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Rezension:Letzte Briefe: Bericht aus Deutschland im Jahre 1943. Letzte Briefe aus dem Gefängnis Tegel 1945

" Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen." ( Franca Magnani),
Der Jurist und Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke ( 1907-1945) gründete nach 1933 den " Kreisauer Kreis ", dessen Mittelpunkt er war.

Gräfin Freya von Moltke, die Witwe des in Plötzensee durch die Nazis hingerichteten Aristokraten mit enormer Zivilcourage schreibt, dass es sich zunächst um einen Freundeskreis gehandelt habe, der sich einig war in der Auflehnung gegen Hitler und sein Regime.

Mit der Zeit wurde es ein Kreis von Menschen, die über die Zeit hinaus in die Zukunft schauten und nach neuen Wegen suchten. Die Pläne der Mitglieder des Kreises waren weder endgültig, noch sind sie in letzter Fassung erhalten geblieben. Es handelte sich bei diesen Plänen um kein theoretisches Programm, sondern es wird nur deutlich, wie sich Katholiken, Protestanten, Sozialisten und Männer ganz verschiedener geistiger Herkunft zusammengefunden hatten. Obschon ihr Rahmen weit war, gelang die Einigung über eine gemeinsame Grundlage.

Die Einführung zu den Briefen von Moltkes aus dem Jahre 1943/44 hat Freya von Moltke geschrieben. Sie vermittelt dort biographische Eckdaten ihres Gatten, von dem sie sagt, dass er politisch links stand, an die Zukunft des Sozialismus glaubte und den Krieg und das Kriegshandwerk hasste. Ihr Mann sei es gewohnt gewesen über Deutschland hinauszudenken.

Sein Kampf sei nie national gewesen, weil er wusste, dass Exzess, Rassenverfolgung, Glaubenslosigkeit und Gewalt, die der NS-Staat kultiviert hatte, nicht zwingend deutscher Wesensart entspringt, sondern in individuellen Persönlichkeitsdefiziten begründet liegt. Deshalb auch habe er sie als Übel der gesamten Menschheit bekämpft.

Der Kreisauer Kreis stand am 20.7. 1944 in der Mehrheit hinter Stauffenberg. Nachdem der Staatsstreich misslungen war, stellte die Gestapo fest, das von Moltke dem Kreis angehörte. Man klagte ihn des Hochverrates an, verurteilte ihn am 12.1. zum Tode. Am 23.1.1945 wurde er dann hingerichtet.

1943 beklagt er in einem seiner Briefe an seinen Freund Lionel Curtis , dass der Mangel an Kommunikation im Naziregime das Schlimmste sei. Die Geheimpolizei hatte alles unter Kontrolle. " Können Sie sich vorstellen, was es heißt, wenn man: Nicht einmal mit den Menschen sprechen kann, mit denen man vollständig übereinstimmt, weil die Geheimpolizei Methoden der Befragung hat, durch die zunächst der Wille gebrochen, der Verstand aber wach gelassen wird. Auf diese Weise wird das Opfer dazu gebracht, alles auszusagen, was es weiß. Darum muss man Mitteilungen auf die beschränken, die sie unbedingt brauchen. "

Im selben Brief spricht von Moltke die Gräueltaten in den Konzentrationslagern an und erwähnt u.a.: " Wir haben vom Bau eines großen Konzentrationslagers in Oberschlesien gehört, welches für 40- 50 000 Menschen angelegt ist, von denen monatlich 3-4000 getötet werden...."

Die rasenden Guillotinen schlug auch in der Opposition erbarmungslos zu, wie von Moltke schreibt. Er lobt die Kirchen, die im Widerstand tätig waren und analysiert:" allgemeinen ist der Mittelstand Nazi oder von irgendeiner Form des Totalitarismus in hohem Maße infiziert. "

Sehr berührend sind seine letzten Briefe, die er aus dem Gefängnis Tegel schrieb.

Helmuth James von Moltke resümiert: " Ich habe mein Leben lang gegen einen Geist der Enge und der Gewalt, der Überheblichkeit, der Intoleranz und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten angekämpft. Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass dieser Geist mit seinen schlimmen Folgeerscheinungen wie Nationalismus im Exzess, Rassenverfolgung, Materialismus überwunden wird. Insofern haben die Nationalsozialisten recht, dass sie mich umbringen. "
Ein wahrlich edler, mutiger, reflektierter Mensch mit viel Herz, vor dem ich mich zutiefst verneige.





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