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Rezension: Kunstdruck- Andreas Felger- Zeitraum-

"Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde/ uns neuen Räumen jung entgegen senden" (Hesse)
Dieser sehr hochwertige Kunstdruck (60x50cm) zeigt ein Werk von Andreas Felger, der einst an der Akademie der Bildenen Künste in München studierte. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, begegnen sich in seinem künstlerischen Werk, Natur, Musik, Religion und Geschichte.

Was will der Künstler uns mit diesem Bild sagen? Das Bild wird von blauen Zaunlatten dominiert. Der angezeigte Sonnenstand deutet darauf hin, dass das Werk um die Mittagszeit entstanden ist. Der Betrachter dürfte zwar grundsätzlich angetan sein von den hübschen, blauen Farbtönen, möchte aber vermutlich wissen, was sich hinter den Latten befindet. Ist es das Paradies?

Dort wo die blauen Latten zu sehen sind, ist ein Zeitraum abgeschlossen und ein neuer beginnt. Unsere Aufgabe ist es, diesen Zaun zu überwinden. Verharren wir unverichteter Dinge vor dem Zaun, wird das Leben möglicherweise eintönig. Bringen wir allerdings den Mut auf, über den Zaum zu klettern, erwartet uns das Neue, von dem wir nicht wissen, ob es anders ist, aber es könnte anders sein, vielleicht sogar besser.

Ich finde, dass der Kunstdruck mit Hesses Gedicht "Stufen" hervorragend harmoniert und es eine Überlegung wert ist, ihm, matt-silberfarben gerahmt, einen weiteren Rahmen mit Hesses Gedicht beizugeben.

Stufen

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)




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