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Rezension: Mein ärgster Feind: Roman - Mit einem Nachwort von Antje Rávic Strubel

Steckt das Ende einer Liebe bereits in ihrem Anfang?,


Die Pulitzerpreisträgerin Willa Cather (1873- 1947) ist die Verfasserin dieses kleinen, gedanklich äußerst subtilen Romans, der sich mit dem Schicksal Myra Driscolls befasst. Diese sehr schöne, dazu noch intelligente Frau kam aus vermögendem Hause. In jungen Jahren stand ihr die Welt in jeder Beziehung offen, doch sie verzichtete aus Liebe zu Oswald Henshawe auf eine Zukunft, die sie zu einer pekuniär unabhängigen Frau gemacht hätte.

Der Mann, den sie als junge Frau zu lieben glaubte, wird am Ende ihres Lebens zu ihrem " ärgsten Feind ".

Wie konnte dies geschehen?

Nellie , die Ich-Erzählerin, ist zu Beginn ihrer Erzählung 15 Jahre alt. Sie lebt in der Kleinstadt Parthia, wo einst auch Myra Driscoll ihre Jugend verbracht hatte. Myra ist dort nach Jahren immer noch das Gesprächsthema, nicht zuletzt, weil sie aus Liebe zu Oswald auf ihr großes Erbe verzichtet hatte.

Oswald, der Sohn einer jungen Deutschen aus guter Familie und eines Protestanten aus Ulster war in Sicht von Myras Onkel kein potentieller Ehekandidat für seine Nichte.

Der Vater des jungen Mannes und Myras steinreicher Onkel, bei dem sie aufwuchs, hassten sich. Als dem Onkel gewahr wurde, dass sich zwischen Oswald und Myra eine Liebesbeziehung entwickelt hatte, drohte er mit der Enterbung seiner Nichte und machte die Drohung schließlich wahr als sie den Sohn seines Feindes ehelichte.

Myra lebt fortan mit Oswald in New York. Als Nellie zu studieren beginnt besucht sie die beiden und ist begeistert von dieser kultivierten, liebenswürdigen und dabei lebhaften Frau, die viele Freude und Bewunderer hat. Von ihrem Ehemann wird diese Frau abgöttisch geliebt, doch sie neigt zur Eifersucht und daraus resultierend zu latent gehässigem Verhalten. Oswald ist in jeder Beziehung voller Nachsicht und duldet ihre Aufgeregtheiten und sprachlichen Entgleisungen.

Finanziell geht es den beiden zu diesem Zeitpunkt gut. Für Dritte verkörpern sie ein ausnehmend glückliches Paar.

Als Nelly die beiden Jahre später wieder trifft sind sie verarmt, da Oskar keine geeignete, lukrative Position findet, nachdem die Firma, in der er tätig war, Pleite ging.

Myra ist krank und sehr unzufrieden. Sie bereut ihr Leben, hauptsächlich ihre Entscheidung Oswald zum Mann genommen zu haben, weil sie glaubt schon immer eine habgierige, unzufriedene, oberflächliche Frau gewesen zu sein, die große Wünsche an das Leben hatte und zudem der Ansicht ist ihren Mann letztlich an der freien Entfaltung seines Lebens gehindert zu haben. Ihr unvernünftiger Erbverzicht hat sie an ihren Gatten gebunden und die Liebe zu ihm untergraben. Sie war in ihren Entscheidungen nicht mehr frei. Darin sieht sie am Ende ihres Lebens einen großen Fehler.

Alt fühlt sie sich, einsam aber auch enttäuscht und ist davon überzeugt, dass man im Alter alles, selbst die Kraft zu lieben verliert.

Sie wendet sich der Religion zu und verbohrt sich in die Idee, dass ihr Gatte einen Keil zwischen sie und die Kirche getrieben habe.

Ihren Unmut projiziert sie auf den Mann, den sie einst liebte und der ihr bis zu ihrem Ende auf das Herzlichste zugetan ist. Myra kann mit ihrem Altern und den veränderten ökonomischen Bedingungen nicht fertig werden.

Die Liebe erweist sich in den Augen Myras letztlich als untaugliches Modell.

Auch wenn man selbst zu anderen Ansichten im Hinblick auf die Liebe kommen mag, tut es der Qualität dieses Romans keinen Abbruch. Er ist exzellent geschrieben und dabei packend von der ersten bis zur letzten Zeile.

Empfehlenswert.










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