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Rezension: Lob der Disziplin- Dr. Bernhard Bueb

Je früher man lernt seinen inneren Schweinehund zu besiegen, desto besser

Dr.Bernhard Bueb leitete von 1974 - 2005 die Internatsschule Schloss Salem.

In seinem vorliegenden Buch befasst er sich nicht zuletzt mit der Frage, weshalb viele Kinder und Jugendliche heute den inneren Halt verloren haben. Er konstatiert, dass Lehrer und Eltern in ihrer Erziehung keine klaren Regeln mehr vorgeben und genau dadurch junge Menschen zutiefst verunsichert sind.

Dieser Erziehungsnotstand sei die Ursache für den derzeitigen Bildungsnotstand , so der Autor.

Für den erfahrenen Pädagogen stellt Disziplin die Grundlage der Erziehung dar, deren Ergebnis Selbstdisziplin sein sollte. Diese wiedrum ist die notwendige Voraussetzung um sich Bildung konsequent anzueignen.

Wer einen Heranwachsenden disziplinieren möchte, kann dies nur mit Humor, Güte , moralischer Integriät und Kompetenz erreichen. Nur derjenige, der über wirkliche Autorität verfügt, ist in der Lage junge Menschen zu erziehen. Wer bloße Macht ausübt, scheitert als Lehrender bei seinen eigentlichen Aufgaben.

Kinder und Jugendliche benötigen ein gewisses Maß an innerer und äußerer Ordnung, um ihr seelisches Gleichgewicht zu stabilisieren. Bueb ist davon überzeugt, dass eine Laisser-faire-Haltung in der Erziehung der Grund allen Übels ist. Er mahnt Konsequenz in der Erziehung an. In diesem Zusammenhang beleuchtet er die Wechselwirkung von Gerechtigkeit und Strafe. Die sogenannte " Notenpeitsche" ist in den Augen Buebs ein ungeeignetes Mittel um Unpünktlichkeit, Respektlosigkeit, Faulheit und Störungen verschiedenster Art in Grenzen zu halten, denn Noten sollen die Leistung eines Schülers bewerten und nicht sein Verhalten. Regeln gut funktionierender Interaktion müssen erlernt werden. Dies sollte spielerisch geschehen. " Wer begabt ist und noch dazu das Glück hat, durch Erziehung zur Selbstdisziplinierung zu finden, um die eigene Begabung entfalten zu können, dem steht die Welt offen", resümiert der nachdenkliche Autor.

Nach der Lektüre dieses Buches ist klar ,weshalb gelungene Erziehung(= der Zögling hat die Fähigkeit der Selbstdisziplin erworben) den Egoismus des Menschen relativiert und den Gemeinsinn fördert.

Ob hierarchische Internatstrukturen, bei denen Mitschüler als privilegierte Kontrollorgane fungieren, dabei sinnvoll sind, sei dahin gestellt. Mich überzeugt dieser Gedanke in Buebs ansonsten vortrefflicher Analyse nicht.

Empfehlenswert.





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