ingredienzien das Fleischaroma gut ergänzen.. Ebenfalls sehr lecker ist die "Lammkrone mit Kräuterkruste", zu der- ich stimme Gabrielle Halper zu- am besten Braterdäpfel passen.

Man erfährt in der Folge wie man ein "Brathendl" zubereitet, einen Truthahn füllt und leckeres Hendlgeschnetzeltes zubereitet, wobei die Hendlbrust zunächst mariniert wird, bevor man sie geschnetztelt mit Gemüse brät.

Bei den Wildgerichten erfährt man zunächst wie man eine gute Wildbeize und einen Wildfond zubereitet, bevor man sich in die Rezeptur eines Hischbratens vertiefen kann und u.a. in Kenntnis gesetzt wird, wie man "Hirschragout mit Holler" zubereitet. In der Sauce des Ragouts wird Rotwein und Portwein nicht vergessen, aber auch Bitterschokolade nicht, die den Blutgeschmack sehr gut imitiert.

Noch ein tolles Gericht zur Spargelzeit ist das "Gebratene Kaninchenfilet mit Spargel-Safran-Ragout". Das Kaninchenragout mit Oliven und Kapern" ist eine schöne Sommerspeise, das m.E. von einem Glas Rosé begleitet werden sollte.

Männer, die gerne grillen, werden begeistert sein von den Grillrezepten und sich gewiss überzeugen lassen, dass das Grill-Fleisch aromatischer ist, wenn man es am Vortag in spezielle Marinaden einlegt.

Die Beilagenrezepte sollte man nicht überblättern, speziell das Rezept für "Erdäpfelsalat" nicht, das durch die gehackten roten Zwiebeln und den Hesperidenessig den letzten Kick erhält. Ich bin von der Alternative "Rahm-Gurken-Salat mit Erdäpfeln" noch mehr angetan. Diese Beilage zu einem "Wiener Schnitzel" finde ich besonders lecker.

Übrigens kommen Knödelfans auch auf ihre Kosten und man erfährt auch wie die Wiener ihren Grünen Salat zubereiten. Die Zutaten für die Marinade können Sie meinem Rezensionsblog entnehmen.


Ein wirklich empfehlenswertes Kochbuch


Rezension: Bildband: DIEVX DV STADE- Tony Duran

Der Starfotograf Tony Duran hat die Schwarz- Weiß Fotos in diesem Bildband bei dem Fotoshooting für die Ausgabe 2010 des berühmten Postkalenders "The Gods of the Stadium" realisiert, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Für diesen Anlass wurden die Spieler des Rugbyvereins Stade Francais Paris und ihre Gäste nackt abgelichtet.

Im Klappentext kann man den Hinweis lesen "Im alten Griechenland hieß es, die Götter seien auf dem Olymp zu Hause: Heute können wir aber vermelden, dass sie ins  Pariser Rugbystadion umgezogen sind!" ... und an anderer Stelle besagten Klappentextes "Seinen charakteristischen Stil bringt Duran in Dieux du Stade ein und verwandelt die Athleten in Körperskulpturen."

Um die Glaubhaftigkeit des Werbetextes zu überprüfen, habe ich mich die letzten Stunden in die Bilder vertieft, zuvor wohl noch das  knappe Vowort Durans gelesen, indem er seine Gedanken und Motivationen zu dem  Projekt skizziert. Allerdings  habe ich dann versucht , mir meine eigene Meinung zu den Aufnahmen zu bilden.

Die Männer auf den Fotos sind alle sehr durchtrainiert, gleichwohl  sind nicht alle  göttlich schön. Duran weiß die Jungs  ins beste Licht zu setzen, aber er hat keine Chance den jeweiligen Gesichtsausdruck intelligenter zu gestalten als er faktisch ist. Einige der Nacktaufnahmen wirken ziemlich homophil. Das erinnert natürlich an die Gepflogenheiten im alten Griechenland. 

Die nackten  Körper sind alle eingeölt, auch die teilweise enthaarten, leicht erigierten primären männlichen Geschlechtsmerkmale, die den Athleten zwar nicht zum Athleten machen, aber zu Recht  nicht ausgespaart wurden, weil sie mitunter göttergleiche Ausmaße angenommen haben. Fokussiert  werden nicht selten die schönen Oberarme der jungen Männer, während sportlicher Übungen, die atmenberaubend  durchtrainierte Gesäßmuskulatur, der Waschbrettbauch  und immer wieder Männer beim Laufen . In dieser Pose wirken die Sportler überirdisch attraktiv.

Mir haben die femininen Männer am besten gefallen, weil sie in meinen Augen  immer am erotischsten sind. Deren durchtrainierte Körper mit fast weiblicher Hautbeschaffenheit, das androgyne Aussehen machen meines Erachtens den wahren Adonis aus. Doch darüber kann man freilich geteilter Meinung sein. Sehr gut gefallen hat mir die Aufnahme eines blonden Athleten, dessen feuchter Körper im Wind gerade trocknet. Ein schöner Mann, bei dem die Muskelausbildung perfekt, d.h. nicht übertrieben ausgebildet  ist.

Sehr schön ist auch ein Foto, auf dem man einen Sportler eine Liegestütze machen sieht. Hier wird das Augenmerk auf die Arm- und Gesäßmuskulatur gelegt.  Nicht immer sind die Proportionen ideal. Duran weiß dies geschickt zu kaschieren.

Der schönste aller Athleten ist jener mit dem geheimnisvollen Blick und den wunderschönen vollen Lippen.  Ihm nähert sich Duran nur zögerlich, zeigt ihn auch nicht völlig nackt, weil er wohl spürt, dass dessen Aura  das nicht zulässt. Dieser Mann  ist  griechischer Athlet und Liebesgott zugleich.

Wie dieser Athlet heisst können sie der Namensliste im Anschluss an die Bilder entnehmen. Ich möchte den Namen  jetzt nicht nennen, sondern Sie bewusst im Ungewissen lassen.

 




Rezension:Wintergärten: Baustile - Einrichtung - Technik - Pflanzen - Glashäuser (Gebundene Ausgabe


Das vorliegende Buch befasst sich mit Wintergärten, deren Vorläufer übrigens Orangerien waren. Gleich zu Beginn erfährt man, dass der europäische Adel diese errichten ließ, um exotische Früchte auch zuhause ernten zu können. Mit der Zeit fanden dann immer mehr empfindliche Pflanzen wie Granatäpfel, Myrten und Passionsblumen den Weg in die Gewächshäuser.

Englands erstes Glashaus mit Kuppelform wurde in Chatsworth für den Herzog von Devonshire erbaut. Mitte des 19.Jahrhunderts dann kamen viele Familien der Mittel- und Oberschicht zu Geld und fingen an, ihren Häusern Wintergärten hinzuzufügen. Diese Wintergärten hatten stets ein Glasdach. Man schätzte es zwischen Farnen und Kübelpalmen herumzuspazieren und an kleinen gusseisernen Tischchen gepflegt zu parlieren.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert ebbte die Wintergartenmanie zunächst ab. Erst in den 1970er Jahren entdeckte man den Wintergarten wieder neu und seither entsteht bei immer mehr Menschen der Wunsch eine solch grüne Oase in der Wohnung ihr eigen zu nennen. Jackum Brown, der Autor des Buches thematisiert zunächst die Wahl des Wintergartens, stellt Überlegungen zum Standort an, um sich schließlich über stilistische Fragen auszubreiten.

