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Andy Warhol - Art Documentary DVD ~ Kim Evans

"Es wird die Zeit kommen, da ist jeder für fünf Minuten berühmt"

Zitat: Andy Warhol (1928-87), amerik. Pop-art-Künstler. Mit diesem Zitat zeigt Warhol meines Erachtens die Relativität und Lächerlichkeit des Berühmtseinwollens in der Massengesellschaft.
Diese DVD-Dokumentation befasst sich mit dem Leben und Werk des Künstlers Andy Warhol (1928-1987), der der Hauptvertreter der POP Art war. Warhol betätigte sich als Maler, Grafiker, Fotograf, Filmregisseur, sowie Objekt- und Aktionskünstler. Wie der Film aufzeigt, wurde das Originalitätsprinzip des Künstlers beträchtlich reduziert, indem er Dinge des alltäglichen Lebens direkt als Reproduktion in seine Kunst überführte. Dabei war seine Motivwahl prinzipiell unbegrenzt, umfasste die Konsumwelt, die amerikanischen Idole, Gewalt und Katastrophen sowie die kanonisierten Kunstwerke und machte sie zu Fetischen.
Sein Neffe berichtet u.a. über die Beziehung zu seinem Onkel, der Sohn eines Bergarbeiters war und nach seinem Kunststudium am "Carnegie Institute of Technology" in Pittsburgh 1949 nach New York kam. Man erfährt wie der sensible Künstler, der auf mich sehr schüchtern wirkt, in jungen Jahren -1957- einen Preis in Schaufensterdekoration gewann und 1959 erstmals seine Arbeiten in der Bodley Gallery zeigte.
1962 stellt Warhol Siebdruckinterpretationen von "Cambell`s" Suppendosen - sie werden im Film gezeigt- vor. Diese Arbeiten ließ er in seiner >>Factory<<, einer alten Hutfabrik, von einer Gruppe von Freunden und Mitarbeitern ausführen. Wie im Film dargelegt wird, war diese >>Factory<< das Herzstück der Avantgarde. Hier trafen sich Künstler, Aussteiger und Transvestiten. Warhol mochte dieses Umfeld. Es inspirierte ihn, aber er verhielt sich dem, was sich dort abspielte, passiv gegenüber. In der >>Factory<< wurden alltägliche und triviale Dinge der Konsumkultur, die Massenware der so genannten Popkultur reproduziert, die "ohne jede Illusion die Dinge selbst zu Wort kommen lassen", wie er sagt.
Wie in der Dokumentation deutlich wird, malte er die Konsumartikel nicht nur, sondern er stellt sie auch direkt als Kunstobjekte aus, stapelte Konservendosen aufeinander und beklebte selbstgefertigte Skulpturen mit Siebdrucken. Man erfährt, dass besonders in den Jahren nach 1962 eine Reihe von Todes- und Katastrophenbildern entstanden sind. Diese werden teilweise auch gezeigt. Hierbei benutze Warhol übrigens ausschließlich Fotos als Bildvorlage.
Die Abbildungen der ersten Seite einer Zeitung und die Cola-Werbung haben dieselbe Suggestivkraft, die derartigen Erzeugnissen aus dem Gestaltungsarsenal des Typografen und Grafiker eigen ist. Die eigentliche Provokation, so erfährt man, liegt dabei im Verzicht auf die persönliche Aussage. Warhol hatte die Absicht den Künstler aus der Gestaltung zu verdrängen.

In den 60er Jahren widmete sich Warhol immer mehr dem etwas gewöhnungsbedürftigen Underground-Film. Man lernt in der Dokumentation einige Ausschnitte näher kennen. Bei den Filmen wurde die Technik bewusst primitiv gehalten und die Kameraeinstellung kaum verändert. Die Filme sollen oft eine Länge von bis zu 25 Stunden haben.
Ende der 60er Jahre dann benutzt der Künstler Mittel wie Fotoapparat und Kassettenrecorder. Damit dokumentiert er die Bestandteile seiner Umwelt vollständig und erhob sie in den Staus des Kunstwerks, indem er sie u. a. in Buchform veröffentlichte. Wie im Film deutlich wird, erreichte seine Beschäftigung mit den modernen Medien 1966 ihren ersten Höhepunkt in den Multi - Media - Shows mit der Rockgruppe >>Velvet Underground<<.
Nicht unerwähnt bleiben im Film natürlich seine Siebdruckarbeiten von Fotos, wie z.B. jene, auf denen man Marilyn Monroe und Jackie Kennedy bewundern kann.

Deutlich wird bei allem, dass Warhol sich pausenlos selbst inszenierte und den Kult um seine Person förderte. Zahlreiche Interviews begleiten die filmische Auseinandersetzung mit Warhols künstlerischem Schaffen und verhelfen dem Interessierten zu einem breitgefächerten Blick auf das innovative Werk und die Person, die auf die moderne Kunst sehr nachhaltig wirkte.