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Rezension: Lesebuch für Diven

"Die Liebe kennt keinen Unterschied zwischen den Sterblichen und den Göttern."( Baratynskij),

Was ist eine Diva? Der aus dem Lateinischen kommende Begriff steht für die "Göttliche". In der Regel versteht man darunter einen bestimmten, sehr selten vorkommenden, extrem kühl wirkenden, hocherotischen Künstlerinnen- bzw. Schauspielerinnentyp von großer Ausstrahlung. Der Begriff greift allerdings auch bei besonders narzisstischen , selbstdarstellerischen, exaltierten Evas, die gerne Hof halten und ihn sich noch lieber vor großem Publikum machen lassen und sehr, sehr distanziert und majestätisch auftreten. Marlene Dietrich, auch Catherine Deneuve sind Paradebeispiele für Diven.

Frauen, die Divenallüren haben, lernen in diesem Buch innerhalb von Auszügen von Erzählungen und Romanen, Essays etc großer Schriftsteller wie Apuleius, Lukian, Heinrich Heine , E.T.A. Hoffmann, Wieland aber auch Susan Sontag und Brigitte Kronauer Verhaltensmuster erfolgsverwöhnter Frauen kennen und können sich beim Lesen überlegen, ob sie ihre diesbezüglichen Ambitionen kultivieren möchten.

"Das Urteil des Paris" wird von Lukian thematisiert. Auch lernt man die Venus Aphrodite kennen. Nicht nur ihre Schönheit wird besungen, auch die Kühle, die von Idealfrauen wie etwa Laura einst ausging.
Allgemein wird Venus als die Mutter der Göttin der Koketterie betrachtet.

Baratynskij schreibt, dass sie durch die Liebenswürdigkeit ihres Umgangs noch einen jeden anzöge, und die mannigfaltigen Gaben, die sie von ihren Erziehern im Olymp empfangen habe, ihr Verehrung von Menschen jedes Standes, jeder Geistesrichtung und jeder Art verschafften, ja sogar zwei gewaltige, wenn auch sehr verschiedenartige Genies der letzten Zeit, nämlich Friedrich der Große und Voltaire verschmähten es nicht, sich von ihr beraten zu lassen - von den Frauen ganz zu schweigen.

Die klassische Diva beherrscht die Klaviatur der Koketterie natürlich perfekt. Dies gilt besonders für Heinrich Heines "Göttin Diana": "Das ist Diana. Sie sitzt auf einem schneeweißen Ross und winkt dem Ritter mit lächelndem Gruß. Hinter ihr reiten, ebenfalls auf weißen Rossen, die Nymphen der Göttin, sowie auch die Götterschar, die wir schon als Besuchende im Tempel gesehen, nämlich Apollo mit den Musen und Bacchus nebst Gefährten....Diana zeigt dem Ritter die Pforte der Felswand und deutet ihm an, dass dieses der berühmte Venusberg sei, der Sitz aller Üppigkeit und Wollust."

Diese Beschreibung einer Bilderbuch-Diva ist meisterhaft. Alle Leserinnen mit Divenallüren werden nach Heines Skizzierung begreifen, dass selbst dann, wenn sie sich vortrefflich in der Kunst der Koketterie geübt haben, es alles andere als einfach ist, die große Geste eine Diana überzeugend darzustellen.

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