So erinnern Wintergärten im klassischen Stil an die Orangerien der Herrenhäuser. Diese Bauten wirken ziemlich massiv aber durchaus harmonisch. Anhand vieler Fotos erhält man einen Eindruck von dem, worüber Brown ausführlich schreibt.

Faszinierende Bauweisen werden aufgezeigt und unterschiedliche Materialien im Anschluss breit gefächert diskutiert. Heute baut man bevorzugt mit Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, Aluminium und Kunststoff. Im Grunde gibt es für jeden Geldbeutel Möglichkeiten, selbst Baumärkte und Gartencenter bieten Wintergärten - Bausätze aus Kunststoff an. Wenn diese von renommierten Herstellern stammen, dann wird der Aufbau angeblich in der Regel keine Probleme bringen.( Wohl dem, der keine zwei linken Hände hat!)
Der Verwendungszweck gibt in der Regel den Stil und die Ausstattung vor.

Der Autor empfiehlt besonderen Wert auf die Farben und die Materialien für den Boden zu achten und die Heizkörper oder Belüftung passend zum übrigen Ambiente zu wählen. Zahlreiche Fotos und Texte zeigen Wintergärten in unterschiedlichen Räumen auf. Wintergärten bestehen überwiegend aus Glas. Thematisiert werden deshalb auch unterschiedliche Glastypen. So blockieren bestimmte Glastypen das UV-Licht, welches Stoffe und Holz ausbleicht. Auch gibt es Sonnenschutzglas und sogar selbst reinigendes Glas mit spezieller Beschichtung.

Natürlich informiert der Autor ausgiebig über Pflanzen. Welche Gefäße möchte man hierfür verwenden? Kübel, Tröge, Töpfe, Kästen? Möchte man, dass es im Wintergarten ganzjährig blüht? Brown spricht viele hübsche Pflanzenarrangements an und man kann anhand der Fotos einen Eindruck gewinnen, wie schön beispielsweise ein Blütenmeer aus weißen Tulpen im Kontrast zu grünen Laub aussieht, während anderenorts Farne, kletternde chilenische Wachsglocken und Orangenbäume eine exotische Dschungelatmosphäre schaffen. Schön auch sind Kletterpflanzen wie Zimmerjasmin oder Clematis florida und Hängepflanzen, wie Schönmalven, die dem exotischen Flair den letzten Pfiff verleihen.
Natürlich sollte man sich eine Bougainvillea gönnen und selbstredend mit Orchideen experimentieren. Auch Strelitzien und Hibiskus verstärken das exotische Moment im Glasgarten und Wüstenpflanzen ohnehin. Man liest über Strukturpflanzen, wie Palmen und Bananen und wird sich bewusst, dass die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Wintergarten stets sehr hoch gehalten werden muss. Ideal sind insofern Wassergärten.Des Weiteren werden die Möbel und das Wohnen im Wintergarten näher beleuchtet. Es ist ja nicht selten ein Hort der Stille und Beschaulichkeit, in den man aus der Hektik des Alltags flüchtet, gerne Musik hört oder ein Buch liest oder speist und ein Glas Wein trinkt.

Viele Anregungen im Buch verführen zum Gestalten oder Umgestalten besagter grünen Oase, die in keinem neu erbauten Hause fehlen sollte.Weshalb man sich Gedanken um Jalousien und Vorhänge und um die Beleuchtung machen sollte, wird beim Lesen des Buches klar und dass schöne Skulpturen ein interessanter Blickfang im Grün sind, sowieso. Pflanzen für den Wintergarten sind zum Ende des Buches aufgelistet.

Ein reich bebildertes, schönes Buch, das zu kreativem Tun auffordert.
Empfehlenswert.







Rezension:Beauty for you: "Ich zeige Ihnen, wie schön Sie sind." (Gebundene Ausgabe)

Die Haar- und Make-up-Stylistin Serena Goldenbaum ist die Autorin dieses wirklich gelungenen Schönheitsbuchs. Bevor sie Tipps für die äußere Schönheit erteilt, befasst sie sich ausgiebig mit dem Phänomen der inneren Schönheit, die sich in positiver Ausstrahlung ausdrückt. Gefühle wie Glück, Zufriedenheit, Traurigkeit, Liebe, Gelassenheit, Unruhe, Hoffnungslosigkeit aber auch Schuldgefühle spiegeln sich im Gesicht wider und entscheiden darüber, ob ein Mensch Charisma hat oder nicht.
Goldenbaum macht deutlich, wie wichtig es ist sich nicht pausenlos mit anderen zu vergleichen, sondern darauf zu achten sich selbst treu zu sein.

Wer eine positive Ausstrahlung haben möchte, muss gedanklich bereit dazu sein. Man muss sich annehmen und akzeptieren lernen. Die Wertschätzung des eigenen Körpers hat zur Folge, dass man ihn weniger lieblos behandelt und genau überlegt, was ihm gut tut. Immer wieder weist die Autorin darauf hin, wie wichtig es ist das Leben zu leben, das man auch wirklich liebt. Gesunde Ernährung und Bewegung sind notwendig, wenn man schön sein möchte, aber auch die Pflege des ganzen Körpers darf nicht außer Acht gelassen werden.
Die Haut benötigt von innen und außen genügend Feuchtigkeit. Bereits Wassermangel von täglich 3 % führt in einem halben Jahr zu einem Pfund Fettablagerung.

Goldenbaum klärt über Feuchtigkeitscreme, Foundation, Verschönerung von Augenbrauen, Wimpern und Lidern und Lippen auf. Ihre Infos zu Thema Kajal sind sehr erhellend. Gut dargestellt sind auch die Infos im Hinblick auf Lippengestaltung. Vorsicht! Dunkle Lippenstifte lassen kleine Lippen verkniffen erscheinen.
Sehr empfehlenswert sind die Betrachtungen zum Thema Haare. Was lässt Frauen um Jahre jünger aussehen? Bewegung, frische Luft , gesundes Essen, viel Vitamin E, kein Tabak, wenig Alkohol, gute Körperpflege, genügend Schlaf, positive Grundhaltung etc, etc.... Goldenbaum informiert über all dies ausführlich und zeigt, dass jeder , der sich ein wenig Mühe gibt, attraktiv aussehen kann.

Ein hübsches Geschenk für Sie oder Ihre beste Freundin.


Rezension:Fit mit Fett: Gute Fette von Killerfetten unterscheiden. Herzinfarktrisiko senken. Fette für ein fittes Gehirn (Taschenbuch)

 Dieses Buch sollte Bestandteil eines jeden Haushalts sein. Dr. Strunz lässt die Leser gleich zu Anfang des vorliegenden Buches wissen, dass jeder zweite Deutsche unnötig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen stirbt und dass 2/3 Drittel der Deutschen zu hohe Bluttfette haben. Wer länger leben möchte, sollte darauf achten welches Fett er zu sich nimmt. Es geht nicht darum keine Fette zu sich zu nehmen, sondern es geht darum die richtigen Fette zu verwenden.

