.

.

Rezension: Adria Kochbuch

"Ich habe das Meer gesehen. Jeden Tag, jede Stunde war es anders und immer herrlich. In Farben wie lichter Smaragd, Ultramarin, ja wie ein Panzer mit lauter Silberschuppen spielte es vor mir." ( Adalbert Stifter)

Der Kochbuch- und Krimiautor Christoph Wagner stellt in diesem Buch 150 Rezepte vor, die rund um die Adria kreiert worden sind. Die Rezepte stammen aus Apulien , Molise, den Abruzzen, aus Marken, der Emilia Romagna, dem Veneto, Friaul-Julisch Venetien, , Slowenien , Istrien, den Kvarner, Dalmatien , Montenegro, Bosnien-Herzogowina und aus Albanien.

Die Rezepte sind eingeteilt in: Kleinere und größere Appetitmacher, Suppen und duftende Töpfe, Pasta und Reisgerichte, adriatische Fisch- und Krustentierküche, Fleischgerichte und Süßspeisen. Alle Rezepte sind gut untergliedert und lassen sich problemlos nachkochen. Die Weinempfehlungen zum Ende jedes Rezeptes gefallen mir sehr, auch wenn es sicher nicht immer einfach sein mag die empfohlenen Weine beim Weinhändler um die Ecke aufzutreiben.

"Albanischer Muschelsalat" konkurriert bei den Vorspeisen mit "Vongole in Weißwein-Paradeiser-Sauce" aus Marken und "Scampi in Brandy auf Croutons" aus Venedig mit " Gratinierten Jakobsmuscheln" aus Grado. Der Kaviar der Adria stammt nicht vom Stör , sondern von der Meeräsche und soll beinahe genau so teuer sein wie sein entfernter Verwandter aus dem Kaspischen Meer. "Bottarga" , sprich Meereschenrogen wird eingesalzen, gepresst und in der Sonne getrocknet und mit Spaghetti oder Schlagsahne gemeinsam serviert.
Besonders begeistert bin ich im Rahmen der Vorspeisen von den Muschelgerichten, wie etwa den " Gratinierten Muscheln " vom Golf von Triest. Raffiniert in der Zubereitung kommen die "Kohlrouladen mit Kalmaren" aus Dalmatien daher, die zum Schluss mit fein gehacktem Dill bestreut werden, aber auch der "Albanische Palatschinkenauflauf mit Kajmak". "Kajmak" ist die Sahne der Balkanküche, eine Art Schmand , die Sahne aber auch Creme fraiche ersetzt.Schafskäse von den Pager Inselschafen wird thematisiert und es wird auch ein entsprechendes Rezept vorgestellt. Alles klingt vielversprechend und man erahnt bei diesen Appetitmachern die regionalen Besonderheiten.

Bei den Suppen blieben meine Augen bei der "Klassischen apulischen Fischsuppe" haften, die am Ende durch einen Schuss Anisschnaps ihr spezifisches Aroma erhält. Sehr delikat auch ist die "Ministrone mit Pecorino" aus den Abruzzen und "Tormentill- oder Blutwurzsuppe" aus Dalmatien. Einst wurde " Blutwurz " als Pestkraut verwendet. Hildegard von Bingen schätzte Tormentill bereits. Es scheint sich also bei der Bluwurzsuppe um ein besonders gesundes Süppchen zu handeln.

Eine interessante Anmerkung findet man unter dem Rezept " Suppenhuhn mit >> La Peará << ".
"La Pearà" ist eine Sauce aus der veronesischen Küche, die auf eine schaurige Begebenheit zurückgeht. Erinnert wird an eine unglückliche Langobardenkönigin aus dem 6. Jahrhundert, die ihren grausamen Gemahl mit einer vergifteten Pfeffersauce ermordete, da er sie gezwungen hatte aus dem Totenschädel ihre Vaters zu trinken.

Die Pfeffersauce enthält Rindermark, andere Ingredienzien und reichlich schwarzen Pfeffer. Ehemänner brauchen keine schlotternden Knie zu bekommen. Den Genuss dieser Sauce überlebt jeder.

Die Pastagerichte unterscheiden sich wenig von den Pastagerichten, die man aus diversen anderen Regionen Italiens kennt. Interessanter wird es bei Reisgerichten. Hier hat mich der "Seeteufel-Djuvec" aus Dalmatien, der "Hühnerleberpilav" aus Albanien und das "Reis-Musaka" aus Montenegro überzeugt. Der Pilav aus Albanien enthält beinahe orientalische Zutaten, wie Nelken, Zimt und Rosinen, die vorab in Slivovitz eingeweicht werden.

Das Highlight im Buch sind Rezepte für die Fisch- und Krustentiere. Im Grunde ist jedes Rezept so schmackhaft, dass man keines hervorheben sollte....eventuell den "Seeteufel mit Paradeisern und Kapern" aus Marken, der durch Rosmarinöl den letzten Kick erhält, vielleicht auch "Scampi, zubereitet nach Küstenart aus dem Kvarner". Hier sorgt Aroma aus Salbei Rosmarin, Lorbeer, Knoblauch und Pfeffer für ein gutes Geschmackserlebnis.

Bei den Fleischspeisen sollte man sich das bosnische Nationalgericht "Bosanski Lonac" aus mindestes zweierlei Fleisch nicht entgehen lassen und das in Süßwein geschmorte Rindfleisch aus Istrien nachbereiten. Beide Gerichte können sich sehen lassen und eignen sich auch als Hauptspeisen, wenn Gäste kommen. Die Süßspeisen werden Naschkatzen entzücken. Mich hat das Rezept für "Marinierte Pfirsiche mit Grappa und Camparizabaglione" am meisten angesprochen. Wer bittere Geschmacknoten nicht mag, wird sich sicher für die "Zabaione al Caffè" begeistern können und wer auch hier abwinkt, wird gewiss bei der zuckersüßen, garantiert alkoholfreien "Feigenroulade" frohlocken.

In diesem Buch findet sich für jeden Gaumen etwas. Insofern ein brauchbares Kochbuch .






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen