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Rezension: Über die Liebe: Ein Symposion

In der wahren Liebe gelingt es den Liebenden, ineinander den einen Menschen zu erkennen, dem sie sich rückhaltlos öffnen, dem sie sich ganz mitteilen, dem sie sich um seiner selbst willen zuwenden können.......

Das vorliegende Buch, Ergebnis eines Symposions, das sich inhaltlich sehr differenziert mit den Begriff der Liebe auseinandersetzt, ist eines der besten Bücher, welches ich in diesem Jahr gelesen habe. International renommierte Vertreter der Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie und der Anthropologie gehen der Frage nach, was Liebe eigentlich ist.

Ganz zu Ende des Buches resümiert Dr. H. Meier : - Die Liebe ist eine Macht , die Staatsgrenzen und Klassenschranken, ethische und konfessionelle Barrieren überwindet, der weder Gesetze noch Gebote gewachsen sind, die Meinungen und Vorurteile abzuschütteln versteht. Sie hat eine solche Gewalt , dass wir sobald wir mit ihr in Berührung kommen und selbst unter ihrem Einfluss stehen , mit unmittelbarer Deutlichkeit gewahr werden, wie viel archaisches in unser Leben hineinragt, das sich sozialer Kontrolle, religiöser Bezähmung politischer Herrschaft widersetzt; wie wenig unsere Empfindungen , unsere Sehnsüchte, unser Denken in Konventionen, in kulturellen Errungenschaften oder in einer gegebenen historischen Konstellation ihr Genüge finden; wie sehr wir , mit einem Wort unbeschadet aller gesellschaftlichen Prägung und alles geschichtliches Wandels natürliche Wesen geblieben sind. Die Liebe ist der Ort , an dem wir am nachdrücklichsten erfahren können, dass wir in unserer Zeit nicht aufgehen, dass es etwas gibt, das nicht zu uns gehört.-

Im Buch nimmt die Erörterung des Themas Liebe in der Malerei und in der Literatur einen breiten Rahmen ein. Anhand vieler Romane und Gedichte wird gezeigt, wie das Gefühl in Sprache umgesetzt und anhand von Gemäldeabbildungen visuell für den Betrachter erkennbar werden kann.

Die Wissenschaftlerin Helen Fischer reflektiert die Begriffe Lust , Anziehung und Verbundenheit und referiert über die drei Gehirnsysteme für die Liebe.

Die Lust- sprich der Sexualtrieb- ist durch heftiges Verlangen nach sexueller Belohnung gekennzeichnet. Der Sexualtrieb entwickelt sich in erster Linie um sich mit i r g e n d e i n e m Mitglied der eigenen Art sexuell zu vereinigen.

Das System der Anziehung( leidenschaftliche Liebe) ist charakterisiert durch gesteigerte Energie und konzentrierte Aufmerksamkeit für einen bevorzugten Geschlechtspartner. Beim Menschen geht Anziehung mit Emotionen der Hochstimmung einher, mit intensivem Nachdenken über das Liebesobjekt und ebensolch intensivem Verlangen nach gefühlsmäßiger Vereinigung mit einem bestimmten oder einem potentiellen Partner .

Das System der Verbundenheit ist durch das Gefühl der Ruhe, der Sicherheit des Behagens und des gefühlsmäßigen Einseins gekennzeichnet. Die Autorin zeigt die Interaktion zwischen Lust, Anziehung und Verbundenheit und verdeutlicht , dass die Gefühlssysteme bei jedem Menschen verschieden ausgeprägt sind und im Laufe des Lebens eine unterschiedliche Gewichtung aufweisen können.

Sehr interessant sind Fischers Ausführungen zur romantischen Anziehung, die wohl zumeist nur vorübergehend ist, es sei denn man sieht sich nur sehr selten, dann kann eine Romanze sehr lange andauern und den Serotoninspiegel viel länger als 18 Monate nachweisbar oben halten.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der romantischen Liebe, der Vorschriftsheirat und den Determinanten der Partnerwahl und zeigt , dass in 148 von 166 Gesellschaften weltweit das Vorkommen von romantischen Liebesgefühlen und entsprechenden Verhaltensweisen, von denen man lange annahm , dass sie eine Hervorbringung der verfeinerten westlichen Zivilisation darstellten, durchaus ebenso vorhanden sind.

Romantische Liebe wird in unserer Gesellschaft grundsätzlich positiv bewertet. Das war nicht immer so, wie Beispiele der Literatur aus vergangener Zeit dokumentieren. Die romantische Liebe endete nicht selten tragisch, so etwa bei Anna Karenina, bei der Kameliendame, auch bei Romeo und Julia, bei Hero und Leander, etc. etc.

Bemerkenswert auch die Beiträge zur Dialektik des Eros bei Sokrates und Platon, der Liebe im Decameron des Boccacio und der Liebe des Tristan und Lancelot im 12/13. Jahrhundert.

Peter von Matt diskutiert den Absolutismus der Liebe in Goethes Wahlverwandtschaften und Ulrich Pothast schließlich den hochinteressanten Zusammenhang zwischen Liebe und Unverfügbarkeit.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, angereichert auch mit Textstellen aus Romanen und Gedichten, wie etwa diesem:

Was ich hab`
dir möcht`ich es geben
Was ich bin
dir will ich es sein
Was mir fehlt
du fügst es zum Ganzen
War ich ein teil
mit dir bin ich Eins.

Sehr empfehlenswert!








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