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Rezension: Der Garten der Lüste

Durch kreatives Schaffen ein Fenster in freiere Gefilde

John Vermeulen spürt in seinem sehr spannungsreichen Roman dem Leben und Wirken des genialen Malers Hieronymus Bosch nach. Dabei bringt er die dunkelste Phase Brabants,- die Zeit der Inquisition unter Federführung des krankhaft verblendeten Inquisitors Jakob Sprenger-, dem Leser nahe und macht auf diese Weise begreifbar, unter welch' permanenter Furcht die Bevölkerung Brabants und damit auch der dort ansässige Maler gelitten haben mögen.

Bosch verarbeitet seine Furcht in seinen Werken, in denen er, symbolisch verbrämt,scharfe Kritik an der Doppelmoral und dem Machtmissbrauch der katholischen Kirche übt, nicht zuletzt indem er die unzähligen Untiefen ihrer bigotten Vertreter breitgefächert visualisiert. Gezeigt wird das Abnorme, das zur Norm geworden ist!

Als Humanist ist Bosch Personen wie Erasmus von Rotterdam geistig verwandt und um diese Verwandtschaft zu verdeutlichen, lässt der Autor die beiden Personen in seinem Roman in einen höchst interessanten Dialog miteinander treten.

In der Zeit der absoluten Unterdrückung des Individuums seitens der Kirche erwirkt Hieronymus Bosch durch sein kreatives Schaffen ein Fenster in freiere Gefilde. Dieser Ausblick ist der allgegenwärtigen Inquisition allerdings ein Dorn im Auge. Nur aufgrund erfolgreicher Intervention einflussreicher Kunstliebhaber/innen, wie beispielsweise Anna von Bretagne, gelingt es diesem eigenwilligen Künstler sich dem pausenlos drohenden Scheiterhaufen zu entziehen und der Nachwelt, aufgrund dieses glücklichen Umstandes, ein wunderbares Werk zu hinterlassen, welches John Vermeulen in seinem Roman vortrefflich zu beschreiben weiß.





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