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Rezension:Liebesbriefe großer Frauen: Nimm meine Seele und trinke sie

" Verwirre mich nicht, fühle, dass ich Dich liebe, dass Du meine einzige Freude bist." ( Caroline Schlegel an Schelling),

Dr. Sabine Anders und Katharina Maier haben im Sommer letzten Jahres " Liebesbriefe großer Männer " herausgegeben. Diese habe ich damals mit viel Interesse gelesen und auch rezensiert.

Nun ist das Pendant zu besagtem Buch erschienen.

Unter großen Frauen verstehen die Herausgeberinnen berühmte Persönlichkeiten aus der Politik, der Philosophie, der Literatur, der Kunst, der Musik, aber auch solche Frauen, die mit einer bedeutenden Persönlichkeit verheiratet waren, offenbar getreu dem Gedanken - Hinter einem starken Mann steht immer eine starke Frau -.

Man kann anhand der Briefe nachvollziehen, wie über die Jahrhunderte Frauen liebten, begehrten, sich verzehrten, an den Männern zu verzweifeln drohten, nicht selten entsagen mussten, aber auch oft Erfüllung fanden, so jedenfalls das Resümee von Anders und Maier.

Auch diesmal interessiert mich, worin sich die verbalen Gefühlsäußerungen der einzelnen Schreiberinnen unterscheiden, weil ich wiederum neugierig bin Temperamentsunterschiede zu erspüren und erfühlen möchte, ob man sprachlich nachvollziehen kann, ob es wirklich Liebe oder nur Liebelei ist, die die jeweilige Verliebte zu ihrem Tun antreibt.

Eine kurze Beschreibung der jeweiligen Liebesbeziehung der einzelnen Briefverfasserinnen wird gegeben, bevor dann stets die Briefe folgen.

Es ist unmöglich innerhalb der Rezension alle Schreiberinnen in Buch zu nennen, Heloisa, Katharina von Aragon, Ninon de Lenclos, Angelika Kaufmann, Marie Antoinette, Mary Wollstonecraft, Caroline Schlegel/Schelling, Christiane Vulpius, Rahel Levin, Luise von Mecklenburg - Strelitz, Karoline von Günderrode, George Sand, Clara Wieck/Schumann, Edith Wharton und Rosa Luxembourg gehören dazu.

Am meisten berührte mich der Liebesbrief von Katharina von Aragon (1485-1536) an ihren Gatten König Heinrich VIII, der sie vom Hofe verbannte, um Anne Boleyn zu heiraten. Katharina, Tochter der spanischen Könige Ferdinand und Isabella, betrachtete sich bis zu ihrem Tode als die rechtmäßige Ehefrau Heinrichs VIII, den sie innig geliebt haben muss, wie der Brief deutlich macht. Am Ende Ihres Briefes schreibt sie aus der Verbannung : " Ich schließe und versichere Euch, dass ich Euch noch von Herzen liebe; und das Einzige, was ich wünschte, um ruhig aus der Welt zu gehen wäre, Euch zu sehen und in Euren Armen zu sterben."

Innig geliebt hat auch Christiane Vulpius ihren Goethe. Sie war eine sehr erdverbundene, einfache Frau mit einem großen Herzen. Wenn ich die Briefe lese, wird mir klar, wieso der Dichterfürst sich in diese Frau verliebte "... ich liebe Dich unaussprechlich...ich liebe Dich über alles...Wenn Du wiederkömmst, wenn noch schöne Tage sind, dass wir noch mannichmal im Garten am Hause schlampampfen können, da freue ich mich drauf...Leb recht wohl und behalt mich lieb, mein Einziger."

Die intelligenteste und brillanteste Briefschreiberin ist die große französische Salondame Frankreichs Ninon de Lenclos (1620-1705). Schön, geistreich und selbstbewusst war sie und sie hatte viele Liebhaber. Den vermutlich letzten Galan erhörte nach ihrem achtzigsten Geburtstag. An den Marquis de Sévigné schreibt sie u.a...." Ich bin geboren, um zu lieben und alle Begeisterung der Liebe zu empfinden ". In ihren Briefen zeigt sie sich als Meisterin des höfischen Spiels um Koketterie, Eroberung und Liebe.

Ich möchte nicht beurteilen, ob sie die Liebesfähigkeit einer Karoline von Günderrode besaß, die an Friedrich Creuzer schreibt: " Wenn ich sterbe, mein Freund, so werde ich Dir erscheinen, wenn Du nachts allein bist, dann trete ich leise an Dein Bett und drücke einen Kuss auf Deine Stirn. Wenn Du stirbst, so komme auch zu mir. Versprich es! "....und ein Jahr später..." Ich liebe Dich bis zum Tode, süßer, lieber Freund, Du mein Leben: Ich wünsche, Dir zu leben oder zu sterben...Unser Schicksal ist traurig, ich beneide mit Dir die Flüsse, die sich vereinigen. Der Tod ist besser als so zu leben. Eine Hoffnung erhält mich, aber diese ist Torheit."

George Sand lässt einen Brief an ihren 16 Jahre jüngeren Geliebten Frederic Chopin mit den selbstironisierenden Worten enden. " Gute Nacht. Ich werde zu Bett gehen; ich bin zum Umfallen müde. Lieben Sie Ihre Alte so sehr, wie sie Sie liebt. G.S "

Vielleicht noch ein paar Zeilen der Schriftstellerin Edith Wharton an William Morton Fullerton "... im Augenblick sehe ich im gesamten Universum nur eines, nur eines dringt in mein Bewusstsein - Du und unsere Liebe füreinander. "
Ein lesenswertes Buch.




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