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Rezension : Der letzte Alchemist

Ein Dorn in den Augen der Kirche und der Könige
Der australische Wissenschaftler Iain Mc Calman befasst sich im vorliegenden Buch mit Giuseppe Balsamo alias Graf Cagliostro. Walter Benjamin nannte diesen Mann den " letzten wahren Alchemisten, ein Phantom der Irrationalität." Als Suchender, Mystiker, Alchemist und Wunderheiler, aber auch als Scharlatan und Betrüger erlangte Cagliostro in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Berühmtheit in ganz Europa. Der Autor führt den Leser zurück zu den Wurzeln dieses Mannes : nach Sizilien.

Dort wird er als Sohn nicht begüterter Eltern 1743 geboren. Aufgrund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz, die sich offenbar mit betrügerischer Energie paart, gelingt ihm der Absprung aus vorgezeichnet ärmlicher Bahn. Er reist nach Nordafrika und hält sich eine Zeitlang auf Malta auf. Von den Malteser-Rittern erlernt er mancherlei über Medizin, Chemie sowie Pharmazie und eignet sich Fertigkeiten als Kopist und Dokumentenfälscher an. Gemeinsam mit seiner jungen, bildhübschen Frau - Serafina-, einer Römerin, sucht er an den europäischen Höfen sein Glück und erinnert in vielem an einen anderen zeitgenössischen Glücksritter: Casanova. Da seine materiellen Möglichkeiten am Anfang seiner Karriere nicht immer zufriedenstellend sind, setzt er Serafina als Geldbeschafferin ein. Die kokette Lebedame zieht gekonnt, wohlsituierten Herren Scheine aus der Tasche.....

Über Südfrankreich gelangt Cagliostro nach England, schließt sich dem Geheimbund der Freimaurer an und erreicht mit diesbezüglichen Empfehlungsschreiben im Gepäck, Kurland und bald danach St. Petersburg. Als Seher, Wunderheiler und Alchemist macht er von sich reden und verärgert so die durch Voltaire und Diderot aufgeklärte Katharina die Große. Die Zarin erblickt in Cagliostro, vor breitem Publikum dargebotenen Mystizismus, subversive Machenschaften gegenüber dem Staat und verweist ihn des Landes. Über Polen gelangt der selbsternannte Graf nach Straßbourg, dem damaligen Mekka des Mystizismus. Hier wird er von seinen Logen-Brüdern herzlich empfangen und finanziert.

Er kümmert sich erneut um die Heilung von Kranken und zieht sich den Zorn der arrivierten Ärzte zu. Diese verunglimpfen ihn als Scharlatan. Aber nun steht Cagliostro bereits unter dem Schutz von Kardinal Rohan, der später gemeinsam mit ihm und Jeanne de la Motte in die berüchtigte " Halsbandaffäre " verwickelt wird, an deren Ende dann die französische Revolution steht. Cagliostro, den man aufgrund der Vorkommnisse in der Bastille gefangen hält- er sieht überhaupt häufig europäische Gefängnisse von innen - wird freigesprochen. Jetzt noch berühmter und bejubelter, muß er aber dennoch das Land verlassen und hält sich in der Folge zunächst bei den Freimaurern in England und später auf Betreiben seiner Frau in Rom auf. Dort gerät er in die Hände der Inquisition und stirbt im Alter von zweiundfünfzig Jahren hinter den dicken Mauern von San Leon.

Der Leser des Buches wird nicht nur über das turbulente Leben des Grafen Cagliostro in Kenntnis gesetzt, sondern erfährt vieles über freimaurerische Symbolik, Ritualistik und Ethik, sowie die Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Freimaurer-Logen. Von anderen Geheimbünden, wie etwa den Rosenkreuzern oder den Illuminaten ist ebenfalls die Rede, wie auch von der , in diesen Geheimbünden ausgeübten Esoterik, die im krassen Gegensatz steht zu den Idealen der Moderne.






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