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Rezension: Die geheimen Spielregeln der Macht

In der Welt, in der wir leben, führen alte Durchsetzungsstrategien nicht zum Erfolg.

Die Welt, in der wir leben, kennzeichnet sich laut Christine Bauer-Jelinek, der bekanntesten österreichischen Wirtschaftsberaterin, durch einen Paradigmenwechsel.

Die Werte des Neoliberalismus haben den so genannten alten Werten den Rang abgelaufen, was dazu führt, dass Personen, die sich mit diesen neuen Werten nicht vertraut machen, erhebliche Probleme bei Durchsetzung ihrer Ziele haben.

In vorrangegangen Jahrzehnten, den Zeiten der Vollbeschäftigung, zeigte sich der Staat " liberal" und " sozial" zugleich. In dieser Phase entstanden verschiedene ideologische Strömungen, so etwa solche, die die Methoden zur gewaltfreien Kommunikation oder die Emanzipation der Frau erfolgreich vorantrieben, nicht zuletzt entstand damals auch die Ökologiebewegung.

Die Prinzipien der Verteilungsgerechtigkeit hielten seinerzeit auch in der Wirtschaft Einzug.

Nach der Wende allerdings kam es zu einem schleichenden Paradigmenwechsel, der sich durch die Globalisierung in den Werten des Neoliberalismus manifestiert hat.

Werte wie Solidarität und Fürsorge haben jetzt an Bedeutung verloren. Die Gewichtung des Individuums nimmt immer mehr zu, während jene der Gemeinschaft abnimmt.

Die neuen Tugenden heißen Eigenverantwortung, Ehrgeiz, Selbstvermarktung und Flexibilität.

Personen , die sich den neuen Werten verschließen, geraten leicht ins Hintertreffen, werden Opfer der neuen Machtgestalter.

Die Autorin spricht in der Folge von " Gutmenschen" und " Geldmenschen" , ohne die Begriffe zu werten. Sie nutzt sie ausschließlich als Definionsgrundlage. Diese beiden Menschtypen stehen sich ideologisch derzeit gegenüber,- mitunter sind sie sogar in ein und derselben Person auszumachen-. Bauer Jelinek hält fest, dass sie in Machtkämpfen aufgrund ihrer unterschiedlichen Wertmuster nicht auf gleicher Augenhöhe die mitunter notwendigen Auseinandersetzungen führen können und zeigt dieses Phänomen detailliert auf.

Probleme entstehen bereits für einen "Gutmenschen" dann, wenn er sein eigenes Verhalten als Machtanspruch oder Kampfansage erkennen soll.

Er ist in der Regel nicht imstande den Machtbegriff im Zusammenhang mit individuellen Strategien zu begreifen, sondern ordnet ihn ausschließlich politischen und ökonomischen Systemen zu.

Der Machtbegiff wird augenscheinlich von "Gutmenschen" im Zusammenhang mit der Verfolgung persönlicher Ziele tabuisiert.

Akzeptabel ist allerdings der Kampf des Kollektivs gegen den Kapitalismus, der Arbeitnehmervertreter gegen die Industrie, der Frauen gegen das Patriachat, der Friedensbewegung gegen die Kriegstreiber.

Bauer-Jelinek zeigt auf , dass auch "Gutmenschen" individuell Macht ausüben, hier aber die Kampftechniken verdeckt sind. Bevorzugtes Machtinstrument ist das " Opfertum ", das das Gegenüber nicht selten so weit bringt, dass es aufgrund von Schuldgefühlen schließlich kapituliert. Eine andere Methode besteht darin die Werte des Gegenübers anzugreifen und abzuqualifizieren.

Bei böswilligen Intrigen und systematischer Verfolgung reagiert ein "Gutmensch" aufgrund von mangelnder Machtkompetenz in der Regel mit Selbstzerstörung, weil er nicht gelernt hat strategisch Eskalationstechniken einzusetzen.

Der persönliche Wertekanon der "Geldmenschen" stimmt momentan mit dem herrschenden System überein. Alles was ein "Geldmensch" denkt, tut und produziert muss laut Bauer-Jelinek einen Marktwert haben und wettbewerbsfähig sein. " Es muss sich rechnen."

