.

.

Chagall: 1887 - 1985 von Jacob Baal-Teshuva

In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist." ( Chagall),
Jacob Baal- Teshuva stellt in diesem Buch den russisch- französischen Maler jüdischer Abstammung Marc Chagall (1887- 1985) vor.

Die zahlreichen Abbildungen seiner Gemälde und Fotos werden von nachdenklichen, hochinformativen Texten begleitet, die das Leben und Werk des Künstlers fokussieren.

Chagall begann archaisierend, bevor ihn Fauvismus und Kubismus beeinflussten. Erst anschließend kristallisierte sich sein ganz eigener Stil heraus, der u. a . für den kommenden Surrealismus wichtig wurde.

Gekennzeichnet ist Chagalls Gestaltungsweise durch die stark glühende Farbigkeit einerseits sowie durch seine phantastische Wirklichkeit andererseits.

Das Irreale verkörpern Menschen und Häuser, die auf dem Kopf stehen oder Tiere und Figuren, die frei durch den Raum zu schweben scheinen. Chagalls Werk lebt von Legenden, russisch-bäuerlichen Mythen und chassidischer Religiosität. Er ist einer der bedeutendsten Repräsentanten der modernen Malerei.

Chagall studierte in Petersburg bei Léon Bakst. Dieser macht ihn mit der Malerei Paul Gauguins, Vincent van Goghs und Paul Cézannes vertraut. Er bestärkte ihn auch in seinen auf der Ausdruckskraft der Farbe aufgebauten Kompositionen, ohne im dabei seine persönliche Vorliebe für die ornamentale Linie aufzudrängen.

Während seines Aufenthaltes in Witebsk im Sommer 1908 schuf er sein erstes Hauptwerk, "Der Tote", das eine Verwandtschaft zur Malerei Paul Gaugins offenbart. Verkantete Formen und symbolhafte Farben drücken das Schreckliche des dargestellten Ereignisses aus.

In anderen Werken aus dieser Zeitbeschäftigte er sich mit dem Leben der Landbevölkerung.

1909 lernte er Bella Rosenfeld kennen, die seine langjährige Lebensgefährtin wurde. Seine Bilder von 1911 , wie etwa "Russland, den Eseln und anderen" bleiben den Themen aus Witebsk treu . Schwerelos schweben phantastische Gestalten durch das Bild. Chagall hob die perspektivische Räumlichkeit und die Trennung von Grund und Figur auf und verknüpfte die Formen und Gegenstände in einem stark bewegten Flächenmuster.

Durch Apollinaire kam Chagall 1914 in Kontakt mit Herwath Walden, der in der Berliner Galerie "Der Sturm" seine erste Ausstellung mit 40 Gemälden und 120 Zeichnungen organisierte. Von dort kehrte er nach Russland zurück, wo er die Kriegjahre verbrachte und wo eine Serie von Bildnissen alter Juden ( im Buch enthalten) entstand. 1915 heiratete er seine Braut Bella. Nun wurde das Hauptthema seine Liebe zu Bella.

Weiterhin beschäftigte es sich mit dem religiösen Leben seines Volkes. Er sympathisierte mit den Iden der Oktoberrevolution und wurde 1918 Kommissar für die bildenden Künste. Er gründete ein Museum und baute eine Akademie auf. Mit großer Energie arbeitete er an der Vorstellung, die Kunst im Leben des Volkes zu verankern. 1920 legte er das Amt nieder und siedelte nach Moskau über.

Jetzt zeigen seine Bilder eine stärkere Geometrisierung, z.B. die "Kubistische Landschaft".

Er arbeitete mit dem jüdischen Theater zusammen, für das er nicht nur Bühnenbilder und Kostüme, sondern auch große Wandmalereien und einen Bühnenvorhand schuf.

Weil er seine Vorstellungen in der Sowjetunion nicht verwirklichen konnte , reist er im Sommer 1922 nach Berlin und später nach Paris.

Mit Bella entdeckte er die französische Landschaft. Er schuf daraufhin Landschaften ohne allegorische Elemente mit gelockertem Bildaufbau und einer offeneren Form.

Nachdem die direkte Bedrohung durch den Nationalsozialismus immer stärker geworden war, ging er 1941 mit all seinen Werken nach Amerika.

Er stellte nun wieder zunehmend eine innere Verbindung mit seiner russischen Heimat her. Deutlich wird die in seinem Gemälde "Das Grüne Auge".

1944 starb seine Frau Bella. 1945 schuf er die Entwürfe zu Strawinskys Ballett "Der Feuervogel" und entwickelte dabei die Raum schaffende Kraft der Farbe gegründete Bildform, bei der alles Abgebildete aus der Farbe gestaltet wird. Zwei große Ausstellungen festigten seinen Ruf: 1946 im "Museum of Modern Art New York" und 1947 im "Musée National d`Art" Modern in Paris.

1949 übersiedelte Chagall endgültig nach Vence in Südfrankreich und schuf in den seit 1950 erschienenen Gemälden große, leuchtende Flächen. Die Farbe gewann an Selbstständigkeit und war an keinen Umriss mehr gebunden, z.B."Die roten Dächer" oder "Die Liebenden von Vence". 1954 schuf er unter diesem Eindruck die Gouachen zu "Daphnis und Chloe" .

Chagall wandte sich nun immer mehr kolossalen, architekturgebundenen Arbeiten zu, u.a. für Glasfenster, Reliefs und Keramiken.

Er fand nun in seiner Malerei zu einem eigenwilligen Symbolismus, der von Erinnerungen an seine Jugend in Russland getragen war. Von den Kubisten, die ihn eine Zeitlang inspiriert hatten, wandte er sich wieder ab. Auch von den Surrealisten grenzte er sich ab, weil in deren Malerei, seiner Meinung nach die literarischen Aspekte eine zu große Rolle spielten.

Ein gelungener Kunstband. Das Preis-Leistungsverhältnis ist nicht zu überbieten.















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen