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Rezension: Wellen

Irgendwo an der Kurischen Nehrung

Der Ort der Handlung dieses feinsinnig - melancholischen Romans ist ein Fischerdorf im ehemaligen Ostpreußen.

Dort lebt zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die attraktive Gräfin Doralice.

Sie hat ihren wesentlich älteren Gatten - einen Diplomaten- verlassen, um mit dem jungen, ungestümen Maler Hans Grill ein neues, freieres Leben zu beginnen.

Das Fischerdorf ist auch der Platz, den sich eine adelige Großfamilie als Sommersitz ausgesucht hat.

Doralice wird von diesem Clan zunächst gemieden, weil sie sich nicht den Konventionen gemäß verhält und mit ihrem abtrünnigen Tun die alte Ordnung in Frage stellt.

Die junge Adelsgeneration nimmt allerdings heimlich Kontakt mit der ausgegrenzten Gräfin auf, fühlt sich von der Schönen angezogen, wodurch unbeabsichtige Turbulenzen entstehen.

Die Folgen sind für alle ziemlich düster.....

Eduard von Keyserling beschreibt das Auflösen einer untergehenden Epoche und damit einhergehend die Lockerung rigider, gesellschaftlicher Wertvorstellungen.

Freiere Lebensformen werden diskutiert und die Künstler , stellvertretend der Maler Hans Grill, als Wegbereiter der notwendigen Veränderung präsentiert.

Wie verwirrend das Neue auf die Menschen wirkt, zeigt sich im Widersprüchlichen Verhalten Doralices.

Das Meer in seiner Veränderlichkeit spiegelt die Gefühlslage der Personen im Roman.

Sprache und Erzählvermögen dieses Autoren sind brillant.

Mann taucht in die gekonnt-strukturierten Sätze Keyserlings ein und lässt sich von seinen Worten davontragen, wie von Wellen im Meer.

Ein schöner Roman!




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