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Rezension: Am Hang

Weil selten etwas so ist, wie es scheint!,

Kann Hass eine Vorbedingung von Liebe sein? Diese und viele andere Fragen werden an einem Tisch in einem Restaurant im Tessin zwei Abende lang erörtert. Begegnet sind sich dort, offenbar rein zufällig, Thomas Clarin, ein junger Scheidungsanwalt und Thomas Loos, ein in die Jahre gekommener Altphilologe. Die beiden Herren führen einen hochinteressanten Dialog, der eine Vielzahl alltagsphilosophischer Problemkreise berührt. Vorrangiges Gesprächsthema allerdings sind Reflexionen über die Ehe, die Liebe, Seitensprünge, Verlassenheit und Tod.

Die beiden Tischpartner vertreten in diversen Punkten sehr gegensätzliche Ansichten. Dies hängt nicht zuletzt mit den unterschiedlichen Lebenserfahrungen, über welche die Protagonisten immer wieder berichten, zusammen. Während der offenkundig verwitwete Altphilologe das Hohelied der Minne anstimmt und die Achtung, damit wohl auch das bedingungslose Ja dem Du gegenüber, in den Vordergrund einer Beziehung stellt, ist Clarin von dererlei Vorstellungen überfordert. Er bevorzugt stattdessen lockere Beziehungen ohne Gefühlstiefe, ohne großes Engagement. Auf solche Weise, glaubt er, könne man Tragödien verhindern. Wie sich die beiden Standpunkte zueinander verhalten, was diese beiden gebildeten Herren umtreibt und möglicherweise verbindet, erschließt sich erst ganz allmählich auf den letzten Seiten dieses Buches.

Für den neugierigen Leser nur so viel: Einer der Schlüsselsätze dieses klugen, gleichwohl auch spannenden Romans ist meines Erachtens folgender: " Wenn Du einen Riesen siehst, so frage dich zuerst, ob es sich um den Schatten eines Zwerges handelt." Gewollte Maskarade, Vermummungskunst und schließlich Enttarnung sind die eingesetzten Mittel dieses wunderbaren Autoren, um zu zeigen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt und selten etwas so ist , wie es scheint.





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