Wissenswert ist: Gewebehormone aus guten Fetten senken entzündliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen und den Abbau von Gehirnzellen. Gute Fette geben Ihnen die Baustoffe für Gehirnwachstum, machen die Nervenzellen leitfähig und beeinflussen Psyche und Emotionen, des Weiteren halbieren sie das Diabetesrisiko.
Industrielle Killerfette machen krank. Gehen Sie diesen aus dem Weg. Dr. Strunz klärt in seinem Buch über gesättigte Fette, entartete Transfette, einfach ungesättigte Fette, mehrfach ungesättigte Fette und Omega-3- Fette auf. Er verdeutlicht, dass viel gesättigtes Fett dick macht und unser Transportsystem verklebt. Gehärtete pflanzliche Fette sind Müll. Sie erhöhen das Herzinfarktrisiko um 39%.

Wer klug ist verwendet Olivenöl, weil dann das Herz frohlockt. Im Mittelmeerraum gibt es fünfmal weniger Herzinfarkte als in Nordeuropa. Naturbelassenes Olivenöl hat viele Pflanzenstoffe. Sie verleihen dem ungesättigten Fett einen Oxidationsschutz, auch in den Blutbahnen. Strunz erläutert, was nativ, raffiniert, erste Pressung und kalt gepresst bedeutet und gibt viele gute Infos im Hinblick auf Olivenöl. Man erfährt wie Arterienverkalkung zustande kommt und wie man sich durch Vitamin E davor schützen kann. Wer seine Cholesterinwerte senkt, lebt bis zu 9 Jahren länger. Eine Senkung ist durch die richtigen Fette möglich. Meiden Sie Butter und verwenden Sie stattdessen Rapsöl und Olivenöl. Dr. Strunz klärt Sie auf, wieso Sie diesen Weg gehen sollten.

Omega-6-Pflanzenöle senken nicht das Herzinfarktsrisiko. Öle dieser Art gilt es zu meiden. Hingegen sind Omega-3-Fette ideal. Mediterrane Ernährung basiert auf Omega-3 -Fetten. DHA-Fett ist der Baustoff für die ständig wachsenden grauen Gehirnzellen. DHA sichert die Lern- und Konzentrationsfähigkeit bis ins hohe Alter, außerdem beugt es Depressionen vor. Strunz verrät in welchen Nahrungsmitteln DHA-Fett vorkommt. Das Zauberwort heißt übrigens fetter Seefisch. Wer Fett verbrennen will, sollte L-Carnitin zu sich nehmen.
Wichtig: Gute Fette machen Gehirn, Herz und Gewebehormone fit. Man wird davon nicht dick, sondern bleibt gesund und schlank.



Empfehlenswert.

Rezension:Die Macht des Gewissens. Von Sokrates bis Sophie Scholl (Taschenbuch)

Das Gewissen ist das persönliche Bewusstsein vom sittlichen Wert oder Unwert des eigenen Verhaltens, ist die Fähigkeit der moralischen Selbstbeurteilung. Die Psychologie lehrt uns, dass das Gewissen sich im Sozialierungsprozess durch die Auseinandersetzung mit der Umwelt, deren Normen und Verhaltensregeln entwickelt. Bis zum 7. oder 8. Lebensjahr werden (elterliche) Vorschriften als Normen aufgenommen. Dann wird diese " heteronome " Moral ( J. Piaget nennt sie so) von einer autonomen abgelöst. Eigene Entscheidungsfähigkeit aufgrund selbstständiger Orientierung und erster Werteschemen( z. B. freiwillig angenommener Spielregeln) werden ausgebildet. In der Reifezeit vollzieht sich die eigentliche Distanzierung von bisher eingenommenen Verhaltensregulationen zugunsten eines normierenden personalen Bezugssystems. Die Psychoanalyse bezeichnet das Über-Ich als Repräsentanten des Gewissens.

Zivilcourage ist der Mut, die eigene Überzeugung ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung oder mögliche Nachteile gegenüber Obrigkeit, Vorgesetzten oder in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Im Buch " Die Macht des Gewissens " von Fischer Fabian zeigt an den Personen Emile Zola, Thomas Morus, Sokrates , Galilei, Spartacus, Hans Kohlhase, Friedrich von Spee und Sophie Scholl sehr subtil auf wie Menschen reagieren können, wenn ihr Gewissen sie daran hindert Ungerechtigkeiten und Infamie zu akzeptieren. So begleitete der Jesuit Friedrich von Spee (1591-1635) unzählige Frauen, die als Hexen angeklagt waren, zum Scheiterhaufen. Seriösen Schätzungen zufolge geht man mittlerweile davon aus, dass etwa 100000 Frauen in jenen Jahren den Feuertod starben. Von Spee beobachtete viele Hexenprozesse in Köln, Trier, Mainz, Würzburg, Speyer und Paderborn und versuchte u.a. die Patrizierin Katharina Henot vor Folter und Feuer zu retten. Darüber wird im Buch sehr gut berichtet.

Von Spee hinterfragte die Wahrheit von Geständnissen, die unter Folter zustande kamen und stellte sich gegen die damalige herrschende Meinung. Er vermutete, dass Frauen unschuldig waren, obgleich sie unter Folter gestanden mit dem Teufel im Bunde zu sein und fixierte seine Gedanken in der " Cautio criminalis ". Wegen dieses Buches drohte von Spee zeitweilig der Ausschluss aus dem Orden. Seine Ideen führten dazu, dass eine veränderte Grundhaltung die Hatz schließlich beendete. In Deutschland wurde die letzte Hexe 1775 hingerichtet. Sie war vermutlich schwachsinnig.

Allen Personen, die Fischer- Fabian skizziert, waren der Wahrheit verpflichtet und akzeptierten, dass ihnen aufgrund ihres Handels persönliche Nachteile, einigen sogar der Tod drohte. Der Wille sich Unrecht nicht zu beugen, wog bei allen mehr als ihre persönliche Sicherheit. Wohl dem, bei dem das Gewissen in solchem Maße ausgeprägt ist.

" Wir brauchen Bücher, immer mehr Bücher! Durch das Buch, nicht durch das Schwert, wird die Menschheit die Lüge und die Ungerechtigkeit besiegen, den endgültigen Bruderfrieden unter den Völkern erobern."
( Emile Zola, (1840 - 1902), französischer Romanschriftsteller des Naturalismus ).

Emile Zola trat öffentlich für den Juden Alfred Dreyfuss ein, der wegen angeblichen Verrats militärischer Geheimnisse an das deutsche Reich 1894 zu lebenslänglicher Deportation auf die Teufelsinsel bei Cayenne verurteilt worden war. Die Hintergründe dieses Prozesses sind in antisemitischen Strömungen zu sehen.

Jeder der angeführten Personen war unendlich mutig und tapfer, jeder ist ein Hoffnungsträger in Zeiten, in denen Gewissenlosigkeit an der Tagesordung ist.

Empfehlenswert.




Rezension: Zeit für Moskau

Die Stadt des meisterhaften Dichters und seiner geliebten Margarita,
Die Autorin Ulrike Gruska und der Fotograf Olaf Meinhardt, der 1996 erstmal Russland auf einer Fahrradweltreise durchquerte, haben dieses hochinformative und dabei sehr schöne Buch "Zeit für Moskau" realisiert. Mit dem Untertitel des Buches "Die geheimnissvolle Metropole entdecken und genießen" wird nicht zu viel versprochen.

