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Rezension: Kaiser, König, Edelmann-Herbert Schmidt-Kaspar

Wer war der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld?

Herbert Schmidt-Kaspar bringt in diesem Buch dem Leser das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" geradezu im Plauderton nahe. Er zeigt, dass man sich nie wirklich einig war, wann dieses Reich gegründet wurde, ob nun im Jahre 800 mit der Kaiserkrönung Karls des Großen oder erst im Jahre 911 mit der Wahl Heinrich I. Was spielte sich während dieser Zeit, wo dieses Reich bestand, innerhalb seiner expandierenden Grenzen ab? Wie sahen die politischen und soziologischen Strukturen aus? Wie konnte man Kaiser dieses Reiches werden? Weshalb nannte man es überhaupt das " Heilige Römische Reich..."?
Wie war es um die Rechtsverhältnisse in den Anfängen des Reiches bestellt? Gab es bereits ein Gewaltmonopol? Was verstand man unter einer Fehde? Wer durfte sich befehden? Was war ein Lehensmann? Welche Aufgaben hatte er zu erfüllen? Das sind die Fragen , die man zu Anfang des Buches beantwortet bekommt, um schließlich einzutauchen in eine längst vergangene Welt ungezählter Namen, Zahlen und Fakten.

Gefallen fand ich an Theophanu, der hochgebildeten Byzantinerin, die als Witwe Ottos II eine Zeitlang die Geschicke des Reiches lenkte. Über das Erziehungs- und Informationsmonopol der Kirche wird man aufgeklärt und über die Reformbestrebungen, die schließlich zum Investiturstreit führten. Was bedeutete der Gang nach Canossa für Heinrich IV, vor allem aber für das Reich? Welche Folgen ergaben sich aus dem Wormser Konkordat?

Während man über diese Dinge reflektiert, darf man sich des ersten Merseburger Zauberspruchs und des Wesobrunner Gebetes erfreuen, bevor man sich berühren lässt von Walthers Liebeslied "Unter den Linden". Weshalb war Barbarossa ein Vertreter der "Zwei-Schwerter-Theorie"? Wie wichtig war ihm die "Ritterliche Kultur"? Was suchten die Normannen in Haithabu und was auf Sizilien? Über Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und Jerusalem wird gesprochen und über die tatsächlichen Motive der so genannten Kreuzzüge. Wer waren die Templer, Johanniter und Deutschherren? In welcher Beziehung standen sie zu Saladin?

Wer war das Chint von Pülle? Kaiser Friedrich II. soll der erste moderne Mensch gewesen sein. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man auch warum. Friedrich war ein Intellektueller, der aufgrund seines rationalen Denkens nur schwer von den Menschen seiner Zeit verstanden werden konnte. Interessant sind seine Experimente, die er vornahm, um zu praktischen Erkenntnissen zu gelangen. Über den Niedergang des Rittertums, über die Raubritter wird man aufgeklärt. Auszüge aus dem Originaltext des "Meier Helmbrecht" vedeutlichen, was damals stattfand.

Warum war die "Bannmeile" für das städtische Gewerbe so wichtig? Was verstand man unter einer Gilde? Welchen Status hatten Patrizier? Ein großes Thema sind Bürgerrechte im Mittelalter und während der Renaissance-Zeit, weil sie für die Entwicklung der Städte von großer Bedeutung waren. Über die Fugger und die Welser und ihre Verbindung zum Kaiser wird gesprochen. Auch die ersten Universitäten auf dem Boden des Reiches werden thematisiert. Womit beschäftigte man sich an den Universitäten in Prag, Krakau oder Wien? Waren es vorrangig Texte von Galen, Hippokrates und Avicenna oder der Codex Iustinianus, der junge Menschen bewegte die lateinische Sprache zu erlernen?

Erwähneswert ist die Schrift "Concordantia catholica" von Nikolaus von Cues. Für ihn war der Kaiser in der weltlichen, wie in der geistlichen Hierarchie gleichrangig. Welche Konsequenzen ergaben sich auch dieser Betrachtung? Welche Bedeutung hatte die Erfindung der Taschenuhr im Jahre 1502, nachdem bereits fünfzig Jahre zuvor Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfunden hatte?

Über das Reich Karls V erfährt man Essentielles und natürlich über Martin Luther, dessen Aufstieg nicht unwesentlich durch politische Eigeninteressen einzelner Landesfürsten bedingt war. Wie kam es zum Schmalkaldischen Bund? Warum wurde der Nürnberger Religionsfrieden tatsächlich geschlossen? Wiedertäufer und marodierende Bauerheere sowie deren Führer kommen zur Sprache, natürlich bleibt auch Thomas Müntzer nicht ungenannt.
Weshalb wurde der Augsburger Religionsfrieden geschlossen? Welche Funktion hatten die Jesuiten im Reich? Wer war der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld?

Ihm sollte man , wie ich finde ein Denkmal setzen, denn er hat die" Cautio Criminalis" verfasst und ungezählte Frauen vor dem drohenden Feuertod gerettet.

Der zweite Prager Fenstersturz und die Gründe, die zum 30 jährigen Krieg führten, werden beleuchtet, und der Krieg selbst wird in seinen furchtbaren Auswirkungen dargestellt. Das Sonett "Thränen des Vaterlandes" von Gryphius von 1636 zeichnet die Geschehnisse nach.
Wie der Westfälische Friede zustande kam und wie sich das Reich in der Folge gestaltete, schildert Schmidt-Kasper ausführlich. Noch im gleichen Jahrhundert stehen die Türken vor Wien, wenig später beginnt der spanische Erbfolgekrieg. Immer wieder kommt es zu militärischen Auseinandersetzungen. Man sieht den preußischen Militärstaat entstehen und liest von den Ausseinandersetzungen König Friedrich II. von Preußen mit Kaiserin Maria Theresia. Man beginnt zu ahnen, dass das Reich nicht mehr lange von Bestand sein wird. Es nimmt schließlich sein Ende im Jahre 1806, nachdem Bonaparte bei Austerlitz den Sieg davontrug. Da nämlich legte Kaiser Franz II die Krone nieder.

Geblieben sind die wunderschönen Texte der Minnesänger, geblieben auch die Erinnerung an die gebildete Kaiserin Theophanu und an den großen Stauferkaiser Friedrich II. Im Herzen bewahre ich jedoch Friedrich Spee. Vor ihm möchte ich mich verneigen.

Thränen des Vaterlandes / Anno 1636

Wir sind doch nuhmehr gantz/ ja mehr den gantz verheeret!
Der frechen völcker schaar/ die rasende posaun
Das vom blutt fette schwerdt/ die donnernde Carthaun
Hat aller schweis/ vnd fleis/ vnd vorraht auff gezehret.
Die türme stehn in glutt/ die Kirch ist vmgekehret.
Das Rahthauß ligt im graus/ die starcken sind zerhawn,
Die Jungfrawn sind geschändt/ und wo wir hin nur schawn,
Ist fewer/ pest/ und todt der hertz vnd geist durchfehret.
Hir durch die schantz vnd Stadt/ rint alzeit frisches blutt.
Dreymall sindt schon sechs jahr als unser ströme flutt,
Von leichen fast verstopfft/ sich langsam fort gedrungen,
Doch schweig ich noch von dem was ärger als der todt,
Was grimmer den die pest/ vnd glutt vnd hungers noth,
Das auch der selen schatz/ so vielen abgezwungen
( Gryphius)






Rezension: Was aus der Depression hilft:

Der Sachbuchautor Holger Reiners hat lange Jahre unter schwersten Depressionen gelitten. In dem vorliegenden Buch befasst sich  der Autor mit dieser Krankheit, aufgrund  der sich jedes Jahr in Deutschland eine große Anzahl von Menschen das Leben nehmen.

Personen, die unter Depressionen leiden, sind Schlaflosigkeit, Antriebsarmut und Libidoverlust nicht fremd. Schlimmer als diese Phänomene der Krankheit allerdings, sind das schleichende Verblassen des Lebenselans mit einer wohl immer stärker werdenden Todessehnsucht. Für die Depression  ist der Gemütszustand nicht nachlassender Trauer symptomatisch. Der Autor schreibt, es sei eine Traurigkeit ohne konkreten Anlass, ein das Leben zersetzendes Gefühl des Verlassenseins, des Allein- und Ausgeliefertseins. Keiner könne den depressiven Menschen aus seiner tränenlosen Traurigkeit befreien, "Kein freundliches Wort, keine dargebotene Perspektive, kein Geschenk." Unbestechlich sei die Traurigkeit in der Depression.

In den Augen des Autors handelt es sich bei dieser Krankheit um einen Tumor der Seele. Dass Menschen, die an Drepressionen leiden, nicht sterben, sondern tot sein wollen, beschreibe die Dramatik der Krankheit in besonders plastischer Form, (vgl: S.33). Reiners  sagt das sehr anschaulich: "Wer depressionsbedingt- nicht altersbedings!- jedwede Hoffnung aufgegeben hat, wer die Angst nicht mehr erträgt und sich in den gedanklichen Strudeln der Verzweiflung nicht mehr entziehen kann, will nicht sterben, er will tot sein."

Der Autor erläutert, was die Todesphantasien in der Depression bedeuten, analysiert die Todessehnsucht, an deren Beginn ganz  tief empfunden einzig und allein die Aussicht auf Erlösung stünde. Von daher habe der Tod des Depressiven durch eigene Hand nur ein Motiv, die Erlösung von dem schmerzlosen Schmerz, der die Seele zerfresse, wie Krebs das gesunde Gewebe bei unerträglich körperlichem Schmerz.

Reiners wünscht sich, dass wir dem Seelenkrebs Depression mit den gleichen Maßstäben begegnen, wie allen anderen schweren Erkrankungen. Er zeigt in seinen Ausführungen , dass es eine Art von Kreativität gibt, die zu Selbstzerstörung führt. Sie stelle einen einsamen Akt dar, dem jeder konstruktive Impetus  fehle.  Man suche die Isolation, weil man die Welt um sich herum und sich selbst nicht mehr ertragen könne.  Dies Phase der Krankheit sei eine Art von kreativer Selbstmontage.  Man sei zu diesem Zeitpunkt sehr empfindlich. Es bedürfe der Rücksichtnahme seitens des Umfeldes. Reiners ist überzeugt, dass sich die Selbstzerstörungskräfte aufheben und neu zentrieren lassen, doch dazu bedürfe es  nicht nur der Behandlung, sondern auch der Empathie, die "vorurteilsfrei, schnell und konsequent alle therapeutischen Mittel einsetzt, um den Kranken von seiner kreativen Selbstzerstörung abzuhalten".


 Der Autor betont , dass die Behandlung einer Depression kein Wellnessprogramm der Seele sei , sondern einer Operation ähnele an einem lebenswichtigen Organ und er betont an einer anderen Stelle weiter, dass niemand im Umgang mit einem Menschen, der unter Depressionen leide, sich anmaßen solle zu wissen, was für den Kranken gut sei. Dies bleibe allein der Einschätzung der Psychiater und Psychologen überlassen. Viele Kranken bagatellisieren diese Krankheit und verbauen sich damit die Chance einer Heilung.  Sport sei keine Therapie, aber er sei für Depressive dennoch sehr wichtig, dabei begründet er auch weshalb. Ferner thematisiert er  im Zusammenhang mit der Depression Psychopharmaka, das Phänomen der Flucht in den Schlaf und ein weiteres Phänomen, dem er das Kapitel widmet " Wenn Angst den Willen zerfrist".


Interessant auch ist zu lesen, wie sich Depressive  in ihrem Umfeld bewegen, für das der Autor hofft, dass es mitfühlend sei. Reiners unterstreicht, dass der Depressionsleidende die Regeln im Umgang mit anderen ebenso einhalten muss wie seine Mitmenschen.  Mit dem Rückzug der verständnislosen Angehörigen und der Schroffheit des Kranken sei niemand gedient, weiß der Verfasser, der es heute bedauert, dass er einst zu wenig Brücken gebaut habe und seine Sprachlosigkeit in jener Zeit ebenso bedauere, wie das ignorante Verhalten seiner Nächsten.

Angehörige von Depressionskranken  benötigten Wissen und Mut. Leider überwögen trotz aller Informationskampagnen noch immer Scham- und Schuldgefühle. Depressionen  sollten behandelt werden. Die Behandlung braucht aber Zeit.

Reiners unterstreicht: " In der Depression verliert der Mensch den selbstverständichen Kontakt zu sich selbst. Und das gilt für alle Lebensfacetten......Zuerst wird der Kranke mit der plötzlichen Andersartigkeit seines seelischen Zustandes konfrontiert, einer gefühlten Gefühlosigkeit, ebenso wie der erlebten Unzuverlässigkeit der bisherigen intellektuellen Kompetenz. Kann ich noch richtig folgerichtig denken, noch rechnen, urteilen, konkrete Sätze formulieren? Warum ist meine Sprache so stockend und unentschlossen? Habe ich überhaupt noch etwas zu sagen? Selbst meine körperlichen Bewegungen sind verlangsamt, so hilflos.  All diese Veränderungen im habitituellen und intellektuellen Verhalten sind Folge der Erkrankung." ( S.210)

Gesundwerden, so Reiners, heißt, das Ich irgendwann wieder aufnehmen zu wollen.  Diesen Kraftakt kann der Depressive nur mithilfe  von Fachkräften schaffen.  Sehr gut ist Reiners angefügtes Stundenbuch, das er seit vielen Jahren führt und dort immer wieder die gleichen Fragen beantwortet.  Eine der Fragen lautet. " Gibt es wirklich ein Leben nach der Depression?"  Holger Reiners beweist durch sein Leben, dass es ein solches gibt und das dieses Leben sehr kreativ sein kann.




Rezension: Stuart Pigotts Weinreisen: Mosel

Stuart Pigott, einer der weltweit bedeutendsten Weinjournalisten und der Weinkritiker Manfred Lüer sowie der Fotograf Andreas Durst nehmen den Leser mit auf eine Weinreise an die Mosel.

Thematisiert werden die Region Mittelmosel, Terrassenmosel, Saar, Ruwer und Trier, die Obermosel und Luxemburg, die dortigen Weingüter und auch die Weine.

Zu Beginn wird man auf einige interessante Sehenswürdigkeiten in der Region aufmerksam gemacht. Die alte Römerstadt Tier gehört dazu mit ihren vielen römischen Bauten, auch die romantische Burg Eltz in Münstermaifeld und das Städtchen Traben-Trabenbach mit seinen schönen Jugendstilgebäuden.
Pigott fokussiert zunächst die Mittelmosel, berichtet vom Terroir dort und hier besonders vom Schiefer, dem durch enormen Druck entstandenen metamorphen Gestein aus dünnen, leicht spaltbaren Schichten. Es gibt viele Arten von Schiefer, die in Farben und chemischer Zusammensetzung sehr unterschiedlich sind. Dieses spezielle Terroir ist der maßgebliche Grund für die guten Weine an der Mittelmosel.

Pigott nennt viele sehr guter Weingüter und beschreibt deren Weine erwartungsgemäß bestens. Das " Weingut Dr. Weins-Prüm " und " Weingut Dr. Losen " mit ihren edlen Rieslingen aber auch das " Weingut Fritz Haag " gehören dazu.

Haags trockene Weine schmecken hervorragend, allerdings trinke ich nur dann ein Glas davon, wenn der Wein von einem Fischgericht mit Rahmsauce oder dergleichen begleitet wird, damit der Magen wegen der Säure nicht sofort rebelliert.

Die Autoren erklären gut nachvollziehbar den Unterschied zwischen " Spontangärung " und " Vergärung mit Reinzuchthefe". Sie stellen zudem vier junge Winzerinnen in Trittenheim vor und vergessen auch nicht dem Leiwener Jungwinzer Gerhard Grans vom " Weingut Grans-Fassian " Aufmerksamkeit zu schenken, dessen Spät- und Auslesen man sich nicht entgehen lassen sollte.

Einen bekömmlichen Riesling vom " Weingut St. Urbanshof " habe ich neulich noch getrunken, ein typischer un- trockener Mosel-Riesling, bei dem die Traubensüße mit der lebhaften Säure und den strahlenden Fruchtaromen spielt.

Die abschüssigen Weinterrassen widmet Pigott ein weiteres Kapitel, stellt dort ebenfalls sehr gute Weingüter vor, u.a. das " Weingut Albert Kallfelz ", dessen Weine ich bereits getrunken habe, sein Urteil insofern bestätigen kann und skizziert einladend bemerkenswerte Hotel und Restaurants in der Region.

Entsprechend verfährt er mit den Weinen an Saar , Ruwer und Trier.

Hier hat mir die Beschreibung des " Weingut Egon-Müller-Scharzhof ", des " Weingut Kartäuserhof " und " C. von Schubert`sche Gutsverwaltung / Maxim Grünhaus " am besten gefallen. Die Weine von Grünhaus sind fülliger und fruchtbetonter, auch direkter in der Art als früher und zeigen, dass sie bereit sind dem neuen Geschmack entgegen zu kommen, ohne deshalb dem Zeitgeist hinterher zu hecheln.

Mit großem Interesse habe ich von den Weinen an der Obermosel und in Luxemburg gelesen, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe. Ihre Beschreibung macht mich allerdings neugierig.

Von allen im Buch präsentierten Restaurants dürfte " Lea Linster " die Adresse sein, die Gourmets am meisten aufhorchen lässt. Spitzenküche in Luxemburg und Weinkarte mit tausend Referenzen, beste Weine der luxemburgischen Mosel.

Eine Fahrradtour entlang der Mosel kann ich allen Weinreisenden empfehlen. Die Verkostungen sollte man klugerweise auf die Abende verlegen.....:-))

Das Buch ist ein sehr guter Reisebegleiter.



Empfehlenswerte Rieslinge  von der Mosel:

Rezension: Stuart Pigotts Weinreisen, Rheingau: Rheingau / Weine / Winzer / Weinlandschaften von Manfred Lüer

Weinkritiker Manfred Lüer und der Fotograf Andreas Durst nehmen den Leser mit auf eine Weinreise in den Rheingau. Dort stellen sie Weinlandschaften, Winzer und Weine vor.

Da der Rheingau vor meiner Haustür liegt, habe ich dieses Buch, zu dem Stuart Pigott ein schönes Vorwort geschrieben hat, mit besonderer Neugierde gelesen.

Zunächst lernt man eine kleine Auswahl von Orten und Ereignissen kennen, die der Autor gerne weiterempfiehlt. Die drei Riesling- Schlösser zählen übrigens , wie erwartet, dazu:"Schloss Vollrads", "Schloss Reinhardthausen" und "Schloss Johannisberg". Empfehlenswert sind- im Buch wird es leider nicht erwähnt- die Jazzfrühschoppen auf "Schloss Reinhardthausen". An lauen Sommerabenden ist es allerdings auf " Schloss Vollrads" am schönsten.

Der Massenbetrieb bei "Käfer" auf "Schloss Johannisberg" finde ich nicht erbaulich.

Erwähnt wird auch mein Lieblingsort im Rheingau , das "Brentanohaus" , der ehemalige Sommersitz der Frankfurter Handelsfamilie Brentano. Goethe hielt sich dort oft auf. Den morbiden Charme des Hauses sollte man sich nicht entgehen lassen. Es macht viel Vergnügen im Sommer dort im Kreise netter Freunde ein paar Gläser Wein zu trinken.



Der Autor untergliedert in das Zentrum des Rheingaus, in den östlichen Rheingau und in das Mittel-Rheintal. Er geht detailliert auf das Terroir ein und fokussiert besondere Lagen, berichtet auch immer wieder von historisch Wissenswertem.

Um Kloster Eberbach hatten schon im 13. Jahrhundert Mönche bedeutende Rebflächen angelegt. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Riesling die klassische Rebe des Rheingaus und zählte in der Belle Époque zu den begehrtesten Weinen der Welt.

Man wird ausführlich mit dem Können des Öko-Winzes Peter Jakob Kühn in Östrich Winkel vertraut gemacht, dessen Weine mit einer enormen Frucht- und Würzsubstanz aufwarten. Hervorgehoben werden auch das "Weingut Georg Breuer", das "Weingut Robert Weil" , "Weingut Fürst Löwenstein", "Weingüter Wegler", die "Domäne Schloss Johannisberg", "Weingut Schloss Vollrads", "Weingut Schloss Rheinhartshausen" und noch einige andere Spitzenweingüter. Lobenswert differenziert wird auf deren Weine eingegangen.

Vom "Weinhaus Hans Lang" gibt es leider keine nähere Beschreibung. Schade eigentlich, denn Lang macht sehr gute Rotweine im Rheingau.

Die empfohlenen Restaurants im Zentrum des Rheingaus kenne ich alle. Am schönsten ist es in der "Adler Wirtschaft" in Eltville-Hattenheim. Die Weinkarte erstaunt selbst Kenner. Das Essen ist sehr delikat.

Das "Weinhaus und Hotel Zum Krug" ist auch hervorragend. Hier ist das Preis-Leistungsverhältnis am besten.

"Burg Schwarzenstein" ist mein Geheimtipp. Lassen Sie sich überraschen. Das "Kronenschlösschen" finde ich überteuert. "Schloss Reinhardtshausen" ist immer einen Ausflug wert. Die Speisen im "Gutsrestaurant Schloss Vollrads" überzeugen mich nicht, dennoch halte ich mich im Sommer dort gerne auf, weil die Atmosphäre wunderschön ist.

Als der beste Winzer im östlichen Rheingau gilt eindeutig Günther Künstler in Hochheim. Nach meiner Meinung ist er der beste Winzer im Rheingau überhaupt. Seine Weine aber auch die Weine der "Weingutes Domdechant Werner" werden neben anderen in Hochheim ausführlich thematisiert. Im "Hochheimer Hölle Riesling", Kabinett trocken von Künstler wird die köstliche, leicht ins Exotische changierende Frucht, die oft an Limetten erinnert, von feinsten mineralische Adern durchzogen.

Schön, dass man die "Hochheimer Rieslingstuben" bei den Restaurants in dieser Region erwähnt.

Hochheim ist eindeutig eine Wochenendreise wert. Ich habe mich vor Jahren so sehr in den Ort verliebt, dass ich dort in der Kirche einst geheiratet habe, obschon ich damals in Mainz wohnte.

Sehr gut erklärt wird auch das Mittelrheintal, eine überaus romantische Landschaft. Der beste Rotwein kommt von dort. Der durch Phyllit -Schiefer geprägte "Assmannshäuser Höllenberg" nimmt eine Sonderstellung unter den Rotweinen ein. Seit 1507 kennt man ihn schon.

Näher besprochen wird das "Weingut August Kesseler" , das "Weingut Krone", auch die "Hessischen Staatweingüter Kloster Eberbach" , nicht zu vergessen "Weingut Graf von Kanitz".

Die vorzüglichen Lagen Bacharachs sind ein Thema und hier ganz besonders die Weine des "Weinguts Toni Jost Hahnenhof". Köstlich sind seine Weine, die an Mango und Maracuja erinnern. "Weingut Scheidgen" in Hammerstein wird auch erwähnt. Dessen Weißburgunder finde ich bemerkenswert.

"Hotel Krone Assmannshausen" ist ein Muss während einer Weinreise in den Rheingau. Dort unter Glyzinien ein Glas "Höllenberg" zu trinken ist für jeden ein unvergessliches Erlebnis.



Das mit Abstand beste Glas für Rheingauer Riesling:


Dieser Winzersekt aus dem Rheingau ist wirklich lecker:

Rezension:Denken mit Friedrich Dürrenmatt. von Friedrich Dürrenmatt

"Wer Ideologien zerstört, zerstört Rechtfertigungen von Gewalt" ( Dürrenmatt)
Der schweizerische Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) bevorzugte die Komödie als " einzig mögliche dramatische Form " das Tragische zu sagen.

Mit Ironie und Satire vergegenwärtigte er alle erstarrten Konventionen des Kleinbürgertums.

Dürrenmatts Interesse galt dem mutigen Menschen, den er im Gegensatz zur heroischen Gestalt sieht. Seine Helden sind ohne Illusion über die Veränderbarkeit der Welt oder erfahren dies im Agieren oder im Rückzug aus ihr.

Die Nichtberechenbarkeit der Welt ist auch ein Thema seiner Erzählungen und " Kriminalromane ".

Dürrenmatt schrieb Hörspiele, die häufig zur Vorlage seiner Dramen wurden. Er veröffentlichte weiterhin " Theater - Schriften und Reden ". Im " Turmbau zu Babel " setzte er sich mit seinem Werk auseinander.

" Denken mit Friedrich Dürrenmatt " beinhaltet Gedanken und Gedankensplitter des Schriftstellers zu Begriffen wie Aufklärung, Demokratie, Erkenntnis, Faschismus, Friede, Gott, Humor, Kunst, Liebe, Macht, Toleranz und Unrecht.
Ich möchte, um die Tiefe von Dürrenmatts Gedanken zu verdeutlichen, seine Betrachtung zum Begriff Erkenntnis zitieren:

" Ist der Forderung " Erkenne dich selbst " schwer und nur unzulänglich nachzukommen, da sich ein jeder über sich selbst am leichtesten täuscht, so stellt uns gar der Versuch, den anderen zu erkennen, vor unüberwindliche Schranken. Mögen wir dem anderen noch so nahe stehen, mögen wir ihn lieben, achten, oder mögen wir seine Gegner sein, wir kennen ihn nie , wie er ist, wir kennen nur Zeichen, die von ihm kommen, Wirkungen, die von ihm ausgehen, Fakten, die sich feststellen, zusammenstellen lassen. Wir erleben den anderen, oft eindringlich, manchmal erschütternd, doch unser Wissen über ihn ist begrenzt, aber auch die Möglichkeit ihm zu helfen. Der wirkliche Raum zwischen den Menschen ist unermesslicher als wir das wahrhaben wollen, als die Liebe, die Freundschaft, ja die Feindschaft es wahrhaben will. Seinen Weg hat jeder selber zu gehen, er wird auf eine Bahn geschleudert, die ihn unweigerlich immer weiter von den andern treibt, in den Tod. "

Wenn man dies erst einmal begriffen hat, wird man die Momente, die man mit Mitmenschen verbringen kann, so schön wie möglich gestalten und sich keinesfalls bekriegen. Man wird toleranter sein und nicht versuchen den anderen zu verschubladen. Man wird die Individualität des anderen respektieren und zu schätzen lernen.

Es führt zu weit alle Sentenzen Dürrenmatts hier auszuleuchten, obschon seine Betrachtungen zur Liebe ihresgleichen suchen.

Den ironischen Dürrenmatt erlebt man im Buch in Gedankensplittern wie folgendem:

" Ist Kultur etwas, das man retten kann? "
Dürrenmatt beweist mit allen Gedanken große Klugheit. Ich erlaube mir noch einen weiteren bemerkenswerten Gedanken zu zitieren:
" Ideologien sind Ausreden, an der Macht zu bleiben, oder Vorwände an die Macht zu kommen. Aber die Macht kann nur mit Mitteln der Macht behauptet oder erobert werden: mit der Gewalt. So rechtfertigen die Ideologien nicht nur die Macht, sie verklären auch die Gewalt, mit deren Opfern sie nachträglich wie Beerdigungsinstitute verfahren: Sie richten her, was sie hingerichtet haben."
Über einen solchen Gedanken sollten Lehrer mit ihren Schüler gemeinsam nachdenken und diskutieren. Er öffnet die Augen und führt zur Wachsamkeit gegenüber Rattenfängern jedwelcher Art.

Aber lesen Sie bitte selbst.




Rezension: Die Farben der Tropen von Berndt Fischer

"Auf dieser Welt ist alles Auferstehung; die Raupen leben als Schmetterlinge wieder auf ein Kern , den man in die Erde legt, als Baum. Alle Tiere, die in der Erde vergraben werden, entstehen als Kräuter, als Pflanzen wieder, sind Nahrung für andere Tiere und werden bald Bestandteile von diesen. Alle Teilchen, aus denen sich die Körper zusammensetzen, werden in andere Wesen umgewandelt." ( Voltaire)
Der Autor und Naturfotograf Bernd Fischer spürt in diesem Prachtband durch seine wundervollen Fotos und eloquenten Texten den Farben der Tropen nach.

Dabei fokussiert er die Regenwälder in Madagaskar, Indonesien, Botsawa und Brasilien. Besonders im Reich der Schatten, im Dunkel des Waldes oder in der Tropennacht offenbart sich die Schönheit der Farben, nicht zuletzt weil die Begegnung mit den Tieren dann intensiver ist als bei Sonnenlicht. Gleichwohl ist es dann hell, weil beispielsweise unzählige Glühwürmchen im Regenwaldareal in Costa Rica Energie mithilfe einer chemischen Reaktion in Licht umwandeln.

Die Farben der Tropen leuchten mitunter "nur" am Himmel auf, wenn der Sonnenuntergang die Farben zwischen den Wolkentürmen anmischt.
Gleich zu Beginn erfreut man sich an der Fotografie eines Orang-Utans, der fast schwerelos zwischen den Ästen hängt. Sein Fell ist leuchtend rot. Das Tier hebt sich von den vielen Grünschattierungen des Regenwalds auf eine Weise ab, dass es fast als Kontrast zu den Bäumen gesehen werden kann.

In Indonesien ist das Bild einer Phalaenopsis entstanden. Dort gilt sie als Nationalblume des Landes. Fischer vergisst nicht zu erwähnen, dass sie in der Natur stets nur als Aufsitzer auf Bäumen wächst.

Man erfährt, dass die Regenwaldschutz - Organisation BOS auf Borneo eine Fläche von 1600 Hektar Sekundärwald wieder aufgeforstet hat. Leider ist der ursprüngliche Regenwald durch illegale Brandrodung vernichtet worden. Jetzt wächst an stattdessen nur noch ökologisch wertloses Alang-Alang-Gras.

Regenwald ist der immergrüne Wald in den ganzjährig feuchten Gebieten der Tropen und Subtropen. Bei gleich bleibendem Ausmaß der Zerstörung wird der tropische Regenwald, der die artenreichste Lebensgemeinschaft auf der Erde mit mindestens 50 % aller Pflanzen- und Tierarten beherbergt, in den nächsten 15 Jahren in vielen Regionen kaum noch vorhanden sein.

Die Tierfotos, beispielsweise von einem Schmetterling( Malayan Owl), der wie magisch von einem Sonnenfleck auf einem grünen Blatt angezogen wird oder von einem Fingertier, das bei den Madegassen als böser Geist gilt, beeindrucken den Betrachter ebenso wie der Anblick der Dornenwälder im Süden Madagaskars bei Nacht. Die Existenz dieser Wälder wird zunehmend von riesigen Sisalplantagen bedroht.

Man liest weiter von der Tempelanlage von Pura Goa Lawah. Sie ist eine der größten hinduistischen Heiligtümer Balis und wurde einst rings um eine Höhle errichtet. Die Einheimischen glauben, dass diese Höhle die Ober- und Unterwelt verbinde. Fischer veranschaulicht wie gegen Abend Tausende von Fledermäusen ihren Tageseinstand verlassen, um in den dunklen Abendhimmelzu fliegen.

Eine paradiesische Aufnahme zeigt hoch oben in den Wedeln der Acuri- Palmeversteckt ein Hyazinthara. Dieser blaue Papagei wird bis zu 90 Jahre alt.
Im Kapitel "Zwischen Wasser und Erde" lernt man u.a. die Wasserfälle von Iguacu kennen.

Fischer hat hier den "Teufelsrachen" fotografiert, der einen kleinen Ausschnitt aus der gewaltigen Szenerie der Cataratas inmitten des Iguacu- Nationalparks offenbart, dessen Wälder aufgrund der ständig aufsteigenden Sprühnebel Regenwaldcharakter besitzen.

Sehr beeindruckend ist der Regenboden vor den Wasserfällen.

Gefallen hat mir auch der grüne Leguan, der ein Nachfahre der Saurier ist und vorwiegend auf Bäumen in Wassernähe lebt. Fischer erwähnt, dass man ihn im Bundesstaat Piaui auch auf dem Boden begegnen kann.
Leider kann ich nicht alle Tiere, die Fischer abgelichtet hat, erwähnen. Hervorheben möchte ich aber ein Foto, dass einen Passionsblumenfalter aus der Familie der Helikoniden, der einen Kaiman umschwirrt. Ein friedliches Bild.

Fotos von Ottern, von einer grünen Meeresschildkröte, auch von einer Anakoda, der größten und schwersten Schlange der Welt, beeindrucken ebenso, wie die Aufnahme eines Gürteltieres, das zu den ältesten Ureinwohnern Südamerikas zählt und noch aus einer Zeit stammt als der Subkontinent eine Insel war.

Ein bildschöner schwarzer Leguan wurde von Fischer in Costa Rica aufgenommen.
Von dem traumhaften Strand auf der Seychellen-Insel La Digue sieht man die Farben des Meeres, die vom Tiefblauen ins leuchtende Türkis spielen.

Anschließend folgen Bilder vom Wald und der Savanne. Hier gefällt mir die Fotoserie eines Orang-Utans, der in den Regenwäldern auf Borneo vergnügt in den Ästen schaukelt.

Ein wenig bedrohlich wirkt die grasgrüne Glanzspitznatter aus Costa Rica. Sie wirkt im Blattgrün geradezu unsichtbar. Ein wirklich interessant, etwas witzig aussehendes Tier ist die Gottesanbeterin. Ihre grelle grüne Farbe will andeuten, dass es ungenießbar ist.

Von großer Schönheit sind die Tukane. Das beigefügte Zitat hat der Autor optimal ausgewählt.

Das Reich der Farben und Formen zeigt sich besonders gut in rosa blühenden Trompetenbäumen im Panatal, in den Aufnahmen der Papageien, aber auch in der eines Palmkakadus, der sich in feuchten Bergwäldern bis zu 1300 Meter sehr wohl fühlt.

Faszinierend ist das Foto von dem Parson`s Chamäleon, das vor allem in den Regenwäldern Madagaskars lebt. Seine Grundfarbe ist Türkis und weist eine schräge Streifenzeichnung auf, der Helm und der Schnautzenfortsatz machen seinen Kopf unverwechselbar.

Beeindruckend auch der grüne Rotaugenfrosch und der Einsiedlerkrebs, dessen Stielaugen himmelblau und orange leuchten....

Rot-Grün-Weiß leuchten die Heuschrecken Borneos, die farblich nur noch von den Haycintharas und den Breitschwingkolibri an Leuchtkraft überboten werden.

Begeistert von den Akrobaten der Lüfte sagte der Dichter Adalbert von Chamisso einst:

"Wir sahen...die ersten Tropenvögel, diese herrlichen Hochsegler der Lüfte, die ich mich fast nicht erwehren kann Paradiesvögel zu nennen."

Ein tolles Buch.

Rezension:Die neue Dimension der Gesundheit: Ganzheitlicher Schutz vor belastenden Umwelteinflüssen - Ein Ratgeber aus wissenschaftlicher und spiritueller Sicht

" Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln." ( Goethe),

Rezension übernommen von: Die neue Dimension der Gesundheit: Ganzheitlicher Schutz vor belastenden Umwelteinflüssen - Ein Ratgeber aus wissenschaftlicher und spiritueller Sicht (Gebundene Ausgabe)

Professor Dr. Gerhard W. Hacker und Ursula Demarmels,- sie ist u .a. Lehrbeauftragte der Universität Salzburg für Entspannungs- und Hypnosetechniken, Stressmanagement und Motivationstraining -, befassen sich in diesem Buch gemeinsam mit neuen Dimensionen der Gesundheit und betrachten den Textinhalt als Ratgeber aus wissenschaftlicher und spiritueller Sicht.

Gesunde Ernährung ist das erste große Thema des Buches. Über Hormonzusätze, Medikamente und andere Chemikalien im Fleisch aber auch über Giftstoffe in pflanzlicher Nahrung liest man zunächst Erschreckendes und wird in der Folge überzeugend über gesunde Alternativen aufgeklärt.

Erhellendes erfährt man über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, sekundäre Pflanzenwirkstoffe, Ballaststoffe und über die richtige Zubereitung von Speisen.

So liest man u.a., dass Öle, die zu stark erhitzt werden, freie Radikale und krebsfördernde Stoffe bilden. Professor warnt nicht grundlos vor Gegrilltem, Gebratenem und Fettgebackenem, sowie Geräuchertem.

Der Flüssigkeitshaushalt unseres Körpers ist ein weiteres Thema. Wasser, Kaffee, Tee und Alkohol werden von ihrem gesundheitlichen Nutzen oder Schaden aus betrachtet, ferner wird der Säure-Basen-Haushalt und Fastenkuren unter die Lupe genommen.

Gesunde Atmung und die Gefahr des Rauchens werden diskutiert, aber es werden auch viele weitere Atemgifte ins Bewusstsein gerückt, so u. a. Feinstaub.

Elektrosmok kann krank machen und geopathische Störzonen ebenfalls. Der Professor rät auf diese Phänomene zu achten und sich solcher krankmachenden Faktoren möglichst wenig auszusetzten.

Mit besonderem Interesse habe ich das Kapitel " Die seelische Dimension der Gesundheit " gelesen und war positiv überrascht, dass ein Universitätsprofessor für Medizin der seelischen Dimension der Gesundheit so viel Gewicht beimisst.

Die Autoren begreifen Gesundheit als Entwicklungsweg. Gesundheit aus spiritueller Sicht meint den Prozess der Ganzwerdung, den Versuch, beide Seiten der Polarität zu vereinen und auf diese Weise die Quelle des Seins zu finden.

Es wird vor Verdrängung gewarnt, denn " je hartnäckiger wir uns weigern, die höheren Gesetzmäßigkeiten des Lebens wahrzunehmen, dem Ruf unserer Seele zu folgen und unsere Seelenqualität zu entdecken, desto lauter, schriller und perverser müssen unsere Verdrängungsmechanismen sein. "...und an anderer Stelle weiter..." Solange wir unsere Seele nicht gefunden haben, sind wir im spirituellen Sinne nicht gesund."

Aus spiritueller Sicht ist Krankheit nicht der Gegenpol zur Gesundheit, sondern vielmehr der Weg, der zur Gesundheit hinführt. Krankheiten sind als Korrektur gedacht, als Aufforderung unser Verhalten, Denken, Fühlen und unseren Lebensweg zu überdenken und neue Weichen zu stellen, so die Autoren.

Eine gesunde Lebensausrichtung definiert das Team als Bereitschaft unterwegs und willig zu sein, bewusster zu werden, intensiv unsere Seelenqualität zu suchen und ins Leben einzubringen, im Wissen und Akzeptieren unserer körperlichen Sterblichkeit. Die Konsequenz einer solchen Lebensausrichtung besteht darin, dass unser ganzes Verhalten von innen heraus gesünder ist " das zeigt sich im Außen, sodass wir krankmachende Lebensweisen nicht mehr brauchen. Wir werden dann nicht mehr sinnlos fressen, saufen und rauchen. Dafür entwickeln wir Qualitäten wie Geduld, Selbstwertschätzung und Dankbarkeit. "

Die Autoren zeigen Wege auf, wie man der Seele Gutes tun kann, um auf diese Weise das Leben mit mehr Freude und Gelassenheit zu meistern.

Vertrauen und Liebe verhelfen dem Menschen dabei zu einer gesunden Seele und damit zu körperlichem Wohlbefinden zu gelangen.

Ein empfehlenswertes Buch , welches das Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele im Hinblick auf die Gesundheit bestens verdeutlicht.








Rezension:Der Tangosänger

Der Ich- Erzähler in diesem Roman ist ein junger Amerikaner, namens Bruno Cadogan. Dieser schreibt gerade an seiner Dissertation, die die Werke des argentinischen Dichters Borges zum Gegenstand haben. Durch seine diesbezüglichen Studien beginnt Bruno sich für den argentinischen Tango zu interessieren, denn Borges hat auch zu diesem Thema etwas zu Papier gebracht. Bruno hört von einem Tangosänger, der besser singen soll als einst der berühmte " Gardel".

Dieses Sangeswunder heißt Julio Martel. Ihn möchte der Doktorand hören und sehen. Deshalb reist er nach Buenos Aires. Es ist schwierig über Martel etwas in Erfahrung zu bringen, weil er schon seit langem nicht mehr öffentlich auftritt. Im Zuge seiner Recherche lernt Bruno Alcira kennen. Diese Frau weiß mehr von Martel, u.a. auch, dass er schwer krank ist. Alcira begleitet den jungen Amerikaner durch die argentinische Metropole und zeigt ihm die morbide Schönheit einer Stadt, die schon bessere Zeiten erlebt hat. Alcira bringt ihn in Gegenden, die ein Tourist alleine nicht finden würde. Der Sänger Martel, so erfährt Bruno, singt stets auf Plätzen, die für die Stadt eine unrühmliche Bedeutung haben.

So etwa auf dem Platz, wo einst die alten Schlachthöfe standen. Dort ist man mit den ungezählten Rindern, die zum Verzehr bestimmt waren, nicht gerade zimperlich umgegangen, wie die verschiedenen Tötungsrituale dokumentieren. Martel singt auch auf Friedhöfen und man vermutet, dass er vor dem Haus der Greisin Violeta Miller ebenfalls seiner Passion nachgekommen ist. Violeta, eine polnische Jüdin, die man in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts als fünfzehnjähriges Mädchen gemeinsam mit unzähligen Leidensgenossinnen nach Argentinien verschleppt hatte, wurde in den dortigen Bordellen zur Prostitution gezwungen.

Wie der Autor berichtet, wurden die Körper dieser bedauernswerten Geschöpfe so sehr geschunden, dass deren Schließmuskel platzten. In diesem Bordellmileu übrigens entstand der Tango! Violeta, die es schafft, aus dem Sexualkerker zu entfliehen, - gelangt als alte Dame, zwischenzeitlich ist sie durch einen prächtig florierenden Devotionalienhandel reich geworden, nach Buenos Aires.

Dort liefert sie aus Angst ihre Haushälterin Catalina Godel, eine von der Miliz gesuchte Widerstandskämpferin, der damaligen Militäjunta aus, um anschließend selbst von der raffgierigen Miliz ausgeplündert zu werden. Violeta und Catalina sind zwei Opfer unter vielen. Martinez berichtet in diesem Zusammenhang von den grausamen Folterungen und Morden an politisch Andersdenkenden während der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Argentinien. Und so weiß der Autor immer wieder anhand individueller Geschichten dieser Art die Geschichte von Buenos Aires zu erzählen, einer schönen, gleichwohl morbiden Stadt, in der Martel oder ein anderer Tangosänger klangvolle Lieder anstimmen, während irgendwer nachdenklich das legendäre Bandoneon dazu spielt!

Eine wehmütige Ode an Argentiniens Hauptstadt!




Rezension:The World of Mittelalter (Audio CD)

Wie wohl mag eine Drehleier, eine Schalmei oder eine Schlüsselfidel klingen?, 2. Oktober 2007

Auf der vorliegenden CD wird man durch Instrumente, wie die Drehleier, die Fidel, die Laute, die Flöte, die Schalmei, die Schlüsselfidel, die Trumscheid, aber auch durch den Dudelsack in die Epoche des Mittelalters zurückversetzt.

Man erhält eine Idee davon, welche Musik auf Hoffesten gespielt wurde, so etwa bei dem legendären Ritterspektakel, zu welchen Friedrich Barbarossa im Mai 1184 in die Maiauen bei Mainz eingeladen hatte und an dem alleine 70000 Ritter teilnahmen.

Wieviel Spielleute mögen damals die trinkfesten Ritter bei Laune gehalten haben?

Auch auf reichen Bauernhochzeiten spielten die Musikanten auf.

Zu Trinkliedern von Oswald Wolkenstein, beipielsweise zu " Her Wiert uns dürstet", oder " Frölisch Geschrai" tranken die jungen Männern sich zunächst den Mut an, um anschließend mit den Mädels das Tanzbein zu schwingen. Die Klänge zu den Tänzen sind alle ausnehmend lustig.

Sehr heiter auch sind die Studentenlieder. Man spürt die Freude und das Lachen der jungen Menschen und wird sofort von der guten Stimmung angesteckt.

Während in Italien die Sänger durch das Lied " Schiarazula Marazula" die Damenwelt zu bezircen suchte, sangen junge Frauen in deutschsprachigen Gebieten Europas einen Vers aus Walther von der Vogelweides " Unter den Linden". In diesem Mädchenlied erinnert sich eine Frau an intime Treffen mit ihrem Geliebten: Küsst er mich? " Wol tausentstunt-tandaradei/seht , wie rot ist mir der munt." Ich hätte nicht gedacht, dass Vogelweides Text gesungen so lebensbejahend klingt! Wirklich sehr schön!

In der Toscana hat man das " Voltate" gespielt, während " Greenleeves" und " Boars head Carol" wohl als mittelalterlicher Irish Folk bezeichnetet werden kann und für eine eher melancholische Stimmung auf der Insel sorgte.

Sich an dieser Stelle zur Musiktheorie des Mittelalters auszulassen würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Dass man damals bevorzugt Drittelnoten verwendete, entgeht dem Zuhörer bei den Stücken auf der CD allerdings nicht.

Sehr empfehlenswert, nicht zuletzt, weil diese Musik umgehend gute Laune verschafft!






