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Rezension: Vesper, Ensslin, Baader

Die 68 er Revolte ein Nachbeben der NS-Zeit

Der Autor setzt sich detailliert mit den Hintergründen der 68 er Revolte und in der Folge mit dem fortschreitenden Radikalisierungsprozess der Hauptakteure auseinander.

Ausgelöst durch eine weltweite , breitgefächert motivierte Freiheitsbewegung, sowie die unsäglichen Massaker gegenüber vietnamesischen Frauen und Kindern und diesbezüglich einseitig konservativer Berichterstattung, entschied sich eine Gruppe von Akteuren dazu, Gegengewalt als legitimes Mittel für den diesbezüglichen Widerstand zu bejahen. Durch diese fatale Entscheidung fand die unheilvolle Kriminalisierung junger idealistisch denkender Personen statt.

Wer waren diese Menschen? Aus welchem sozialen Umfeld entstammten sie? Am Beispiel von Vesper, Ensslin und Baader wird deutlich, dass es sich um junge Frauen und Männer mit gebrochenen Charakteren handelte, denen man im Grund hätte rechtzeitig helfen müssen zu sich selbst zu finden, anstelle sie in der Welt der Gewaltphantasien und Drogen allein zu lassen. Doch Verständnis war von der damaligen Erwachsenengeneration selten zu erwarten. Zu tief griffen hier in der Regel, die während der NS-Zeit erlernten Mechanismen von Befehl und Gehorsam, zu groß war die Ignoranz gegenüber allem Psychologischen und Intellektuellen. So zeigt sich am Beispiel Bernward Vespers, Verfasser des damaligen Kultbuches " Die Reise" und seinen im Grunde missglückten Abnablungsversuchen von seinem, in das Nazi- Regime verstrickten Vater sehr deutlich, dass Verständnis von seiten der vorangegangenen Generation zumeist nicht zu erwarten war.

Ob nun mit Nazi-Vater konfrontiert, ode, wie Baader aufgrund des Krieges vaterlos aufgewachsen, überall wirkte die Vergangenheit nach, bedingte Rückwärtsgewandtheit, sogar im Hause des evangelischen Pfarrers Ensslin, was für die spätere Radikalisierung der pietistisch- protestantisch erzogenen Pfarrerstochter ein nicht unentscheidender Faktor war. Das Verhältnis der Kriegs- und Nachkriegsgeneration bedingte, so Koenen, Phobien und Feindbilder, Einstellungen und Ressentiments, die merkwürdigerweise dazu führten, dass die Älteren und Jüngeren sich wieder verblüffend ähnelten. Der untragbare Terror der RAF war letztlich eine Spätfolge des unsäglichen Nazi-Terrors. Hier trafen zwei Generationen aufeinander, bei denen an Konsens nicht zu denken war, zu viel Ungeklärtes lag zu diesem Zeitpunkt noch zwischen ihnen.

Genau dieses Ungeklärte wird in dem vorliegenden Buch erhellt und lässt den Leser die so genannte 68 er Revolte vielleicht in einem etwas anderen , wenn nicht sogar in einem neuen Licht erscheinen.





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