Bevor ich mich in die Texte vertieft habe, betrachtete ich mir zunächst ausgiebig die vielen schönen Fotos, um eine visuelle Vorstellung von dieser Stadt zu erhalten. Mich haben nicht nur die alten Paläste, wie der Kremlpalast beeindruckt, sondern auch die Moskauer Metro, die einem unterirdschen Palast gleicht. Stuckdecken und Lüster sorgen dort für eine surreale Atmosphäre. Ich hatte zuvor von dieser unterirdischen Pracht noch nie gehört und begann sofort im Begleittext zu lesen. Der Bau stammt nicht, wie ich zunächst vermutet habe, aus der Zarenzeit, sondern geht auf die Sowjetführung zurück, die in dei 1920er Jahren beschlossen hatte, die "schönste Metro der Welt" zu erbauen. Am 15. Mai 1935 wurden dann die ersten 11 Kilometer Strecke mit 13 Stationen freigegeben.

Sehr imposant auch ist der Frühstücksraum im Ritz-Carlton, die vielen alten, bunten Zwiebelkuppeln in der Stadt, die kostbaren Ikonen im Danilowkloster, die fotografisch festgehalteten Eindrücke vom vom Moskauer Nachtleben, die Marmorsäulen und Mosaikfußböden in den Sanunow-Bädern, die Herrenhäusern in Kuskowo und Ostankino, die Sommerresidenz Katharinas der Großen in Zarizyno aber auch das Künstlerdorf und das Kloster in Sergijew Possad.

Das Buch ist in sechs Kapitel untergliedert, die wiederum in einzelne Unterkapitel aufgeteilt worden sind. Man lernt u.a. den "Roten Platz näher" kennen, der wie kein anderer Ort die Tragödien und Triumphe Russlands symbolisiert. Gruska berichtet Wissenswertes über dieses Ort und nennt die wohl beste Übernachtungsmöglichkeit- das Hotel Baltschug Kempinski-, auch zwei gute Adressen, wo man exzellent speisen kann und einen Insidertip für neugierige Touristen am "Roten Platz". Auf diese Weise geht die Autorin Kapitel für Kapitel vor, so dass man bestens vorbereitet, Moskau entdecken und genießen kann.

Natürlich ist es interessant, sich in die Kunst des Kremls zu vertiefen, mich hat allerdings der Moskauer Jugendstil weitaus mehr interessiert. Glanzstück dieses russischen Jugenstils ist die Villa Rjabuschinski in der Malaja Nititskaja. Gruska schreibt ausführlich über diese Villa. Ebenso ausführlich schreibt sie über die Kirchen und Klöster in jedem Winkel der Stadt, die für meinen Geschmack einen teilweise etwas zu farbenfrohen, neuen Anstrich erhalten haben. Man erfährt von all dem Glanz, der einem begegnet, wenn man eine russisch-orthodoxe Kirche betritt und liest von den Ikonenmalern, die im mittelalterlichen Moskau hochgeschätzte Persönlichkeiten waren.

Besonders lobend erwähnen möchte ich den Beitrag im Hinblick auf die Oper und das Balett. So liest man u.a., dass die Konzerte im Konservatorium nicht bloß wegen der ausgezeichneten Akustik ein Genuss sind, sondern auch aufgrund der feierlichen Würde, die das Haus ausstrahlt. Man liest weiter von Ballettaufführungen und hier von Tschaikowskis Kompositionen, auch von der meistgespielten russischen Oper "Eugen Onegin" nach dem gleichnamigen Versroman Alexander Puschkins, bevor man mit dem reichen Erbe der Moskauer Kunstsammler vertraut gemacht wird.

Gelungen auch ist das Kapitel über Moskaus Literaten. Puschkin, Tolstoi und Tschechow kommen zur Sprache. Bulgakows "Der Meister und Margarita", der der Klassiker unter den Moskau-Romanen ist und den ich vor einiger Zeit mit Begeisterung las, aber nicht rezensiert habe, möchte ich an dieser Stelle aber doch empfehlen.

Über die russische Küche habe ich drei Kochbücher rezensiert und finde, dass es der Autorin vortrefflich gelungen ist, die wesentlichen Merkmale dieser Küche auf sieben Seiten zusammen zu fassen. Ich streife übrigens in der Rezension nicht alle Kapitel, weil dies den Rahmen sprengen würde. Erwähnen möchte ich aber noch den ehemaligen Zarensitz am steilen Ufer der Moskowa. Der märchenhafte Holzpalast existiert zwar nicht mehr, aber ein Park mit uralten Bäumen und traditionellen Blockhütten, majestätischen Kirchen und Türmen. Die Moskauer lieben diesen Ort, um zu picknicken.

Auf den letzten Seiten wartet die Autorin mit vielen Reisetipps und Adressen auf, nennt Architekturdenkmäler und weist auf Möglichkeiten hin, wie man in Moskau einen kulturell erfreulichen Abend verbringen kann. Das Bolschoi-Theater ist eine Möglichkeit. Es werden des Weiteren Literaturtipps gegeben. Neugierig hat mich der Hinweis auf Rybakows Roman " Die Kinder von Arbat" gemacht, den ich auf meine Leseliste gesetzt habe.

Tipp:"Wenn Sie Kunstwerke oder gar Ikonen kaufen möchten, denken Sie daran, dass der russische Zoll Sie nur mit einer offiziellen Genehmigungdes Kulturministeriums ausreisen lässt. Eine Alternative sind Fotografien. Die Galerie Lumiére verkauft erstklassige Schwarz-Weiß-Abzüge russischer und sojetischer Fotokünstler ab 500 Euro- gestemelte Zertifikate und Ausführungsgenehmigung inklusive."( S. 95)





Rezension: Die Illusion der perfekten Kontrolle (Gebundene Ausgabe)

"Kontrollfreaks" haben mich schon immer irritiert. Welches Problem haben solche Menschen? Was treibt sie in ihrem Tun an?
Der Psychotherapeut Dr. med. Bernd Sprenger gibt in diesem Buch detailliert und zufriedenstellend Antworten auf diese Fragen. Der Autor macht gleich zu Beginn deutlich, dass es Menschen gibt, die bereits bei kleinsten Unwägbarkeiten ängstlich reagieren und sich unwohl fühlen. Wenn bei solchen Menschen der Wunsch nach Kontrolle als Folge von Angst geradezu der einzige das Leben noch dominierende Impuls wird, droht eine krankhafte Entwicklung. Es kann zu so genannten Angststörungen mit ständigen Ängsten kommen, die der äußeren Lebensrealität nicht mehr angemessen sind und die Betroffenen im großen Maße im alltäglichen Lebensvollzug behindern können. Bei "Kontrollfreaks" findet ein regelrechter Kampf darum statt, sich selbst zu beweisen, dass man die Kontrolle doch noch hat. Dr. Sprenger mach klar, dass Heilungsprozesse erst dann einsetzen, wenn der Patient akzeptiert, dass er machtlos ist.


Zwanghafte Kontrollrituale können den ganzen Tag ausfüllen und die Quelle großen Leides bei Betroffenen sein, weil sie immer mehr von Angst überschwemmt werden. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass Angst biologisch verankert ist, besagter Affekt dem Organismus zur Orientierung über drohende Gefahren dient. Allerdings wird Kontrolle ab einem gewissen Punkt kontraproduktiv und verursacht das Gegenteil dessen, was es bewirken sollte: Ein Zuviel an Kontrolle macht lebendige Prozesse zunichte.

Dr. Sprenger hält fest, dass die Krankentage (Krankenmeldungen beim Arbeitgeber) aufgrund psychischer Erkrankungen sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt haben. Die häufigsten dabei festgestellten Diagnosen sind " Depression" und " Angststörung". Menschen, bei denen die Ich-Struktur wenig gefestigt ist, haben das Gefühl zu wenig Kontrolle zu besitzen. Das Fundament zu einer stabilen oder zerbrechlichen Ich-Struktur wird in der frühesten Kindheit gelegt. Wie das funktioniert, erklärt der Autor sehr gut, bevor er sich mit der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung auseinandersetzt. Hierzu gehört, eigene starke Gefühle aushalten zu können und die Impulse, die von ihnen ausgehen, steuern zu können. Darunter versteht Sprenger, dass eine Person in der Lage ist, den eigenen emotionalen Zustand, die eigenen Bedürfnisse und den Zustand des eigenen Körpers bewusst wahrzunehmen, zu reflektieren und zu steuern. Der Autor nennt hierfür ein Beispiel:"Ich bin wütend und frage mich, warum ich das bin (auf wen bin ich ärgerlich und aus welchem Grund?). Ich kann entscheiden, was ich mit dem Ärger mache, und ich muss den Ärger nicht blind ausagieren...." Er unterstreicht, dass Menschen, die ein starkes Gefühl nicht in sich halten können, beziehungsweise einen aus diesem sich ergebenden Handlungsimpuls nicht steuern können, an diesem Punkt ein ich-strukturelles Problem haben. Personen, die so "gestrickt" sind, haben über einen zentralen Bereich der eigenen psychischen Funktion tatsächlich wenig Kontrolle.

Der Autor thematisiert im weiteren Verlauf die Kontrolle in zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei sind Schuldgefühle ein mächtiges Mittel, andere zu kontrollieren. Die Methode, Kontrolle über Schuldgefühle auszuüben, ist im Geschäfts- wie im Privatleben nicht selten anzutreffen. Vergessen wir niemals, dass "Kontrollfreaks" einfach sehr angstbesetzte Menschen sind und beurteilen wir ihr Verhalten unter diesem Gesichtspunkt.

Spengler lotet das Phänomen der Macht im Hinblick auf Kontrollzwänge aus und fragt nicht grundlos, ob es möglicherweise einen Zusammenhang geben könnte zwischen unserer derzeitigen narzisstischen Kultur und dem Bedürfnis Kontrolle auszuüben. Zitat des Autors: "Die >>narzisstische Gesellschaft<< (.......)ist nicht sehr beziehungsorientiert in dem Sinne, dass verlässliche und nahrhafte Beziehungen die Regel sind. Der Preis für die Flexibilität, Mobilität und Freiheit, die wir heute genießen, ist durchaus sehr hoch: Wir bezahlen mit einem latenten Vertrauensverlust. "Genau hier beginnen dann die Kontrollzwänge bei ich-schwachen Menschen. Glaubt jemand aufgrund seiner Macht auch vollkommen ängstigende Aspekte seines Lebens vollkommen kontrollieren zu können, kann es dazu kommen, dass er tatsächlich meint, allgemeingültige Gesetze gelten für ihn nicht mehr. Auf diese Weise entsteht eine Form des Grandiositätsgefühls, welches die realistische Wahrnehmung der Grenzen des Machbaren und den Grenzen des Anstandes außer Kraft setzt.
Offenbar sind es gerade die Überängstlichen, die der Droge der Macht verfallen, weil sie die Illusion der Kontrolle massiv nährt. Aber man sollte sich bewusst machen, dass letztlich alle Formen der Macht, die das Leben vollständig kontrollieren wollen, früher oder später scheitern. Die Illusion der perfekten Kontrolle macht krank. Alle Versuche perfekte Kontrolle auszuüben, führen früher oder später dazu, dass der Wirklichkeit Gewalt angetan wird. Man sieht dieses Phänomen deutlich in allen Diktaturen.

Das Gegenteil zur Kontrolle stellt Vertrauen dar. Die Fähigkeit Vertrauen zu entwickeln, hängt mit der Bereitschaft zusammen, in einen emotionalen Kontakt mit anderen Menschen zu treten, sich auf Beziehungen einzulassen und sie auch wirklich zu leben. Es ist gar nicht so schwer Dinge geschehen zu lassen. Zwanghafte Kontrolle stiehlt zu viel Lebenszeit und verstärkt bloß die Angst nicht zu genügen. Zwanghafte Kontrolle macht krank.

Dies ist ein sehr gutes Buch, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich war mir bislang nicht völlig bewusst, wo die Ursachen für zwanghaftes Kontrollverhalten zu suchen sind und ordnete solche Verhaltensmuster ausgeprägten Machtinteressen zu. Ich sah bislang nicht die dahinterstehende Angst der "Kontrollfreaks" und begreife die Ich-Schwäche all dieser Menschen jetzt besser, auch hier im Netz.


Rezension: Rezension bezieht sich auf: Schicksalsorte Österreichs (Gebundene Ausgabe)

Dr. Johannes Sachslehner fokussiert historisch bedeutende Orte in Österreich und berichtet, was sich im Einzelnen an diesen Orten zugetragen und wie sich dies auf den weiteren Geschichtsverlauf ausgewirkt hat.

Zur Sprache kommen u.a. der Ort Dürnstein und das Lösegeld von Richard Löwenherz, das zum Aufschwung von Dürnstein führte. Das Frankenburger Würfelspiel wird thematisiert, die Schlacht am Kahlenberg und die Schlacht von Aspern. Andreas Hofer und Bergisel bleibt ebensowenig ausgespart, wie die Habsburgische Tragödie in Mayerling. Ingesamt werden 26 Schicksalsorte textlich näher betrachtet. In diesem Zusammenhang wird mit reichlich Bildmaterial aufgewartet.

Lobend erwähnen möchte ich, dass Dr. Sachslehner die Hölle von Mauthausen in ihrer gesamten Tragik thematisiert und auch das Massaker an den Juden bei Rechnitz in der Nacht zum Palmsonntag 1945 erwähnt hat. Diese Gräueltaten verbinden Österreich und Deutschland auf unrühmliche Art und verdeutlichen, dass die Aufarbeitung der NS-Zeit die Hauptaufgabe beider Länder gemeinsam im politischen Unterricht an Schulen ist. Gegenseitige Schuldzuweisungen führen zu nichts.

Das Buch enthält sehr gute Literaturhinweise, für all jene, die sich in die Thema vertiefen möchten.

Aufschlußreiche Texte. Empfehlenswert.


Rezension:Der Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts

Der Autor des vorliegenden Buches ist der Philosoph und Schriftsteller Jean -Jacques Rousseau (1712- 1778) Dieser Philosoph war einer der wichtigsten Aufklärer des 18. Jahrhunderts, der ideelle Wegbereiter der französischen Revolution und einer der bedeutendsten Pädagogen der Neuzeit.

Der Philosoph zeichnet zunächst das Bild eines Naturzustandes. Im Gegensatz zu Hobbes " Kampf aller gegen alle " kommt seine Schilderung einem geradezu paradiesischen Zustand nahe. Er herrscht allgemeine Gesundheit, denn die Natur tilgt das Schwache von selbst aus. Es dominieren die einfachen Tugenden, die Geschlechtsbeziehungen sind rein animalisch und unkompliziert. Die Menschen sind isoliert, unabhängig, niemanden untertan, ohne Industrie, Sprache, ohne Nachdenken. Dieser Naturzustand ist ein gedankliches Konstrukt zur Beurteilung gegenwärtiger Zustände und Entwicklungstendenzen.

