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Rezension:Weiße Nächte: Eine Liebesgeschichte -Dostojewski

Über das Paradox der so genannten großen Liebe.,

Ein junger Mann - der Ich-Erzähler- trifft während eines nächtlichen Spaziergangs im sommerlichen Petersburg auf ein siebzehnjähriges Mädchen. Sie beginnen miteinander über ihre Träume und ihre innere Vereinsamung zu sprechen.

Die beiden Menschen begegnen sich in den Folgenächten erneut.

Nastenka berichtet von ihrem Kummer und ihrer Sehnsucht, weil der Mann, den sie liebt und mit dem sie ihr weiteres Leben verbringen möchte, zwar wie vereinbart nach einem Jahr aus der Fremde zurückgekehrt, aber bislang noch nicht auf sie zugekommen ist. Sie glaubt schließlich er wolle sein Versprechen - mit ihr zu leben- nicht mehr halten und wolle sie deshalb nicht mehr sehen.

Während der nächtlichen Gespräche verliebt sich der Ich-Erzähler in das Mädchen und möchte die Position des Vorgängers einnehmen. Nastenka ist damit einverstanden. Sie mag den jungen Mann, hat ein inniges freundschaftliches Verhältnis zu ihm entwickelt, dass sie in ihrer Unerfahrenheit für Liebe hält und glaubt die Intensität des Gefühls könne durch bewusstes Wollen verstärkt werden.

Doch da taucht ihre große Liebe plötzlich in der letzten, dieser weißen Nächte erneut auf, woraufhin Nastenka den Ich- Ezähler gewissermaßen im Regen stehen lässt, wohl wissend in welche Seelenlage sie die jungen Mann damit bringt. Sie weiß, dass er sie liebt und verdeutlicht ihm, dass er - aufgrund seiner Liebe zu ihr - ihr gewiss den Laufpass verzeihen könne. Sie wünsche sich, dass sie weiterhin Freunde bleiben , da sie ihn noch genau so möge, wie in den Nächten davor. Nichts habe sich verändert.

Der Ich-Erzähler ist nicht in der Lage seine Sehnsucht zu überwinden und sich in die neue Situation einzufinden. Er zerbricht an seinem Kummer und scheint von da an aufgehört zu haben seelisch zu existieren.

Dostojewski zeigt in diesem Roman die egoistischen Facetten der so genannten großen Liebe, die letztlich , wo sie hervorbricht, selten Rücksicht auf Dritte nimmt und sich damit vom Wesen wohltemperierter, zwischenmenschlicher Liebe, die , wie man weiß, immer alle im Auge hat, maßgeblich unterscheidet. Damit aber ist die große Liebe ein Widerspruch in sich. Sie ist ein klassisches Paradox.

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Kommentare:

  1. Wie so oft eine Geschichte, die in ihrer Substanz aus Dostojewskis Leben spricht. Auch er wurde in der Liebe mehrfach enttäuscht und täuschte sich im Ergebnis dann selbst.

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  2. Hallo Jatmann, ich habe mich bislang nicht mit der Biographie Dostojewskis befasst, sondern nur einige seiner hervorragenden Romane gelesen. Was heißt in diesem Zusammenhang "täuschte sich im Ergebnis dann selbst"?
    Beste Grüße

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  3. Von den intellektuellen Frauen bekam er einen Korb. Seine erste Ehefrau, war eine "Verzweiflungstat" nach Sibirien. Er wollte Liebe um jeden Preis und bekam sie trotzdem nicht. Das Verhältnis zu seiner zweiten Ehefrau war eine Vernunftsbeziehung (die ihn allerdings gerettet hat). Und eben jene Vernunftsbeziehung und pragmatische Abhängigkeit deklarierte er zunehmend für sich als Liebe in meinen Augen eine Selbsttäuschung, die ihm aber hilfreich war. Gruß

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  4. Fragt sich doch, weshalb ein Intellektueller von intellektuellen Frauen einen Korb bekommt? Welchen Hinkefuß hatte Dostojewski denn? War er zu düster in seinen Gedanken? Dererlei verschreckt nicht selten selbst die intellektuelle Damen.

    Von Vernunftsbeziehungen sollte man außer Vernunft nichts erwarten. Wenn man Glück hat entwickeln sich gute Freundschaften. Mehr ist nicht möglich.

    Die Liebe ist immer sofort spürbar oder nie. Die große Liebe, das ist jene die das Herzens-Du voraussetzt, findet man nicht in jedem Leben.

