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Rezension: Wir Bayern: Geschichte, Gegenwart und Lebensgefühl (Gebundene Ausgabe)

"Schau ma amal, dann seng ma schoo" (Bayerische Lebensweisheit),

Der  Journalist Andreas Bretting und der Historiker Bernhard B. Edlmann haben gemeinsam das reich bebilderte Buch "Wir Bayern" auf den Weg gebracht, das ich als Bayernfan mit großer Neugierde gelesen habe.

Untergliedert ist das Buch in vier große Abschnitte: Bayern -ein Portrait, die Geschichte Bayerns, Bayern in der Gegenwart und Bayerisches Leben und Kultur.

Amüsiert habe ich die Charakterstudien im Beitrag "Vom Granteln und vom Haberfeldtreiben" gelesen. Hinter der Fassade des Rauen und Raunzigen, so erfährt man, stecke viel unverstellte Offenheit, ein "Gradheraussein", das vorgeschützte, unehrliche Freundlichkeit vermeidet, (s. Seite 16). Ein solches Verhalten finde ich sehr liebenswert. Man weiß wenigstens gleich, wo man dran ist.

Empfehlenswert ist das Kapitel zur bayerischen Geschichte. Hervorgehoben wird u.a. der grausige Tod der Agnes Bernauer, man erfährt hier auch Näheres zu den bayerischen Gebirgsschützen, wird im Hinblick auf die Affäre Lola Montez  und natürlich auch über Ludwig II. von Bayern, dem Märchenkönig aufgeklärt.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in München 1919 kommen zur Sprache, die braune Eroberung Bayerns und die Nazizeit. Im Rahmen zweier Sonderbeiträge wird man über Dachau informiert und über das jüdische Leben in Bayern. Die "Weise Rose"  ist sehr gut skizziert worden. Ein Foto der Geschwister Scholl hat mich besonders gefreut.

Das Kapitel "Bayern in der Gegenwart" fokussiert die politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte und befasst sich ausgiebig mit allerlei Sport- und Vergnügungsmöglichkeiten, während das Kapitel "Bayerisches Leben und Kultur" auf das "Dialektland Bayern"(vgl.: S. 85) und auf die Wiederentdeckung und Pflege des bayerischen Tracht eingeht. Hier liest man Wissenswertes über die Erfolgsgeschichte des Dirndls und kann sich im kleinen Trachtenlexikon schlau machen, was man u.a. unter einer Miesbacher Joppe, einem Pfoad, einem Fürtuch, einem Schalk etc. zu verstehen hat.

Die Religion in Bayern, auch religiöse Bräuche kommen zur Sprache, das Brauchtum und der bayerische Humor. Man erfährt Näheres zur Lach- und Schießgesellschaft und zu hintersinnigen Humoristin wie Karl Valentin   Die Künstler- und Bohemeszene - besonders in Schwabing - wird gut beschrieben und es werden die weiß-blaue Architektur und Kunst, aber auch die Musikszene keineswegs vergessen. Was wäre Bayern ohne die Maler? Schön, dass man ein Gemälde von Franz von Lenbach   und ein weiteres von Franz Marc   abgelichtet hat.

Ganz zum Schluss wird Bayern kulinarisch erkundet. Alfons Schuhbeck kommt zu Wort, der zur "Creme bavaroise" alle Nichtbayern wissen lässt: "Eigentlich kannt s` von am bayrischen Bauernhof kemma, denn g`habt ham `s immer Eier und a Sahne. Vielleicht war anfangs no kei Vanille drin, aba an Schnaps, den ham s`immer scho schwarz brennt, also ham s` a Schnapserl mit neido."

Ein gelungenes Buch. Sehr informativ.

Rezension: Abgespeist Thilo Bode

Der Verbraucher muss nicht bis ans Ende seiner Tage der Dumme sein.

Thilo Bode, Gründer der Verbraucherrechtsorganisation " foodwatch " möchte mit seinem Buch aufzeigen" wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können.

Gleich zu Anfang stellt er klar, dass der Lebensmittelmarkt den Interessen der Nahrungsmittelindustrie und nicht des Kunden dient und begründet dies nachhaltig.

Er verdeutlicht mit welchen Methoden in Supermärkten der arglose Kunde manipuliert wird und konstatiert, dass man als Verbraucher " in Marktforschungen ausgehorcht und perfekt durchgescannt ist ". Man wird getäuscht und verführt und ist am Ende schließlich der Dumme.

Bode zeigt u.a. die Täuschungsversuche in der Getränkeabteilung des Supermarktes und erklärt Begriffe wie , " naturidentisch " und " natürlich " , wenn es um die Konsistenz von Säften geht. Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff " Fruchtnektar "? Was ist" Direktsaft "? Anheimelnde Firmennamen wie " Landliebe", " Birkenhof" und " Wiesenhof " werden unter die Lupe genommen. Wer steckt tatsächlich hinter diesen an biologische Kleinbetriebe erinnernde Firmennamen?

Auch erwähnt Bode die über 300 zugelassene E-Stoffe, von denen die Hälfte wegen ihrer gesundheitlichen Auswirkung umstritten ist.

Ein weiteres Thema ist für den Autor der Fleischmarkt, bei dem , wie er schreibt, flächendeckende Missstände vorherrschen. Er verdeutlicht, dass rohe Schlachtabfälle die Ursache für eine Fülle ekelhafter Lebensmittelskandale sind. Schlachtabfälle( Gammelfleisch), werden nicht selten als Gulasch im Restaurant oder im Döner an der Imbissbude verwendet.

Bode hält fest, dass die Fleischbranche zwar nicht mafiös organisiert ist, aber zu mafiösem Handeln einlädt. Er plädiert dafür Aufzucht, Fütterung, Haltung und Rasse zu kennzeichnen und in unterschiedliche , für den Käufer nachvollziehbare, kontrollierte Kategorien einzuteilen. So sollte erkennbar sein, dass ein Rindersteak wirklich von männlichen Rind und nicht wie in Deutschland üblich von einer Milchkuh stammt.

Des Weiteren schreibt der Autor von den Giften in den Lebensmitteln, wie etwa Dioxin, Acrylamid, Uran und Cumarin, welches übrigens das menschliche Erbgut und die Funktion der Leber schädigt , aber dennoch legal als Zimtaroma in Lebensmittelmärkten angeboten wird.

Undurchsichtig ist die Lobby der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelindustrie und der Handelskonzerne. Wie sie gegen die Interessen der Verbraucher agieren, macht Bode ebenso klar, wie die Ausplünderung des EU-Agrarsystems, das die Verbraucher ausplündert, die Umwelt verschmutzt und Existenzen in der Dritten Welt vernichtet.

Bode schreibt, dass knapp die Hälfte des Haushaltes der EU die Agrarsubventionen verschlingen. Er konstatiert, wenn die Europäische Union darauf verzichten würde einen kleinen Sektor wie Landwirtschaft mit Milliardenaufwand zu subventionieren, wären die öffentlichen Kassen und damit der Verbraucher weitaus weniger belastet. Der mögliche Verlust, so Bode, von einigen Tausend Arbeitsplätzen in Europa würde wettgemacht durch wirtschaftliche Vorteile, wie eine intaktere Umwelt, Entwicklungschancen für die Dritte Welt und damit auch Vorteile für die europäische Wirtschaft.

Bode plädiert dafür, dass ein Ziel staatlicher Politik darin bestehen muss gute Nahrungsmittel für alle, vorsorgend für die Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten. Er betrachtet die derzeitige Zwei-Klassen-Ernährung als unsozial, wirbt für ein diesbezügliches Umdenken Entscheidungsträger, appelliert an die Schutzpflicht des Staates und fordert , dass der Gesetzgeber zukünftig in erster Linie die Interessen des Verbrauchers und nicht des Anbieters schützt. Aufgabe der Politik , so Bode , ist es u.a. ein marktwirtschaftliches Regelwerk für die Lebensmittelwirtschaft zu schaffen, in dem der Verbraucher die vorrangigste Rolle spielt. Er resümiert, dass man genau dafür kämpfen muss und tut es, indem er durch dieses Buch die Verbraucher über die Missstände aufklärt und hoffentlich viele wachrüttelt.


Empfehlenswert








Rezension: Werbeplakat: Für Katzenliebhaberinnen

Dieses Werbeplakat hat mir vor über 30 Jahren ein Freund zum Geschenk gemacht. Es hängt noch immer in meinem Jugendzimmer  bei meiner Mutter. Damals wurden Kunstdrucke in Studentenkreisen auf Sperrholzplatten geklebt.

Das Plakat kaufte der Freund in Paris. Wir hatten damals gemeinsam eine Tramptour in die Stadt der Liebe unternommen und waren begeistert von den vielen Werbeplakaten aus der Jugenstilzeit.

Da ich nie etwas weiterverschenke, was man mir geschenkt hat,  habe ich das Plakat vor einiger Zeit gekauft, um es einer Katzenliebhaberin zu schenken, die sich in das Bild verliebt hatte.

Ich habe es zuvor unter Glas gebracht. Einen Rahmen  benötigt das Bild nicht. Das Rot des Kleides ist ein wirklich gelungener Farbtupfer. Das Motiv selbst finde ich sehr liebenswert.





Rezension: Kunstbuch :Die Provence: Eine Landschaft und ihre Maler

"Jetzt habe ich das Meer gesehen, fühle ich ganz, wie wichtig es ist, im Süden zu bleiben und zu spüren, das man die Farbe noch mehr übersteigern muss- es ist nicht mehr weit bis Afrika." (Vincent van Gogh)

Philippe Cros stellt in diesem Buch die Provence und ihre Maler vor.

Eine Fülle beeindruckender Gemälde, auch interessanter Fotos und eloquenter Texte erwarten den kunstinteressierten Leser.

Das Buch ist untergliedert in: Die Wegbereiter, Avignon- von den Päpsten um Félibrige, Der Pays d` Arles , Aix-en- Provence, Marseilles, Toulon, Saint-Tropez, Cannes, Grasse und Vence, Von Atibes nach Vallauris und Nizza.

In der Einleitung mit der Überschrift " Land zur Sonne " wird der Provence bereits textlich gehuldigt.

Neben ihrer landschaftlichen Vielfalt und der Schönheit ihrer Küste ist es vor allem dieses Licht, das Raum und Körper dem Auge auf so klare Weise offenbart, welcher der Region, aus dem so viele Maler ihre Inspiration schöpften ,seine Ausstrahlungskraft verleiht.