Rousseaus politische Philosophie ist insofern im Kern sowohl Zeitkritik als auch Entwurf einer möglichen besseren, weil vernünftigeren Verfassung der menschlichen Gemeinschaften.
Wie kam es zur Beendigung des idealen Zustandes? Krieg und Mord entstand, nachdem der Grund und Boden erst einmal aufgeteilt war. Herrschaft, Knechtschaft, Gewalttätigkeiten und Räubereien nahmen ihren Anfang. Die Menschen begannen habgierig, ehrgeizig und boshaft zu werden. Ein Zustand, der auf Krieg und Mord hinauslief, konnte nicht von Dauer sein.

Da kam " der Reiche " auf den Gedanken sich zu vereinigen, um die Schwachen vor Unterdrückung zu behüten, die Ehrgeizigen in Zaum zu halten und jedem den Besitz zu gewährleisten, der ihm zusteht. So entstand ein Staat und Gesetze, die dem Schwachen neue Fesseln anlegte und den Reichen die Möglichkeit gaben, die Ungleichheit zu verewigen und zwar indem die zunächst als gesetzlich begründete Herrschaft wenig später in eine willkürliche ausartete.
Die Entstehung des Eigentums war demnach das erste Unheil: sie schuf Reiche und Arme. Das nächste Unheil war die Einsetzung einer Obrigkeit: sie schuf Herrschende und Beherrschte. Das dritte Unheil war die Ausartung der Macht: sie schuf Herren und Sklaven, welchen als einzige Pflicht der Gehorsam blieb.

Gab es aus diesem Zustand einen Ausweg?

Rousseau wollte mit seinem " Gesellschaftsvertrag " ( " Contrat social ") einen Ausweg aufzeigen.
" Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten " liest man zu Anfang des Buches. Es muss trotzdem möglich sein, eine Verfassung herzustellen, in welcher die natürliche und unveräußerliche Freiheit in Einklang gebracht ist mit dem Maß der Gewalt, welches vom Wesen staatlicher Ordnung nicht hinweg zu denken ist. Niemals kann Recht durch Macht allein gebildet werden. Die Grundlage von rechtmäßiger Herrschaft ist der Konsens, so Rousseau.

Diese Übereinkunft ist der " Gesellschaftsvertrag ". Jeder Genosse gibt sich selbst und alles, was er vermag, als Gemeingut unter die oberste Leitung des gemeinsamen Willens. Hierdurch entsteht als öffentliche Person eine seelische Gesamtkörperschaft, das Volk. Dieses Volk ist der einzige Träger der Souveränität.
Durch Abstimmung wird der Willen dieses Souveräns ermittelt. Der beständige Wille aller Staatsglieder ist der Gemeinwille, durch ihn sind sie Bürger und sind frei. Aus der Berechnung der Stimmen ergibt sich die Feststellung des Gemeinwillens.

Die Wirkung des Werkes, das hier nur kurz skizziert werden kann, war sehr groß. Die Welt verdankt Rousseau die Garantie der Grundrechte und den Anstoß zu " Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ", die von der UNO 1948 erlassen wurden.




Rezension:Lotte in Weimar (DVD)

 Die Verfilmung von Thomas Manns Roman " Lotte in Weimar " war für mich besonders spannend anzusehen, einerseits um zu erkunden, ob es möglich ist Manns gedanklich und sprachlich wundervoll ausgefeilten Roman während einer Spieldauer von nur 119 Minuten filmisch auf hohen Niveau umzusetzen, andererseits der Bilder Weimars wegen. Seit der Wende habe ich mich schon vielmals in dieser Stadt aufgehalten und zumeist im Hotel " Elephant " gewohnt, dem Hotel, das seit den Drehtagen des Films 1975 eine völlig andere Gestalt angenommen hat und 1975 auch anders aussah als 1816 zum Zeitpunkt des Handlungsgeschehens, denn der alte " Elephant " wurde 1938 umgebaut. Hätte man die alte Kulisse besser nachbauen sollen? Ich meine nicht.

In besagtem Hotel steigt also die verwitwete Hofrätin Charlotte Kestner, geborende Buff, (Werthers Lotte) im September 1816 ab, um unter dem Vorwand eine Verwandte besuchen zu wollen, ihre alte Jugendliebe nach 44 Jahren nochmals zu sehen. Das Wiedersehen der zwölffachen Mutter mit Goethe(alias Werther) ist Gegenstand des Films und des gleichnamigen Romans von Thomas Mann. Charlotte( Lilli Palmer) wird im Film als eine realistische, lebenstüchtige Frau dargestellt, die ihre kleinen Eitelkeiten pflegt. Sie liebt es, wenn man sie im überschaubaren Kreise als " Werthers Lotte " bewundert. Schauobjekt der Menge will sie aber keineswegs werden.

Der diensteifrige Kellner Mager ist begeistert von Hofrätin Kestner und sorgt dafür, dass in Weimar schnell bekannt wird, dass Werthers Lotte im " Elephant " logiert. Vor dem Hotel stehen pausenlos neugierige Gaffer und arrivierte Bürger, wie Professor Riemer, Adele Schopenhauer, aber auch August von Goethe machen der Jugendliebe des Dichters die Aufwartung. Adele Schopenhauer, die der jungen Generation angehört, berichtet Charlotte sehr kritisch von dem damals 67 Jahre alten Goethe und erzählt ihr von den Problemen ihrer Freundin Ottilie von Pogwisch mit und deren Bräutigam August .

Als der alte Goethe von seinem Sohn erfährt, dass Charlotte Kestner in der Stadt weilt, ist er wenig begeistert und entscheidet sich dann doch für eine förmliche Einladung zum Essen in seinem Hause im Kreise seiner Freunde. Diese Personen am Tisch erscheinen als Werkzeuge für die Existenz des Genies. Er dominiert alle. Die Hofrätin nimmt er nicht wirklich wahr. Für ihn erscheint sie durch die Umformung zur literarischen Gestalt vorzeitig entseelt worden zu sein. Mit einem Wort sie interessiert ihn nicht mehr. Lotte fühlt sich als Fremde in der Umgebung Goethes. Sie beobachtet entsetzt den Alkoholkonsum seines Sohnes und die Teilnahmslosigkeit ihres Jugendfreundes im Hinblick auf August, auch beäugt sie die Eilfertigkeit der Gäste den Dichter intellektuell beeindrucken zu wollen.

Goethe lebt abgehoben in der Welt seiner Alterssprache im Weimarer Mikrokosmos. Er ist unverbindlich und zurückhaltend zu allen und sich seiner herausragenden Position natürlich sehr wohl bewusst. Im Grunde will er in Ruhe seinen Gedanken nachgehen und nicht durch Vergangenes belästigt werden, schon gar nicht durch vergangene Liebschaften. Der Film bewegt sich auf dem Niveau von Manns Roman. Das ist erstaunlich. Dazu beigetragen haben die beiden Hauptdarsteller, Lilli Palmer und Martin Hellberg. Der Drehbuchautor hat es geschafft die Botschaft des Romans in geschliffene Dialogen umzusetzen. Der Dichterfürst ist in diesem Film kein Gott, sondern eigenwilliger älterer Herr, der sich abzugrenzen weiß.

Der Weimarer Muff wird verdeutlicht als Ottlie ( Katharina Thalbach) " Santa Lucia" kräht. An Komik ist diese Szene kaum zu überbieten. Man huldigte dort bereits zu Lebzeiten Goethes seiner Legende und scheute sich vor keinerlei Stilblüten, übrigens sehr schön nachlesbar bei Böttiger:" Literarische Zustände und Zeitgenossen". Die 6. Sinfonie a - Moll von Gustav Mahler ist als Filmmusik eine vortreffliche Wahl. Die Kostüme sind stilecht nachgebildet worden. Auch die Außenaufnahmen sind beeindruckend, weil sie Zeitdokumente darstellen und die Stadt zeigen, wie sie zu DDR-Zeiten aussah. So sah ich Weimar 1990 das erste Mal. Ohne Zweifel war die Stadt vor der Wende authentischer, um Aufnahmen für diesen Film zu machen. Heute ist sie allerdings schöner. Das gilt auch für die Innenaufnahmen in der Amalia-Bibliothek vor dem Brand. Erfreulich, dass man an Originalschauplätzen gedreht hat, natürlich auch im Goethehaus. Dort hat sich seither kaum etwas verändert.

Sehr gelungen erscheinen mir die Rückblenden in die Zeit der alten Werthertage. Für mich war es nicht uninteressant einen Vergleich mit dem vor wenigen Tagen gesehenen Film Werther" anzustellen und zu überlegen, ob man grundsätzlich die beiden Filme in unmittelbarer Folge sich anschauen soll. Sollte man.
Ich empfehle dies nachdrücklich. Überzeugen Sie sich selbst.

Rezension: Bauch, Beine, Po classics (Taschenbuch)


Die Grundvoraussetzung für einen schönen Körper ist Disziplin. Wer unfähig ist, sich beim Essen sowie beim Trinken zu disziplinieren und keinen Sport macht, wird spätestens in der zweiten Hälfte seines Lebens aus der Form gehen, frustiert sein und in der Folge nicht selten seinen Mitmenschen die Hölle bereiten. Aber andere können nichts dafür, dass Sie dick sind und keinen straffen Körper haben. Es ist Ihre mangelnde Disziplin und Ihre Faulheit, die Sie grimmig werden lässt, wenn Sie in den Spiegel schauen.

Wie bringen Sie Ihren Körper wieder in Form? Wie sinkt Ihr Body-Index von 35 auf 25? Wie schaffen Sie es, dass Ihre Proportionen wieder stimmen? Halten Sie sich an die im Buch gegebenen Ernährungstipps und ziehen Sie die Trainingsprogramme im Buch durch: Warm-up, Ausdauer, Muskelaufbau und Muskelstraffung, sowie Cool-down.

Alle Übungen werden bestens erklärt und lassen sich selbst für Ungeübte sehr gut nachvollziehen, natürlich geht nichts ohne Disziplin. Überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund. Sie werden erstaunt sein, wie hübsch Sie in 8 Wochen bereits sind.

Auf der beigefügte DVD werden die Übungen im Buch veranschaulicht. Durch die Musik kommt gute Laune auf. Shapen Sie Ihren Body, dann entkommen Sie endlich Ihrer Destruktionsfalle, die sie Ihnen nichts außer Miesepeterfalten einbringt.

PS: Auch wenn Sie aufgrund eines Schilddrüsenproblems Gewichtsprobleme haben, liegt es an Ihnen, ob das Übergewicht schlaff nach unten hängt oder aber durch ein straffes Bindegewebe Sie zu einer barocken Schönheit werden.

Es gibt Menschen, die wollen andere beherrschen und schaffen es noch nicht einmal, sich selbst zu disziplinieren. Bedauernswerte Zeitgenossen.

Empfehlenswert.




Rezension : Zielwasser

 Offenbar wurde hier bereits zu viel Zielwasser getrunken...aber Scherben sollen ja Glück bringen.:-))

Die Kommunikationsdesignerinnen Anika Krause und Miriam Oelmayer haben dieses bemerkenswerte Cocktailbuch realisiert, an dem  nicht nur die Freunde von delikaten Cocktails, sondern auch die Liebhaber hochwertiger Fotos  Gefallen finden werden. Die  Fotos  sind von  beachtlichem künstlerischen Wert. Fast scheint es so als würden die Gläser aufgrund ihres superleckeren Inhaltes entzückt zerbersten. Mitunter kann zwischen zerstoßenem Eis und zerbrochenem Glas nicht unterschieden werden. Grüne Flüssigkeit schwappt in unterschiedliche Richtungen, aber auch blaue und gelbe ist in Bewegung. Solche feinen Cocktails bleiben nicht lange in den Gläsern. Sie wollen getrunken werden. 

Liest man den Klappentext, dann wird klar, dass meine spontane Intepretation nicht ganz der Realität entspricht. Die beiden jungen Damen haben nämlich die farbenfrohen Cocktails mit der Luftpistole zerschossen, um den Moment der Zerstörung im Bild festzuhalten. Auf diese Weise wollten sie auf die Treffsicherheit des Cocktailbuches selbst bei  einer öden Party aufmerksam machen.  Die Rezeptur der Cocktails hat so viel Schwung, wie die schwappende Flüssigkeit selbst. So der Gedanke.

Rund 60 Cocktailrezepte werden vorgestellt. Die Rezepte sind gut beschrieben, wenig Text aber doch genug, um auch zu vorgerückter Stunde einen "Radio Suisse", ein " Krüppelbein" oder "Schwarzwaldschnee" noch zubereiten zu können. 

Das Buch enthält  neben höchst kreativen , mir unbekannten offenbar neuen Cocktailrezepten, auch klassische Rezepturen, wie etwa " Irish Coffe",  "Cuba Libre", Manhatten und Pimm`s No. 1 Cup.
Im Anhang wird man über Zubereitsungsarten aufgeklärt: im Shaker, im Rührglas, im Mixer, im Trinkglas.
Zudem erfährt man den Unterschied zwischen Cobbler Ice, Chrushed Ice und Roheis.

Damit Sie einen Eindruck erhalten, wie die Rezepte präsentiert werden, möchte ich das Rezept für einen "Vulcano" an dieser Stelle zitieren:

"Für 1 Sektschale:In das Gals je 2 cl zimmerwarmen Himbeergeist und Blue Curacao geben. Mit dem barlöffel umrühren und mit einem langstieligen Feuerzeug flambieren. den Abrieb einer ungespritzten Zitrone darübergeben. Mit eiskaltem Wasser ablöschen, abschießend das Glas mit 1 Orangenspirale garnieren."





Rezension:Mitgefühl und Weisheit. Ein Gespräch mit Felizitas von Schönborn (Gebundene Ausgabe)

Felizitas von Schönborn hat ein Buch verfasst über das Leben des 14.Dalai Lama, über die geistigen Grundlagen des tibetischen Buddhismus sowie über die Zusammenhänge zwischen Religion und Politik im Denken und Handeln des Dalai Lama.

Die Autorin stellt dem Friedensnobelpreisträger von 1989 zu all den Punkten viele subtile Fragen, deren Beantwortung für den Leser sehr aufschlussreich sind. Vom " Mittleren Weg " , durch den man innere Ruhe und Klarheit entwickeln kann, ist häufig die Rede und von Liebe und Mitgefühl, als segensreiche Quelle für Glückseligkeit. Nach dem Bodhisattva-Ideal soll man danach streben," mit unendlicher Weisheit ein nicht endendes Mitgefühl zu üben." Und weiter:" Wir dürfen uns nicht durch Verblendung, Gier, Neid und Aggression vergiften lassen. Denn durch diese Gifte entstehen fast alle Krisen auf dieser Welt."

