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Georges Braque: Lyrik der Geometrie. Eine Retrospektive von Neil Cox

Das vorliegende Buch ist der Katalog zur Ausstellung " Georges Braque ", derer man sich vom 14.9.2008- 1.3.2009 in Wien im " Bank Austria Kunstforum " erfreuen kann.
86 Werke, - Gemälde und zentrale druckgraphische Arbeiten - schenken einen profunden Überblick über das gesamte Schaffen des Meisters.

Sieben Essays, die dem Katalog vorangestellt sind, erhellen die dann gezeigten Werke.
Es handelt sich um die Texte:

Eine " entnationalisierte " Landschaft? Braques frühe kubistische Landschaften und die " nationalistische " Geografie von Christopher Green.
Zeitungsausschnitte- Wege kubistischer Fakten von Juliane Vogel
Georges Braque und das Stillleben als Modell taktiler Nähe von Heike Eipeldauer.
Georges Braque - Lyriker der Geometrie und französische Maler von Caroline Messensee.
Braque baroque- Die Stillleben der 1920er Jahre von Edith Futscher
Dunkle Materie - Braques Schwarz von Neil Cox
Lyre sans bornes des possieres " oder eine literarische Biografie Georges Braques von Nicoloas Surlapierre.

Der französische Maler George Braque( 13.5.1882 - 31.8. 1963) schloss sich zunächst den " Fauves " an und gehörte dann mit Pablo Picasso zu den unmittelbaren Begründern des Kubismus.
" Fauve " war eine zuerst im Pariser Herbstsalon 1905 geschlossen auftretende Gruppe von Malern, die, den deutschen Expressionisten verwandt, im Gegensatz zu den Impressionisten den Ausdruck durch starke, kaum abschattierte Farben zu steigern suchten. Anregungen bezogen sie von den mittelalterlichen Glasfenstern und alten Holzschnitten.
" Kubismus " ist eine Richtung in der modernen Kunst, die, in Anlehnung an die neu entdeckte afrikanische Kunst, auf einer Umsetzung des im Bildwerk wiedergegebenen Gegenstandes in kubistische Formelemente basiert.  Braque erhielt im Malergeschäft seines Vaters eine handwerkliche Ausbildung, die er bei einem Dekorationsmaler fortsetzte. Er besuchte nach seinem Militärdienst die Akademie Humbert in Paris und 1903 kurze Zeit das Atelier Leon Bonats an der Ecole de Beaux -Arts. 1904 richtete er sich ein eigenes Atelier ein. Die lebhafte Farbigkeit der Fauves im Salon d` Autonomes von 1905 beeindruckte so Braque stark, dass er sich dieser Gruppe anschloss. Schon ein Jahr später zeigte er mit ihnen im Salon des Independants seine in reinen Farben gemalten Landschaftsbilder. In den Landschaftsausstellungen von L`Estaque, die Braque 1908 malte, verzichtete er ganz auf reine Farben zugunsten einer tektonischen geometrisierenden Komposition. Die Ausstellung beeindruckt auch mit einigen Bilder aus jener Phase.
In den analytischen Kompositionen- auch diese werden in der Ausstellung gezeigt- wurde der Gegenstand in Facetten zerlegt und unter verschiedenen Gesichtswinkeln dargestellt.
Wie Andre Breton später sagte, war Braque der " Meister der konkreten Beziehungen zwischen Dingen " und diese Beziehungen waren für ihn wichtiger als die Dinge selbst.
Das Repertoire von Braques Stillleben änderte sich im Laufe der Zeit kaum. Immer wieder malte er runde Tische, Gitarren, Früchte, Vasen und Blumen. Darin zeigt sich trotz Braques zeitweiliger Absage an die Realität des Sichtbaren seine Liebe und intime Beziehung zu den Dingen und ihrer Materialität.
Aus den Versuchen, die Kluft zwischen Dingwirklichkeit und Bildrealität zu überbrücken entstand 1912 eine Technik, die Braque bei seinem Sommeraufenthalt in Sorgues, wo er mit Picasso und Pierre Reverdy zusammen war, erfand: das " Papier colle " : Fragmente von Zeitungsetiketten , Tapeten und Packpapier wurden aufgeklebt und mit Ölmalerei und der Kohlenzeichnung kombiniert.
Mit der Collage bahnte sich eine flächigere Malerei an, die zur plastischen Intention des Kubismus im Gegensatz stand.
Der Kriegbeginn 1914 unterbrach Braques Schaffen. Nach 1917 dann kam in seinem Werk die Farbe neu zu Geltung. Er verfolgte jetzt eine weniger systematische, aber differenzierte Malweise, fließende Linien lockerten nun die Körperlichkeit der Objekte auf. Zu den sanften, geschmeidigen Formen gesellte sich der dumpfe Klang der schwarzen, braunen, grauen, mattgrünen und beigen Töne.
Ab etwa 1922 begann Braques klassische Phase. Die " Kanephoren ", massive dekorative Figuren mit Obstkörben, sind von Piccasos klassizistischem Stil beeinflusst.
In den Jahren 1928 -38 variierte Braque das vertraute Thema der Gueridons mit Gitarre und Obstschale in zahlreichen Versionen, jedoch in der unterschiedlichen formalen Vereinfachung. Es folgt eine Reihe von Stillleben. Jetzt treten neue Qualitäten auf: Transparente Räumlichkeit, kürzelhafte ornamentale Elemente und körniges Farbmaterial. In den 40er Jahren malte er Bilder mit den Themen " Toilettentisch ", " Stillleben mit Waschschüssel ", " Der Kupferkessel " etc. In den 50er Jahren setzte das Motiv der Vögel sein Schaffen fort, die in ihrer Eigenart die mystische Komponente in Braques Spätwerk belegen.
Braques innige Beziehung zur Natur und zum Erdhaften zeigt sich noch mit größter Intensität in dem Gemälde " Der Pflug " .Die Bilder Katalog sind untergliedert in: Fauvismus ; frühe kubistische Landschaften; analytischer Kubismus; Synthetischer Kubismus; Stillleben und Interieurs, Kriegsjahre, Varengeville; die großen Serien: Billardtische und Ateliers; Vogelflug ; Rückkehr zur Landschaft; Druckgrafik. Begleitet werden die Bilder von sehr interessanten Texten aus der Feder Heike Eipeldauer und Caroline Messene. 
Es folgen eine biographische Topographie, eine Verzeichnis der ausgestellten Werke und Literaturempfehlungen zum Thema Braque . 
Ein gelungenes Kunstbuch, das sich Kunstinteressierte nicht entgehen lassen sollten.


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