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Venedig - Die Welt von gestern in Farbe von Petra Reski

"Venedig war die Stadt meiner Träume, und alles , was ich sah, übertraf meine Erwartungen.....( Zitat :Georg Sand)


Dieser Bildband enthält eine große Anzahl von handcolorierten Schwarz-Weiß-Fotos, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Venedig aufgenommen worden sind. Die Bilder wurden damals bereits farblich verändert. Dabei kannten die Künstler die authentischen Farben der Stadt in jener Zeit sehr genau und dokumentierten dies auf den Fotos.

Die Stern-Redakteurin Petra Reski hat einen kleinen einleitenden Essay verfasst. Die vielen Zitate von Dichtern und Denkern, die die Fotos anschließend begleiten, hat der Verleger Christian Brandstätter ausgewählt.

Auf den Eingangsseiten befindet sich eine Landkarte, die es ermöglicht,die Fotos planquadratmäßig zuzuordnen. Man erhält konkret jeweils die Info, wo und wann ein Foto einstanden ist, ferner erfährt man, was der ein oder andere Reisende zu einem bestimmten Platz, oder auch ganz allgemein zu Venedig und den Menschen dort gesagt hat. In diesem Buch begegnet man geradezu einer Zitatenflut. Das hat mir, die ich Zitate liebe, natürlich sehr gut gefallen. In Verbindungen mit den Bilderwelten stellt dieser Fotoband mich insofern restlos zufrieden.

Die Motive zeigen keineswegs nur die Sehenswürdigkeiten von Venedig, sondern auch viele bemerkenswert morbide Ecken. So wie auf diesen Fotos sah Venedig vermutlich auch zu Zeiten Casanovas aus. Interessant, was Carlo Goldoni, 1778, also mehr als hundert Jahre vor dem Entstehen der Fotos über einen wahren venezianischen Cortesan - der im Französischen passende Ausdruck ist offenbar "L`homme accompli" -gesagt hat-.." ein Mann von Rechtschaffenheit, dienstfertig und behilflich. Er ist großmütig ohne Verschwendung; munter ohne Ausgelassenheit; er liebt die Weiber, ohne sie an sich zu fesseln; er liebt das Vergnügen, ohne sich zugrunde zu richten; er mischt sich in alles zum besten der Sache, er zieht den Frieden und die Ruhe vor, aber er duldet keinen Betrug; er ist gesprächig und zutunlich gegen jedermann; ein warmer Freund, ein eifriger Beschützer. Ist das nicht das Bild eines vollkommenen Mannes, eines Mannes von Welt?" Ja, Herr Goldoni und daran hat sich bis zum heutigen Tage wenig geändert. Hoffen wir, dass in Venedig noch viele solcher Männer von Welt anzutreffen sind.

Spannend ist es das Leben der Venezianer und deren Besucher zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zu beobachten, aber es ist auch interessant das Badeleben, die Badehäuschen und das "Hotel Exelsior Palace" am Lido in Augenschein zu nehmen. Das sind die Bilder, die Thomas Mann zu nachstehenden Worten veranlasste: " Von der gedehnten Zeile de Capannen, auf deren Plattformen man wie auf kleinen Veranden saß, gab es spielende Bewegung und träg hingestreckte Ruhe, Besucher und Geplauder, sorfältige Morgeneleganz neben der Nacktheit, die keck-behaglich die Freiheiten des Ortes genoss." (Thomas Mann)

Ein schönes Buch, in dem man immer wieder gerne blättert, sich in die ein oder andere Ansicht vertieft und dabei sich vieler hübscher Liebeserklärungen an Venedig erfreuen kann.