Die Geschichte der Malerei in der Provence ist zugleich die Geschichte des Blickes mit dem berühmte und weniger berühmte Künstler Orte und deren beeindruckendes Licht wiederzugeben suchten.
Der große Wegbereiter der Maler in der Provence war Enguerrad Quarton. Er kam Mitte des 15. Jahrhundert an der päpstlichen Hof nach Avignon.

Im Zeitalter der Aufklärung dann ragte der Maler Claude Joseph Vernet heraus. Er war einer der Ersten, die sich dem Licht widmeten. Das wird besonders in seinem Gemälde " Der Hafen von Marseille " von 1754 deutlich.

Mit der Geschichte und den Zeichen eines über Jahrhunderte währenden Wohlstandes besaß Avignon im 19. Jahrhundert alle Merkmale, die die Maler jener Zeit zu verzaubern vermochten. Im Gegensatz zu Arles , das vor allem ausländische Maler wie van Gogh oder " eingebürgerte " Maler wie Léo Lelée anzog, sollte Avignon vor allem heimische Künstler inspirieren. Man lernt Gemälde von Alfred Casile, Jules Flour und André Lhote aber auch Paul Signac kennen.

Signac hat gemeinsam mit Seurat die Technik des Pointillismus entwickelt und sie zum so genannten Divisionismus verfeinert.

Bereits 50 Jahre vor Ankunft van Goghs hatte Arles einen anderen Künstler aus dem Norden bezaubert. Prosper Grésy war einer der Ersten, der die wilde Schönheit der Provence in seiner Malerei zum Ausdruck brachte.

Vincent van Gogh übersiedelte 1888 nach Arles. Für ihn war die Provence einst das Land der Blautöne und der fröhlichen Farben. Fast sein gesamtes Geld gab er für Farben aus. Einmal bestellte er sogar 108 Tuben in einer Lieferung. In Arles entstanden auf dem Höhepunkt seines Schaffens über einen Zeitraum von 15 Monaten genau 190 Arbeiten, in Saint Remy innerhalb eines Jahres insgesamt 150 zum Vergleich. Wunderschön sind seine abgelichteten Gemälde " Blick auf Arles ", " Caféterrasse bei Nacht ", " L`Arlesienne ", " Sternennacht über der Rhone ", auch der " Tanzsaal á Arles ". Die Blautöne begeistern in ihrer Vielfalt.....und dann Aix en Provence: Granet, Prosper Grèsy und schließlich der von mir besonders geliebte Paul Cézanne werden u.a. thematisiert. Cézannes vornehmliches Verdienst war, dass die Sonne des Midi in die moderne Malerei Einzug hielt. Sein Gemälde " Chateau Noir " ist atemberaubend schön. Seine Verbundenheit mit der Provence zeigt sich auch in " Der Taubenschlag in Bellevue " und in " Die Montagne Sainte-Victoire ".

Für Cezanne stand fest, dass sich in den großen klassischen Länder,- das waren für ihn die Provence, Griechenland und Italien-, das Licht vergeistigt.

Unmöglich alle im Buch besprochenen Maler aufzuzählen.... Pablo Picasso muss man natürlich erwähnen, auch Leon Gimpel und Charles Pellegrin.

Von Cézanne im Motiv und seiner Auffassung der reinen Farbe beeinflusst, schuf Dufy drei Variationen eines Motivs mit Fischerbooten. Allerdings blieb seine Annäherung an die Kunst Cézannes nur vorübergehend.

Der nächste Ort, der im Buch von seinen Malern her thematisiert wird ist Marseille. Unter der Ägide von Èmile Loubon ( 1809- 1863) entstand eine Schule von Landschaftsmalern , deren unbestrittener Meister er blieb und deren Atelier die Provence war.

Zauberhafte Gemälde von Paul Camille Guigou erfreuen den Betrachter. Seine ersten Landschaften waren noch stark von der Kunst Loubons geprägt und maßen der Welt der Mineralien und Pflanzen große Bedeutung zu. Durch den Einfluss der Impressionisten brachte er die Besonderheit der Lichtverhältnisse immer besser zum Ausdruck Sein Gemälde " Landschaft in der Provence "," Ansicht von Saint -Saturnin -lés -Apt " ist voller sommerlicher Melancholie.

Jean-Baptiste Olives " Die Corniche bei Marseille " fasziniert ob ihrer Grüntöne. Getoppt wird die Faszination durch Paul Signacs " Hafeneinfahrt von Marseille " und Cezannes " Der Golf von Marseille ".

Man liest über George Braque, auf den Cézanne entscheidenden Einfluss hatte und lernt auch Gemälde des Künstlers André Derain kennen. Er legte das Hauptaugenmerk auf eine stärkere Strukturierung der Formen und entfernte sich nach und nach vom Fauvismus, der im Buch von Cros gut erläutert wird.

Sehr gut beschrieben und gezeigt werden die Maler von Toulon, auch von Saint-Tropez, wie etwa der Pointillist Henri Edmont Cross, der konstatierte: " Wie schön das ist ! Und ernst und frivol, je nach Geisteshaltung des Beobachters. Die Mandelbäume und Mimosen gleichzeitig stehen in voller Blüte. Stellen Sie sich die Heiterkeit des Gemäldes vor, das wir bei diesem klaren Himmel genießen." Der Maler Paul Signac ,dessen Gemälde " Saint Tropez, der Quai " man kennenlernt, sagt: " Im Vordergrund die Goldfarbene Meeresküste, die blaue See, deren Wellen an einen kleinen Strand schlagen. Im Hintergrund die blauen Umrisse des Massif des Maures und des Massif de Ésterel- all das gibt mir Arbeit für mein ganzes Leben- es ist das Glück, das ich soeben entdeckt habe."

Cannes hat von den vielen malerischen Plätzen, die möglicherweise größte Anziehungskraft für die Maler. Picasso, Le Bonnard werden hier hervorgehoben, bevor Grasse und Vence thematisiert werden.

Mein geliebtes Saint Paul kommt zur Sprache und dort das heutige " La Colombe d`Or ", mein vevorzugtes Domizil . Die " Fondation Maeght " bleibt nicht unerwähnt und auch nicht das Grab Marc Chagalls , das ich immer wieder besuche . Natürlich kann man sich im Buch auch schöner Chagall-Gemälde erfreuen. Fernand Léger in Biot und August Renoir in Cagnes werden ausgiebig besprochen. Betrachtet man Renoirs Gemälde " Pinien bei Cagnes " , begreift man, wieso der Maler sagte " In diesem wunderbaren Land scheint es , als ob kein Unglück einen erreichen kann. Man lebt wie in Watte gehüllt. "

Interessant auch die Maler von Antibes und Nizza. Die zauberhaften Gemälde Monets , wie " Antibes am Nachmittag " oder " Antibes , vom Plateau Notre-Dame aus gesehen ", aber auch " Im Atelier in Nizza " von Henri Matisse machen deutlich, dass die nachstehende Aussage von Henri Matisse von jedem anderem Maler, der sich in der Provence aufhielt oder im Moment dort verweilt, unterschrieben werden kann: " Als mir bewusst wurde, das ich nun jeden Morgen dieses Licht sehen würde, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich hatte mich entschieden, Nizza nicht mehr zu verlassen und blieb dort praktisch mein ganzes Leben lang. "

Eines der besten Kunstbücher, das ich kenne.







Rezension: Culinaria Espana

In diesem Buch lernen Sie die kulinarischen Spezialitäten Spaniens kennen. Die Autoren haben alle Regionen des Landes bereist und nicht vergessen die Canaren und Balearen aufzusuchen. Speis und Trank stehen im Focus ihrer Recherche .In diesem Zusammenhang erfährt man allerdings nicht wenig über das spanische Lebensgefühl, sowie eine Reihe höchst interessanter historischer Anekdoten.

Vielleicht sollte der Leser zur Einstimmung auf die Materie ein Glas Cava trinken! Dieser Schaumwein aus Katalonien, wird nach der" Methode champenoise" hergestellt und ist kühl getrunken ein wirklich edles Getränk, über das die Autoren einiges zu berichten wissen. Unter anderem benennen sie die Spitzen-Cavas und beschreiben sie auch näher.

Wer in einer spanischen Stadt hungrig eine Tapa-Bar aufsucht, wird lustvoll zuschlagen können, denn eine Fülle leckerer Kleinigkeiten wartet hier auf ihn. Die Tapas haben ihren Ursprung im Süden des Landes. Dort hat man schon vor Zeiten sein Wein- oder Sherryglas im Freien- der Mücken wegen- mit einem Deckel (tapa) oder Teller bedeckt, auf den man ein paar Oliven oder andere Appetithappen legte. So entstand die Tapa-Kultur über die Sie nach der Lektüre des Buches mehr wissen. 50 Tapagerichte werden vorgestellt. Das einfachste, dabei aber populärste scheint " Pa amb tomaquet" zu sein, das spektakulärste möglicherweise " Angulas" .Das sind junge Glasaale, die mit Paprikaschoten in Olivenöl angebraten werden. "Migas", kleine Brotwürfelchen, kannten die Spanier schon in der Steinzeit , haben diese seitdem aber geschmacklich verfeinert! "Piementos del Piquillo" sind so rot, wie das Tuch eines Matadors , mit dem er bei der Corrida , den Stier nervös zu machen sucht. Über den Stierkampf und die Fiesta in Pamplona wird man in groben Zügen informiert und man erhält auch noch die Rezeptur für " Estofado de Carne de Toro" ( geschmorten Kampfstier), der mit vielen leckeren Ingredenzien zubereitet wird. Wo aber bitte kriegt man einen niedergestreckten Kampfstier her? Man kann sich ja schlecht, bewaffnet mit einem Küchenmesser und rotem Laken auf die nächste Weide begeben und einen Veitstanz aufführen. Am Ende ersticht man noch- aus Versehen -den herbeigerufenen Psychiater und dann? ( Schon die Römer wußten: Was Du auch tust, tue es klug und bedenke das Ende!)

Deshalb sollte man vielleicht besser die Rezepte für Geflügel aus der spanischen Küche ins Auge fassen, vielleicht " Perdiz con Chocolate", um die Zeit der großen Seefahrer heraufzubeschwören, die die Chocolate aus Mexiko einst importierten, damit ein kluger Koch daraus " Chocolate Espeso" entwickeln konnte, in die man frisch gebackene " Churros" taucht.

Spanien ist katholisch. Hier wird nicht nur in den Klöstern während der Fastenzeit der Gürtel enger geschnallt, " Caldo de Vigilia" , aber auch " Sopa de Cuaresma" sind Fastensuppen , die Sie zu sich nehmen können, um sich fit zu machen für die Pilgerstrapazen auf dem Jakobsweg . Zur Wegzehrung gehören trockenes Brot und Hartkäse, wie etwa " Roncal", eine Schafskäsesorte aus den Pyrenäen. Als Belohnung winkt Santiago de Compostela und dort für den lukullisch Interessierten die " Tarta de Santiago", auf deren gepuderzuckerter Oberfläche ein Jakobskreuz prangt!

Wenn Sie Ihre Völlereien des Vorjahres gebeichtet und bereut haben, können Sie sich mit den Fischen, Schalen- und Krustentieren und sowie Meeresungeheuern der spanischen Gewässer befassen. Die Krake ( Pulpo) soll ähnlich, wie gemahlene spanische Fliegen und Rioja die männliche Potenz anregen. Das Neunauge ist ein Flußwesen , das die Spanier in trockenem Rotwein zubereiten, wenn nicht zuvor die Lamprete den Fischer verspeist hat. Mit seinen Saugnäpfen ist das aalförmige Monster nämlich dazu ausgerüstet es mit dem Fischer aufzunehmen. Allein der vielen Meerestiergerichte wegen lohnt sich der Kauf dieses Buches. Ich will mich auf drei Rezeptüberschriften beschränken, um Ihnen den Mund wässrig zu machen: " Rodaballo con Maricos"( Steinbutt mit Meeresfrüchten) , " Vieras a la Gallega" ( Jakobsmuscheln auf galicische Art) und " Caldero Murciano" ( Fischtopf aus Murcia) , mit Fischen, wie Drachenkopf, Rotbarbe, Meeräsche und Goldbrasse zubereitet.

Über die schwarzen Schweine Iberiens wird man aufgeklärt, liest über den Ibericoschinken und spanische Wurstspezialitäten mehr als man sich merken kann, um schließlich in die Salat- und Gemüsewelt vor Ort einzutauchen. Oliven, Tomaten, Mandeln, Safran, Kapern werden thematisiert und es wird eine Ode auf die Tortillas gesungen. Spanische Eiergerichte gibt es viele, vielleicht bringen " Huevos al la flamenca" den letzte Kick.

Drei Rezepte für Paella bekommt man verraten und liest , das in Valencia " Paella essen gehen " ein soziales Ereignis darstellt, auf welches die Autoren näher eingehen. Über die spanischen Weine erfahren sie sehr, sehr viel und über Sherry und Brandy, deren Heimat Andalusien ist, auch einiges.

Die Spanier scheinen Süßmäuler zu sein, was man verstehen kann, denn wer mit dem Stier oder dem Neunauge kämpft, trägt unter Umständen Blessuren davon und muss sich trösten. So etwa mit " Crema Catalana" oder mit " Bizchoos Borrachos"( beschwipsten Biskuits)oder mit " Pan de Higos" ( Feigenbrot).Wem das nicht reicht, kann hinterher noch eine Flasche Rum von den Kanarischen Inseln abstürzen. Dann wird aus dem Neunauge ein Drache, den man in seiner Fantasie so kampfesmutig , wie einst Siegfried, ins jenseits befördern kann!

Wenn Sie am nächsten Tag noch leben sollten, dann trinken Sie eine " Leche Merengada" und beginnen erneut in diesem Buch zu lesen, denn es steht noch viel, viel mehr drinnen, z.B. über die Früchte Spaniens, die Orangen, die Zitronen, die Melonen und die andalusischen Granatäpfel!

Eine tolle Lektüre !


Die m.E. ideale Musik während der Lektüre des Buches



Dieser Safran ist bestens und ein absolutes Muss in einer guten Paella.



Empfehlenswerte Riojas auf wirklich erfreulichem Niveau. Die Reseversas bitte 8 Stunden vor dem Trinken dekantieren


Wenn Sie zu einem festlichen Anlass keinen Winzer-Sekt trinken möchten, weil Sie die Rieslingsäure nicht vertragen, empfehle ich Ihnen:





Rezension: Kunstdruck : Horst Janssen

Die blaue Blume der Romantik,

Dies ist m.E. ein sehr schöner Kunstdruck, auf dem Horst Janssens Anemone zu sehen ist. Der Künstler hat bewusst auf grüne Farbtöne verzichtet, weil er den Betrachter unabgelenkt mit dem Sehnsuchtssymbol der Romantik konfronieren wollte: der blauen Blume.

Im Roman "Heinrich von Ofterdingen" erblickt der träumende Held eine blaue Blume, die er mit "unnennbarer Zärtlichkeit" betrachtet und am Ende des auf mehrere Teile geplanten Buchs faktisch in den Händen halten soll.

Allerdings kommt es dazu leider nicht. Novalis starb, bevor er dieses Werk vollenden konnte. Die "Blaue Blume" entfaltet seitdem ihren eigentümlichen Zauber und regt seit vielen Generationen die Fantasie träumerischer Menschen.

Janssen hat die Anemone im Glas mit ähnlicher Zärtlichkeit betrachtet, wie vormals Heinrich von Ofterdingen und die Farbe Blau in unterschiedlichen Schattierungen zum Einsatz gebracht, um seine "Blaue Blume" für die Ewigkeit festzuhalten.

Der hellbraune Holzrahmen harmoniert sehr gut mir der blauen Anemone.

Rezension: Graves Lavender Hugs Kunstdruck Lavendel

Ein hübsches Bild für das Badezimmer.,


Dieser hochwertige Kunstdruck eignet sich bestens als dekoratives Accessoire im Badezimmer. Er sollte unter Glas hängen, nach Möglichkeit in einem lavendelfarbenen oder aber weißen Kunststoffrahmen, damit ihm die Feuchtigkeit nichts anhaben kann.

Besonders gut kommt das Bild in einem weißen Badezimmer zur Geltung, das durch salbeifarbene Handtücher und eine entsprechende Badematte, viel Ruhe auszustrahlen in der Lage ist.

Lavendel assoziert man nicht grundlos mit Frische. Wer beim Baden entsprechende Essenzen Weleda Lavendel Geschenkset 1 ST nutzt, wird sehr schnell merken, wie gut es ihm hinterher geht.

Hängen Sie das Bild so auf, dass Sie es von der Wanne aus sehen können. Hören Sie im Wasser französische Chansons La Legende de la Chanson-Walle und schon fühlen Sie sich in der Provence angekommen, wo der Lavendel, den Sie auf dem Bild sehen können, seinen intensiven Duft verströmt.

Das von Amazon angebotene  Lavendel-Duftkissen harmoniert  bestens mit dem Kunstdruck und könnte als ein weiteres schönes Accessoire im Raum dekorativ eingesetzt werden.















Rezension: Denken mit Friedrich Nietzsche

Begehren heißt, sich verloren haben." ( Nietzsche),
ken mit Friedrich Nietzsche " hat dazu geführt, dass ich meine Einstellung zu diesem Philosophen relativiert habe. Fast glaube ich bislang den üblichen Vorurteilen unterlegen zu sein, deshalb wohl werde ich mich jetzt intensiver mit diesem Herren auseinandersetzten.

Wer war Friedrich Nietzsche?

Die einleitenden Seiten geben darüber Auskunft.

Ich möchte diese kurz zusammenfassen, um anschließend auf den Inhalt des " Nietzsche- -Breviers " einzugehen, wobei die angebotene Fülle unterschiedlicher gedanklicher Sentenzen es notwenig macht sich auf einige wenige zu fokussieren.

Friedrich Nietzsche ( 1844-1900) war zunächst Professor für klassische Philologie in Basel und lebte dann in Schweiz und in Italien. Von großer Bedeutung für Nietzsche waren seine Bekanntschaften mit Lou Andreas -Salome, J. Burckhardt, F. Overbeck, P. Gast sowie besonders mit Richard Wagner, die später jedoch in eine Gegnerschaft umschlug. Die letzten elf Jahre - seit seinem Zusammenbruch in Turin 1889- verbrachte Nietzsche in geistiger Umnachtung in Naumburg und in Weimar.

In " Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik " vertrat er eine antiklassische, tragische, pessimistische Auffassung des Griechentums. In den vier " Unzeitgemäßen Betrachtungen " rechnete er mit dem bürgerlichen Bildungsbegriff und dem Historismus seines Zeitalters ab. Von Schopenhauer übernahm er die Idee vom Willen als übersinnliches Prinzip der Welt und trat für den Vorrang des Lebens vor dem Bewusstsein ein. Nietzsche war der Kritiker der traditionellen Moral, forderte die Entlarvung der Selbsttäuschung und wurde zu einem der Wortführer des europäischen Nihilismus. Seit 1882 verkündete er als seine philosophische Grundüberzeugung die " Umwertung der Werte ". Die " Sklavenmoral " des Christentums stellt er die " Herrenmoral ", dem Jenseitsglauben die Bejahung des Diesseits sowie das Ziel der Überwindung des Menschen auf den " Übermenschen " entgegen.

Das Brevier ist untergliedert in: " Große Erkenntnis ", " Tätiges Bewähren ", " Vom reichen Erleben ", " Um Frauen Liebe und Ehe ", " Die Kunst und ihre Quellen ", " Ewige Gegenwart ", " Ein Selbstbildnis ", " Das trunkene Lied " und " Nach neuen Meeren ".

Für Nietzsche ist das Leben ein hundertfältiger Versuch und das Misslingen und Gelingen ein Beweis.

Der großen Liebe sind nach seiner Vorstellung nur starke, runde und sichere Geister fähig, die fest auf sich selber sitzen. Ich glaube, damit hat er ebenso Recht, wie mit der Erkenntnis, das, was aus Liebe geschieht sich stets jenseits von Gut und Böse ereignet.

Ich teile weiter mit Nietzsche die Meinung, dass ein vorbildliches Leben aus Liebe und Demut besteht, in der Herzensfülle, welche auch den niedrigsten nicht ausschließt; in der förmlichen Verzichtleistung auf das Rechtbehaltenwollen, auf Verteidigung, auf Sieg im Sinne von persönlichem Triumph; im Glauben an die Seligkeit hier auf Erden, trotz Not, Widerstand und Tod; in der Versöhnung, in Abwesenheit des Zornes, in der Verachtung.

Nietzsche weiß, dass unsere Mängel unsere besten Lehrer sind und denken letztlich geduldig sein heißt und warten.

Seine liebevolle Seele äußert sich in vielen Gedanken, vielleicht jedoch am meisten in folgender Sentenz: " Das beste Mittel jeden Tag gut zu beginnen, ist: beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tag eine Freude machen kann."

Dieser feinfühlige Mann weiß, dass man lieben und gütig sein lernen muss und dies von Jugend auf. Er ist allerdings davon überzeugt, dass, sofern Erziehung und Zufall uns keine Gelegenheit zur Übung dieser Empfindungen geben, unsere Seele trocken und selbst zu einem Verständnis jener zarten Empfindungen liebevoller Menschen ungeeignet wird.

Nietzsche war ein Mensch, der zu tiefen Liebesgefühlen fähig war.
Meines Erachtens sagen seine Gedanken zum Thema Frauen, Liebe und Ehe viel über diesen Menschen aus.

Seine Analyse im Hinblick auf Frauen erschrecken mitunter, aber ich muss ihm letztlich Recht geben. Die meisten Frauen handeln leider entsprechend seiner Analyse. Seine Beobachtungen decken sich mit meinen hundertprozentig.

Ich halte Nietzsche allerdings nicht für einen " Weiberfeind ", sondern einfach nur für einen Realisten. Nietzsche schätzt kluge Frauen und empfiehlt seinen Geschlechtsgenossen beim Eingehen einer Ehe die Frage zu stellen: " Glaubst du, dich mit dieser Frau bis ins Alter hinein gut zu unterhalten? Alles andere in der Ehe ist transitorisch, aber die meiste Zeit des Verkehrs gehört dem Gespräche an."

Nietzsche denkt viel über Kultur und Kunst nach und weiß, dass Kultur nur aus dem Leben hervor wachsen und erblühen kann.
Dieser Philosoph ist ein äußerst eigenwilliger Denker, der sein Umfeld intensiv beobachtet hat, deshalb auch weiß er, dass ein Mensch sich unwillkürlich vornehm verhält, wenn er sich gewöhnt hat, von den Menschen nichts zu wollen und ihnen immer zu geben.

Nietzsche scheint einer dieser gebenden, vornehmen Menschen gewesen zu sein.

Am Ende des Breviers finden sich einige Gedichte Nietzsches, an denen Liebhaber von Lyrik sicher Freude finden. 

Hier verdeutlicht in welcher Weise Nietzsche sich intellektuell mit der Welt auseinandersetzt und macht neugierig darauf seine philosophischen Texte.

Mich hat er durch seine Sentenzen für sich eingenommen, weil er damit dokumentiert, dass er sich vor Selbsttäuschungen jedweder Art hütet. Endlich mal ein uneitler Mensch!
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Empfehlenswert


















Rezension:Der Flug der Königin

Der neue Roman des lateinamerikanischen Schriftstellers Tomas Eloy Martinez spielt im Journalistenmilieu Argentiniens während der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Dr. Camargo, der Protagonist, ist Chefredakteur einer bedeutenden argentinischen Zeitung, ein gefürchteter Intellektueller, der sich erfolgreich bemüht, politischen Ungereimtheiten und Korruptionsfällen jedwelcher Art nachzugehen und diese ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Der beruflich talentierte Mann verfügt in seiner Persönlichkeit allerdings über eine Fülle psychischer Schwachstellen, deren Ursachen, wie der Autor den Leser wissen lässt, in dessen Kindheit liegen. Camargo empfindet sich von seiner Mutter im Stich gelassen, nachdem diese sich von seinem Vater getrennt hat, ohne daraufhin Camargo in ihr weiteres Leben einzubinden. Dies kann der Sohn nicht verzeihen. Verraten fühlt er sich! Dennoch ist er sein ganzes Leben auf der Suche nach der großen Liebe seiner Kindheitstage.

Als Dr. Camargo an seinem Arbeitsplatz auf die begabte, junge Journalistin Reina Remis aufmerksam wird, verliebt er sich in sie und fördert ihre Karriere. Immer intensiver versucht er Reina in seinen Bann zu ziehen und sie dabei in jeder Hinsicht zu kontrollieren.

Doch Reina geht, ziemlich überstürzt, eine Beziehung zu einem kolumbianischen Journalisten ein. Beim Versuch mit Camargo zu brechen, entgleist dieser daraufhin psychisch und hat nur noch eines im Sinn: er will Reina zerstören, um sich ihr anschließend gönnerhaft zuwenden zu können. Ob seine perfide Strategie aufgeht, erfährt der Leser auf den letzten Seiten des Romans....!

Dr. Camargos Kontrollzwänge, deren tiefere Ursache, wie Martinez mutmaßt, Verlassenssängste sind, zeigen sich nicht nur in seiner Liebesbeziehung. Auch an seinem Arbeitsplatz agiert dieser Mensch nahezu psychopathisch und hat keine Probleme damit seine Macht zu missbrauchen, wenn es darum geht alles im Griff zu behalten.

Neben der Rahmenhandlung, in der sich der Autor unter anderem mit " machismo" und in dessen Folge eindringlich mit der Würde der Frau auseinandersetzt, befasst sich Martinez in diesem Buch außerdem mit Waffenhandel, den unzähligen Facetten von Korruption seitens der politischen Elite Argentiniens und den verheerenden Folgen für die Nation. Auch spricht der Autor die Mittel an, mit denen das Volk durch die herrschende Klasse manipuliert wird. Religiöse Täuschungsversuche sind in einem Land , in dem der Glaube eine zentrale Rolle spielt, eine Möglichkeit das Volk auf seine Seite zu ziehen. Wie der Autor bedeutet, macht der Präsident dieses Staates davon ungeniert Gebrauch.

Eine Besonderheit des Romans zeigt sich in der fortwährenden Duplizität von Ereignissen oder Personen. Durch diesen Kunstgriff scheint der Autor zeigen zu wollen, dass dies, was sich im Roman ereignet, überall und immer wieder geschehen kann.

Ein empfehlenswerter Roman, eines bemerkenswerten Schriftstellers!




Rezension: Was ist der Mensch? von Karl Jaspers

"Wer kein Geheimnis mehr kennt, sucht nicht mehr." ( Karl Jaspers),

Der Philosoph und Psychiater Karls Jaspers( 1883-1969) entwarf vor allem von S. Kierkegaard beeinflusst seine Philosophie der Existenz. Wie dem vorliegenden Buch zu entnehmen ist, zielt diese vor allem auf Existenzerhellung, die in Grenzsituationen des Lebens wie Schuld, Kampf, Leid und Tod möglich wird. Angesichts dieser Situationen leuchtet der Sinn unseres Daseins auf: Gelassenheit, Verantwortung, Liebe und Glück.

In : " Was ist der Mensch? ", Untertitel: Philosophisches Denken für alle, zeichnet Karl Jaspers zunächst ein feinfühliges Selbstportrait, dem sich eine kurze Beschreibung seines Weges zur Philosophie anschließt.

Anschließend beantwortet der Philosoph die Frage, was Philosophie eigentlich ist, thematisiert die Wechselbeziehung zwischen Philosophie und Wissenschaft, geht auf die Ursprünge der Philosophie ein und unterscheidet hier zwischen historischen Anfängen und den Quellen aus denen der Antrieb zum Philosophieren kommt.

Es ist unmöglich auf alle Texte Jaspers und alle Kommentare Hans Saners, des Herausgebers dieses Buches einzugehen, weil dies den Rahmen der Rezension sprengen würde. Leider!

Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zur philosophischen Lebensführung gelesen. Er sieht zwei Wege: zum einen den der meditativen Besinnung, zum anderen den der Kommunikation. Selbstreflektion, transzendierende Besinnung und Besinnung auf das, was gegenwärtig zu tun ansteht, lehrt die Macht des Gedankens.

Denken selbst ist für den Philosophen der Beginn des Menschseins. Jaspers verdeutlicht, dass Philosophieren an die Grenzen der Verstandeserkenntnis drängt, um sich zu entzünden. Er konstatiert, dass derjenige, der meint alles zu durchschauen nicht mehr philosophiert, weil derjenige, der kein Geheimnis mehr kennt, nicht mehr sucht.

Nicht unerwähnt lässt Jaspers, dass die Philosophie keine Lehre im Sinne von Vorschriften ist unter die die Einzelfälle des täglichen Lebens subsumiert werden können. Diesen Satz sollte man rot anstreichen, denn sein Inhalt wird oft vergessen, was nicht selten zu unergiebigen, pseudointellektuellen Diskussionen führt.

Bevor Jaspers die Grenzsituationen, die ich in meiner Rezension eingangs erwähne, näher beleuchtet, definiert er die Begriffe Grenze und Situation.

Grenzsituation sind für ihn immer seiende, unwandelbare Situationen, die mit dem Dasein selbst gegeben sind. Die einzelnen Grenzsituationen werden im Anschluss daran näher beleuchtet und versucht den Sinn dieser Situationen zu erhellen.

Alle Wege des philosophischen Lebens und des Denkens führen an diese Grenzen, an denen die Möglichkeiten des Menschen aufleuchten, die mehr als bloßes Dasein sind.

Als Kern aller erfüllenden Möglichkeiten sieht Jaspers die " Existenz ". Er definiert in der Folge, was man unter ihr zu verstehen hat und kommt zum Ergebnis, dass Existenz nur in Kommunikation von Existenzen stattfindet. Jaspers verquickt die Philosophie der Grenzsituationen mit der Philosophie der Kommunikation und zeigt u. a. die Wechselwirkung, zwischen Einsamkeit und Kommunikation, aber auch zwischen der Liebe und Kommunikation. Ich möchte in diesem Zusammenhang einige Sätze zitieren, die viel über das einfühlsame, reflektierte Denken Jaspers aussagen: " Ohne existentielle Kommunikation ist alle Liebe fragwürdig. Wenn auch die Liebe nicht begründet, so ist sie doch keine Liebe, die nicht in Kommunikation sich bewährt. Wo Kommunikation endgültig abbricht, hört Liebe auf, weil sie Täuschung war; wo sie aber wirklich war, kann die Kommunikation nicht aufhören, sondern muss ihre Gestalt verwandeln. Kommunikation ist die von der Liebe erfüllte Bewegung im Zeitdasein, welche auf das Einswerden zu gehen scheint, aber im Einsgewordensein aufhören muss. Das Zweisein lässt die Liebe nicht zur Ruhe kommen."( S. 187)

Für Jaspers ist die Philosophie der Existenz eine Philosophie der Freiheit und zwar Freiheit im Aneignen der Grenzsituationen aber auch im Prozess der Kommunikation,

Weiter beleuchtet Jaspers, ob eine philosophische Ethik möglich sei und bejaht dieses. Für die Lüge gilt: " Du sollst dich nie selbst belügen" und " Du sollst niemals Menschen belügen, mit denen Du in Kommunikation verbunden bist ". Saner verdeutlich, dass diese Sicht

letztlich in eine Doppelmoral führt, weil sie die " Binnenmoral" der Intimität von der relativen Außenmoral der Gesellschaft abspaltet.

Jaspers lotet in der Folge den Handlungsbegriff aus und befasst sich mit ethischen Sätzen und Rechtssätzen um schließlich das absolute Bewusstsein als Liebe und Phantasie als Spiel sowie als Gelassenheit zu beschreiben.

Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension diesen Themen komplex breit gefächert zu erläutern. Ein Sinn der Lebens ist für Jaspers, wie eingangs bereits erwähnt die Liebe, als " die unbegreiflichste, weil grundloseste und selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins."( S. 216)

Sie ist für ihn unendlich, hellsichtig, bedeutet Aufschwung und gegenwärtige Befriedigung und ist als erfüllte Gegenwart nur Gipfel und Augenblick, sie ist als Wiederholung Treue, ist Selbstwerden und Selbsthingabe. Jaspers hält fest: "Wo ich mich wahrhaft ganz, ohne Rückhalt, gebe, finde ich mich selbst. Wo ich mich auf mich selber wende und Reserven festhalte, werde ich lieblos und verliere mich. Die Liebe hat ihre Tiefe im Verhältnis von Existenz zu Existenz."( S.217)

Diese Liebe, wie auch die Phantasie, das Spiel und die Gelassenheit zu leben sind der Sinn unseres Daseins.

Im Buch wird des Weiteren Jaspers mythisches Denken abgehandelt und die Frage nach der Transzendenz ausgelotet, die ich an dieser Stelle nur erwähnen möchte, weil kpoac sie vermutlich ausführlich abhandeln wird.

Der ethische Anspruch von Jaspers Philosophie hat bei ihm zur politischen Kritik geführt. Er wandte sich aufgrund dessen gegen totalitäre Systeme und gegen die freiheitsgefährdende Atompolitik der Weltmächte.

Mit großem Interesse habe ich Jaspers Betrachtungen zu den Schuldbegriffen zum Ende des Buches gelesen.

Er untergliedert in kriminelle, politische, moralische und metaphysische Schuld. Durch diese Unterscheidung wird der Sinn von Vorwürfen geklärt. Jaspers macht dabei u. a . klar, dass beispielsweise politische Schuld zwar Haftung aller Staatsbürger für die Folgen staatlicher Handlungen beinhaltet, jedoch nicht kriminelle und moralische Schuld des einzelnen Staatsbürgers in Bezug auf Verbrechen , die im Namen des Staates begangen werden. Durch die Differenzierung des Schuldbegriffes möchte der Philosoph vor " Flachheit des Schuldgeredes" bewahren.

Er zeigt , wann politische Schuld zur moralischen wird und hält fest, dass dort, wo Macht sich nicht begrenzt Gewalt und Terror herrscht und am Ende die Vernichtung von Dasein und Seele.

Deshalb müssen Bindungen gelten, damit Gewalt und Terror nicht durchbrechen, weil Bindung letztlich Verzicht auf Willkür bedeutet. Dennoch wird immer ein Rest von Gewalt bleiben, dessen muss man sich bewusst werden.

Jaspers resümiert in diesem Zusammenhang: " Es ist eine Täuschung, dass das Recht als solches sich zuverlässig durchsetze. Wie auch Wahrheit, und nicht nur die Unwahrheit einen Advokaten braucht, so braucht Recht Macht, die schon die Macht des Rechts selber ist."( S.367)

Ein interessantes Buch, das folgende Fragen klug beantwortet: Was ist der Mensch? Was ist Philosophie? Was bedeutet Transzendenz und was vermag die Philosophie in dieser Welt?

Empfehlenswert! Hoffentlich wird es bald wieder neu aufgelegt!








Rezension: Die Nacht vor der Scheidung- Sandor Marai

Das enge Korsett der Konventionen macht frigide!,

Sandor Marais Roman " Die Nacht vor der Scheidung " wurde erstmals 1935 in Budapest verlegt. Die in die Handlung eingeflochtene Gesellschaftsstudie steht unter dem Einfluss des zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Psychoanalytikers Sigmund Freud. Große Themen des vorliegenden Buches nämlich sind : Hysterie sowie Frigidität und die daraus resultierenden Folgen. Marai geht es offensichtlich darum, die fatalen Merkmale einer Epoche zu verdeutlichen und darauf aufmerksam zu machen, dass ein zu enges Korsett der Konventionen Auslöser so mancher Tragödie sein kann.

Am Vorabend vor der gesetzlichen Trennung von seiner Ehefrau besucht der nachdenkliche, psychisch unausgeglichene Arzt Imre Greiner, unverhofft, seinen Jugendfreund, der ihn ,in seiner Funktion als Richter, tags darauf von seiner Gemahlin rechtmäßig scheiden soll.

Greiner dröselt auf, weshalb die Beziehung zu seiner Frau zerbrach. Seine Erwartungshaltung gegenüber Anna, seine Vorstellung von " völliger Hingabe " und nahezu symbiotischer Vereinigung ließen sich in der Realität nicht umsetzen. Diese Erkenntnis führte dazu, dass die beiden Personen letztlich auseinander gedriftet sind. Imre analysiert die eigentliche Ursache: " Es fallen Familien auseinander, es flüchten Menschen in den Tod und verlieren ihre Arbeitslust, vernachlässigen ihr Handwerk, ihre soziale Verantwortung, die Gefühle erkalten und gehen verloren oder sie werden staubig, und eines Tages zerfällt das Leben in seine Bestandteile...Und hinter allem finde ich einen frigiden Lebensgefährten." Die Frigidität deutet er als eine Folge sozialer Probleme. Als Triebfeder begreift Imre Erziehung, das Milieu, die Angst, " alles , was der Preis der Zivilisation ist ." Er gelangt zu dem Ergebnis, dass in seiner Gesellschaftsklasse die meisten Frauen frigide sind.

Der Versuch seine Gattin zu heilen mißlingt. Doch Imre besitzt nicht die Haltung seines Freundes sich leidenschaftlos in den Ehealltag einzufinden. Die emotionale Distanz wird für ihn, gleichwohl auch für Anna, zu einem unauflösbaren Problem.

Weshalb Imre Greiner am folgenden Morgen dennoch nicht mit seiner Frau gemeinsam vor Gericht erscheinen wird, erfährt der Leser auf den letzten Seiten dieses hervorragend geschriebenen Buches.

Rezension: Anna Karenina- DVD

"Wenn wir unseren Leidenschaften widerstehen, so geschieht es mehr infolge ihrer Schwäche als infolge unserer Stärke."

Der vorliegende Film " Anna Karenina " beruht auf dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoi (1828-1910), der nach meiner Meinung der beste Roman der Weltliteratur ist.

Kann man einen solchen Roman - er umfasst mehr als 1000 Seiten und keineswegs nur einen Handlungsstrang - filmisch umsetzen?

Ja man kann, sofern man selektiert und wenn man wohlüberlegt selektiert kommt sogar ein guter Film dabei heraus, wie das Beispiel zeigt.

Der Regisseur Bernard Rose hat in seiner Buchumsetzung der Liebesgeschichte zwischen Anna Karenina und Wronskiy den größten Raum gegeben.

Die schöne Aristokratin Anna Karenina ( Sophie Marceau) ist Gattin eines wesentlich älteren Mannes aus höchsten Gesellschaftskreisen. Sie hat einen Sohn, den sie abgöttisch liebt. Die Beziehung zu ihrem Ehemann ist aber ohne Liebe und gänzlich ohne Leidenschaft.

Anna lebt mit ihrem Mann in Petersburg und reist zu Anfang des Films von dort nach Moskau, um ihre Verwandtschaft zu besuchen. Bereits auf dem Bahnhof kommt es zu einem zufälligen Blickaustausch zwischen ihr und dem attraktiven Grafen Wronskiy , der dort seine Mutter vom Zug abholt. Selbst Zuschauer, die das Buch nicht kennen, ahnen dass es zwischen diesen beiden Personen schicksalhafte Verstrickungen geben wird. Dies wird unterstrichen durch einen Unfall eines Bahnarbeiters, der genau in dem Moment als sich die Blicke der beiden treffen vom Zug überfahren wird

Auf einem Ball in Moskau begegnen sich die zwei Menschen erneut. Kitty die jüngere Schwester von Annas Schwägerin ist in Wronskiy verliebt, doch dieser hat nur Augen für Anna.

Die Szene , die im Buch wie folgt beschrieben ist , wurde im Film 1:1 umgesetzt:

" Anna lächelte und er lächelte auch. Sie war nachdenklich und er wurde ernst....Sie war entzückend in ihrem schwarzen Kleid, entzückend waren ihre vollen Arme mit den Armbändern, entzückend der feste Hals mit der Perlenkette, entzückend die Löckchen der in Unordnung geratenen Frisur, entzückend die leichten , anmutigen Bewegungen der kleinen Füße und Hände, entzückend dieses schöne Gesicht in seiner Lebendigkeit; aber es war etwas Schreckliches und Grausames in all dem Liebreiz....."

Die beiden tanzen miteinander und für alle sichtbar geht von diesem Paar eine faszinierende Erotik aus. Anna und Wronskiy ziehen sich magisch an. Sie können einander nicht entkommen. Ihre Sehnsucht fordert Tribut und sie sind bereit ihn zu zahlen.

In Petersburg begegnen die beiden sich erneut. Sie kommen sich körperlich nah und können von da an nicht mehr voneinander lassen. Da die beiden offen mit ihrer Liebe umgehen, ist der Eklat mit Karenin unausweichlich. Er trennt sich von Anna und verwehrt ihr ihren geliebten Sohn.

