.

.

Rezension: Oscar Wilde- Dorian Gray

Man sollte Gefühl haben für das Farbige, das Schöne, das Freudige im Leben. Je weniger über das Traurige im Leben gesagt wird, desto besser." ( Oscar Wilde)

Dorian Gray ist der bildschöne, junge britische Aristokrat, der den begabten Maler Basil Hallward zu einem Porträt inpiriert.

Basils Freund Lord Henry Wotton spannt Dorian seinem Maler-Mentor aus. Lord Henry lehrt Dorian ein Leben um des animalisch gewonnenen, gedeuteten Genusses willen.

Dorian versucht aus der Welt männlicher Freunde auszubrechen und sich an die Schauspielerin Sibyl Vane zu binden. Als die Kunstfigur sich wie eine ganz normale Frau verhält, verlässt er sie. Sie bringt sich um.

Ihr Bruder verfolgt Dorian, um die Schwester zu rächen.

Dorian führt das Leben eines skrupellosen Genießers, so wird es gesagt, allerdings nie beschrieben.

Bei allem bleibt er jung und schön. Die Spuren der Ausschweifungen zeigt allein jenes Porträt, dass den Abgebildeten immer älter, häßlicher und verworfener erscheinen lässt.

Dorian führt Basil Hallward, der gekommen ist, um ihm ins Gewissen zu reden, vor das Bild des Wüstlings- und ersticht ihn. Mehr Verworfenes, Verbrechen werden angedeutet. Zum Schluss rammt Dorian ein Messer in das Bild un tötet dadurch sich selber.
Das Buch enthält eine Vorrede, die sich aus einer Aneinanderreihung wirklich geistvoller Sentenzen über Künstler und Kunst zusammensetzt.

Wilde verdeutlich u.a. , dass der Künstler der Schöpfer schöner Dinge sei und dass derjenige, der in schönen Dingen keine schönen Absichten erblicke, keine Kultur besitzt.

Ich stimme Wilde in fast allen seinen Betrachtungen im Rahmen der Vorrede zu, auch in seiner Überlegung, dass es weder moralische noch unmoralische Bücher gibt, dass Bücher nur gut oder schlecht geschrieben sind und andere Maßstäbe nicht angelegt werden können.

In Zweifel ziehe ich , dass ein Künstler keine ethische Neigungen haben darf. Wieso sollten sie zwingend eine unverzeihliche Maniriertheit des Stils zur Folge haben?

Wilde hat in seinen Romantext eine Fülle Bonmots einfließen lassen. Besonders gut gefallen mir folgende:


" Lachen ist wirklich kein schlechter Anfang für eine Freundschaft und bei weitem ihr bester Schluss".

" Der Mensch ist vielerlei, aber er ist alles andere als vernünftig."

" Ich kann rohe Gewalt nicht vertragen, allein rohe Vernunft ist mir ganz unausstehlich.
   Sie ist unvornehm. Sie  rangiert tief unter dem Geist."

" Persönlichkeit, nicht Prinzipien brächten die Welt vorwärts."


" Gerade Leidenschaften, über deren Ursprung wir uns hinwegtäuschen, üben die stärkste Herrschaft über uns aus."

" Nur zwei Arten von Menschen bezaubern- solche, die alles wissen, und solche, die absolut nichts wissen."

Auf jeder Seite des Buches sollte man beim Lesen innehalten, weil man immer wieder auf solch geistvollen Sätze stößt.

Über solche Gedanken mit anderen zu plaudern, sorgt für vergnügliche Stunden und wäre gewiss im Sinne dieses begnadeten, überaus kommunikativen Dichters.

Obschon ich Oscar Wildes Jugendfixiertheit nicht teile, weil sie Menschen krank und unzufrieden macht, wenn sie in die Jahre kommen, sehe ich viele andere Dinge genau wie er. Seine Skepsis gegenüber der Gesellschaft ist berechtigt und hat an Gültigkeit im Hier und Heute nichts eingebüßt.

Wilde war ein guter Beobachter, der bemerkenswert liberal urteilte.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen