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Rezension: Russel James Von JamesRussel

" Schönheit ist das, was deine Seele anzieht." ( Khalil Gibran),
Russell James zählt zu den Top-Fotografen dieser Welt. Im vorliegenden Buch hat man Gelegenheit 195 seiner traumhaft schönen Aufnahmen zu bewundern, u.a. von Gisele Bündchen, Cindy Crawford, Heidi Klum und Eva Herzigová.

Diesen Bildern geht ein Vorwort des Fotomodells Heidi Klum , ein Preview der Modemacherin Donna Karan und eine beeindruckende Lebensbeschreibung des Künstlers, von ihm selbst verfasst, voraus.

Der 1962 in Perth, Westaustralien geborene Russell James schreibt, dass sein Vater Kriminalbeamter war und er in einer Sozialwohnung aufgewachsen sei. Seine Mutter jobbte in einem Imbissladen. Seine Eltern wurden zu seinen Vorbildern, weil sie ihm eine gute Arbeitsmoral, Ehrlichkeit, Zielstrebigkeit und ausgezeichnete Wertvorstellungen vermittelten.

Das Kind mit dem höchsten Intelligenzquotienten in seiner Schule wurde zum Schulversager und zeichnete sich nach eigenen Angaben einzig durch jugendliche Rebellion aus.

Im Alter von 14 Jahren verließ er ohne Schulabschluss die Schule und musste sich als Arbeiter in einer Fabrik, in der man Mülltonnen hergestellte, verdingen.

Er schreibt, dass er noch heute Alpträume habe, wenn er an diese Zeit zurückdenke als er diesem unqualifizierten Job nachgehen musste.

Gerettet habe ihn sein Hund, der seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Nachdem er eine Lehre als Blechschweißer abgeschlossen hatte und mit seinem Talent für das Trainieren von Hunden aufwarten konnte, bewarb er sich bei der einer Polizeitruppe in Westaustralien. Dort war er dann fünf Jahre tätig, entschied sich aber nach einem sechswöchigen Urlaub in Japan dem Polizeidienst den Rücken zu kehren.

Jetzt arbeitete er für eine Modellagentur in Tokio als Fotomodell und kam 1988 aufgrund von Gerüchten nach Hamburg, weil er gehört hatte, dass man dort als Fotomodell besonders gut bezahlt werden würde. Gemeinsam mit einer Schwedin, die er in Hamburg kennenlernte, übernahm er eine erfolglose Modellagentur und brachte diese innerhalb von zwei Jahren in schwarze Zahlen. Er lernte die ersten Fotografen näher kennen und bekam auf diese Weise Zugang zu seiner Berufung.

Russell schreibt von seinen Anfangsschwierigkeiten und seinem Schuldenberg als er die ersten Photo Shoots selbst finanzierte. Seine Fotoportofolio brachte er nach Mailand, Paris, auch nach London und wurde überall abgewiesen. In New York endlich platze der Knoten. Hier lernte er einen durchgehenden Stil zu entwickeln und eine Fotoserie als Layout zu betrachten und nicht nur ein einzelnes Foto. Durch Fotos in der Zeitschrift " W " und einem Shoot auf dem Titelblatt der Zeitschrift " Sports Illustrated " wurden Agenten, Designer und Werbeagenturen auf ihn aufmerksam. Russels Karriere als Fotograf begann in New York im Alter von 34 Jahren.

Der Fotograf konstatiert, dass selbst dann, wenn man ein riesiges Portefolio aufbaut, für einen Top-Fotografen nur das zählt, was er heute fotografiert.

Russell muss sich also immer neuen kreativen Herausforderungen stellen. Dies macht es nach seiner Meinung unumgänglich sich täglich seine Motivationen zu vergegenwärtigen, seiner Inspiration treu zu bleiben und nicht zu vergessen, dass man sich stets aufs Neue verbessern kann.

Im Preview zu Russells " Nomad " von Donna Karan erfährt man , dass das Nomad-Projekt des Fotografen ( im Buch kann man sich der bewegenden Bilder erfreuen) zu den Anfängen der Menschheit zurückgeht, zu der ältesten noch bestehenden Kultur der Welt der Aborigines, der Ureinwohnern Australiens. Karan schreibt von Völkermord, Umsiedelungen und Zwangsintegrationen und lässt nicht unerwähnt, dass sich Australien an dieser kulturellen Vernichtung schuldig gemacht hat. Durch Russels Fotos könne man sich der Schönheit der Aborigines vergegenwärtigen. In Karans Augen sind diese Fotos eine Manifestation des Geistes der Aborigenes und ein visueller Ausdruck des Dankes an sie. Dieser Beurteilung schließe ich mich an.

Der Fotograf stellt besagte Bilder dreidimensional dar. Er schafft es den Betrachter mit einzubeziehen und eine Geschichte voller Mitgefühl und Konflikte zu offenbaren, wie Donna Karan zu Recht festhält.

Heidi Klum berichtet in Ihrem Vorwort, wo sie diesen begabten Fotografen kennengelernt hat, der für sie ein besonderer Mensch ist, weil er die Schönheit der Menschen sehen kann, ganz gleichgültig, ob sie den Körper eines Modells haben oder nicht.

Die Fotos im Buch sind sowohl farbig aber auch schwarz-weiß. Man kann sich wunderschöner nackter, gleichwohl auch bekleideter Frauen erfreuen. Die Gesichter sind so edel, dass man stundenlang bei einem Gesicht verweilen möchte, um das jeweilige Geheimnis, das es enthält, zu entschlüsseln. Die Augen spielen für den Fotografen eine entscheidende Rolle. Sie fokussiert er in erster Linie, wodurch die Nacktheit des Körpers eine andere Dimension erhält.

Die Elemente Luft, Sonne, Erde und Wasser spielen in seinen Bildern eine wichtige Rolle.

Die abgelichteten Frauen wirken teilweise so entrückt, wie von einer anderen Welt.

Bei den Modeaufnahmen - solche sind im Buch auch enthalten - bilden die Frauen und die Kleider eine Einheit. Ein Fotomodell im Regen lässt das präsentierte Kleid zur zweiten Haut werden. Die Haare sind nass und man nimmt Wassertropfen auf dem Hals wahr. Die Kette mit dem Kreuz macht die Schöne unnahbar, verleiht ihr den Nimbus einer Madonna.

Die Portraits von Frauen lassen Rückschlüsse auf den Fotografen zu. Er hebt die Sanftmut und Klugheit von Frauen hervor. Er macht sie nicht zu Sexualobjekten. Für ihn sind Frauen Töchter der Aphrodite, denen er mit jedem Foto erneut huldigt. Frauen im Meer an Nixen erinnernd, unnahbarer denn je, sich am Strand bewegend, unerreichbar wie Traumfiguren.

Mich überrascht immer wieder, wie Russell es schafft, die Seele der jeweiligen Schönen im Bild einzufangen. Er sieht jede Frau so, wie die Schöpfung sie wollte.

Alle Bilder verkünden: das ist der Mensch, so wie ihn Gott gedacht hat.

Die Fotos aus der " Nomad-Serie " zum Schluss bilden keinen Gegensatz zu den Bilder der schönen Frauen zuvor. Im Gegenteil. Die Gesichter der Aborigines drücken die Schönheit der Ewigkeit aus, die sich in Blicken spiegelt, wie sie der Mensch des Hier und Heute aufgrund der Schnelllebigkeit nur noch selten hat. Es sind Blicke, die nach innen und außen gleichzeitig gehen und sich des ewigen Lichtes bewusst sind.

Ein traumhaftes Buch. Ein Kunstwerk.








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