Nach einer Fehlgeburt reist sie mit Wronskiy nach Italien und verlebt dort ihre glücklichste Zeit mit ihrem Geliebten. Dieser Part ist im Film recht knapp abgehandelt. Die Bilder allerdings sind so eindringlich, dass man spürt, dass von Stund an die Beziehung zu kippen beginnt.

Wieder zurück in Russland beginnt Anna zu leiden, denn sie darf ihren Sohn nach wie vor nicht sehen und wird gesellschaftlich gemieden. Diese Tatsache verändert ihre Persönlichkeit. Sie dopt sich mit Opium und verfängt sich in Eifersuchtsszenen.

Wronskiy hat gesellschaftliche Verpflichtungen und er möchte die Gesellschaft nicht noch mehr verärgern. Er wartet auf die Akzeptanz der Scheidung seitens Karenin, denn er will Anna heirateten. Anna begreift das nicht. Weil sie isoliert ist, erwartet sie von Wronskiy , dass er sich gesellschaftlich ebenfalls abschottet.

Im Buch liest sich das so: " Meine Liebe wird immer leidenschaftlicher und egoistischer und seine Liebe erlischt immer mehr und deshalb müssen wir uns trennen ", dachte sie. " Da ist nichts zu machen. Er ist mein ein und alles, aber ich verlange völlige Hingabe vom ihm. Er aber strebt immer mehr danach, sich von mir zu lösen. Vor unsrer Verbindung gingen wir einander entgegen, aber dann gingen wir unaufhaltsam nach verschiedenen Seiten auseinander. Und das lässt sich nicht ändern. Er sagt mir, ich sei sinnlos eifersüchtig, und ich habe mir das auch gesagt, aber das ist nicht wahr. Ich bin nicht eifersüchtig, ich bin unbefriedigt. Aber.." Sie öffnete den Mund und setzte sich im Wagen auf einen anderen Platz, so sehr erregte sie ein neuer auftauchender Gedanke. " Wenn ich etwas anderes sein könnte als die Geliebte, die nur leidenschaftlich nach seinen Liebkosungen verlangt! Aber ich kann und will nichts anderes sein. Und ich rufe durch mein Verlangen nach Liebe nur Abneigung bei ihm hervor und er erweckt in mir Zorn und anderes kann es auch nicht sein....."

Anna erkennt Wronskyis Liebe nicht mehr. Sie transformiert die gesellschaftliche Ablehnung auf ihn und glaubt, dass er sich von ihr trennen möchte, aber dem ist nicht so.

Diese Szene wird besonders gut im Film dargestellt. Man leidet mit der Protagonistin, die vor Kummer keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Anna ist verwirrt.

Sie möchte nicht mehr leiden, deshalb erliegt sie der Magie des Todes:" ...sie wandte die Augen nicht von den Rädern des herankommenden zweiten Wagens ab. Und genau in dem Augenblick , als die Mitte zwischen den Rädern ihr gegenüber war, warf sie die rote Reisetasche fort, drückte den Kopf zwischen die Schultern , ließ sich unter den Waggon auf die Hände fallen und kniete nieder, mit einer leichten Bewegung , als wollte sie gleich wieder aufstehen. Aber im selben Augenblick erschrak sie über das, was sie tat. " Wo bin ich? Was tue ich? Wozu?" Sie wollte aufstehen, sich zurückwerfen, aber etwas Riesiges, Unerbittliches stieß gegen ihren Kopf und schleppte sie am Rücken mit fort. " Herr Gott, vergib mir alles! " sagte sie, als sie fühlte, dass kein Widerstand mehr möglich war."

Diese letzte entscheidende Szene korrespondiert im Film vortrefflich mit der Anfangsszene und verdeutlicht, dass die Akteurin im Grunde keine Selbstmörderin ist. Sie sucht den traumloser Schlaf aber nicht den Tod.

Der Regisseur zeigt auch andere, weniger leidenschaftlich Liebesbeziehungen, wie etwa jene zwischen Konstantin Levin und Kitty, die als lebbarer dargestellt werden. Zu viel Leidenschaft schafft Leid. Eine Botschaft, die man ungern zur Kenntnis nimmt, obschon man weiß, dass sie der Wahrheit entspricht.

Der Film ist mit der wundervollen Musik Peter Tschaikowskys unterlegt, die die Emotionen der Protagonisten vortrefflich spiegelt.

Der Reichtum des russischen Adels zu Ende des vorletzten Jahrhunderts wird anhand der Ausstattung der Räume und der Kleidung, sowie des Schmucks der Damen hervorragend visualisiert und es wird auch der Gegensatz zu den armen Bauern auf dem Land gezeigt.

Dass dieser krasse Gegensatz zu gesellschaftlichen Problemen führen musste, wird immer wieder verdeutlicht, wenn kommunistisches Gedankengut gestreift wird.

Der Film ist unabhängig von seinem ergreifenden gedanklichen Inhalt ein visuelles Fest aus der zaristischen Zeit.

Bonusmaterial ist vorhanden. Die Bild und Tonqualität sind bestens.

Empfehlenswert.

PS: Das Zitat in der Kopfzeile stammt aus der Feder von F.de La Rochefoucauld






Rezension: Einstein- Biografie- Jürgen Neffe

Vergnügt segelte er auf dem Templiner See!,

Jürgen Neffe beleuchtet nicht wenige Facetten in Albert Einsteins vielschichtigem Leben.

Vorrangig befasst sich der Autor allerdings mit der Entwicklung von Einsteins naturwissenschaftlichem Genie. Frühe Förderung erhielt der junge Albert in seinem Elternhaus. Sein Vater besaß in München eine Firma, die sich mit Elektrizität beschäftigte und Beleuchtungsanlagen vertrieb. In dieser Firma hatte der mathematisch Hochbegabte Gelegenheit sich bereits im Kindesalter praktisch mit dem auseinanderzusetzen, was er , als Lesenarr, zuvor in der Bibliothek der Familie theoretisch an naturwissenschaftlichen Kenntnissen in sich aufgesogen hatte. Im Laufe einer zehnjährigen Lernphase hinterfragte er den Zeitbegriff nicht nur physikalisch, sondern auch philosophisch und so gelangte der spätere Professor schließlich zu seiner berühmten Formel " Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat." Über Einsteins Relativitätstheorie und dessen Quantentheorie, wie auch über seine Bemühungen eine " Weltformel " zu finden, schreibt Neffe ausführlich und durchaus transparent genug, damit selbst der Laie noch eine Idee von dem erhält, worum es dem Genie bei seinen gedanklichen Höhenflügen gegangen ist.


Über Einsteins Freunde, vor allem Michele Besso und von seinen Feinden ist die Rede. Der Nobelpreisträger kannte viele und nicht wenige drängten sich in seinen Dunstkreis. Man erfährt, dass Heinrich Mann und nicht Thomas sein Lieblingsautor war, er die Kompositionen Mozarts musikalisch am meisten schätzte und sich von Liebermann und nicht von Chagall portätieren ließ. Entschieden lehnte Einstein die These einer Spiegelung seiner Relativitätstheorie in der damals zeitgenössischen Kunst, etwa im Kubismus Feiningers, ab. Der Hobby- Geiger und Freizeit- Segler scheint gewisse Persönlichkeitsdefizite im Umgang mit Frauen gehabt zu haben. Dokumente aus seiner Ehe mit seiner ersten Frau, der Physikerin Mileva Maric lassen keinen anderen Schluss zu. Auch seine Beziehung zu seinen Kindern war schwierig. Dem Intellektuellen scheint der gefühlsmäßige Zugang zu seinen unmittelbaren Mitmenschen ein Leben lang verschlossen geblieben zu sein.


Der nicht religiöse Jude Einstein war erklärter Zionist, setzte sich für humanistische Ideen und für demokratische Strukturen in der Gesellschaft ein. Mit Walther Rathenau hatte Einstein damals engen Kontakt. Früh schon war er, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen des ersten Weltkrieges, Pazifist geworden. Distanzierte sich jedoch , nachdem er später vom Holocaust erfuhr, vorübergehend von seinen pazifistischen Grundeinstellungen und plädierte sogar für den Einsatz der Atombombe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Bereits 1945 allerdings kehrte er zu seiner vormaligen Friedensbewegtheit zurück, und begründete die bedeutendste Friedensinitiative der 50er Jahre mittels des Russell- Einstein- Manifestes.
 
 
Vor 1933 war Albert Einstein in Berlin am ehrwürdigen Max- Planck- Institut tätig. Zu diesem Zeitpunkt war er weltweit schon eine Berühmtheit. Das hinderte die Nazis - solche gab es auch unter seinen hochkarätigen Kollegen- nicht daran, massiv gegen die Geistesgröße vorzugehen. Der Nobelpreisträger emigirierte 1933, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Elsa , nach Princeton, in die USA. Er lehrte in den Folgejahren als Professor an der dortigen Universität. Auch in Amerika blieb der kluge Professor politisch aktiv, setzte sich für Minderheiten ein, für Gerechtigkeit, Frieden und Vernunft. Einstein blieb , wie man Neffes hervorragender Biographie entnehmen kann, ein Querkopf und ein Querdenker bis ans Ende seiner Tage, am 15. April 1955. Ein tolles Buch über den Menschen, der so gerne auf dem Templiner See gesegelt ist!