Begriffe, wie " Samsara", " Nirvana ", " Dharma ", sowie " Anatman" werden erläutert und der Kernpunkt der buddhistischen Lehre- das Karma - kommt ausführlich zur Sprache.Dalai Lama resümiert, dass ein Herz voller Güte, Erbarmen und Liebe sowohl individuell als auch gesellschaftlich die Basis eines vernünftigen, friedlichen Miteinanders und außerdem die Vorraussetzung für eine günstige Entwicklung des Karma darstellen.

Für den Buddhismus ist nicht Selbstverwirklichung, sondern Selbstlosigkeit der Sinn des Lebens. Ein bemerkenswerter Denkansatz im Hinblick auf unsere so völlig gegensätzlich daherkommende westliche Betrachtungsweise seit dem letzten Quartal des vergangenen Jahrhunderts.
Ein empfehlenswerter Text.



Rezension:Eine kulinarische Entdeckungsreise von den ostfriesischen Inseln über Bremen nach Worpswede im Teufelsmoor (Gebundene Ausgabe)

 Der Oldenburger Autor Claus Spitzer - Ewersmann und die Auricher Fotografin Eva Friedewald nehmen den Leser mit auf eine kulinarische Entdeckungsreise von Bremen hin zu den sieben Ostfriesen Inseln, dabei vergessen sie nicht einen Abstecher nach Worpswede und zum Teufelsmoor zu machen.Den ausführlichen Beschreibungen von Hotels und Restaurants in der fokussierten Region sind eine Vielzahl schöner Fotos beigefügt, die die Landschaft, die Orte und anvisierten Plätze, aber auch die zahlreichen Speisen, deren Rezepte man im Buch nachlesen kann, visualisieren. Eine Landkarte gleich zu Beginn verschafft einen guten Überblick. Die Zahlen auf dieser Karte sind identisch mit den Seitenzahlen der einzelnen Betriebe im Buch und bezeichnen ihre Lage.

Man lernt traditionelle Landgasthöfe mit einer jahrhundertealten Geschichte ebenso wie moderne Edelbistros und feinste Hotelküchen, mit exklusiven Leckereien aus aller Welt ausgestattete Feinkostgeschäfte genau wie nostalgische Tante-Emma-Läden und perfekt in die Landschaft eingebettete Hofcafés kennen. Ich werde im Rahmen der Rezension nur einige Betriebe benennen und auch nur wenige Rezepte kommentieren können. Dass an der Küste und auf den Inseln Fisch das alles beherrschende kulinarische Thema ist, dürfte kaum erstaunen. Erwähnt werden Bremens historische Bauwerke am Markt. Von der Böttcherstraße und dem Schnoorviertel in Bremen liest man und erfährt, dass die Kunsthalle, das Goethetheater und das Neue Museum Weserburg kulturellen Hochgenuss garantieren. Man liest von der Modellbauwerft für historische Segelschiffe und moderne Yachten, deren Kunden in erster Linie private Eigner, Museen und große Werften sind, die Miniaturen ordern. Interessant fand ich den Beitrag, der " The Betty Darling Tea Company Ltd " in Bremen thematisiert. Die dort angebotenen Gartentees , die vorwiegend aus Darjeeling, Assam, China, Nepal, Ceylon und Taiwan kommen, kann man sich auch schicken lassen.

Von den benannten Restaurants in Bremen hat mir das " Sergio " am besten gefallen. Seit 27 Jahren kocht Sergio Crivellari bereits für seine Gäste und soll wohl ein besonders glückliches Händchen mit Meerestieren haben. Die Künstlerkolonie Worpswede lernt man kennen und erfährt, dass dort dauerhaft 130 Künstler und Kunsthandwerker leben. Hinzu kommen junge Stipendiaten aus aller Welt, die in Worpswede arbeiten können. Sehr nett Kaffeetrinken kann man im nahegelegenen " Café zum Brinkhof " in Osterholz-Scharmbeck. Dieses Cafe befindet sich in einem denkmalgeschützten Bauernhof.

Das Mobiliar dort ist antik. Die Gäste können sich bestimmter Spezialitäten erfreuen, wie etwa einer " Moorteufeltorte " oder auch einer " Buchweizentorte ".Man liest von Verden, einem sehr pittoresken Ort, wie die Fotos dokumentieren und in diesem Zusammenhang von dem Pirat Klaus Störtebecker, der am 20.10.1401 auf dem Hamburger Grasbrook geköpft wurde und zur Abbüßung der sieben Todsünden dem Verdener Dom sieben Fenster und den Armen der Stadt eine Speisung mit Brot und Heringen gestiftet hatte.Oldenburg, eine ehemalige Residenzstadt, auch Bad Zwischenahn sollte man einen Besuch abstatten und dort u .a . im " Apicus im Jagdhaus Eiden " einkehren. Das Rezept, das der Küchenchef preisgibt, ist sehr raffiniert und klingt verlockend " Fasanenbrüstchen auf Champagnerkraut mit Süßkartoffelpüree ". Die Zubereitung ist nicht einfach.

Man liest von einem " Historischen Tante-Emma-Laden " in Neuenkruge. Dieser Laden liegt an den Radtouren " Rund um Oldenburg ", Oldenburg- Bad Zwischenahn, dem " Heerweg " und der " Ammerlandroute ". Der Laden ist kein Museum, noch immer kann man dort einkaufen. Mit den unendlichen Weiten Ostfrieslands wird man vertraut gemacht, lernt eine Teestube in Carolinensiel kennen und liest über die ostfriesische Teezeremonie.Hotels und Restaurants u.a. in Greetsiel, Norddeich und Dorumsiel locken mit gemütlichem Interieur und delikaten Speisen, bevor man Näheres über die sieben Inseln erfährt.

Borkum, Juist, Baltrum, Langeoog, Norderney, Spiekeroog und Wangerooge sind unzweifelhaft sehr attraktive Ferieninseln. Mich spricht die Beschreibung Spiekeroogs, der ursprünglichsten der Inseln, wo man die typisch dörfliche Atmosphäre zu erhalten, ja sogar zu kultivieren sucht, am meisten an. Spiekeroog, so lässt der Autor den Leser wissen, ist kein Nordsee-Mallorca in Miniformat. Man lernt die Gastronomie dort kennen, auch Gerdes " Inselcafe und Inselbäckerei " , der mit dem Rezept der echten " Spiekerooger Sanddorn-Sahne-Torte " aufwartet und kann sich von der Schönheit der Insel aufgrund der Bilder überzeugen.

Der 14 km Küstenstreifen von Langeoog hat freilich auch seinen Reiz. 1500 Stunden scheint auf dieser Insel die Sonne. Die grauen Wolken werden so schnell hinweggeweht wie sie kommen. Die Hotels und Restaurants auf allen Inseln wirken sehr einladend. Um sich kulinarisch mit diesen Inseln schon mal vertraut zu machen, sollte man das Rezept des Borkumer Restaurants " Heimliche Liebe" nachkochen .Die notwendigen unterschiedlichen Fischfilets, wie auch die Krusten- und Schalentiere für die " Küstenfischerpfanne" kann man problemlos in jedem guten Fischgeschäft erwerben.