"Geldmenschen" können sich selten den Luxus einer persönlichen Ethik leisten, weil sie meist gezwungen sind pragmatische Entscheidungen zu treffen. Ihr System macht taktisches Vorgehen , Fassaden-Techniken, geheime Seilschaften, Intrigen oder Angriffe aus dem Hinterhalt erforderlich. Kampf ist hier der Dauerzustand.

Wer eine Spitzenposition in einer Hierarchie erreichen möchte, schafft dies laut der Autorin nicht durch Fleiss oder operative Höchstleistung , sondern allein durch Machtkompetenz.

Den bevorzugten Machtstrategien der "Gutmenschen", wie etwa Moralisieren, Missionieren, Emotionaliseren, Psychologisieren, Solidarisieren oder gar Verzichten stehen die Strategien der Geldmenschen " Speed and Splash"( hier wird der Gegner vor vollendete Tatsachen gestellt, bevor er merkt worum es überhaupt geht), " Storytelling and Selling", ( es werden Geschichten erzählt, Statussybole geschickt platziert, die beim Gegenüber den Eindruck entstehen lassen eine gute Entscheidung getroffen zu haben, selbst wenn er Nachteile hat) und " Facts and Figures" ( mit Zahlen, Studien, Statistiken wird die Monetarisierung des Tuns begründet und als notwendig dargestellt)gegenüber.

In der Folge stellt die Autorin Betrachtung im Hinblick auf authentisch-ehrliches und authentisch- glaubwürdiges Verhalten an . Sie weist darauf hin , dass sich heute mit authentisch -glaubwürdigem Verhalten mehr erreichen lässt als mit authentisch-echtem .

Sie wirbt allerdings nicht für die erfolgreichere Variante, sondern zeigt sie nur auf, macht sie transparent.

Sie macht aber auch deutlich , dass Personen , die im Job authentisch-glaubwürdig agieren , mit der Zeit große Probleme in ihren Herzenbeziehungen bekommen können, weil sich besagtes Verhaltensmuster einschleift und man privat schließlich irgendwann ebenso zu Inszenierungen neigen könne, wie im Job.

Bauer- Jelinek stellt dar, welche Wege man beschreiten soll, um in der " schönen neuen Welt" nicht überbarbiert zu werden.

Sie resümiert, dass man sich folgende Sätze einprägen und danach handeln möge:

-Ich weiß, was ich will und verfolge mein ursprüngliches Ziel mit Nachdruck.

-Ich lasse mich selbst durch Verlockungen und Täuschungen nicht davon abbringen, habe aber Kompromissvorschläge vorbereitet.

-Ich reagiere nicht moralisch, sondern nehme die Sache sportlich.

-In Leistungsbeziehungen der " schönen neuen Welt" geht es um eigenen Nutzen.

-Wenn ich mich mit friedlichen Mitteln nicht durchsetze, bin ich auch bereit zu kämpfen

-Bedingungsloses Vetrauen und Gemeinsamkeit lebe ich in Herzensbeziehungen.

In einem weiteren Kapitel setzt sich Bauer-Jelinek mit der Struktur von Hierarchien auseinander, denen man in der Wirtschaft mittlerweile weniger skeptisch gegenübersteht als noch vor einigen Jahren.

Aus strategischen Gründen allerdings wird der Begriff verschleiert.

" Stab" und " Linie" werden durch " Netzwerkstrukturen" begrifflich ersetzt" ." Rapport" und " Bericht" mit Unternehmenskommunikation umschrieben.

Die Autorin zeigt, wie natürliche Hierarchien( Familiensysteme und Kompetenzsysteme), aber auch wie konstituierte Hierarchien funktionieren.

Darauf hingewiesen wird, dass im klassischen System andere Strukuren notwenig sind als im globalisierten.

Wer nach oben will, so die Wirtschaftberaterin, benötigt neben einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein auch die Bereitschaft zu Selbstdarstellung, in erster Linie wohl aber den Willen zur Macht, der sich ergibt aus einem starken Bedürfnis nach Gestaltung und Einflussnahme.

Bauer-Jelinek ist der Ansicht, das Gutmenschen auch heute noch das Potenzial haben die herrschenden Machtverhältnisse zu verändern. Allerdings ist es unabdingbar , dass alte Strategien überdacht werden und in konkreten Situationen auf die Strategien der Geldmenschen mit den geeigneten Gegenstrategien geantwortet wird.

Ein sehr erhellendes Buch. Empfehlenswert!






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