Rezension: Die Ballade von der großen Liebe von Jimmy Liao

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. " ( Antoine de Saint -Exupery),

Jimmy Liao, der in Taipeh, Taiwan, Kunst studiert hat, erzählt in seinen hübschen Aquarellen die Liebesgeschichte eines jungen Geigers und einer Romanübersetzerin, die beide im gleichen alten Mietshaus wohnen, einsam sind und sich dort nie begegnen.

Er fühlt sich mitunter hilflos und schwach, ihr erscheint das Leben manchmal sinnlos. " Doch - das Leben ist voll glücklicher Zufälle, und wer weiß, vielleicht können auch parallele Linien sich kreuzen", liest man in einem kleinen Text, bevor die beiden sich, wie die Bilder verdeutlichen, endlich finden und es so scheint, als hätten sie sich schon immer gekannt.

Das frisch verliebte Paar verbringt glückliche Stunden miteinander und tauscht bei heftigem Regen Telefonnummern aus . Dann gehen beide in unterschiedlichen Richtungen davon.

Man sieht wie sie sich auf das erste gemeinsame Telefonat freuen. Leider jedoch hat der Regen die Telefonnummern verwischt. Ein Kontakt ist nicht herstellbar.

Die Verliebten beginnen sich nacheinander zu sehnen und hoffen auf den Zufall. Monat für Monat denken sie aneinander. Sie können sich nicht vergessen. Ein ganzes Jahr vergeht.

Wird der Zufall sie erneut zusammenführen?

Die poetisch anmutenden Aquarelle sind primär in zarten Blautönen gehalten, mit weiteren Farben wird zumeist sehr sparsam umgegangen.

Generell werden durch die gewählten Farbkombinationen beim Betrachter unterschiedliche Stimmungen freigesetzt. Farbpychologisch bemerkenswert.

Dies ist ein Buch für unglücklich Verliebte, die darauf hoffen, dass sich ihr Schicksal zu Guten wenden wird, aber auch ein Buch für Freunde liebenswerter Illustrationen, die einem schön gemalten Wolkenverlauf und dergleichen etwas abgewinnen können.....

Jimmy Liao hat sich in seiner Bildergeschichte von nachstehendem Gedicht der polnischen Nobelpreisträgerin Wislawa Szyborska inpirieren lassen.

Liebe auf den ersten Blick






" Beide sind überzeugt,

sie habe ein persönliches Gefühl vereint.

Schön ist diese Gewissheit,

doch Ungewissheit ist schöner."






Rezension: Lieber Engel, ich bin ganz dein: Goethes schönste Briefe an Frauen

"Öffne mir Dein Herz wieder!" ( Goethe an Charlotte von Stein),

Goethes Briefwerk stellt ein Teil seines Schaffens dar. Nahezu 14000 Briefe haben sich erhalten. Die meisten , die er Frauen schrieb, sind verloren gegangen bzw. vernichtet worden. Angelika Maas zu Folge ist nichts erhalten geblieben von dem , was Goethe nach den Studienjahren in Leipzig seiner Schwester Cornelia geschrieben hat. Nicht mehr existent sind die Briefe an die geliebte Freundin in Sesenheim, Friederike Brion, die Briefe und Zettelchen an seine schöne

Das Taschenbuch stellt die einzelnen Damen im Rahmen von Kurzbiographien vor und zeigt in welcher Beziehung sie zu Goethe gestanden haben.

Zu lesen sind u.a. Briefe an seine Mutter und an seine Schwester, auch solche an die Schriftstellerinnen Sophie von La Roche und Bettina Brentano, sowie wenige Zeilen , die er an seine Jugendlieben Käthchen Schönkopf, Friederike Brion und Lili Schönemann verfasste, der er 1807 schrieb, dass er in Erinnerung an jene Tage, " die ich unter die glücklichsten meines Lebens zähle", tausendmal ihre Hand küsse.

Briefe an Caroline Herder, Charlotte von Schiller, Marianne von Willemer auch jene an seine Schwiegertochter Ottilie von Goethe zeichnen sich durch eine hohe intellektuelle Akzeptanz aus, die er seiner Ehefrau Christiane von Goethe nicht zubilligt.

Hier steigt der Gott aus Weimar vom geistigen Olymp herab und wird ganz Mensch. Liebevoll wendet er sich an Christiane, die zwar Mutter seiner Kinder, aber schließlich doch nur sein bloßer Bettschatz bleibt. Das liest sich , wie folgt."...du weißt, das ich dich herzlich lieb habe. Wärst du nur jetzt bei mir! Was sind überall große breite Betten und du solltest dich nicht beklagen, wie es manchmal zu Hause geschieht. Ach! Mein Liebchen! Es ist nichts besser als beisammen zu sein."

Ganz anders jedoch lesen sich die Briefe an Goethes Herzen-Du Charlotte von Stein: " Du wirst geliebt wie du es wünschst, und ich kann allein in dir finden , was ich mein ganzes Herz durchgewünscht habe, das wirst du recht lebendig an der Erzählung vernehmen , die ich dir von dieser Reise mache..." " ...meine Seele ist fest an die deine angewachsen, ich mag keine Worte machen, du weißt dass ich dir unzertrennlich bin und dass weder hohes noch tiefes mich zu scheiden vermag."

" Sag mir ,wie du dich befindest und ob du mit mir einig bist. Es thut mir nichts weher als wenn wir uns einen Augenblick missverstehen, als wenn mein Wesen an deines falsch anschlägt, mit oder ohne meine Schuld."

Sechs Jahre vor seinem Tod schreibt er Charlotte" Neigung aber und Liebe unmittelbar nachbarlich- angeschlossener Lebender, durch so viele Zeiten sich erhalten zu sehen, ist das Allerhöchste, was dem Menschen gewährt sein kann."

Sehr zu empfehlen!






Rezension:Liebesbriefe großer Frauen: Nimm meine Seele und trinke sie

" Verwirre mich nicht, fühle, dass ich Dich liebe, dass Du meine einzige Freude bist." ( Caroline Schlegel an Schelling),

Dr. Sabine Anders und Katharina Maier haben im Sommer letzten Jahres " Liebesbriefe großer Männer " herausgegeben. Diese habe ich damals mit viel Interesse gelesen und auch rezensiert.

Nun ist das Pendant zu besagtem Buch erschienen.

Unter großen Frauen verstehen die Herausgeberinnen berühmte Persönlichkeiten aus der Politik, der Philosophie, der Literatur, der Kunst, der Musik, aber auch solche Frauen, die mit einer bedeutenden Persönlichkeit verheiratet waren, offenbar getreu dem Gedanken - Hinter einem starken Mann steht immer eine starke Frau -.

Man kann anhand der Briefe nachvollziehen, wie über die Jahrhunderte Frauen liebten, begehrten, sich verzehrten, an den Männern zu verzweifeln drohten, nicht selten entsagen mussten, aber auch oft Erfüllung fanden, so jedenfalls das Resümee von Anders und Maier.

Auch diesmal interessiert mich, worin sich die verbalen Gefühlsäußerungen der einzelnen Schreiberinnen unterscheiden, weil ich wiederum neugierig bin Temperamentsunterschiede zu erspüren und erfühlen möchte, ob man sprachlich nachvollziehen kann, ob es wirklich Liebe oder nur Liebelei ist, die die jeweilige Verliebte zu ihrem Tun antreibt.

Eine kurze Beschreibung der jeweiligen Liebesbeziehung der einzelnen Briefverfasserinnen wird gegeben, bevor dann stets die Briefe folgen.

Es ist unmöglich innerhalb der Rezension alle Schreiberinnen in Buch zu nennen, Heloisa, Katharina von Aragon, Ninon de Lenclos, Angelika Kaufmann, Marie Antoinette, Mary Wollstonecraft, Caroline Schlegel/Schelling, Christiane Vulpius, Rahel Levin, Luise von Mecklenburg - Strelitz, Karoline von Günderrode, George Sand, Clara Wieck/Schumann, Edith Wharton und Rosa Luxembourg gehören dazu.

Am meisten berührte mich der Liebesbrief von Katharina von Aragon (1485-1536) an ihren Gatten König Heinrich VIII, der sie vom Hofe verbannte, um Anne Boleyn zu heiraten. Katharina, Tochter der spanischen Könige Ferdinand und Isabella, betrachtete sich bis zu ihrem Tode als die rechtmäßige Ehefrau Heinrichs VIII, den sie innig geliebt haben muss, wie der Brief deutlich macht. Am Ende Ihres Briefes schreibt sie aus der Verbannung : " Ich schließe und versichere Euch, dass ich Euch noch von Herzen liebe; und das Einzige, was ich wünschte, um ruhig aus der Welt zu gehen wäre, Euch zu sehen und in Euren Armen zu sterben."

Innig geliebt hat auch Christiane Vulpius ihren Goethe. Sie war eine sehr erdverbundene, einfache Frau mit einem großen Herzen. Wenn ich die Briefe lese, wird mir klar, wieso der Dichterfürst sich in diese Frau verliebte "... ich liebe Dich unaussprechlich...ich liebe Dich über alles...Wenn Du wiederkömmst, wenn noch schöne Tage sind, dass wir noch mannichmal im Garten am Hause schlampampfen können, da freue ich mich drauf...Leb recht wohl und behalt mich lieb, mein Einziger."

Die intelligenteste und brillanteste Briefschreiberin ist die große französische Salondame Frankreichs Ninon de Lenclos (1620-1705). Schön, geistreich und selbstbewusst war sie und sie hatte viele Liebhaber. Den vermutlich letzten Galan erhörte nach ihrem achtzigsten Geburtstag. An den Marquis de Sévigné schreibt sie u.a...." Ich bin geboren, um zu lieben und alle Begeisterung der Liebe zu empfinden ". In ihren Briefen zeigt sie sich als Meisterin des höfischen Spiels um Koketterie, Eroberung und Liebe.

Ich möchte nicht beurteilen, ob sie die Liebesfähigkeit einer Karoline von Günderrode besaß, die an Friedrich Creuzer schreibt: " Wenn ich sterbe, mein Freund, so werde ich Dir erscheinen, wenn Du nachts allein bist, dann trete ich leise an Dein Bett und drücke einen Kuss auf Deine Stirn. Wenn Du stirbst, so komme auch zu mir. Versprich es! "....und ein Jahr später..." Ich liebe Dich bis zum Tode, süßer, lieber Freund, Du mein Leben: Ich wünsche, Dir zu leben oder zu sterben...Unser Schicksal ist traurig, ich beneide mit Dir die Flüsse, die sich vereinigen. Der Tod ist besser als so zu leben. Eine Hoffnung erhält mich, aber diese ist Torheit."

George Sand lässt einen Brief an ihren 16 Jahre jüngeren Geliebten Frederic Chopin mit den selbstironisierenden Worten enden. " Gute Nacht. Ich werde zu Bett gehen; ich bin zum Umfallen müde. Lieben Sie Ihre Alte so sehr, wie sie Sie liebt. G.S "

Vielleicht noch ein paar Zeilen der Schriftstellerin Edith Wharton an William Morton Fullerton "... im Augenblick sehe ich im gesamten Universum nur eines, nur eines dringt in mein Bewusstsein - Du und unsere Liebe füreinander. "
Ein lesenswertes Buch.




Rezension: Voodo0 Food- Dodo Liadé

Dr. Dodo Liadé stammt von der Elfenbeinküste. Der promovierte Politologe hat gemeinsam mit Zsuzsanna Ilijin , -sie hat visuelle Kommunikation in Stuttgart studiert- dieses bemerkenswerte Kochbuch auf den Weg gebracht.

Fokussiert wird die Küche von Abidjan  nach Sansibar. Dabei unterstreicht Liadé dass es keine einheitliche afrikanische Küche gibt. Stattdessen kann man Afrika kulinarisch grob in vier Regionen untergliedern. Zur arabisch beeinflussten Küche zählen die Länder nördlich der Sahara, also Marokko, Algerien und Tunesien.
Ferner gibt es die äthiopische Küche, dazu gehört auch Eritrea, die südafrikanische Küche der Republik am Kap  sowie die schwarzafrikanische Küche der Staaten West-, Zentral- und Ostafrikas.( vgl: S. 12)

Gemeinsam ist allen Regionen  eine Neigung  für Wurzelgemüse, Getreide und Fisch. Rohkost ist unüblich. Gemüse wird fast immer gekocht, geröstet, gebraten  oder gegrillt, wie der Autor festhält.

Bevor man sich dem Rezeptteil widmet, sollte man sich zunächst mit den reichhaltigen  Infos über Gewürze
und Gewürzmischungen von voodoofood befassen.

Die einzelnen Gewürze werden sehr gut erläutert. Mohrenpfeffer kannte ich bislang noch nicht. In Afrika wird dieser Pfeffer auch "wilder Pfeffer" genannt. Er wächst in Guinea, Nigeria, Ghana, Togo, an der Elfenbeinküste und im Sengegal. Man nutzt den Pfeffer im Senegal für die Zubereitung eines Kaffeegetränkes.

Die Zutaten folgender Gewürzmischungen werden genau aufgelistet:  Bebere, Charmé du Café, Gemüse Curry, Grüner Curry, Harrissa Tuareg, Kinder Curry, Grüner Curry, Lustgewürz, Milder Curry, Roter Curry, Matata, Zansibar Curry und Ingwerpaste.

Die meisten Gewürzmischungen enthalten Kreuzkümmel, Kardamom, Pfeffer, Koriander. Dennoch ist der Geschmack höchst verschieden, weil jede  Mischung indiviuelle Würznoten enthält, mal durch Muskatnuss, mal durch Anis, mal durch Piment und Limonengras etc. bedingt. "Zanzibar Curry" wird beispielsweise aus Anis, Cayennepfeffer, Chili, Ingwer,Knoblauch, Nelken,Pfeffer rot, Pfeffer schwarz und Pfefferminze gemixt. Alle anderen Gewürzmischungen enthalten ebenfalls zumeist  mehr als  sieben Gewürze.

Die Rezepte sind  eingeteilt in: Suppen, Beilagen, Vegetarische Gerichte, Fisch, Geflügel, Fleisch, Desserts und Getränke.  Die einzelnen Rezepte sind gut untergliedert und werden bestens erklärt. Hin und wieder erhält man noch Sonderinfos - kulinarisches Insiderwissen- von Dr. Liadé und wird stets darüber aufgeklärt woher die Gerichte stammen.

Damit Sie einen Eindruck davon erhalten, um welche insgesamt 60 Speisen es sich handelt, möchte ich einige Gerichte hervorheben: " Caldo de peixe"- Fischsuppe- von den Kapverdischen Inseln. Dieses Gericht wird mit mildem Curry, dem Fisch also angemessen, gewürzt. "Kpakozapo" (Hühnersuppe mit Kokosmilch)  kommt von  der Elfenbeinküste. Diese Suppe enthält das so genannte Lustgewürz, in dem Rosenblätter nicht fehlen dürfen. Außergewöhnlich für uns Mitteleuropäer ist das "Ragout de manioc"-Maniokragout- aus Benin. Es wird genau erklärt wie man den Maniok zubereitet. Sehr delikat schmeckt das "Couscous d été"- Couscous mit Kräutern und eingelegten Zitronen"- aus Marokko, das nicht zuletzt der Minze sommerliche Aromen aufweist.

Die Fischgerichte im Buch können ob ihrer Raffinesse  nicht genug gelobt werden: Eine Köstlichkeit aus Madagaskar ist "Sauce de mangue au poisson"- Viktoriabarschfilet mit Mangosauce". Die Zutaten  zeigen, dass hier mit viel Geschmack gekocht wird . Perfekt auch ist  das Rezept  für "Angwala"- Gebratener Fisch-
aus Sambia, bei dem milder Curry nicht fehlen darf. Erstaunt hat mich das Rezept für "Apofo annto"- Ragout vom Hering und Rind" aus Ghana wegen seiner Zusammensetzung, bei der ferner hart gekochte Eier eine Rolle spielen und begeistert bin ich von der marokkanischen "Tahine bil samak" -Seeteufel-Tajine-, mit sehr feinen Zutaten, die den Geschmack des Seeteufelfilets angenehm begleiten.

Nachgekocht habe ich bereits "Riz aux amandes"- Mandelreis mit Hühnerleber- aus Ägypten. Die Würzmischung Charme du Café passt hervorragend zur Leber, nicht zuletzt des Pimentaromas wegen.
Bei den  Rezepten für Hähnchen  hat mir "Tajine djaj bi zaytun wal hamid" - Hähnchen-Tajine mit Oliven und eingelegten Zitronen" gefallen. Koriander und Ingwer  , auch Safranpulver sind hier wichtige Würzmittel.  Sehr geschmackvoll auch ist der Créole jambalaya" -Kreolischer Reistopf- aus Sierra Leone. Hier werden die Hühnerbrustfilets mit Zanzibar Curry gewürzt.

Man lernt die Zutaten für ein" Ragout de Chévre" -Ziegenfleischragout"  aus Tansania  kennen und erfährt wie  man in Westafrika Schnecken zubereitet, um schließlich  das Rezept für "Wot", einer  Hackfleisch-Zwiebel-Pfanne aus Äthiopien kennen zu lernen.  "Wot" ist das Nationalgericht in Äthiopien.  Man kann es mit Rind, Lamm oder Huhn zubereiten.

Interessant auch sind die Getränke, wie etwa Hirsebier, Tamarindensaft, Ingwersaft, Jackfruchtsaft.

Ein tolles Kochbuch mit außergewöhnlichen Rezepten.

Rezension: Charlotte von Stein-

Warum gabst du uns die tiefen Blicke

Unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun

Unsre Liebe, unserm Erdenglücke,

Wähnend selig nimmer hinzutraun?

Warum gabst uns, Schicksal die Gefühle

Uns einander in das Herz zu sehn,

Um durch all die seltenen Gewühle

Unser wahr Verhältnis auszuspähn?"

Das ist der erste Vers eines Gedichtes von Goethe an Charlotte von Stein, verfasst am 14.4.1776, das , wie Doris Maurer konstatiert : " - merkwürdig hellsichtig - ihre Beziehung beschreibt: die Beglückung, die Schwierigkeiten, das nicht zu vermeidende Scheitern." ( S. 53)

Doris Maurer schildert im vorliegenden Buch das Leben von Charlotte von Stein( 1742 -1827), dem Herzen-Du des Dichters Johann Wolfgang von Goethe.

Die Autorin befasst sich nicht alleine mit der Liebesbeziehung zu Goethe, sondern sie äußert sich auch über das Weimarer Umfeld, Charlottes Nöte und Freuden, den Beschränkungen und Behinderungen, die Frauen in jener Zeit zu tragen hatten.

" Ich glaube " schreibt Frau von Stein am 8. 3.1776 an ihren Arzt Dr. Zimmermann, " dass Goethe und ich niemals Freunde sein werden " ( S . 42). Doch Goethe schreibt an den Dichter Wieland im April 1776 : " Ich kann mir die Bedeutsamkeit , die Macht, die diese Frau über mich ausübt, nur durch Seelenwanderung erklären. Ja wir waren wir einst Mann und Weib! - Nun wissen wir von uns - verhüllt, in Geisterduft. - Ich habe keinen Namen für uns- die Vergangenheit- die Zukunft- das All." (S.55)

Obwohl er davon überzeugt war das Charlotte in einer anderen Welt seine Frau gewesen und sie ihm sehr zugetan ist, zögert sie lange seine Geliebte zu werden. Sie widersteht mit der ganzen Kraft ihrer sozialen Stellung, ihrer Pietät und dem Gewissen als Mutter und Ehefrau.

Goethe, der sie auch wegen des neuen Lebensgefühls liebt, das sie ihm gibt, bewundert sie wegen ihres Widerstands, den er für heroisch hält. Sie tadelt ihn. Hält ihn zu Geduld, Maß und Verzicht an . Dies wird später zu einem seiner Themen in der Philosophie.

Charlotte lehrt ihn sich zunächst selbst zu besiegen, bevor man über andere " triumphiert ".

Nach längerer Weigerung gab sie schließlich nach. Für Goethe tritt nach einer Zeit der Leidenschaft, eine Phase der Ruhe ein. Daran erinnern die rund 2000 Briefe des Dichters an Charlotte von Stein.

Als er der Weimarer Funktionen müde ist, reist er nach Italien. Diese Reise läutet das Ende der großen Liebe ein. Die eigentliche Tragik dieser beiden Liebenden bestand darin, dass Charlotte eine verheiratete Frau war und die Gesellschaft von beiden Tribut verlangte, der das Scheitern der Beziehung schließlich zur unvermeidbaren Konsquenz hatte.

Nach der Trennung lebt Charlotte noch 40 Jahre lang, muss die bitteren Folgen der Napoleonischen Kriege ertragen, steht bis zuletzt dem Hof nah und ist Augenzeugin der deutschen Klassik.

Charlotte von Stein war eine schöne Intellektuelle. Frauen dieser Art gibt es nur sehr selten. Sie durchleben meist große Höhen und Tiefen, wie ich vor wenigen Tagen anhand der Biographie Susan Sontags bereits dargelegt habe. Das ist ihr Schicksal.

" Ich muss ihn lieben, weil mit ihm mein Leben

Zum Leben ward, wie ich es nie gekannt.

Erst sagt ich mir : Entferne dich von ihm!

Ich wich und wich und kam nur immer näher,

So lieblich angelockt..." ( aus Goethe: Torquato Tasso)


Empfehlenswert!

Rezension: Die Kraft der Liebe- Erich Fromm

" Körperliche Intimität schafft noch lange keine seelische Intimität." ( Fromm),

Der Psychoanalytiker Erich Fromm(23.3.1900- 18.3.1980) emigrierte 1934 in die USA. Er begründete die humanistische Psychoanalyse und die analytische Sozialpsychologie. Unter dem Einfluss der Frankfurter Schule berücksichtigte er den sozialen und kulturellen Einfluss auf die existentielle Situation des Menschen. Zudem hat er hervorragende Beiträge zur Kritik des freudschen Menschenbildes und zur Aggressionsforschung verfasst.

" Die Kraft der Liebe " enthält viele guten Gedanken Fromms u.a. zu den Themen Angst, Erkenntnis, Gesellschaft, Gewalt, Gewissen, Gut und Böse, Haben und Sein, Leben, Liebe , Macht und Narzissmus.

Die Einleitung von Rainer Funk und das Nachwort von Gerhard Wehr geben Lesern, die Fromms bedeutendste Schriften Die Kunst des Liebens, Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, Wege aus einer kranken Gesellschaft: Eine sozialpsychologische Untersuchung, Die Seele des Menschen - Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen nicht gelesen haben, die Chance ihn intellektuell einzuordnen.

