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Faust DVD

Mephistopheles: " Du bist am Ende - was du bist.

Setz dir Perücken auf von Millionen Locken,

Setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken,

Du bleibst doch immer, was du bist !"(Zitat aus Goethe, Faust I)

Die Verfilmung der berühmten Faust-Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses mit Gustav Gründgens als Mephisto und Will Quadflieg als Faust sah ich als junge Studentin 1976 in Marburg das erste Mal. 1999 sah ich Faust I und II an Goethes 250. Geburtstag in Weimar im dortigen Deutschen Nationaltheater ( sehr gut inszeniert) und gestern Nachmittag habe ich mir abermals die Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses auf einer DVD, allerdings bequem auf der Couch liegend, angesehen. Dem Text konnte ich auf diese Weise am besten folgen. Die Bühnenbilder kamen auf der Kino- Leinwand und im Theater natürlich viel intensiver zu Geltung.

Gleich vorweg: ich schreibe eine Rezension zum Film und nicht zu Goethes Tragödie. Letzteres überlasse ich kundigeren Deutschlehrern, die , wie ich von meinen Weimaraufenthalten weiß, diesbezüglich Interpretationsvorrechte haben. Ob Goethe dies wohl gefallen hätte? Eingeräumt hat er sie ihnen meines Wissens nicht.

Worum es in des Dichters großem Wurf geht, kann man in knappen Sätzen der Rückseite der DVD-Hülle entnehmen : " Der Denker Faust hat zwar schon viele Wissenschaften studiert, doch die wahre Erkenntnis ist ihm bisher versagt geblieben.

Der teuflische Mephisto wittert seine Chance, den großen Dr. Faust zu verführen und schließt mit ihm einen Pakt. Er erfüllt Faust so lange alle geistigen und sinnlichen Wünsche, bis dieser die absolute Erfüllung erlebt. Dafür gehört Faust Seele dem Teufel!"

Diese Zusammenfassung möchte ich nicht kritisieren. Man kann sie durchaus so stehen lassen. Die intellektuellen Höhenflüge werden dem aufmerksamen Zuhörer im gesprochenen Text gewiss nicht entgehen, auch wenn er diesen zuvor nicht gelesen hat.

Quadflieg spielt den Faust überzeugend, zumindest den introvertierten, reflektierenden Faust. Als Liebhaber von Gretchen wirkt Quadflieg etwas steif. Man kauft ihm die innere Glut nicht ab. Ich befürchte nur Goethe selbst hätte Faust wirklich glaubhaft in beiden Positionen ausfüllen können. Insofern messe ich Quadflieg an seiner intellektuellen Leistung und die ist ganz hervorragend.

Gründgens spielt eindeutig am besten. Seine Fähigkeit, Goethes Worten die jeweils notwendige ironische aber auch zynische phonetische Nuance zu verleihen, ist einzigartig. Wirklich zum Niederknien!

Der realistische Blick Mephistos auf die Welt , wie sie ist , verdeutlicht wie lebenserfahren Goethe zu dem Zeitpunkt war als er den Faust schrieb. Die Erkenntnisse, die in seine Dichtung einfließen ,kann man nur durch intensive Beobachtung und bewusst gelebtes Leben gewinnen, durch bloße Lektüre kluger Bücher keinesfalls!

Gretchen wird Opfer ihrer Liebe und Zutraulichkeit, die man nicht mit Naivität gleichsetzen sollte. Sie ist der Mensch , um den es hier zu trauern gilt. Ihr und den vielen Mädchen in gleicher Situation galt Goethes Mitgefühl. Er war auch hier seiner Zeit weit voraus.

Der Dichter beabsichtigte sein Publikum mit der Tragödie wachzurütteln. Die Gretchendarstellerin hat ihre Rolle dabei überzeugend gespielt . Besonders beeindruckt hat sie mich als sie vor dem Andachtsbild der Mater Dolorosa betet : Ach neige, Du Schmerzensreiche, Dein Antlitz gnädig meiner Not.....

Gretchen behält bis zum Schluss ihre innere Unschuld. Das hat Ella Büchi berührend dargestellt.

Insgesamt sagte mir die Umsetzung der Szenen, mit Ausnahme der Walpurgisnacht, sehr zu.

Goethe hätte sich vermutlich entsetzt im Grabe herumgedreht, wenn er sich den im Film aufgeführten, futuristischen Hexentanz hätte ansehen müssen, der sich mit allem möglichen, nur leider nicht mit der Walpurgisnacht assoziieren lässt. Diesen Wermuttropfen sollte man aber sogleich wieder vergessen. Er ist unwesentlich für die Beurteilung der Gesamtqualität der filmischen Inszenierung.

Gründgens Fähigkeit, kluge Worte gescheit zu artikulieren, lässt am Ende in erster Linie dessen Text, genauer viele Einzelsentenzen Mephistos als Quintessens der 123 Laufzeitminuten in Erinnerung bleiben . Ob dies von Goethe goutiert worden wäre?

Empfehlenswert!




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