.

.

Fake Off! von Anke Behrend

Haben Sie schon mal die Bekannschaft mit einem " Wannabe-Fake " gemacht?,

Die Autorin dieses Romans ist zwar noch nicht in aller Munde, aber sie schreibt sehr gut, darüber hinaus sehr witzig.

" Fake off! " ist eine Internet-Story, die allerdings keine Parallelen zu " Nordwind " aufweist. Die verdächtig intelligente Anke Behrend hat keine romantische Geschichte geschrieben, dazu sind meines Erachtens in der Regel nur Männer wirklich in der Lage, sondern sie wartet stattdessen mit einer hochgradig ironisch-bissigen Story auf.

Die Protagonistin ist passionierte Chatterin , beschreibt das Geschehen in einem der vielen Internetforen, ihre unergiebigen Internetbeziehungen, die in der Realität stets scheitern und die Beziehung zu Roman , dem - allseits begehrten , bewunderten, beneideten, gut aussehenden Charismatiker , dem Dichter und Denker, mit diversen Attributen, der spirituellen Ader, König der Community mit einem ehrfürchtig bewunderten Hofstaat aus kleinen bis mittelgroßen Claqueuren, Gläubigen und Gläubigern. (vgl. S.115), dessen Möchtegern-Identität sie bei ihrer ersten Begegnung sofort als solche erkennt, sich aber in der Folge leider mit dessen Stalking-Verhalten auseinandersetzen muss, als sie sich nach mehrtägigem Aufenthalt in seiner Behausung angewidert von ihm abwendet.

Wird sie einen Weg finden, um sich diesen Kerl vom Hals zu schaffen? Gleich zu Anfang lässt die Autorin ihre Leser wissen:

" Der Internet - User unterscheidet drei Kategorien von Fakes:

1) Vorsätzlicher Fake oder Troll - In diese Kategorie fallen User, die im Internet unter Verwendung falscher persönlicher Angaben unterwegs sind und häufig in Chats und Diskussionsforen mit provokantem, beziehungsweise unqualifiziertem Verhalten, auch Trollen genannt, auffallen.

2) Multipler Fake - Wie Typ 1, nutzt aber mehrere Identitäten parallel und wird gemeinhin als " Smurf " ( engl. Für Schlumpf) oder " Sockenpuppe" bezeichnet. Er bestätigt sich gern selbst durch die Diskussionsbeiträge seiner verschiedenen Identitäten.

3) Der Wannabe - Fake - erschafft sich im Internet seine Möchte-Identitäten, die der realen meist erheblich abweicht. "

In die süffig geschriebene Story, von der ich nicht zu viel verraten möchte, baut die Autorin fast spielerisch Reflexionen ein. So überdenkt sie immer wieder den Vorteil von Internet-Bekanntschaften und räumt zu Beginn des Romans ein, dass man dort nicht gleich nach Äußerlichkeiten sortiert, sondern zunächst dem Charakter begegnet. " Jedenfalls dem, was davon online sichtbar wird."

Wie lange dauert es bis man das Wesen eines Menschen im Chat erkennt? Ist dies überhaupt möglich?

Behrend verdeutlicht in ihrer Story , dass die Kommunikationswelt des Internet die reale nicht ersetzen kann und Liebesbeziehungen zwischen Menschen letztlich der realen sinnlichen Ebene bedürfen, des Sehens, Riechens, Schmeckens, Hörens und Fühlens. Der Mensch lässt sich in seinen archaischen Anlagen nicht überlisten, zuerst reagieren die Sinne und dann das Gefühl und der Intellekt. Nichts hat sich geändert.

Der Roman ist sprachlich auf hohem Niveau angelegt . Empfehlenswert!





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen