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Rezension: Der Flug der König

Der Roman des lateinamerikanischen Schriftstellers Tomas Eloy Martinez spielt im Journalistenmilieu Argentiniens während der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Dr. Camargo, der Protagonist, ist Chefredakteur einer bedeutenden argentinischen Zeitung, ein gefürchteter Intellektueller, der sich erfolgreich bemüht, politischen Ungereimtheiten und Korruptionsfällen jedwelcher Art nachzugehen und diese ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Der beruflich talentierte Mann verfügt in seiner Persönlichkeit allerdings über eine Fülle psychischer Schwachstellen, deren Ursachen, wie der Autor den Leser wissen lässt, in dessen Kindheit liegen. Camargo empfindet sich von seiner Mutter im Stich gelassen, nachdem diese sich von seinem Vater getrennt hat, ohne daraufhin Camargo in ihr weiteres Leben einzubinden. Dies kann der Sohn nicht verzeihen. Verraten fühlt er sich! Dennoch ist er sein ganzes Leben auf der Suche nach der großen Liebe seiner Kindheitstage.

Als Dr. Camargo an seinem Arbeitsplatz auf die begabte, junge Journalistin Reina Remis aufmerksam wird, verliebt er sich in sie und fördert ihre Karriere. Immer intensiver versucht er Reina in seinen Bann zu ziehen und sie dabei in jeder Hinsicht zu kontrollieren.

Doch Reina geht, ziemlich überstürzt, eine Beziehung zu einem kolumbianischen Journalisten ein. Beim Versuch mit Camargo zu brechen, entgleist dieser daraufhin psychisch und hat nur noch eines im Sinn: er will Reina zerstören, um sich ihr anschließend gönnerhaft zuwenden zu können. Ob seine perfide Strategie aufgeht, erfährt der Leser auf den letzten Seiten des Romans....!

Dr. Camargos Kontrollzwänge, deren tiefere Ursache, wie Martinez mutmaßt, Verlassenssängste sind, zeigen sich nicht nur in seiner Liebesbeziehung. Auch an seinem Arbeitsplatz agiert dieser Mensch nahezu psychopathisch und hat keine Probleme damit seine Macht zu missbrauchen, wenn es darum geht alles im Griff zu behalten.

Neben der Rahmenhandlung, in der sich der Autor unter anderem mit " machismo" und in dessen Folge eindringlich mit der Würde der Frau auseinandersetzt, befasst sich Martinez in diesem Buch außerdem mit Waffenhandel, den unzähligen Facetten von Korruption seitens der politischen Elite Argentiniens und den verheerenden Folgen für die Nation. Auch spricht der Autor die Mittel an, mit denen das Volk durch die herrschende Klasse manipuliert wird. Religiöse Täuschungsversuche sind in einem Land , in dem der Glaube eine zentrale Rolle spielt, eine Möglichkeit das Volk auf seine Seite zu ziehen. Wie der Autor bedeutet, macht der Präsident dieses Staates davon ungeniert Gebrauch.

Eine Besonderheit des Romans zeigt sich in der fortwährenden Duplizität von Ereignissen oder Personen. Durch diesen Kunstgriff scheint der Autor zeigen zu wollen, dass dies, was sich im Roman ereignet, überall und immer wieder geschehen kann.

Ein empfehlenswerter Roman, eines bemerkenswerten Schriftstellers!





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