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Rezension: Liebesgedichte- Mörike

Das Liebeserlebnis bei Eduard Mörike erscheint zumeist im Spiegel der Erinnerung, was einem Versuch gleichkommt, den Ansturm der Zeit auszuweichen in einen Lebenskreis, der von diesem Ansturm bewahrt bleibt. Hübsch ist die Zierlichkeit seiner Verse. Seine Liebeslyrik erscheint geradezu von zeitlosem Wert. Seine Verse sind nicht selten ein Bekenntnis des Schönen. Man erkennt allerdings in allen Zeilen, dass Mörike sich zu keinem ideologischen Engagement bekennen möchte. Zum Teil merkt spürt man, dass der Dichter die Welt abwehren möchte und sein lyrisches Ich zurückzieht. Eine Noli-me-tangere-Mentalität ist hier nicht von der Hand zu weisen.

Alle Liebeslyrik ist bei Mörike weitgehend mit dem Thema der Freundschaft verbunden. Insofern ist Freundschaft ein sozial vermitteltes individual-psychologisches Phänomen. Bei Mörike erhält es eine sozial-psychologische Dimension.

Einerseits ist der Freundschaftskult bei Mörike zwar vom 18. Jahrhundert her bedingt, andererseits enthält er aber Momente, wie die neue Liebe zu dritt, wobei die Dreiergruppe, die von Mörike buchstäblich gelebt wurde, eine Art familiäres Ersatzmilieu darstellt und Probleme der Gruppenemotion aufwirft.
Hier ein Beispiel für Mörikes lyrisches Können:
Nimmersatte Liebe
So ist die Lieb! So ist die Lieb!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?

Und schöpfst du an die tausend Jahr,
Und küssest ewig, ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.
Die Lieb, die Lieb hat alle Stund

Neu wunderlich Gelüsten;
Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh,

Wie's Lämmlein unterm Messer;
Ihr Auge bat: nur immer zu,
Je weher, desto besser!
So ist die Lieb, und war auch so,

Wie lang es Liebe gibt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.

Die im Buch zusammengetragenen Liebesgedichte halte ich alle für sehr lesenswert.










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