    Tragisch allerdings ist es, wenn man sie findet und wegen Vernunftsbeziehungen aus seinem Leben verbannt.

    Gruß

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  5. Ich kann Anonym nur beipflichten.
    Einen Hinkefuß hatte Dostojewski wohl nicht. Seiner Erscheinung war nicht zu spontanen Freuden angetan. Er war eigenbrötlerisch und wirkte vermutlich immer etwas zwanghaft und verklemmt. Sein Temperament konnte er nur bedingt regulieren und schlug eben nicht selten über die strenge. Und die Damen, denen er Anträge machte, barsten vor Selbständigkeit und Lebenslust. Und gerade durch Ihren Intellekt wurde ihnen recht schnell klar, dass Dostojewski und Lebenslust aller Wahrscheinlichkeit nicht allzu gut zusammengingen.
    Außerdem stand hinter den Anträgen Dostojewskis faktisch keine Substanz. Um das Jahr 1866 warf er mit Anträgen nur so um sich.

    „Die Liebe ist immer sofort spürbar oder nie. Die große Liebe, das ist jene die das Herzens-Du voraussetzt, findet man nicht in jedem Leben. „
    Sehe ich auch so und eben jene große Liebe begegnete ihm nur einmal in Person von Paulina Suslowa. Diese Beziehung war extrem ambivalent und ist auch gescheitert. Vielleicht hätte noch etwas daraus werden können. Dostojewskis zweite Frau hat jedoch bewusst und gezielt den Kontakt zwischen beiden unterbunden.

    Vor seiner Verbannung lief aller Wahrscheinlichkeit nach nichts oder äußerst wenig in Sachen Liebe und/oder Frauen. Aus dem Zuchthaus, faktisch der Hölle, lebend entkommend, lechzt er förmlich nach Liebe und „nimmt was sich bietet“: eine totkranke Frau mit einem Schwerstalkoholiker mit Mann“ Das allein eine schier unglaubliche Geschichte.

    Seine zweite Frau, die er durch das Stenographieren seines Romans „Der Spieler“ kennenlernte, besaß für die Zeit durchaus progressive Züge. Diese verschwanden jedoch mit der Beginn der Liaison mit Dostojewski sehr schnell. Sie entpuppte sich als Erfüllungsgehilfin und Dienerin. Auch ihrerseits ist vermutlich maximal Bewunderung, aber nicht wahre Liebe gegenüber Dostojewski zu zuschreiben.
    Dostojewski selbst schreibt in einem Brief an einen Bekannten, über den Grund seiner Heirat, dass der Tod seines Bruders in eine Langeweile gerieben hätte, der er mit der Heirat begegnen könne. Es spielen jedoch noch weitere Umstände für die Heirat eine Rolle, die die Heirat letztlich wieder als Flucht einordnen lässt.

    Was heißt in diesem Zusammenhang "täuschte sich im Ergebnis dann selbst"?
    Er täuschte sich selbst, in dem er seine Beziehungen mit dem Prädikat Liebe deklarierte. Es gibt jedoch mehrere belastbare Anhaltspunkte dafür, dass er um seine Selbsttäuschungen wusste.
    Um nochmals auf Anonym zurückzukommen. Die Frauen, die seinem Intellekt zusagten, wären für sein Leben nicht dienlich gewesen. Anna Krukowskaja brachte es auf den Punkt: „Er braucht eine ganz andere Frau als mich. Seine Frau muss sich ihm völlig widmen, ihm ihr ganzes Leben geben, nur an ihn denken. Das kann ich nicht, ich will selbst leben!“

    Auf meiner Homepage findet man unter vielem anderen, speziell zum Thema Dostojewski und Frauen reichlich Informationen, mit Quellenangaben und Bildern.
    Diese Eigenwerbung ist ausschließlich meiner Faszination an Dostojewskis Leben und dem Wunsch andere daran teilhaben zu lassen, geschuldet.

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  6. Solange man selbst stabil ist, kann man das schon lesen, allerdings finde ich nicht, dass es sein stärkstes Werk ist. Habe es selbst gelesen und beschrieben: http://www.literaturasyl.de/schreiberei/buchkritik-weise-nachte-fjodor-michailowitsch-dostojewski/
    Ich empfehle da selbstverständlich immer der Spieler, sowie Schuld & Sühne von ihm. Ist ein wesentlich einfacherer und besserer Einstieg. (auch auf die gesammelten schweren russischen Schriftsteller gesehen)

    Beste Grüße

    Marc

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