Rezension: Concert of Angels (ear Book)

Auch liebe Engel öffnet mir/ - Ich aß vom bitteren Brote - /Mir lebend schön die Himmelstür- Auch wider dem Verbote"., (Lasker Schüler, aus: Mein blaues Klavier) 
In allen Jahrhunderten waren Menschen von Engeln fasziniert und Künstler unterschiedlicher Epochen interpretierten sie jeweils auf ihre Weise. Engel sind die beflügelnden Boten des Friedens. Im christlichen Kulturkreis ist der Engel Gabriel untrennbar mit der Ankündigung der Geburt Jesu verknüpft. Gott selbst ist der Schöpfer und Bildner der Engel. Er hat sie aus dem Nichtsein ins Sein gerufen, nach seinem Bilde geschaffen als eine körperliche Natur, eine Art Wind und unstoffliches Feuer. Engel begleiten die Menschen durch alle Lebensphasen. Engel sind auch Wegbegleiter ins himmlische Reich, wo Menschen wie Engel werden sollen. 
Das vorliegende earBook verzichtet bei seiner musikalischen und visuellen Huldigung dieser Lichtgestalten vollkommen auf Begleittexte. "Während man sich in die wunderbare Gemäldablichtungen von Engelsdarstellungen aus der Renaissance- und Barockzeit vertieft, tragen die zauberhaften Klänge himmlischer Chormusik, Verkündigungsmusik, barocker Pauken und Trompeten aber auch Spärenklänge auf den vier dem Buch beigefügten CDs dazu bei, dass man sich beinahe wie im Himmel fühlt. 
Man hört u.a. Stücke von Händel, Schütz, Bach, Mozart, Brahms, Gallus, Reger, Mendolsohn, Bartholdy, Biber, Vejvanovsky, Weichlein, Purcell, Caldara, Kerzinger, Falsch, Bruckner, Bizet, Mozart, Gluck, Boccherini, Prokoviev, Hindesmith und Mahler,doch mir scheint, dass Christoph Willibald Glucks " Reigen seliger Geister" aus Orpheus und Euridike himmlischer Spährenmusik am nächsten kommt.  
Die CDs sind von bester Klangqualität. Die wunderbaren Stücke der oben angeführten Meister werden von bekannten Orchestern gespielt und von namhaften Interpreten, wie etwa Peter Schreier vorgetragen. Zu den Dirigenten zählt u.a. Kurt Masur.  
Die wohl zauberhaftesten Engeldarstellungen stammen von Raphael. Gezeigt wird im Buch u.a. der berühmte Ausschnitt aus dem Gemälde " Die Sixitinische Madonna", um 1513. Wunderschön sind Guercinos " Die Schutzheiligen von Modena", die Putten aus Tizans "Huldigung der Venus", Jean- Baptist Greuzes "Kopf des Armor" , aber auch Fra Angelos "Trommelnder Engel". 
Sehr empfehlenswert, sowohl der Musik als auch der Bilddarstellungen wegen.




Rezension: Alatriste-DVD

Hast Du einmal inne gehalten und darüber nachgedacht, dass es immer damit endet, dass man sich umbringt?

Das Zitat ist der Kopfzeile ist die Kernaussage im Film, die anhand vieler beispielhafter Szenen immer wieder aufs Neue visualisiert wird. " Alatriste " ist ein Film über die Brutalität kriegerischer Auseinandersetzungen zu Beginn der Neuzeit, also im 17. Jahrhundert, wie sie sich damals in vielen europäischen Ländern , religiös legitimiert, zutrug. Handlungsorte sind Flandern und Spanien.

Obschon dieser Streifen eine Reihe bemerkenswerter Fechtszenen aufweist, ist er kein farbenprächtiges " Mantel- und Degen-Machwerk ", sondern ein sehr düsterer Film , frei von Kitsch-Elementen, der sich mit Kriegalltag während des Dreißigjährigen Krieges befasst. Kaltblütig wird gemordet, Menschen werden zuhauf erschossen, erstochen, erdolcht, bekommen die Kehlen durchgeschnitten, die Köpfe abgehackt, alles zum Wohle der herrschende Klasse ( in diesem Falle der spanischen) , die ihre Pfründe auf diese Weise sichern möchte.
Gezeigt werden die Kriege, die Philip IV führt. In Flandern geht es zunächst darum die rebellischen Protestanten zu schwächen. Später versucht Frankreich mittels Krieg die Hegemonie Spaniens zu brechen. Diese Konflikte sind Teile des Dreißigjährigen Krieges.

Alatriste , der Protagonist des Films, betreibt das Kriegshandwerk seit frühester Jugend. Seine strategischen Fähigkeiten werden von der Oberschicht zu ihrem Vorteil genutzt. Er, wie auch alle anderen Soldaten, werden für ihre kriegerischen Einsätze allerdings selten entlohnt. Oft haben sie noch nicht mal genug zu essen und sind erbärmlich gekleidet.

Ihr Tun hinterfragen diese Männer nicht. Das Soldatenleben ist für sie gottgewollte Normalität. Morden, das sie als Ergebnis von Kampf begreifen, hinterfragen sie nicht ethisch. Es ist ihnen keinen Gedanke wert, wenn sie anderen die Kehle durchschneiden.Interessant zu sehen, wie sich Aggression in solchen Kämpfen aufbaut, um sich dann grausam zu entladen. Man erlebt Alatriste und seinen Pagen im Laufe des Films aber auch als zärtlich liebende, hingabebereite Männer, wodurch deutlich wird, dass die Umstände für das Verhalten von Menschen nicht ohne Bedeutung sind.

Muss tatsächlich dauerhaft alles damit enden , dass man sich gegenseitig umbringt? Oder ist dies zu umgehen, wenn man sich ernsthaft um mehr Ethik bemüht? Werden einige Wenige - solange die Erde besteht - immer wieder die Möglichkeit erhalten, ihres Vorteils wegen andere zum Morden zu bewegen? Ist dies ein Naturgesetz? Oder werden die Menschen irgenwann mündig sein und sich der Gier breiter Teile der jeweiligen Oberschicht widersetzen? Wodurch kann die Menschheit diese Mündigkeit erreichen? Was muss anders werden?









Rezension: Neidisch sind immer nur die anderen: Über die Unfähigkeit, zufrieden zu sein, von Rolf Haubl

 Neid als auch Eifersucht sind mit Feindseligkeit verbunden,
Rolf Haubl ist Professor für Psychologie an der Universität Augsburg.

Im vorliegenden Buch befasst er sich mit den Ursachen und Auswirkungen des Neidgefühls und der Unfähigkeit vieler Menschen zufrieden zu sein.

Haubl reflektiert eingangs die Bestimmungsmerkmale und Erscheinungsformen von Neid.

Der Psychologe verdeutlicht, dass das hauptsächliche Bestimmungsmerkmal des Neides Feindseligkeit ist. Er konstatiert, dass Neid vorliegt, wenn jemand feindselig darauf reagiert, dass ein anderer ein Gut besitzt, das er selbst begehrt, sich dieses aber selbst nicht aneignen kann.

Eine psychosoziale Bewältigung von Neid ist durch Depression, Ehrgeiz und Empörung möglich.

Der Autor weist auf die Verwandtschaft von Eifersucht und Neid hin. Während Neid eine Beziehung zwischen zwei Personen, der neidischen und der beneideten voraussetzt, umfasst Eifersucht offenbar ein Beziehungsdreieck, ( beispielsweise eifersüchtiger Mann, geliebte Frau und Rivale). Neid als auch Eifersucht sind mit Feindseligkeit verbunden. Wenn Eifersucht und Neid zusammenkommen, so entzünden sie sich aneinander, da beide leicht entflammbar sind.

Ein christliches Ideal ist die Neidfreiheit. Neid gilt in der Bibel als Todsünde. Der Autor setzt sich mit dieser Gegebenheit detailliert auseinander und lotet in diesem Zusammenhang den Kain-Komplex aus. Dabei zeigt sich , dass Neidbewältigung der eigentliche Ursprung der Zivilisation ist.

Des weiteren spricht Professor Haubl von den Ausdrucksformen des Neides und hier vor allem von den neidischen Gesichtszügen, die sich mit den Jahren bei neidischen Menschen eingraben. Diese Personen gelten allgemein als verbissen und unsympathisch. Der Begriff " Scheelsucht" kommt nicht von ungefähr, wie der Psychologe klarmacht. Der schiefe Blick ist nach seiner Ansicht deshalb sehr schlimm, weil er täuscht. Der Kopf weist in eine andere Richtung als die Augen. Das Phänomen des bösen Blickes ist mit dem des scheelen Blickes eng verwandt und geistert nicht ganz grundlos durch die Jahrhunderte, wie Prof. Haubl verdeutlicht.

Neid und Schadenfreude sind ein Begriffspaar, das zusammengehört. Dabei ist Schadenfreude eng mit Grausamkeit verwandt. Schadenfreude gibt dem Neidischen psychische Entlastung.

Wenn Schadenfreude nicht genügt um den Neid zu besänftigen, versucht der neidische Mensch sich zu rächen. Sofern der neidische Mensch seinen beneideten Mitmenschen in der Phantasie oder gar real schädigt bzw. vernichtet, hat er dessen vermeintlichen Angriff " auf magische Weise ungeschehen gemacht."( vgl. S. 82) Treffend spricht man in diesem Zusammenhang von kalter Rache.

Ressentiment ist eine neidisch-rachsüchtige Haltung. Wer Groll wider einen beneideten Menschen hegt, erlebt sich in mehrfacher Hinsicht als ohnmächtig. Zum einem glaubt er nicht daran das begehrte Gut aus eigener Anstrengung erlangen zu können, zum anderen fürchtet er , dass er unterliegt, wenn er es versuchen würde, sich gegen den anderen offen feindselig zu verhalten, ferner wagt er es sich nicht Neid einzugestehen, weil er gelernt hat, dass nur böse Menschen neidisch sind. Das bedingt , dass Neid und Feindseligkeit verdrängt werden und sich nur maskiert zeigen können. Ergebnis sind ressentimentgeladene Menschen, die nach risikolosen Möglichkeiten suchen, ihre neidische Feindseligkeit zu befriedigen.

Bemerkenswert ist, dass Neid Mitleid verhindert. Der Neider kann sich nur durch Schadenfreude und Rache psychisch entlasten, sofern er den Beneideten nicht bemitleidet. Nur wer ohne Empathie ist, kann sich feindselig verhalten. Deshalb, so Haubl, führt Neid nicht selten zu einer generellen Empathieverweigerung.

Ohne Empathie allerdings ist Fremdverstehen unmöglich. Der Neider lässt sich nicht auf die Erlebniswelt des Beneideten ein, weil er ihn sonst nicht mehr länger entwerten kann. Er möchte seine Vorurteile bestätigen, sonst nichts. Besonders gerne blenden Neider , wie der Autor festhält, Anstrengungen aus, die sie selbst nicht auf sich nehmen möchten, sowie beschwerliche Folgen , die der Besitz des begehrten Gutes mit sich bringt.

Auch zwischen Neid und Zynismus gibt es Zusammenhänge. Ein Zyniker wertet ab, was ihm selbst etwas wert ist.

Der feindselig -schädigende Neid richtet sich nicht nur gegen den beneideten Mitmenschen, sondern auch gegen den Neider selbst. Auch wenn sich der neidische Mensch durch das Ausleben von Ärger, Wut und Hass psychisch entlasten kann, hilft es ihm letztlich nichts, weil sein Begehren ungestillt bleibt . Alles, was er der beneideten Person antut, fällt auf ihn selbst zurück. Auch wenn er das Gut und den Menschen, dem es gehört zerstört hat, behält er das Gut vor Augen, das er nicht besitzt. Er wird weiter leiden. Der Neid wird ihn vergiften und ihn verzehren.

Eine der Auswirkungen von Neid ist Rivalität. Hier unterscheidet Haubl zwischen ehrgeizig -stimulierender und feindselig schädigender Rivalität. Während man bei der ehrgeizig -stimulierenden Rivalität bestrebt ist sich im Vergleich mit anderen ständig zu verbessern und damit die Möglichkeiten der Verbesserung und nicht die Rivalität im Vordergrund steht, verhält ist es bei der feindselig- schädigenden Rivalität so , dass diese sich ausschließlich auf die Rivalität konzentriert. Es geht darum die Rivalen aus dem Feld zu schlagen. Deshalb sehen Personen, die so gestrickt sind, ihre Rivalen als Gegner bzw. Feinde. Wer durch krankhaften Ehrgeiz in seinem Tun angetrieben wird, gelangt früher oder später in feindselig -schädigender Rivalität zu seinen Mitmenschen. Personen dieser Art verfügen über ein hohes Aggressionspotential, unabhängig davon, wie erfolgreich sie sind. Zudem sind sie in der Regel nicht kreativ. Der Psychologe nennt die Gründe für dieses bemerkenswerte Phänomen.

Neidische Menschen ertragen offenbar vor allem eines nicht: soziale Unterstützung von einer Person zu erhalten , die sie um das begehrte Gut beneiden, nicht zuletzt weil die Person zu dem primär beneideten Gut auch noch das beneidenswerte Gut der Hilfsbereitschaft besitzt.

Der Psychologe beleuchet im Buch auch den so genannten Geschlechterneid, er diskutiert Penisneid, Vaginalneid, Brust- und Gebärneid . Auch ist für ihn der Neid unter Geschwistern und der Neid als Generationenkonflikt ein Thema.

Neid am Arbeitsplatz führt zu vergiftetem Betriebsklima. Gerüchte und Klatsch sind die Mittel um einer beneideten Person zu schaden. Dort wo Neid und Missgunst herrschen ist Mobbing nicht weit. Unter Mobbing versteht man, so Haubl, die zielstrebige Entwertung eines Mitarbeiters durch Kollegen mit dem Ziel diese Person auszugrenzen. Infolge der aggressiven Gruppendynamik wird in der Regel die Arbeitsfähigkeit aller untergraben. Strategien des Mobbing sind u.a. den anderen des geistigen Diebstahls zu bezichtigen ( vgl. S. 230) , ihn zu terrorisieren und vieles andere mehr. Wehrt sich der Gemobbte, bestätigt er die in ihrer Wahrnehmung eingeschränkte Gruppe in der Meinung, dass er nur Scherereien macht. Nicht selten gilt der gemobbte Mitarbeiter als Sündenbock. Die Arbeitsgruppe versucht sich auf seine Kosten zu stabilisieren. Der Versuch allerdings stellt sich als Illusion heraus, wie der Psychologe festhält, weil alsbald ein anderer Mitarbeiter in die Rolle des Sündenbocks gedrängt wird.

Im letzten Teil des Buchs hinterfragt Haubl, ob es auch gerechtfertigten Neid gibt. Hier thematisiert er Rawls Verteilungsgerechtigkeit und den Begriff der Gerechtigkeit im allgemeinen.

Der Psychologe lässt nicht unerwähnt, dass Menschen immer dann eine große Neidbereitschaft an den Tag legen, wenn sie im Laufe ihres Lebens ein falsches Selbst entwickelt und nie gelernt haben, was sie am besten können. Menschen , die ihre Lebensenergie in die falschen Ziele investieren, haben das Gefühl das Leben verfehlt zu haben. Sie neiden ihren Mitmenschen letztlich das vitale Lebensgefühl , das sie nicht haben. Weil sie es nicht besitzen, müssen sie es bei anderen verderben.

Ein Lesemuss für alle , die sich und andere verstehen möchten!










Rezension: Über die Moral - David Hume

Die Fähigkeit Mitleid zu empfinden erhebt den Menschen über den Rest der Natur. Dank dieser Fähigkeit,,
die sich nicht auf Individuen und bestimmte Kulturen beschränkt, können wir moralische Urteile fällen."( Hume)

Der englische Philosoph David Hume(1711-1776) ist einer der Hauptvertreter des Empirismus. Im Anschluss an John Locke analysierte er das Zustandekommen von Erkenntnis aus Erfahrung. Seine Ethik gründet Hume auf das ursprüngliche Gefühl der Sympathie. Hume wurde Wegbereiter des Utilitarismus. Religiös stand er dem Deismus nahe. Dieser Philosoph wirkte auf die französische Aufklärung, beeinflusste Kant in seiner Wendung zum Kritizismus und war bestimmend für die Entstehung des kritischen Rationalismus.

" Über die Moral" ist untergliedert in drei Teile. Im ersten Teil werden Tugend und Laster im allgemeinen abgehandelt. Der zweite Teil reflektiert den Rechtsinn und die Widerrechtlichkeit. Der dritte Teil schließlich behandelt die übrigen Tugenden.

Hume sieht unsere Moralurteile als subjektiv an, als eine Angelegenheit unserer positiven und negativen Gefühlsreaktionen auf Ereignisse oder menschlichen Handlungen. Was Humes Ethik über diesen kruden Subjektivismus hinaushebt, ist die Gegebenheit, dass er die Reaktionen in Gefühlen wie Sympathie und Menschenliebe verankert, welche ein allgemeinmenschlicher Zug sind. Die Aussage "Folter ist falsch" ist keineswegs subjektiver als die "der Himmel ist blau. Beide hängen davon ab, dass ein normales, menschliches Wesen mit normalen menschlichen Fähigkeiten sie äußert.

Es empfiehlt sich, den ausführlichen Kommentar von Herlinde Pauer-Stauder im Anhang zu studieren, denn hier erhält man eine gute historische Einführung in Humes Werk. Des Weiteren wird der Text im Anhang bestens zusammengefasst und erläutert, was zu dessen schnelleren Erhellung sehr zweckdienlich ist.

Man wird ferner zufriedenstellend über die Rezeptionsgeschichte informiert und darf sich nicht zuletzt an einem umfangreichen Glossar erfreuen.








Rezension: Gräfin Cosel

Gräfin Cosel ist die schöne, intelligente und dabei ehrgeizige Mätresse Augusts des Starken von Sachsen, die sich in ihrer Unbeugsamkeit von allen weiteren Geliebten seines berüchtigten "Harems" unterscheidet und nicht zuletzt dadurch in die Geschichte eingehen wird. Nachdem der König Madame Cosel beinahe

ein Jahrzehnt hindurch in jeder Beziehung Gunst bezeugt und sie mit Geschenken aller Art überhäuft hat, verliert er das Interesse an ihr und vollzieht die Trennung. Da sich "die Cosel" nicht ohne Widerspruch mit ihrem Los zufrieden gibt und dem Willen Augusts nicht beugen möchte, darf sie sich nicht länger als stolze Besitzerin des glanzvollen Taschenbergpalais betrachten, sondern muss sich stattdessen mit ihrer Inhaftierung auf der Festung Stolpen abfinden. Dort hält man sie schließlich jahrzehntelang gefangen. Diese Lebensphase wird die einstige Mätresse des sächsischen Königs jedoch ungebrochen überstehen, denn sie findet, wie man von Kraszewski erfährt, aufgrund ihres hohen Erkenntnisvermögens eine Möglichkeit, zwar physisch eingeengt und immerfort auszubrechen versuchend, sich zumindest geistigen Freiraum zu schaffen. Sie liest viel! Ihre Lieblingslesestoff sind hebräische und orientalische Bücher!

Als August der Starke verstirbt und man daraufhin Madame Cosel die Freiheit wieder zubilligt, sieht sie keine Notwendigkeit mehr Stolpen zu verlassen. Wie bereits angedeutet, liegen ihre Prioritäten jetzt auf geistigem Gebiet; der "Dresdner Hof" hat in ihrem Denken schon lange seine Bedeutung verloren!

Die letzte große Passion der Gräfin ist der jüdische Glaube, dem sie sich in ihren späten Jahren intensiv zuwendet.Im Alter von fast fünfundachtzig Jahren schließt Madame Coseldie Augen für immer, aber bis heute ist sie -nicht nur- bei der Dresdner Bevölkerung unvergessen und dazu leistet KraszewskisRoman ganz gewiß einen nicht unbedeutenden Beitrag!

Der polnische Autor hat dieses Buch vor weit mehr als hundert Jahren geschrieben. Dabei ist es ihm gelungen, ein vielschichtiges Bild von Gräfin Cosel zu zeichnen; das Bild einer Frau, der es an ausdrucksstarker Persönlichkeit nicht gemangelt hat. Kraszewski schafft es zudem, dem Leser einen farbenprächtigen Eindruck vom ziemlich intriganten, korrupten,sächsischen Hofleben, von allerlei politischen Verwicklungen, aber auch von den ehrgeizigen, kulturellen Ambitionen, während der Blütezeit von " Elbflorenz", in diesem und weiteren vier, ebenfalls empfehlenswerten Büchern* zu vermitteln. Dabei vergisst der Autor keineswegs die politischen Bestrebungen der damals Mächtigen kritisch zu beleuchten.

Jedem Besucher Dresdens ist es zu empfehlen, neben einem guten, handlichen Reiseführer, z. B. " Dresden und die Sächsische Schweiz", Dumont Reisetaschenbuch, ISBN 3-7701-5936-5, diese Bücher Kraszewskis zu lesen, um eine schillernde Idee von der Glanzzeit Dresdens im Kopf zu haben und sich, entsprechend inspiriert, auf die Stadt einzulassen. Sofern der potentielle Dresden-Besucher auch etwas über den leidvollen Untergang von"Elbflorenz" erfahren möchte, ist es unabdingbar, sich mit dem Buch von Walter Kempowski " Der rote Hahn" ISBN 3-442-72842-8 zu befassen.

*" König August der Starke", " Feldmarschall Flemming"," Graf Brühl" und " Aus dem Siebenjährigen Krieg", alle im Aufbau Taschenbuchverlag erschienen.
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