Fromm bekundet, dass ein Mangel an Selbst tiefe Angst erzeugt und die Angst, zum Außenseiter zu werden, größer sei als die Angst vor dem Tode. Diese Gegebenheit erklärt, weshalb in totalitären Regimes nur wenige den Mut aufbringen sich gegen die herrschende Meinung zu stellen. Fromm nennt solche mutigen Personen die Furchtlosen. Furchtlosigkeit findet man nach seiner Ansicht immer nur beim vollentwickelten Menschen, der in sich selbst ruht und das Leben liebt.

Fromm ist überzeugt, dass man einen anderen Menschen nur insoweit wirklich kennen kann, als man das gleiche erfahren hat. Über diesen Gedanken habe ich lange nachgedacht. Stimmt, man vermag letztlich die Motive des Handels bei keinem Gegenüber wirklich auszuloten. Jeder Mensch ist einzigartig.

Dass Logik Wahnsinn nicht ausschließt, ist ein Dilemma. Nichts ist schlimmer als hochintelligente und damit logische denkende Menschen, die psychopathisch agieren. Die Geschichte kennt genügend Beispiele. Die Handlungsergebnisse waren immer desaströs.

Fromms persönlichen Freiheitsbegriff finde ich bemerkenswert. Er nennt die Menschen frei, die weder ihren Eltern beweisen müssen, dass sie etwas falsch, noch dass sie es gut gemacht haben. Erst wenn gilt: Hier bin ich und dort sind die Eltern und wenn man sich gegenseitig zu mögen beginnt, ist es für ihn o.k.. Der Befreiungsprozess fängt für ihn bei einem selbst und bei der Befreiung von den eigenen Eltern an.

Ich teile mit Fromm die Meinung, dass man Freiheit und Unabhängigkeit nur dann erlangen kann, wenn man die Ketten der Illusion sprengt. Tut man dies- Sartre hat es immer wieder gesagt- fällt man allerdings auf sich selbst zurück. Diese Tatsache macht vielen Menschen Angst, deshalb ziehen sie vermutlich ein Leben in Unfreiheit vor.

In seinen Gedanken zur Gewalt unterstreicht Fromm, dass das Böse und Destruktivität die notwendigen Folgen verhinderten Wachstums, die Folge ungelebten Lebens sind.

Hervorheben möchte ich einige Gedanken zum Narzissmus, der leider auch im Internet oft zu vielen Verwerfungen führt. Wissen muss man, dass der Selbstsüchtige nur an sich interessiert ist, alles für sich haben möchte, nur am Nehmen, aber nicht am Geben Freude hat. Für Narzissten existieren andere Menschen nur als Schatten des aufgeblähten narzisstischen Selbst. Der von mir geschätzte Eckart Tolle hat viel später dieses Problem in seinen Büchern , besonders in Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung ausführlich dargelegt und Wege aus der fatalen Selbstbezogenheit aufgezeigt. Seine Denkergebnisse entsprechen Erich Fromms

Fazit: " Seelische Gesundheit besteht in einem Minimum an Narzissmus."

Die Gedanken Fromms zur Liebe haben mich bereits vor fast 30 Jahren als junge Studentin begeistert als ich sein Buch " Die Kunst zu lieben " las. Es stimmt, " ausschließliche Liebe zu einer bestimmten Person ist ein Widerspruch in sich selbst. " Liebe ist ein Kind der Freiheit. Sie lässt sich nicht eingrenzen. Man entwickelt Liebe in sich selbst. Man kann ihr nicht verfallen. Wer letzteres glaubt, hat noch nicht geliebt. Wenn jemand nur eine einzige Person zu lieben meint und ihm alle übrigen Menschen gleichgültig sind, dann handelt es sich nach Fromms Vorstellung nicht um Liebe, sondern um eine symbiotische Verbindung oder um erweiterten Egoismus.

Jedem sollte klar sein, dass man nur dann Liebe erleben kann, wenn man voneinander getrennt ist. Die Realisierung von Platons Kugelmenschen würde das Ende der Liebe zur Folge haben. Reife Liebe ist nur dann möglich, wenn die eigene Integrität und Individualität gewahrt bleibt.

" Liebe ist Erkennen; aber eben weil sie Erkennen ist, ist sie auch Respekt vor dem anderen. "
Ein Buch, dem ich einen breiten Leserkreis wünsche.

Rezension: Schiller- Sämtliche Gedichte und Balladen


Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst (Schiller)

Diese Jubiläumsausgabe sämtlicher Gedichte und Balladen Schillers basiert auf dem Band 1 der Frankfurter Schillerausgabe im Deutschen Klassikverlag

Ich verzichte bei meiner Rezension bewusst auf langatmige theoretische Betrachtungen des sogenannten "Sturm und Drang" und der "Klassik", sondern möchte das Buch in erster Linie von den darin enthaltenen Versen her beschreiben, auf deren konkreten gedanklichen Inhalt es dem potentiellen Leser vermutlich primär ankommen wird.

Die Gedichte sind von ihrem Erscheinungsdatum her aufgelistet.

Die frühe Dichtung Schillers steht unter dem Einfluss Klopstocks. Sie ist pathetisch und spekulativ. Im späteren poetischen Werk des Dichters dominiert das philosophisch-reflexive Element.

Die meisten Balladen kennt man aus Schülerzeiten noch und darf sich an den Textinhalten erneut erfreuen oder sich auch darüber ärgern, wenn Schiller, nicht selten vermeintlich besserwisserisch und moralisierend, mit viel Pathos, wortgewaltig daher kommt und man unter einer Flut von Buchstaben zu ersticken glaubt.

Immer wieder habe ich nach überzeugender Poesie in Schillers Dichtung gesucht und mir dabei den Vergleich mit Goethe verboten. Jeder der beiden Meister sollte für sich stehen.

Nach wie vor bin ich begeistert von der Ballade "Die Kraniche des Ibycus", deren Inhalt von dramatischer Grundstruktur ist und deren Grundgedanke eine ethische Idee ist, die über die Balladenhandlung dem Leser nahe gebracht wird.

Die freie Übersetzung des zweiten Buchs der Aeneide "Die Zerstörung von Troja", lässt erkennen, dass Schiller zu Recht als Genie bezeichnet wird. Seine lyrischen Reflexionen "Das Ideal und das Leben" verstärken diesen Eindruck.

 Es folgen eine Reihe so genannter Votivtafeln. Dort hat mich die Sentenz 17 "Das eigne Ideal" / "Allen gehört, was Du denkst, dein eigen ist nur was du fühlest. Soll er dein Eigentum sein, fühle den Gott, den du denkst"/ besonders aufmerken und nachdenklich werden lassen.

Schillers Gedicht über die "Würde der Frauen" aber auch Passagen aus "Die Glocke" wurden in den literarischen Salons intellektueller Damen seiner Zeit, wie etwa Dorothea Schlegel, mit Skepsis betrachtet bzw. sogar verspottet

Einen wirklich lyrischen Schiller lernt man im Gedicht "Kassandra" kennen, aus dem ich zwei Verse zitiere

" Meine Blindheit gib mir wieder/ Und den fröhlich dunklen Sinn,/ nimmer sang`ich freud`ge Lieder,/ Seit ich deine Stimme bin./ Zukunft hast du mir gegeben,/Doch du nahmst den Augenblick,/Nahmst der Stunde fröhlich Leben,/Nimm dein falsch Geschenk zurück."/ ...und einige Verse danach: / " Fröhlich seh`ich die Gespielen,/ Alles um mich lebt und liebt/ In der Jugend Lustgefühlen,/ Mir nur ist das Herz getrübt./ Mir erscheint der Lenz vergebens,/ Der die Erde festlich schmückt,/ Wer erfreute sich des Lebens,/Der in seine Tiefen blickt!"/

 Hier beschreibt sich Schiller meinens Erachtens offenbar selbst und man fängt an zu begreifen, versöhnt sich gar mit ihm, weil man jetzt endlich einen völlig neuen Zugang zu ihm hat.

Wenn er ihm Rahmen seiner "Laura-Gedichte " schließlich erklärt:

Deine Blicke - wenn sie Liebe lächeln,/ Könnten leben durch den Mamor fächeln,/ Felsenadern Pulse leih`n/ Träume werden um mich her zu Wesen/ Kann ich nur in Deinen Augen lesen: Laura, Laura, mein!/..... dann beginnt man schließlich zu erkennen, Schiller hätte durchaus auch eine Vielzahl lyrisch überzeugender Verse schreiben können, wenn er nicht die Grundauffassung gehabt hätte."Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst."

Jetzt kann man sich beruhigt seinen philosophischen Gedichten zuwenden , sich von der gedanklichen Vielfalt und Tiefe beeindrucken lassen und sich schließlich in "Das Verschleierte Bild zu Sais" vertiefen, wo der Dichter zum Ausdruck bringt, dass die Wahrheit nur verschleiert von Menschen ertragen werden könne

In seinem Gedicht "Die Götter Griechenlands" zeigt Schiller, dass er von der Schönheit und Sinnesfreudigkeit der griechischen Welt ergriffen ist und macht das Christentum für den Untergang der griechischen Welt verantwortlich.

Der Inhalt des gedanklich sehr abstrakten Gedichts "Die Künstler" verdeutlicht, dass letztlich nur die Kunst dem Menschen die in Schönheit gehüllte Wahrheit zugänglich machen könne. Nur durch Kunst werden die Naturkräfte und -triebe gesittigt, deshalb ist Kunst Anfang und Ende aller Kultur...

In seinem Gedicht "An die Freude" - jeder kennt es aus Beethovens 9. Symphonie - / Seid umschlungen Millionen!/ Dieser Kuss der ganzen Welt!/ "weist Schiller darauf eindringlich hin , dass die Liebe die Triebkraft der natürlichen wie der geistigen Welt verkörpert. Durch die Liebe treten die Geschöpfe aus der Vereinzelung heraus und kommen zum Bewußtsein des Ganzen, d.h. Gottes.

 Dieser Gedanke spiegelt sich auch in Schillers Hymne "Der Triumph der Liebe ", die mit dem Vers beginnt:

Selig durch die Liebe

Götter durch die Liebe

Menschen Göttern gleich!

Liebe macht den Himmel

Himmlischer- die Erde

Zu dem Himmelreich.

So ist in Schillers Augen das Paradies demnach noch nicht verloren. Der Schlüssel hierzu ist die Liebe, von der er sagt "Liebe du mächtige knüpfst den Olympus, die Erde zusammen."Diese Liebe spricht aus ihm, wenn er zu Laura sagt " Deine Seele gleicht der Spiegelwelle/ Silberklar und Sonnenhelle/... und an anderer Stelle/ Zwei Gestirn`, in Körper Körper wachsen,/ Mund an Mund gewurzelt brennt/ Wollustfunken aus den Augen regnen/ Seelen wie entbunden sich begegnen/ in des Atems Flammenwind."

Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie vom lyrischen Schaffen Schillers begeistert sein und vielleicht noch eine Weile über eine seiner Sentenzen nachdenken:

Wahrheit: Eine nur ist für alle, doch siehet sie jeder verschieden,

Das es Eines doch bleibt, macht das verschiedene wahr.
Empfehlenswert.

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Rezension: Trost der Philosophie- Boethius

"Der Ast, der mit aller Gewalt nach unten bis auf den Boden gedrückt worden ist, ragt sofort wieder zum Himmel, sobald die Hand , die ihn niederdrückte, losgelassen hat."( Zitat: Boethius)

Der römische Staatsmann und Philosoph Boethius (480-524) war Konsul und "Magister Palatii" des Ostgotenkönigs Theoderich. Von ihm wurde er des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet. Durch seine Übersetzung und Kommentierung verschiedener Schriften des Aristoteles prägte er die lateinische Terminologie der Scholastik und wurde zum wichtigsten Vermittler zwischen Altertum und Mittelalter.

Das vorliegende Buch schrieb Boethius während seiner Kerkerhaft. Untergliedert ist es in 5 Bücher. Das Nachwort hat Professor Kurt Flasch von der Uni Bochum verfasst. " Trost der Philosophie thematisiert die Frage, wie ein guter Gott es zulassen kann, dass der Gute leidet, während es dem Bösen gut geht. Dabei wird allerdings keine christliche Theologie entfaltet, sondern vielmehr handelt es sich um die philosophische Frage nach dem freien Willen und der Natur des Bösen. Im Fokus stehen die Natur und die Rolle Gottes. Der Gott des Christen nimmt bei Boethius Anleihen an das " Eine" des Plotin, bei dem als erstes Prinzip das " Eine" als die Quelle allen Seins zu betrachten und prinzipiell in allem präsent ist.

Allerdings kann es nur von den Wenigsten in außerordentlichen, mystischen Momenten erfasst werden und wird insofern nicht als der persönliche christliche Gott begriffen. Der Trost, den der Philosoph herausarbeitet, hat eindeutig seinen Ursprung im Neuplatonismus und Stoizismus. Das Buch stellt sich als Dialog zwischen dem in Prosa sprechenden Boethius und der personifizierten Philosophie dar, die sich in Versen artikuliert. Die philosophisch einflussreichste Passage ist wohl jene, in der Gott als " ewig" definiert wird, die Welt hingegen als "immer seinend", demnach ohne Anfang und Ende, gleichwohl in der Zeit.

Eine Textpassage hatt mir besonders gut gefallen: "Ich glaube nämlich, dass den Menschen ein widriges Geschick mehr als ein günstiges nützt. Dieses lügt nämlich immer unter dem Scheine der Glückseligkeit, während es zu Schmeicheln scheint; jenes ist immer wahr, da es in einer Veränderung seine Unstetigkeit zeigt; dieses täuscht, jenes belehrt. Dieses bindet die Seelen der Genießenden mit dem Scheine lügnerischer Güter, jenes löst sie durch die Einsicht in die Gebrechlichkeit jener Glückseligkeit." ( Zitat S. 50)




Rezension: Grundformen der Angst- Fritz Riemann

Der Psychoanalytiker Fritz Riemann ( 1902-1979) befasst sich in dieser tiefenpsychologischen Studie mit den Grundformen der Angst. Es handelt sich hierbei um:

1) Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt;

2) Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt;

3) Die Angst vor Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt;

4) Die Angst der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt.

Riemann hält gleich zu Anfang seiner Studie fest, dass Erwachsen-Werden und Reifen einhergehen mit Angstüberwindung. Jedes Alter hat seine entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten, die gemeistert werden müssen, wenn der Schritt gelingen soll. Der Autor verdeutlicht, dass diese Ängste gleichsam organisch zu unserem Leben gehören, weil sie mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen.

In der Folge stellt Riemann Persönlichkeiten vor, die Angst überwertig erleben und zeigt jeweils auf, wodurch diese überzogenen Ängste in der Kindheit entstehen.


Ich erlaube mir die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster an dieser Stelle festzuhalten, damit die potentiellen Leser einen Überblick bekommen, worum es hier eigentlich geht.

Die schizoide Persönlichkeit

Schizoide Personen haben ein übersteigertes Empfinden hinsichtlich der Selbstbewahrung und Ich- Abgrenzung. Kennzeichnend für diesen Personenkreis ist eine übersteigerte Angst vor Nähe. Sie möchten auf niemand angewiesen und niemanden verpflichtet sein. Der Schizoide strebt überhöhte Distanz an, weil er sich dauernd in seinem Lebensraum bedroht fühlt.

Auf die Umwelt wirkt ein solcher Mensch fern, kühl, unpersönlich und kalt. Auch wenn man diese Leute schon lange kennt, kennt man sie nicht wirklich. Selbst, wenn man heute einen guten Kontakt zu ihnen haben mag, verhalten sie sich morgen so als hätten sie uns nie gesehen.

Mangels des Nahkontaktes entsteht eine krankhafte Eigenbezüglichkeit, wahnhafte Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. Das Gefühlshafte bleibt bei solchen Menschen oft unterentwickelt.

In der Liebe wird der Partner nur als " Sexualobjekt" gesehen, das der Befriedigung der Sinne dient, darüber hinaus allerdings nicht interessiert. Wenn die Gefühlskälte weiter fortgeschritten ist, kann es geschehen, dass auf den Partner unverarbeitet Hassgefühle und Rachehaltungen unbewusst projeziert werden, die einer ursprünglichen Person in der Kindheit gegolten haben.

Schizoide Personen reagieren beim Überschreiten ihres Schutzkreises- ihrer imaginären Grenze - durch andere mit Panik, die in wilden Angriff umschlägt. Der Angst folgt die Aggression.

Schroffheit, plötzliche verletzende Schärfe, eisige Kälte, Unerreichbarkeit und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind die häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten der Aggression.

Riemann zeigt an Beispielen schizoide Erlebnisweisen auf, wobei er darauf hinweist, das schizoides Verhalten ein geisteskrankes Verhalten ist.

Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt, verschmelzen nicht zu einheitlichem Leben. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen. Die Schwerstgestörten machen sich selbst zum Maßstab aller Dinge. Dies Kann zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und Selbstvergottung führen. Ethik und Moral sind für Schizoide fragwürdig.

Nicht selten entwickeln diese Menschen eine "Herrenmoral", für deren Angehörige andere Regeln gelten als für in ihren Augen "Schwache".

Menschen mit stark schizoider Struktur leiden nicht an ihrem Wesen, sondern sie fühlen sich gesund. Oft ist es ihr Umfeld , das lernen muss sich abzugrenzen, um psychisch nicht auf der Strecke zu bleiben.

Die depressive Persönlichkeit

Dieser Personenkreis hat Angst ein eigenständiges Ich zu werden. Den Depressiven quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du. Alleingelassenwerden und Verlassenwerden kann ihn in tiefe Depression und Verzweiflung stürzen. Um sich vor Verlustängsten zu schützen, müssen diese Personen lernen viel Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. Distanz bedeutet für den Depressiven Bedrohung. Um anderen uneingeschränkt nahe sein zu können unterdrücken diese Menschen gerne Kritik und Zweifel am Nächsten. Ihr Persönlichkeitsbild weist überwertig Tugenden, wie etwa Bescheidenheit, Überangepasstheit, Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extremen masochistisches Hörigkeitsverhalten auf.

Für sich selbst fordern diese Personen nichts. Riemann lässt den Leser wissen, dass es kennzeichnend für Depressive ist, dass sie schwer etwas merken können, schnell vergessen, oft Lernschwierigkeiten haben und nicht selten teilnahmslos und müde erscheinen. Aggression bei Depressiven äußert sich in Jammern, Klagen und Lamentieren. Aggression und Angst vor Liebesverlust führen oft zu Selbsthass und zur bewussten und unbewussten Selbstbestrafung und Selbstzerstörung. Auch hier macht Riemann das Krankheitsbild an Beispielen deutlich.

Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. Sie identifizieren sich mit ihm soweit, dass sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Da sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben, die sie den Wünschen anderer entgegensetzen können, unterliegen sie den Impulsen und Wünschen anderer. Immer sind sie gewohnt die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn ein solcher Mensch sich für alles verantwortlich fühlt, geschieht dies nicht aus Größenwahn, sondern aus fehlender Ich-Stärke, die ihn mehr den anderen leben lässt als sich selbst. Dies kann bis zur völligen mentalen Selbstaufgabe führen.
Die zwanghafte Persönlichkeit

Dieser Personenkreis hat eine übergroße Angst vor Vergänglichkeit. Dadurch kommt es zum starren Festhalten an Überkommenem auf allen möglichen Gebieten. Tradition, familiärer , gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Art führen nicht selten zu Dogmatismus, Konservatismus, Prinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen von Fanatismus. Je starrer diese vertreten werden, desto intoleranter sind diese Menschen anderen gegenüber, die sie angreifen oder auch nur eine Frage stellen. Je mehr diese Personen an altem festzuhalten suchen, um so mehr empfinden sie die Angst vor Vergänglichkeit. Das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens ist hier typisch.

In einer Liebesbeziehung will der Zwanghafte seinen Partner nach seinem Willen formen.

Geld, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Machttrieb, Pedanterie und Starre lassen solche Beziehungen verkümmern. Das Liebesleben ist insgesamt erosfeindlich.

Aggressionen sind hier zwanghaft, weil sie mit Machtwillen verbunden sind. Die Aggressionen der Zwanghaften dienen der Macht und die Macht der Aggression. Formen der Aggression sind Verschlagenheit, hinterhältige- feige , versteckte Aggression, die aus dem Hinterhalt zuschlägt. Auch hier erhält man wieder lebensgeschichtlich Hintergrundinformationen.

Perfektionismus, Unduldsamkeit gegenüber anderen, die sich zu diktatorischen und dogmatischem Verhalten vertiefen sind bezeichnend.
Die hysterische Persönlichkeit

Dieser Personenkreis hat Angst vor dem Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. Platzangst, Staßenangst, die Angst sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten , auch Tierphobien sind im Grunde verschobene Ängste. Die Angst, die dahinter steht, ist die Angst vor Freiheitsbeschränkung.

Hysteriker sind in ihren Liebesbeziehungen leidenschaftlich, intensiv und fordernd. Sie sind Meister der Erotik, der Verführung, des Flirts und der Koketterie. Diese Menschen sind genussfroh, phantasiereich und verspielt. Treue ist ihnen nicht so wichtig, zumindest die eigene nicht. Heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie und geben ihrer romatischen Fantasie freien Raum. Das Bedürfnis bestätigt werden zu wollen nimmt bei diesen Menschen überwertige Formen an. Ihr Narzissmus, ihre Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. Einen Partner benötigten sie vor allem , damit dieser sie ihres Charmes, ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen( so die Worte Riemanns!) sind typische Hysteriker.

Aggressionen leben Hysteriker in der Intrige aus. Abwertungen eines anderen bis hin zur Vernichtung kommen seiner ausgeprägten Rachehaltung entgegen. Flammende Entrüstung, pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische Aggressionsäußerungen.

Auch hier wieder werden lebensgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt.

Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist, dass sie die Identität mit sich selbst nicht finden.

Problematisch ist, dass scheinbar ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, weil sie durch den Gegentyp zur Ganzheit zu gelangen beabsichtigen. Der Schizoide ahnt von der Liebesfähigkeit des Depressiven, seiner Opferbereitschaft, seinem Sich-Selbst-zurückstellen, seinem einfühlenden Sich-bemühen. Er ahnt die Erlösung aus seiner Isolation,die Möglichkeit am Partner etwas nachzuholen. Anderseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden , dass dieser etwas lebt, was er nicht zu leben wagt. Zudem spürt er hier jemand , der seine Liebesbereitsschaft dringend braucht. Im Zusammenleben spitzen sich dann allerdings Abhängigkeits- und Unabhängigkeitsdrang dramatisch zu. Es folgt endloses Missverstehen.

Endsprechend verhält es sich zwischen zwanghaften und hysterischen Persönlichkeiten. Auch hier enden Beziehungen in der Regel in Auseinandersetzungen.

Gegensätzliches stößt sich am Ende ab, wenn nicht die Bereitschaft zur Erkenntnis und Reifung beidseitig vorhanden ist.

Sehr empfehlenswert!