.

.

Rezension: Briefe- von Paul Cezanne

Mein lieber Paul!
" Ich habe Dir schon seit langem nicht geschrieben, weiß aber selbst nicht recht weshalb. Paris ist unserer Freundschaft nicht so gut bekommen. Vielleicht bedarf es der Sonne der Provence, um sich sorgenfrei zu entfalten? Gewiss ist irgendein unglückliches Missverständnis daran schuld, dass unsere Beziehungen sich abgekühlt haben, oder ein falsch beurteilter Vorgang, ein böses Wort, das mit zu großer Bereitwilligkeit aufgenommen worden wurde. Ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen; wenn man im Dreck herumwühlt, beschmutzt man sich die Hände.

Gleichviel, ich halte Dich immer noch für meinen Freund, was heißen will, dass ich Dich für unfähig halte, mich einer niedrigen Handlung zu bezichtigen, und annehme, dass Du mich wie früher schätzt. Sollte dem anders sein, würdest Du gut daran tun, Dich zu erklären und mir offen zu sagen, was Du mir vorzuwerfen hast. - Doch ich will Dir nicht etwa einen Brief mit Erklärungen schreiben. Ich will nur als Freund auf Deinen Brief antworten und ein wenig mit Dir plaudern, als habe Deine Reise nach Paris niemals stattgefunden...."

Emile Zola an Cézanne am 20.1.1882

Briefe wie diesen haben in allen Jahrhunderten Männer und Frauen geschrieben, wenn sie nicht verstanden haben, weshalb ein Band der Freundschaft bzw. der Liebe zerriss und wenn sie sich allein gelassen fühlten, weil der Freund oder der Geliebte keine Erklärung für sein Verhalten gab..... Nichts schmerzt mehr als dies.

1882 war der Bruch mit seinem Freund Zola noch nicht vollzogen aber der Brief zeigt deutlich, dass Trennungen immer ein Vorspiel haben. Leider will man das selten wahrhaben.

Nachdem ich heute Cézanne rezensiert habe, möchte ich begleitend zu diesem Buch Cézannes Briefwechsel empfehlen, weil diese Briefe die Persönlichkeit des Malers sehr gut darstellen. Diese Persönlichkeit kommt letztlich auch in seinen Gemälden und hier in den von ihm gewählten Farben und Motiven zum Ausdruck.

Die Briefe sind untergliedert in Jugendbriefe (1858-1870), in die Phase vom Beginn bis zum Bruch mit Zola ( 1872-1886) und seine Altersjahre, Briefe an junge Freunde , Briefe über Malerei.

Eine Reihe von Fotos illustrieren die schriftlichen Zeugnisse.

Am meisten hat mich der Briefwechsel zwischen Paul Cézanne und Emile Zola berührt und hier auch die Gedichte, die der junge Künstler an seinen damals besten Freund schrieb.

Bemerkenswert auch sind die Briefe an den Maler Pissaro, an Claude Monet und andere Malerfreunde. Alle diese Briefe machen deutlich, dass Paul Cézanne ein sehr reflektierter Mensch war, der übrigens sehr liebevoll und väterlich in seinen späten Jahren mit jungen Malerfreunden korrespondierte.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen